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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Eine neue Ausgabe der Art Cologne öffnet ihre Tore

Auf Konsolidierungskurs



Im kalten Foyer der Koelnmesse waren die Teilnehmer der Pressekonferenz zur neuen Ausgabe der Art Cologne kalter Zugluft ausgesetzt. Da drängte sich unweigerlich die Frage auf, ob auch die Messe frische Winde durchwehen. Vor vier Jahren startete Daniel Hug als Direktor bei der Art Cologne, einem damals schlingernden, ja sinkenden Schiff. Ein radikaler Schrumpfungsprozess sollte Zeitgeistschrott und Eventkunst aussondern. Einmal aus der Premiumklasse abgestiegenen, gestaltet sich der Aufstieg langwierig und schwierig, insbesondere was das Zurückholen alter Teilnehmer anbelangt. Doch jetzt kann man erkennen: Der Abwärtstrend ist gestoppt, der Konsolidierungskurs trägt Früchte, auch wenn noch lange nicht der alte Glanz wieder erstrahlt. Denn auch die Kunstwelt hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert, und Hugs Bestreben, die globale Nummer Eins in der Messelandschaft für moderne und zeitgenössische Kunst zu werden, lässt sich wohl allein aus abgabentechnischer, fiskalischer Sicht nicht mehr erreichen. Hier wird die Art Basel unangefochten Spitze bleiben. Global Player aus der Galerienszene wie beispielsweise Gmurzynska lassen sich wohl nie mehr nach Köln locken. Das kann aber Daniel Hug nicht angelastet werden.


Spielfeld der Art Cologne ist die europäische Champions League. So bleibt der Messe „nur“ der Spitzenplatz im eigenen Land. Daniel Hug schwebt das Profil einer „internationalen Messe mit Schwerpunkt Deutschland“ vor, was immer das konkret heißen mag. Fakt ist, dass internationale Schwergewichte den Weg zurück in die rheinische Kunstmetropole gefunden haben. Nach zehn Jahren stellt hier wieder Thaddaeus Ropac aus Paris und Salzburg aus. Erstmals springt der New Yorker David Zwirner über den großen Teich, einer, den Fachleute unter die fünf Topgaleristen weltweit einordnen. Aus New York hat Hug auch die „New Art Dealers Alliance“ herübergelockt, eine Plattform aus 32 Galerien, die die Messe mit spritzig aufregenden Positionen bereichern soll. Die Kooperation mit dem US-amerikanischen Galerienverband, der so auch einen Fuß in die Tür des deutschen Marktes ergattern möchte, ist als ergänzende Kunstmesse unter einem Dach angelegt und soll zur Erneuerung der Art Cologne beitragen. Ob das Konzept dieser Win-Win-Situation aufgeht, bleibt abzuwarten. In der Tat: Deutsche Topkünstler sind deutlich tonangebend, auch bei ausländischen Galerien. Die Gesamtzahl der Teilnehmer ist übrigens erneut um rund ein Dutzend auf 186 gefallen.

So hat David Zwirner eine Reihe von Werken deutscher Künstler mitgebracht, darunter Isa Genzken, Daniel Richter, Thomas Ruff und Neo Rauch. Von letzterem stammt die über drei Meter hohe und zwei Meter breite „Parabel“ aus dem Jahr 2008, die mit 1,2 Millionen US-Dollar ausgezeichnet ist. Das Ölbild lässt aber deutlich die früher den Künstler auszeichnende narrative Schlagkraft vermissen, hinter der Fassade lauert Beliebigkeit, Ermüdungserscheinungen Rauchs sind offensichtlich. Viel Aufmerksamkeit erhaschen dürften Werke der bis vor vier Jahren im nahen Krefelder Kaiser Wilhelm Museum beheimateten Sammlung von Helga und Walther Lauffs. Von den vielen Schlüsselwerken bedeutender Strömungen des vergangenen Jahrhunderts sind jene von Yves Klein einsame Spitze. Bei seiner bedeutenden „Peinture de feu sans titre (F92)“ von 1961 verrät Zwirner den Preis nur auf Nachfrage. Auch frühe Zeichnungen von Joseph Beuys aus den Jahren 1956/57 kommen aus der Lauffs-Kollektion.

