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Edvard Munch in der Frankfurter Kunsthalle Schirn

Der Maler als Fotograf



Die These, dass Edvard Munch ein Künstler nicht nur des 19ten Jahrhunderts, wie man ihn lange Zeit abqualifizierte, sondern auch des 20sten Jahrhunderts und damit „ganz und gar modern“ ist, hätte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt gar nicht gebraucht, um die Würdigung des norwegischen Künstler in einer großen Einzelausstellungen zu begründen. Die Modernität dieses Meisters erschließt sich jedem sofort, der seine Werke nur flüchtig betrachtet: Die Freiheit der malerischen Mittel, die Innovationskraft einer immer wieder überraschenden Farbgebung, die natürliche Logik seiner vollkommen unprätentiösen Bildkompositionen, aber auch die unbestechliche Nüchternheit, mit der er die Seelen aus seinen Figuren häutet und sie, ohne ihnen ihre Würde zu nehmen, den Augen des Betrachters freigibt – das sind Merkmale, die jedes seiner Gemälde kennzeichnen und zu einem Meisterwerk an Form und Inhalt werden lassen. Kein Wunder, dass nun auch Munchs „Schrei“ gestern Abend bei Sotheby’s in New York zum teuersten Kunstwerk der Auktionsgeschichte avanciert ist: Ein nicht genannter Käufer bewilligte für diese Ikone der Moderne knapp 120 Millionen Dollar.


Gleichwohl ist die Frankfurter Ausstellung, die den Ende 1863 im Südosten des Landes geborenen und gut achtzig Jahre später gestorbenen Meister mit rund 130 Exponaten unterschiedlicher Art präsentiert, höchst aufschlussreich. Zum einen, weil sie sich auf das in der Vergangenheit tatsächlich immer etwas vernachlässigte Spätwerk des Künstlers aus der zweiten Hälfte seines Lebens konzentriert; immerhin rund drei Viertel seines gesamten Schaffens entstanden nach der Jahrhundertwende. Und zum anderen, weil die Ausstellung Munch nicht nur als einen wahrhaften Monolithen moderner Malerei feiert, sondern auch und vor allem als einen begeisterten Technikfreak offenbart, der nicht nur malte, zeichnete und druckgrafisch arbeitete, sondern sich auch fleißig der Kamera bediente, um die Realität in ihren unterschiedlichsten Erscheinungen in Bildern festzuhalten und diese gelegentlich zum Laufen zu bringen.

Verglichen mit anderen Amateurfotografen seiner Künstlergeneration wie Edouard Vuillard, der tausende von Aufnahmen produzierte, war Munchs Œuvre in dieser Hinsicht jedoch relativ begrenzt: Nur knapp 250 Abzüge lassen sich nachweisen. Zudem klaffen in seiner Tätigkeit als Fotograf große zeitliche Lücken: So fotografierte er seit seinem Aufenthalt in Berlin 1902 bis zum Jahr 1910, um dann erst wieder Ende 1926 bis 1932 damit fortzufahren. Ferner benutzte Edvard Munch diese Technik nicht vorrangig als dokumentarisches Hilfsmittel oder zum Zweck einer Motivsuche, sondern hauptsächlich als Instrument einer Art Innenschau: Rund ein Drittel seiner Aufnahmen sind Selbstbildnisse, in denen sich der Künstler selbst befragt, darunter einige besonders aufschlussreiche Aufnahmen, die entstanden, während sich Munch in verschiedenen Kliniken wegen seiner Depressionen behandeln ließ.

Immer wieder meint man, der Künstler wolle verschwinden hinter seinem Werk. Ein Bild zeigt ihn, wie er inmitten einer Reihe lebensgroßer Herrenportraits steht, als sei er selbst eines dieser Gemälde. Andere sind in ihrer Beziehung zwischen Künstler und Raum so inszeniert wie seine Interieurs mit Figuren: Der Körper, manchmal auch nur der Kopf des Künstlers ist eingespannt in ein Geflecht aus abstrakt-ornamentalen Hintergrundflächen, die ihm nur mehr einen Teil der Aufmerksamkeit sichern. Am deutlichsten ist dieses Streben nach dem Verschwindenlassen der eigenen Person vielleicht in jenen Aufnahmen, in denen Munch durch eine bewusste Bewegung eine Unschärfe erzeugt. Nicht nur er selbst, sondern auch die Besucher, die sich 1902 seine Ausstellung der Galerie Blomqvist im damals noch Christiana geheißenen Oslo zu Gemüte führten, fallen diesem wohlkalkulierten Kunstgriff zum Opfer. Es ist bemerkenswert und zugleich erschütternd, wie beherrscht Munch von dieser selbstzerstörerischen Idee war, da er sie sogar in den frühen 1930er Jahren noch praktizierte.

