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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Neumeister in München

Schreihals



Wenn dieses Bild Töne von sich geben könnte, wäre es vermutlich kaum zum Aushalten: Mit geballten Fäusten, hochrot der Kopf vor Anstrengung, die Augen böse zusammengekniffen und der Mund weit geöffnet, bringt der kleine Balg seinen Unmut über etwas zum Ausdruck, was vermutlich nur er selbst wirklich versteht. Jedenfalls ist es nicht das kleine niedliche Baby, das sich die meisten Eltern wohl wünschten. Otto Dix aber, der sein zweites Kind „Ursus im Steckkissen“ 1927 kurz nach dessen Geburt auf Karton bannte, ging es gar nicht um Schönheit: Dieses Kind ist einfach, wie es ist, und vielleicht spiegelt sich in dem kleinen Schreihals auch ein bisschen von seinem Vater wider, der in seinem bisherigen Leben oft genug Grund hatte oder fand, aufzubegehren und wütend zu werden. Inzwischen war der Expressionist freilich etwas ruhiger geworden, und auch der Stil seiner vielseitigen Malerei hatte sich gewandelt: Fast altmeisterlich wirkt die Mischtechnik, zumal mit ihrem großen Monogramm samt Datierung in der rechten oberen Ecke. Neuerdings aus süddeutschem Privatbesitz wieder aufgetaucht, ist das Bild mit einer Schätzung von 150.000 bis 200.000 Euro einer der Höhepunkte der ausgewählten Werke von „Neumeisters Moderne“.


75 Werke aus dem 20sten Jahrhundert hat das Münchner Auktionshaus für die erste Nachmittagssitzung der Versteigerung am 23. Mai zusammengestellt. Für das qualitätvolle Programm ist eine untere Gesamtschätzung von knapp 1,6 Millionen Euro ausgegeben. Von Otto Dix hat das Unternehmen noch zwei weitere kapitale Stücke im Programm: zum einen das annähernd gemäldehaft ausgearbeitete Tuschfederaquarell „Zirkusszene (Reitakt)“ von 1923, das einst dem 1997 ermordeten Modeschöpfer Gianni Versace gehörte und im Mai 2005 auf dessen Nachlassauktion bei Sotheby’s in New York angeboten wurde, zum anderen das 1948/49 nach dem Ende der inneren Emigration während des Nationalsozialismus entstandene und entsprechend farbenfrohe Ölbild „Felder mit See und Steckborn“. Letzteres soll 70.000 bis 90.000 Euro kosten, die expressionistische Papierarbeit 190.000 bis 220.000 Euro.

Als äußerst genügsam entpuppt sich Alexander Kanoldt 1916 in einem Ölbild auf kleiner Malpappe: Lediglich einige Bücher hat er dort zu einem lockeren Stillleben gruppiert und aus so großer Nähe aufgenommen, dass Platz für andere Accessoires oder die räumliche Umgebung gar nicht bleibt. Auf der Rückseite findet sich eine rasch skizzierte Baumgruppe (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Obst und Eier bildeten das Repertoire für ein Stillleben, das Max Slevogt 1925 auf einer etwas tristen grauen Steinfläche arrangierte und vermutlich in einer Zigarrenlänge heruntermalte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zwei Jahre später datiert ein Stillleben mit Blumenvase und Porzellanfigur des Belgiers Léon de Smet. Vor fünfeinhalb Jahren war diese achtzig Zentimeter breite Leinwand einmal bei Sotheby’s in New York und danach schon auf dem deutschsprachigen Auktionsmarkt häufiger zu Besuch, nun soll sie bei Neumeister 28.000 bis 33.000 Euro einspielen. Um dieselbe Zeit dürfte Lesser Ury seine „Allee im Tiergarten“ gemalt haben. Das unverwechselbare Pastell mit dem reichen Licht- und Schattenspiel ist mit 60.000 bis 80.000 Euro ausgezeichnet.