Die Schweizer Galeristen Henze & Ketterer schwelgen in der paradiesischen Nacktheit von Ernst Ludwig Kirchner, dessen Nachlass sie vertreten. Während seiner Zeit in Davos schuf der Expressionist Motivbilder aus wenigen Linien und klar voneinander abgegrenzten Farbflächen. Das Gemälde „Spielende Badende“ von 1928 ist dafür ein beredtes Beispiel. Wer sich für die drei entblößten Aktfiguren in freier Natur in liebreizend aufgehellten Farben begeistert, muss 2,4 Millionen Euro investieren. Mit Erich Heckel, Emil Nolde, Hermann Max Pechstein oder Otto Mueller ist hier zudem eine kleine Brücke-Schau zu bewundern. Impressionistisch wird es dann bei Hubertus Melsheimer. Neben Max Liebermanns kleiner, von grünen Farbtönen bestimmter Holztafel „Die Heckengärten in Wannsee nach Osten“ um 1924/25 für 246.000 Euro bezaubert bei dem Kölner Galeristen vor allem Max Slevogt mit seinem erst kürzlich wiederentdeckten Doppelportrait „Zwei Schwestern Steinbart“ von 1912 für 240.000 Euro.

Wie immer begleiten die Künste den Besucher der Art Cologne schon vor den Messehallen. Auf den Stufen zum Aufgang steht der „White Cube Gallery Novosibirsk“ von Lukas Pusch. Die historische Blechgarage aus der Breschnew-Ära ist auf einem sowjetischen LKW montiert. Sie ist Readymadeskulptur, Architekturdenkmal und Ausstellungsfläche in einem. Ernst Hilger aus Wien offeriert sie für 100.000 Euro. Auf dem obersten Eingangspodest stehen viele „Man on Chairs“ des in Peking lebenden Künstlers He Xiangyu als Referenz an die 25jährige Städtepartnerschaft Kölns mit Bejing. Holzteile eines Wasserkanals arbeitete er in Stühle um. Die 120 Exemplare sind bei Alexander Ochs Galleries zu erwerben. In der Eingangshalle läuft man dann direkt auf Dieter Roths Werke „Floor 1“ und „Floor 2“ zu. Die vom Sohn des Künstlers zu riesenhaften Bildern umfunktionierten ehemaligen Fußböden von Roths isländischem Atelier prägen heuer den Messeauftritt und weisen auf deren Schwerpunkte hin: Kunst des 20sten und 21sten Jahrhunderts – Klassische Moderne, Nachkriegszeit, aktuelle Kunst.

Auf der „Klassikebene“ kommt man zuerst beim Düsseldorfer Galeristen Hans Mayer vorbei. Eine komplette Standwand nimmt Robert Longos Triptychon von 2011 ein. Die unbetitelte, drei mal fünf Meter hohe Kohlezeichnung einer dichten Waldlandschaft im Gegenlicht ist mit 650.000 US-Dollar angesetzt. „Round the Block“ nennt der Bildhauer Tony Cragg seine aus sechs ineinander verästelten Holzpilzen bestehende Skulptur, mit der er zum wiederholten Male in neue Sphären vorstößt. Die Gruppe aus amorphen Strukturen des Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie liegt bei 390.000 Euro. Gleich nebenan bei Annely Juda Fine Art sieht man nach längerer Abstinenz wieder ein Wandrelief von Tadashi Kawamata. „Peoples Garden, Documenta IX“ nennt der Japaner sein 1992 entstandenes Werk aus Holz und Aluminium. Das Modellrelief mit windschiefen Holzhütten kann Documenta-Weihen vorweisen. 1992 war es auf der neunten Ausgabe der Kasseler Weltkunstschau zugegen (Preis 52.500 Euro).

