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Malerei der 1980er Jahre in der Kunsthalle Darmstadt

Kein Capri



Wild waren sie, extrem wollten sie sein, die jungen Maler in Berlin, in Köln oder in Düsseldorf, und es schein ihre Zeit zu sein: Der Nato-Doppelbeschluss im Dezember 1979 hatte den Europäern die Gefahr einer nuklearen Katastrophe erneut unmissverständlich vor Augen gestellt und in Deutschland eine breite Protestbewegung ausgelöst. Zwei Wochen danach marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Während der Kalte Krieg weitertobte, hatte sich in Deutschland der „Heiße Herbst“ ein wenig abgekühlt, doch die Zeichen standen weiter auf Sturm. Der gesellschaftlichen Zerreißprobe der Achtundsechzigerbewegung folgte – nach Großbritannien und den USA – auch in Deutschland eine konservative Reaktion. Mit bürgerlicher Behaglichkeit aber wollten sich die Jungen nicht abfinden: Weniger politisch engagiert als existentiell desillusioniert, machte sich eine Art „Scheiß egal“-Stimmung breit, die sich auch in Liedtexten der neuen führenden Gruppen niederschlug, von denen der Song „There is no future“ der Sex Pistols 1977 nur die Spitze dieses eiskalten, unbeweglichen Eisbergs war.


Auch junge Künstler gerieten in den Bann dieser illusions- und visionslosen, mitunter betont dadaistischen Bewegung, für die sich rasch der Begriff des „Punk“ einbürgerte. Der 1953 in Niedersachsen geborene Helmut Middendorf ist vielleicht der typischste Vertreter dieser „Neuen Wilden“, wie sie bald genannt wurden, deren Wirkungsstätte das West-Berlin um 1980 war und deren Vaterfigur Karl Horst Hödicke ihnen das technische und kunsthistorische Rüstzeug mit auf den Weg gab. Middendorfs Arbeiten strotzen vor Energie. Sein „Singer III“, ein großformatiges Acrylbild von 1981, zeigt vor blutrotem Hintergrund die blaue Gestalt eines Musikers am Standmikrophon, in wildester Gebärde vornübergebeugt, während der Schlagzeuger dynamisch zuckend im Hintergrund den Rhythmus schlägt. Ein Cover der Londoner Gruppe „The Clash“ aus dem Jahr 1979 stand Pate für diese Verherrlichung musikalischer Ekstase.

Middendorfs „Singer III“ gehört zu den Kernstücken der annähernd 180 Werke umfassenden Sammlung „Tiefe Blicke“, die das Hessische Landesmuseum Darmstadt ihr Eigen nennt und die wohl zu den bedeutendsten Sammlungen zur deutschen Kunst der frühen 1980er Jahre zählt. Während das Landesmuseum noch voraussichtlich bis 2013 geschlossen sein wird, ist ein Ausschnitt daraus derzeit in der Kunsthalle Darmstadt unter dem treffenden Titel „Schlachtpunk“ zu sehen. Ausgestellt sind in dem nicht sehr großen und – dies als kritische Bemerkung am Rande – etwas heruntergekommenen Haus am Steubenplatz rund vierzig Gemälde und plastische Arbeiten, also nur ein Viertel des Gesamtbestandes, und doch mehr, als gewöhnlich daraus zu sehen gewesen ist.

