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Zeitgenössische Kunst im Wiener Dorotheum

Insekten im Auge



Eine Handvoll starker Stücke hat das Wiener Auktionshaus Dorotheum an den Anfang seiner Versteigerung zeitgenössischer Kunst gestellt, die am 24. Mai einen der Höhepunkt in der österreichischen Frühjahrssaison bildet. Dem traditionellen Italien-Schwerpunkt des Hauses folgend, steht Lucio Fontana diesmal ganz oben. Nach einem schwarz emaillierten und einmal geschlitzten Terrakottateller von circa 1959 für 45.000 bis 55.000 Euro zum Warmlaufen geht es rasch auf das Toplos zu, ein gut sechzig Zentimeter hohes „Concetto spaziale, Attese“ aus des Künstlers Todesjahr 1968 in ebenso seltenem wie hoffnungsfrohem Blassrosa, zweifach vertikal aufgeschnitten und mit 400.000 bis 600.000 Euro sicher angemessen bewertet. Gleich darauf folgt ein drei Jahre älteres „Concetto spaziale, Teatrino“ in tiefem Blau mit auffälliger schwarzer Randgestaltung, über das sich in leicht schlangenförmiger Linie eine Kette weißer Punkte wie eine Sternschnuppe zieht. Für diese fast romantische Holztafel werden 200.000 bis 300.000 Euro verlangt.


Aber nicht nur die Italiener beanspruchen die ersten Plätze auf der Preisliste. Dort findet sich, ebenfalls mit 400.000 bis 600.000 Euro bewertet, auch der indischstämmige, heute in London lebende Anish Kapoor mit einer sphärisch nach innen gewölbten Rundscheibe von 120 Zentimetern Durchmesser, in dessen suggestivem Blau der Betrachter regelrecht versinkt, wenngleich auf dem Kopf stehend. Farblich würde die 2001 entstandene Edelstahlskulptur hervorragend mit dem dritten Fontana harmonieren. Nicht weniger international sind die Ränge dicht unterhalb dieser Hauptwerke besetzt, wobei sich mit Andy Warhols ikonenhaftem „Portrait Linda Cossey“ von 1980 für 200.000 bis 300.000 Euro und Robert Indianas gleichfalls quadratischer, aber etwas kleinerer Leinwand „Decade: Autoportrait 1969“ mit dem zentralen Buchstabenkürzel „IND“ von 1971 für 160.000 bis 220.000 Euro auch zwei Vertreter der amerikanischen Pop Art finden.

Engen Bezug auf seine russische Heimat weisen die konzeptuellen Arbeiten Ilya Kabakovs auf. Mit einem Werk dieses Künstlers feierte das Dorotheum bereits im vergangenen November bei 650.000 Euro einen großen Erfolg. Nun wartet die spätimpressionistisch wirkende, von einem fiktiven Künstler gemalte und durch eine seitliche Öffnung buchstäblich ausgehöhlte Leinwand „Charles Rosenthal, Im Park 1930“ von 1998 für 270.000 bis 320.000 Euro auf einen Freund betonter Intellektualität. Zurück in Italien lassen sich mit Agostino Bonalumis rückseitig strukturierter Leinwand „Bianco“ von 1981 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR), einer informellen, hauptsächlich von Rot bestimmten Komposition Tancredis von 1954 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und Afro Basaldellas farbenkräftiger Mischtechnik „Torneo“ von 1965 für 180.000 bis 250.000 Euro weitere Exponenten der ungegenständlichen Avantgarde benennen, die den künstlerischen Ruf Italiens in der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts begründeten. Die Pop Art gab es auch in Italien, etwa von Valerio Adami mit seiner plakativen Figurenmalerei „Matinée“ von 1993 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Skulpturales listet der Katalog mit Fausto Melottis filigraner wie lyrischer Messingarbeit „In viaggio verso l’infinito“ um 1970 (Taxe 34.000 bis 42.000 EUR).

Auf österreichischer Seite stehen zunächst einige denkmalhafte Altmeister wie Arnulf Rainer mit einem schwarz übermalten „Hochzeitsmarsch“ der 1950er Jahre (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) oder Hermann Nitsch mit einem fast drei Meter breiten, explosiven Schüttbild in Rot von 1984 für 40.000 bis 60.000 Euro. Dass dieser inzwischen etwas ruhiger gewordene Wilde auch ein hervorragender Zeichner ist, beweist sein „Entwurf zur Grablegung“ von 1983/2007, bei dem über einer schrundigen Fläche mit Marker die Umrisse einer Frauenfigur nebst organisch anmutenden Formkörpern zu sehen sind (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Die enorme stilistische Wandlungsfähigkeit Otto Muehls demonstrieren das in der Tradition der Pop Art stehende Acrylbild „das habe ich nicht erwartet“ von 1986 aus der ironischen Reihe „unfälle im haushalt“ (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR) und eine nur zwei Jahre jüngere Hartfaserplatte ohne Titel, auf die der Künstler in dickstem Materialauftrag eine informelle Komposition in den Farben eines Himbeerkompotts gebannt hat (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Mit dem Namen Muehls verbindet sich überdies eine Farbfotostrecke von einer Aktion, die Günter Brus 1964 in der Wiener Wohnung des befreundeten Kollegen vorgenommen hat. Sie trägt den Titel „ANA“ und zeigt den Künstler eingewickelt in ein weißes Laken, wie er sich mit wilden Körperverrenkungen über den weiß gestäubten Boden wälzt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Bei den etwas Jüngeren sind die Marktpreise noch nicht in solche Höhen geklettert. Für eine 140 Zentimeter im Quadrat messende Leinwand aus Hubert Schmalix’ Werkserie „Leben und Sterben“ von 1983 dürften 13.000 bis 17.000 Euro genügen, für Xenia Hausners fast 240 Zentimeter breites Portrait „Venzke Asiatische Kunst“ von 1995/96 etwa 25.000 bis 35.000 Euro und für Christian Ludwig Attersees anspielungsreiche „Wanderschaft“ von 1986 etwa 15.000 bis 24.000 Euro.