Gleich gegenüber hat Dietmar Löhrl aus Mönchengladbach eine raumgreifende Installation von Stephan Balkenhol platziert. Das „Große Paravent, Engel vor blauem Hintergrund, Mann vor rotem Hintergrund“ aus dem Jahr 2011 mit lebensgroßen, vollplastischen Figuren ist mit 195.000 Euro veranschlagt. Auch die Stuttgarterin Brigitte March hat Raumfüllendes mitgebracht. Sechs entkleidete, in Särgen oder Kisten liegende blinde Passagiere, dargestellt durch lebensgroße Fotografien, erinnern an die Fluchtbewegungen heutiger Tage. Die „Blinden Passagiere – Hommage à Caspar David Friedrich“ von Patrick Raynaud aus dem Jahr 1991 sollen für 60.000 Euro in eine neue Sammlung einreisen.

Der Galerist Max Weber aus München sorgt heuer mit Gemälden von Andreas Schulze für Furore. Schon wenige Augenblicke nach Start der gestrigen Preview schauten Michael Ballack und Michael Stich, die sich für den Maler begeistern, an seinem Stand vorbei. Den welligen, amorphen Formen von Schulzes unbetiteltem, aus dem Jahr 2011 stammendem Gemälde mit den Wortfetzen „Bet“ für 24.600 Euro hat Weber die korrespondierenden Formen der plastischen Trashstones Wilhelm Mundts vorangestellt, die 18.000 Euro einbringen sollen. Bei Beck & Eggeling hängen diesmal großformatige Ölgemälde von Heribert C. Ottersbach. Seine filigranen Motive eisentechnischer Konstruktionen wie Brücken oder Gerüste kosten zwischen 44.000 Euro und 55.000 Euro. Ihr Düsseldorfer Kollege Klaus Schwarzer wartet auf der Messe mit einer erlesenen Auswahl von neun Aquarellen Emil Noldes auf, deren Preise von 168.000 bis 360.000 Euro variieren. Das teuerste Bild, betitelt „Calla, Anemonen und Gerbera“ aus der Zeit um 1929 beflügelt durch seine leuchtenden Farbvariationen. Die gelten auch für die Darstellung einer Gruppe im Wind schwingender „Rudbeckien“ aus dem Jahr 1930 für 285.000 Euro.

Etwas über 40 Jahre später schuf Joseph Beuys die siebenteilige Installation „Eine Straßenaktion“. Der Interessent dieser bei der Galerie Thomas angebotenen Installation muss nicht nur 875.000 Euro übrig haben, sondern als Relikte einer Aktion des verstorbenen Meisters sozialer Plastik auch auf dessen Präsenz und Aura verzichten. Neben vielen weiteren kleinen Zeichnungen, Filzreliefs und Objekten von Beuys bildet vor allem Anselm Kiefers Bildrelief „Elisabeth“ den Hingucker bei dem Münchener Aussteller. Dem Werk aus Blei, Öl, Emulsionen und weiteren Materialien ist ein Schiffsmodell vorgesetzt; somit entsteht eine Mischung aus Bild und Hochplastik, die mit über 1 Million Euro gehandelt wird. Wer sich für hochwertige Klassiker interessiert, ist bei zudem Salis & Vertes richtig. Neben Ölgemälden Alexej von Jawlenskys, Emil Noldes, Lucio Fontanas sowie kleinen Mobiles von Alexander Calder für bis zum 480.000 Euro findet sich hier mit dem aus einer Privatsammlung stammenden Ölgemälde „Femme se lavant les pieds“ von Pablo Picasso aus dem Jahr 1960 ein Glanzpunkt, der trotz seines relativ kleinen Formats immerhin 1,85 Millionen Euro kostet.