Da finden sich zum Beispiel zwei Arbeiten des 1997 gestorbenen Blalla W. Hallmann, der 1957/58 ein Probesemester an der Kunstakademie Düsseldorf absolvierte, um sein Studium zwischen 1960 und 1965 an der Kunstakademie in Nürnberg fortzusetzen. Reichlich plakativ übt er in seinem reliefartig erweiterten Gemälde „Ihr dort oben, wir hier unten“ von 1983 Gesellschaftskritik: Durch den Querbalken eines Kruzifixus mit der stark überlängten weißen Gestalt des Gekreuzigten horizontal zweigeteilt, sitzen und stehen im oberen Bereich menschenähnliche Schweine, die sich sexuell befriedigen und sich gleichzeitig von herabfallenden Bomben, Dollarzeichen, Hakenkreuzen und Paragrafen ernähren. Über die Arme des Kreuzes kacken sie ihre Exkremente in die untere Zone herab, wo „Wir hier unten“ allmählich im Morast versinken, das alles in einer giftigen schwefeligen Farbigkeit – insgesamt sicherlich nicht die feinsinnigste Art, sich mit den Fragen der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Es wimmelt ein wenig von solchen künstlerischen Positionen, die kritisch sein wollen und witzig, uns vielleicht gelegentlich ein Lächeln abringen, alles in allem aber auch den Hauch des Angestaubten, allmählich Vergilbenden an sich tragen. Die verrenkten Tänzergestalten eines Volker Tannert, die derben Mätzchen der Berliner Künstlergruppe Endart oder die ewigen Selbstreferenzen der Vielmalerin Elvira Bach – nicht alles, was hier mit so krassem neoexpressiven Pinselstrich auf die Leinwand geschmiert ist, hat die letzten dreißig Jahre intellektuell unbeschadet überstanden. Doch da findet sich auch ein Martin Kippenberger, der mit schier unendlichem Einfallsreichtum und einer stilistischen Wendigkeit, die immer wieder für Überraschungen sorgt, Idee nach Idee auf die Leinwand bannt – leicht, locker, unverbindlich und mit einem stets amüsanten, sympathischen Understatement.

Kippenberger pflegte, was etwa auch der gut zehn Jahre ältere Sigmar Polke meisterhaft beherrschte: das künstlerische Capriccio, das auch der scheinbar banalsten Szene eine Bedeutung verschafft, sich aber nie in hohlem Pathos ergeht. Wobei auch Kippenberger das große Format nicht scheut: Drei Meter in der Breite misst seine Leinwand „Kein Capri bei Nacht“, entstanden nach einem Foto 1981, auf dem der von unbekannter Hand in den Schnee geschriebene Schriftzug „Kein Capri“ die Heckscheibe eines etwas schwerfälligen Ford 17M im gelblichen Schein einer Straßenlaterne ziert. Es ist ein Bild, das mit alltäglichen Sehnsüchten ebenso spielt wie mit der Kunstgeschichte, denkt man an René Magrittes berühmtes Bild einer Pfeife und seiner irritierenden Aufschrift „Ceci n’est pas une pipe“ von 1929. Kippenberger ist einer der wenigen, die eine solche ironische Distanz zur eigenen Branche besitzen.

Jiri Georg Dokoupil, Bernd Zimmer, Walter Dahn und vor allem der 1954 geborene Albert Oehlen, der 1977 bis 1981 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg unter anderem bei Polke studierte und in der Ausstellung mit vier großformatigen Werken vertreten ist, sind einige der Künstler, die aus jenen Jahren bis heute überlebt haben. Der Kunstmarkt hat bereits kräftig gesiebt: Während man für Arbeiten Oehlens oder Kippenbergers bisweilen sechs- oder sogar siebenstellige Preise zahlen muss, bekommt man einen großformatigen Tannert oder eine Bach oft schon für wenige tausend Euro. Die Ausstellung gibt trotz einer gewissen Beschränkung, der auch Künstler wie Rainer Fetting oder Jörg Immendorff zum Opfer gefallen sind, nicht nur einen Überblick über eine Kunstepoche an sich, sondern vielleicht nicht ganz freiwillig auch darüber, was von dieser Zeit bis heute überlebt hat – und warum es Positionen gibt, die reine Kunstgeschichte sein werden.

Die Ausstellung „Schlachtpunk. Malerei der Achtziger Jahre“ läuft noch bis zum 29. April. Die Kunsthalle Darmstadt hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, samstags und sonntags bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, der Katalog 15 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Darmstadt

Steubenplatz 1

DE-64293 Darmstadt

Telefon:+49 (06151) 89 11 84

Telefax:+49 (06151) 89 77 97

E-Mail: sekretariat@kunsthalledarmstadt.de



13.04.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


31.01.2012, Schlachtpunk. Malerei der achtziger Jahre

Bei:


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