Wer die Deutungsoffenheit installativer Arbeiten liebt, sei auf einen hölzernen Schaukasten des Architekten und Designers Josef Hoffmann verwiesen, in welchem der 1940 geborene Dominik Steiger 2002 einen weiblichen Gipskopf im Stil des italienischen Quattrocento mit Insektenaugen ausgelegt und einen weißen Kreidestrich verewigt hat (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). Ebenfalls nicht zimperlich geht Werner Reiterer bei seiner hyperrealistischen Arbeit „The last heartbeat before dying frozen as a loop“ von 2006 vor: Dem am Boden liegenden Mann scheint eben die Luft abgelassen worden zu sein (Taxe 14.000 bis 20.000 EUR). Während Gerwald Rockenschaub im Jahr 2000 mit ausgeschnittenen Farbfolien eine reduzierte, tiefenlose, zeichenhafte Landschaft entwickelt (Taxe 16.000 bis 24.000 EUR), greift eine jüngere Malergeneration ungeniert in den Farbtopf und gestaltet Gemälde zwischen Figuration und Abstraktion. Dazu zählen Maja Vukojes sich unwirklich verschränkende Giraffenhälse mit einem Frauenkopf von 2005 (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR), Stefan Kürtens mit einem Nebel aus Türkisgrün übergangenes Stillleben von Tassen und Häuserfassaden von 1997 (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR), Andro Wekuas vom Farbwind zersauste „Woman“ von 2003 (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR), Rita Ackermanns gleichaltriges, sich küssendes Paar unter dem Titel „Kin“ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder Silke Otto-Knapps zarter, schemenhafter „Desert Garden (Red)“ ebenfalls von 2003 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Recht diskret ist der Auftritt der deutschen Kunstszene. Bei den bekannten Meistern handelt es sich meist um Drucke, Multiples oder Gelegenheitsarbeiten, selten einmal um Bedeutenderes wie Jörg Immendorffs grün patinierte Bronze „Malertod“, die 1990 in sechs Exemplaren vom Band lief (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), oder eine unbetitelte, dichte, gestische Arbeit in Peter Brünings charakteristischem Rot-Schwarz von 1960 für 28.000 bis 35.000 Euro. Aus dem ZERO-Umfeld sind zwei Spiegelobjekte Adolf Luthers zu nennen, darunter die insgesamt 85 Scheiben „Konvex-Konkav“ von 1988 für 55.000 bis 65.000 Euro. Für die geometrische Abstraktion stehen zwei Arbeiten Günther Förgs, einmal von 1993 als zwei senkrechte, breite Acrylbahnen in Violett auf Blei. Daniel Richter ist einer der jüngeren Bekannten unter den Deutschen und mit dem 2002 datierten Gemälde eines Geschlechtsaktes zugegen, dem eine weitere Frau etwas unbeholfen und fassungslos zuschaut (Taxen je 28.000 bis 35.000 EUR).

Höherpreisiges gibt es dagegen aus der französischen Richtung. Die beiden Prunkstücke sind hier Georges Mathieus großteils schwarze Leinwand mit zwei weißen Aussparungen unter dem Titel „Olivier III décapité“ von 1958 für 100.000 bis 150.000 Euro und Hans Hartungs stimmungsvoll schillerndes „T-1962-32“ für 70.000 bis 100.000 Euro, also wiederum Exemplare aus Informel und Umgebung. Doch mit Victor Vasarely tritt ein Hauptvertreter der Op-Art an und steuert die schwarzweißen, vertikal gestalteten Augentäuschungen „Bora II“ von 1959 (Taxe 38.000 bis 42.000 EUR) und „Capella-C“ von 1964 bei (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Während Jean-Paul Riopelle freudig und unbekümmert die Farbe 1956 auf eine Leinwand aufträgt (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), hält sich Aurélie Nemours 1983 in ihrer quadratischen „Structure du Silence n.4“ streng an ihr geometrisches Konzept (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Spielerisch geht dann wieder Jacques de la Villeglé 1992 bei seinen abgerissenen und wieder auf eine Leinwand collagierten Plakaten „Place du 18 juin 1940“ vor (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Den Schein der Warenwelt und die männlich dominierte Moderne konterkariert Sylvie Fleury in ihrem Schaffen, so auch in dem „Cuddly Painting“ von 1991, einem monochromen, quadratischen Bild aus pink gefärbter synthetischer Wolle (Taxe 17.000 bis 19.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 24. Mai um 18 Uhr. Die Besichtigung läuft vom 12. Mai bis zum Auktionsbeginn außer am 13. Mai in der Regel täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



11.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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