Zu den eher selteneren Gästen auf Auktionen zählt Otto Lais: Seine „Tagträumerin“ von 1931 stellt sich wohl gerade den gewaltigen Männerkopf vor, der hinter ihr aufragt. Stilistisch ist das stark brauntönige Ölbild irgendwo zwischen den Bildnissen Otto Dix’ und den holzschnittartigen Figuren eines Karl Hofer einzuordnen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Mit der Distanziertheit der Neuen Sachlichkeit hat Tsuguharu Foujita 1924 seinen liegenden Akt „Portrait de femme en buste“ gezeichnet (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Georg Tappert will mit seiner „Halbbekleideten sitzenden Betty“ um 1911 den Betrachter noch deutlich mehr mitreißen (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Als klassischer Landschaftsmaler in traditionellen Bahnen betätigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg Max Peiffer Watenphul in seiner „Landschaft bei Sorrent“ von 1955 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und einer gleichfalls zart hingehauchten „Landschaft in Sizilien“ von 1962 für 18.000 bis 20.000 Euro. Unter den Grafiken sind Lyonel Feiningers ausgesprochen seltene Radierung „Masken“ von 1911 auf auffallend dunkelgelbem Bütten (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) und Karl Schmidt-Rottluffs kontrastreicher kantiger Holzschnitt „Villa mit Turm“ von 1911 für 14.000 bis 16.000 Euro zu nennen. Aus Italien tritt Giorgio Morandi mit seiner stillen Radierung „Natura morta con nove oggetti“ von 1954 hinzu (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Nicht sehr zahlreich sind abstrakte Positionen wie Fritz Winters recht spartanische „Konstruktion mit Blau“ von 1951 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und „Merlins Zauber“, in dem Bernard Schultze 1985 die informelle Wildheit seiner früheren Schöpfungen in eine lyrische Ruhe übertrug (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Surreal mutet Johann Georg Müllers „Morgen“ an, der als ein buntes, aber perspektivisch schwer fassbares Ding einen violett-roten Raum beherrscht (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Über einen ganz eigenen Zugriff auf die malerischen Mittel verfügten die Mitglieder der Gruppe „Spur“, wobei ihnen eine gewisse Schrillheit eignet. Heimrad Prems „Evi“ von 1961 (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR) und sein auf die erogenen Zonen reduzierter Frauenakt „Rothaarig“ von 1976 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) sowie Lothar Fischers überlängte, schlanke Bronzefigur „Judith“ aus dem Jahr 1988, von der nur das Schwert und das Haupt des Holofernes abstehen, sind exemplarisch für diese Richtung (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Recht bunt gemischt ist die Offerte zeitgenössischer Kunst. Da finden sich so unterschiedliche Positionen wie Horst Antes’ anderthalb Meter breites „Mauerbild IV“ mit Nasenfigur Hand und einem Vogel von 1966 für 70.000 bis 80.000 Euro oder eine statische Farbflächenkomposition in Rot, Orange und blassem Grau-Blau, die Imi Knoebel als „Porträt“ ansieht (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Neobarocke Opulenz lässt Markus Lüpertz 1984 in seiner „Frau mit blauem Grauen“ aufleben. Motivisch scheint allerdings eine „Odalisque“ des Klassizisten Jean-Auguste-Dominique Ingres Pate gestanden zu haben (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), ähnlich wie bei Lüpertz’ Landschaft „Die Kühe“ von 1985/86 ein Bild Jean-Baptiste Camille Corots (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Seinem guten Ruf als Anbieter relativ junger Positionen macht Neumeister unter anderem mit Thomas Grünfelds Assemblage „Misfit III“ von 1989/91 mit einem ausgestopften Mischwesen zwischen Iltis, Kaninchen, Reh und Fasan (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) und Susanne Rottenbachers LED-Regenbogenleuchtbild „my spectrum has 8 pieces III“ von 2009, das für 5.000 bis 7.000 Euro zur Diskussion gestellt wird. Ein regelmäßiger Bestandteil des Programms bei Neumeister sind die menschenleeren weißen Räume des gebürtigen Leipzigers Ben Willikens. Diesmal wartet für 8.000 bis 10.000 Euro „Raum C“, eine neoklassizistische Raumflucht mit Öffnungen und Bögen von 1996, auf Kundschaft.