Das gesamte Werk Munchs erscheint vor diesem Hintergrund umso mehr höchst existentialistisch. Angefangen von Werken wie „Vampir“, „Der Kuss“ oder „Das kranke Kind“, die er auch in Ikonen der Druckgrafik umsetzte, bis hin zu den letzten Arbeiten des Achtzigjährigen ist es schon thematisch voll von Vergänglichkeit, Tod und dem vergeblichen Ankämpfen gegen das unerbittliche Fortschreiten der Zeit. Unverkennbar ist auch, dass zwischen Mensch und Landschaft als Symbol seiner Umwelt in Munchs Bildern ein gestörtes Verhältnis besteht: Nur kurz blitzt am unteren Rand der Vorstadtimpression „Roter Wilder Wein“ von 1898/1900 der weit aufgerissene Blick eines jungen Mannes auf, ebenso wie zwei behütete Personen in der „Allee im Schneegestöber“ von 1906 oder 1919 der „Mörder in der Allee“, dessen Gesichtsfarbe mit derjenigen des Weges verschmilzt.

Beeindruckend ist auf ebenso die enorme Stringenz, mit der Edvard Munch immer wieder auf die Themen seines Lebens zurückkam. Das Zwischenmenschliche war für ihn immer ein Überdecken, nie aber ein Aufheben der menschlichen Einsamkeit, wie schon der Titel des Ölbildes „Zwei Menschen. Die Einsamen“ von 1905 offenbart, das er fast dreißig Jahre später in einer nur wenig abgewandelten, aber von der gleichen Melancholie umfangenen Komposition wiederholen sollte. Auch das nicht weniger berühmte Motiv „Mädchen auf der Brücke“ kann die Schirn in zwei Varianten einander gegenüberstellen, deren zeitlicher Bogen von 1902 bis 1927 reicht, und nicht weniger als acht Fassungen, darunter eine der seltenen Bronzeskulpturen des Meisters, hängen von dem Motiv „Weinende Frau“ in einem Raum, darunter die spätesten in Form zweier Lithografien aus dem Jahr 1930.

Eine besondere Sektion der Ausstellung widmet sich einer Folge von Arbeiten überwiegend auf Papier von 1930. Munch hatte in diesem Jahr einen plötzlichen Abfall des Sehvermögens auf dem rechten Auge erlitten, was eine Zeitlang sogenannte entoptische Störungen hervorrief. Munch hielt die dabei auftretenden Phänomene in einigen Arbeiten fest, und es bereitet beinahe Unbehagen zu erleben, wie wir im Körper des Künstlers die blutig-roten Farbstörungen vor die Motive sich schieben sehen, wie wir teilhaben an diesem so unmittelbar physischen Defekt. Auch hier wäre der Künstler nicht er selbst, wenn er daraus nicht einen Kommentar zu den Lebensthemen fände, die ihn in diesem fortgeschrittenen Alter wohl nicht weniger beschäftigten als in seinem gesamten künstlerischen Leben: In einem dieser Aquarelle hat sich der rundliche Farbfleck in einen blauen Totenkopf verwandelt, der sich wie eine traumhafte Erscheinung grinsend über der Bettstatt des Künstlers erhebt.

Das Leben dieses Künstlers endete im Januar 1944, mitten im Zweiten Weltkrieg, in weitgehender Isolation auf seinem Landsitz Ekely bei Oslo. Ein Jahr zuvor hatte er noch einen Holzschnitt geschaffen, der ziemlich unbeachtet in einem der letzten Räume der Ausstellung hängt, aber vielleicht am eindrucksvollsten das Werk Munchs zusammenfasst. Edvard Munch greift hier ein altes Motiv auf, der Titel lautet „Kuss auf dem Lande“, doch zu sehen ist eigentlich fast nichts: Über die Holzmaserung zucken nur ein paar weiße Linien, aus denen sich eine Landschaft und ein sich umarmendes Paar nur mit großer Mühe und Fantasie herausschälen. Munch hat die Formauflösung im Sinne der Abstrakten seiner Generation, eines Wassily Kandinsky etwa oder eines Piet Mondrian, nie vollzogen. Doch in diesem kleinen unscheinbaren Holzschnitt löst er in wahrhafter Konsequenz seines gesamten langen künstlerischen Schaffens nicht nur eine künstlerische Form auf. Es ist vielmehr, als wollte alles Sein verzischen.

Die Ausstellung „Edvard Munch. Der moderne Blick“ läuft bis zum 28. Mai. Geöffnet ist die Schirn Kunsthalle täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, die Familienkarte kostet 20 Euro. Der Katalog kostet im Museum 34,80 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



03.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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