Der Belgier Guy Pieters hat eine umfangreiche Mixed Media-Installation skurriler, sich bewegender Maschinerien des Schweizers Jean Tinguely für 800.000 Euro aufgebaut. Nicht weit entfernt wartet die schwäbische Galerie Schlichtenmaier mit einer seltenen frühen Skulptur aus Nirosta-Edelstahl von Erich Hauser auf. Der scharfkantige, nach innen eingeschnittene Würfel „13/76“ aus dem Jahr 1976 steht bei 96.000 Euro. Ein Ensemble aus kleinen, noch nie gezeigten Skulpturen und Objekten der 1950er bis 1970er Jahre von Hermann Glöckner hat Ehepaar Döbele aus Dresden aufgefahren. Die Arbeiten der Solo-Schau variieren preislich zwischen 15.000 und 70.000 Euro und haben schon etliche Liebhaber gefunden. Ins Auge stechen die neuen großformatigen Arbeiten des in Paris lebenden Deutschen Jan Voss, die die Kölner Galerie Boisserée anlässlich des 75sten Geburtstags des Künstlers präsentiert. Zwei mal drei Meter misst die Leinwand des soeben vollendeten Acrylgemäldes „Diaspora“, eine kleinteilige Dingwelt, die sich trotz des abstrakten Zugriff mit der Realität des urbanen Lebensumfelds auseinandersetzt (Preis 64.000 Euro). Daneben hängt ein in blau gehaltenes, 172 mal 137 Zentimeter großes, durchbrochenes Holzrelief Voss’ in geometrischen Formen aus dem Jahr 2009 für 96.000 Euro.

Höhepunkt bei der Galerie Koch aus Hannover ist das 1948 entstandene, schablonenartige Profilgesicht einer Frau unter dem Titel „Figure en deux couleurs (Figure V)“ von Fernand Léger für 600.000 Euro. Ungewohnt kleinformatig gestaltet sich heuer die Auswahl der Gemälde bei Rainer Ludorff. Der Düsseldorfer Galerist hat ein Kabinett mit zehn kleinformatigen abstrakten Ölgemälden von Gerhard Richter zusammengestellt. Die Preise der zerlaufenden Farbkombinationen bewegen sich zwischen 49.000 und 450.000 Euro. Eine Hommage an Nancy und Edward Kienholz steuert die Kölner Galerie Klaus Benden bei. Auf hohen Podesten hat sie skurrile Objekte aus Radios und anderen technischen Kleingeräten positioniert. Die lustigen neodadaistischen Plastiken der 1970er Jahre mit ausgefahrenen Antennen fordern Preise zwischen 5.500 und 18.500 Euro.

Die kleinere, obere Hallenebene ist vor allem das Revier der jungen Kunst. Ernst Hilger hat hier werbewirksam eine aus einer geschälten Banane hervorkommende Nackerte an der Standecke positioniert. Die Skulptur von Mel Ramos aus dem Jahr 2007 kostet 350.000 Euro. Lothar Albrecht von der Frankfurter L.A. Galerie hat großformatige Fotografien von Michael Neubürger mitgebracht. Die Aufnahmen aus kräftigen, satten Farben zeigen vermeintlich bekannte Motive in einer nie in der Realität vorkommenden Konstellation. Türme, Stadien und Tankstellen erscheinen zugleich real wie irreal. In die instruktiven Arbeiten dieses Grenzgängers zwischen Tatsache und Fiktion muss man sich erst intensiv hineinsehen, wenn man sie für Preise zwischen 5.300 und 15.000 Euro erworben hat.

Die 46. Art Cologne findet auf dem Gelände der Messe Köln in Halle 11 statt. Sie hat vom 18. bis zum 21. April von 12 bis 20 Uhr, am 22. April von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 25 Euro, ermäßigt 20 Euro, die Abendkarte ab 17 Uhr ebenfalls 20 Euro. Die Zweitageskarte kostet 35 Euro, der Katalog 30 Euro.

Kontakt:

KölnMesse GmbH

Messeplatz 1

DE-50679 Köln

Telefax:+49 (0221) 821 2574

Telefon:+49 (0221) 8210

E-Mail: info@koelnmesse.de



18.04.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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