In Deutschland kaum bekannt ist der 1951 geborene Engländer Tony Bevan. In seiner britischen Heimat werden auf Auktionen schon einmal hohe fünfstellige Pfundpreise gezahlt. Drei seiner souverän gestalteten, häufig rot glühenden Portrait und Körperstudien wie „The Seer“ von 1986 und „Hands“ von 1987 kommen aus einer süddeutschen Privatsammlung nun für bis zu 45.000 Euro unter den Hammer. China vertritt die 1964 in Shaanxi geborene Malerin Yan Ya Ya mit den beiden genrehaften Bildnissen „Sisters of Gobi“ von 2002 und „The Pumi’s Red Headscarf“ von 2003, in denen sie Kinder aus den ethnischen Minderheiten des Riesenreiches portraitiert (Taxen zwischen 25.000 und 40.000 EUR).

Als teuerste Skulptur steht ein ziemlich ungewöhnliches Stück bereit: Die zweifigurige Bronzegruppe „Nelly Herz mit ihrer Tochter Marta“ ist eine relativ frühe Bronze Fritz Klimschs, der 1902 noch ganz im Bann historistischer Üppigkeit steht. Gesichtsausdruck und Gemessenheit in den Bewegungen der jüdischen Freundin und ihres fünfjährigen Kindes lassen dagegen schon die Geistigkeit der späteren Arbeiten des Meisters ahnen. 80.000 bis 100.000 Euro sind allerdings ein stolzer Preis. Markttechnisch leichter zu verorten ist Franz von Stucks Bronze „Amazone“, die sich zum Speerwurf anschickt. 18.000 bis 20.000 Euro entsprechen dem, was üblicherweise für die einschließlich des großen Sockels knapp einen Meter hohe Skulptur gezahlt wird.

Weitgehend in die Fläche gebannt und abstrahiert hat Fritz Koenig 1961 eine „Kleine Quadriga“. Von vorn betrachtet, zählt man allerdings höchstens elf Beine (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Zu einer kompakten Terrakottamasse formte Ewald Mataré 1947 ein „Eingekauertes Rind II“, um sie später wohl in eine Version aus Bronze zu übertragen (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Von dem 2010 kaum fünfzigjährig an Krebs verstorbenen Norddeutschen Klaus Kumrow gibt es die golden patinierte und polierte Bronze „Schmetterling“, ein Jahr vor seinem Tod mit sichtlicher Freude am Schein großer Kostbarkeit geschaffen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Eine Stunde nach Beginn der „Ausgewählten Werke“ kommen rund 220 weitere Losnummern zum Aufruf, wobei es mit Arbeiten wie August Wilhelm Dresslers breughelscher Landschaft „Der Waldweg“ um 1925 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder James Coignards Mischtechnik „Mannequin et tache violette“ (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR) interessant bleibt und mit Gabriele Münters „Portrait Signe Hallberg“ von circa 1916/17 für 20.000 bis 23.000 Euro teilweise auch noch einmal recht teuer wird. Die etwas über hundert Designobjekte stellt Neumeister diesmal als Faltblatt in einem DIN A3-Format vor. Höhepunkte einer sehr klassischen Offerte sind hier Alessandro Mendinis 1978 entworfener Barockstuhl „Proust’s Armchair“ in einer Ausführung von 1997 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) sowie ein Fauteuil, das Michel Haillard 1995 aus dem Panzer einer Riesenschildkröte, Leder und Antilopenhörnern zusammenbaute. Fanatische Tierschützer würden dafür wohl keine 10.000 bis 12.000 Euro bezahlen.

Die Auktion beginnt am 23. Mai um 15 Uhr mit den „Ausgewählten Werken“, um 16 Uhr folgt die moderne und zeitgenössische Kunst, und um 18 Uhr steht das Design auf dem Programm. Die Besichtigung ist vom 17. bis zum 21. Mai täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



15.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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