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Eine Ausstellung im Museum Wiesbaden bietet erstmals einen vollständigen Überblick über die schwarz-weißen Gemälde des amerikanischen Hard Edge-Künstlers Ellsworth Kelly

Ruhepol



Der Ursprung dieser Kunst ist denkbar einfach: Ellsworth Kelly sieht die Schatten, die die Geländerstreben einer Metalltreppe auf die Stufen werfen, sieht das große Satteldach eines Schuppens, das sich vor den hellen Himmel schiebt, oder die weißen Türen, die zum Quadrat geöffnet in eine schwarze Halle einladen, und überträgt sie in eine Malerei, die abstrakt erscheint, aber doch eigentlich nicht abstrakt ist, die wandelt auf dem schmalen Grat zwischen einer Abbildung der Wirklichkeit und einer völlig freien, ungegenständlichen, ganz und gar minimalistisch verknappten Kunst. Dokumentiert in Schwarz-Weiß-Fotos, die in ihrer unprätentiösen motivischen Schlichtheit an sich schon voller Poesie und Schönheit stecken, werden diese Ansichten zu Inspirationen, bisweilen auch zu unmittelbaren Vorlagen, auf deren Basis der Künstler seine spartanischen Bildfindungen schafft.


Als Kelly diese Bilder malt, „Window, Museum of Modern Art, Paris“ beispielsweise oder „Toilette“ und „Plant“ I und II, schreibt man das Jahr 1949. Es ist die Zeit, in der Amerika die weltweite Führerschaft auf dem Gebiet der Malerei von Europa übernimmt, und alle die Großen, die als Führer ihrer Generation und Bewegung daran beteiligt sind, wollen letztlich das gleiche: Mark Rothko mit seinen gewaltigen meditativen Farbfeldern, Jackson Pollock mit seinen wilden Farbexplosionen, Clyfford Still mit seinen mystisch sich im Unendlichen verlierenden Farbgewabern, Ad Reinhardt mit seinen verstörend einfachen Monochromien – sie alle betreiben radikal die Loslösung der Malerei vom Gegenstand, ja eigentlich von der Form an sich und von allem, was irgendeinen Bezug herstellen könnte zwischen der Wirklichkeit, der Tradition oder menschlicher Vernunft und dem, was die Maler auf ihre Leinwände tropfen, schmeißen oder hämmern.

Einer der jüngsten von ihnen und zugleich einer der wenigen noch lebenden Meister dieser ersten Stunde einer neuen Malerei westlich des Atlantiks ist der 1923 geborene Ellsworth Kelly. Weise erscheint er heute, wenn man ihn in Interviews oder Fotoaufnahmen sieht, ein freundlicher alter Herr, der bescheiden und immer mit einem Schmunzeln im Gesicht von seinen Jugendjahren erzählt, von den künstlerischen Begegnungen seines langen Lebens oder wenn er darüber berichtet, wie seine Gemälde entstanden und wie er zu seinen Motiven gelangte. Mit Preisen wie dem renommierten Praemium Imperiale im Jahr 2000 bereits überhäuft, kam vor zwei Jahren eine weitere Auszeichnung hinzu: der Alexej-von-Jawlensky-Preis, der alle fünf Jahre von der Stadt Wiesbaden vergeben wird und sich mit einer Ausstellung im Kunstmuseum der hessischen Landeshauptstadt verbindet. Diese Ausstellung, die nach einer Station im Haus der Kunst München noch bis Ende Juni dort zu sehen sein wird, zeigt einen besonderen Ausschnitt im Schaffen des Meisters: Erstmals werden Kellys schwarz-weiße Arbeiten umfassend retrospektiv gewürdigt.

Auch Ellsworth Kelly ist künstlerisch gesehen ein Produkt der traditionellen amerikanischen Kunstausbildung, erlernte von 1941 bis 1943 zunächst am Pratt Institute in Brooklyn sein Handwerk, um nach dem Kriegsdienst in Europa sein Studium zwischen 1946 und 1948 an der School of The Museum of Fine Arts in Boston fortzusetzen. Kelly ist jedoch auch derjenige, der am ehesten die Brücke schlägt zum „alten“ Europa und eigentlich erst dort die Anregungen empfing, die seinem künstlerischen Schaffen die entscheidende Wende geben sollten. Denn auf Boston folgte Paris: 1948 kehrte er nach Europa zurück, um an der École des Beaux-Arts zu studieren und sich mit den Alten Meistern ebenso wie mit den hiesigen Bewegungen der zeitgenössischen Kunst vertraut zu machen.

Kelly erweist sich als nicht weniger radikal als Rothko, Still, Reinhardt, Pollock oder Robert Motherwell. Aber sein Vorgehen ist sanfter, gleichsam organischer als bei seinen Kollegen. An jenen eigentlich gewöhnlichen, ihm aber ganz besonders erscheinenden Dingen, die ihm die Wirklichkeit bietet, tastet er sich allmählich weiter, mehr und mehr losgelöst von den Gegenständen und doch immer inspiriert von ihnen. Auf das Fenster im Pariser Museum 1949, das ihn damals mehr interessierte als die Kunstausstellung, deretwegen er eigentlich in das Haus gegangen war, folgte 1955 eine „Bar“, die sich nur noch als ein leicht geknickter, breiter schwarzer Schatten über einen an die äußersten Ränder gedrängten weißen Grund schlängelt. Fast zwanzig Jahre später, 1974, fand er eine ganz ähnliche Struktur in der Natur vor: ein Scheunendach aus Blech, das sich, diesmal in umgekehrten Farben, als weißer Balken vor einem dunklen Waldrand entlang zieht. Auch diese fotografische Vorlage ist in der Wiesbadener Ausstellung zu sehen.

Immer strenger, immer karger werden die Bilder mit der Zeit. In den späten 1960er und 1970er Jahren erreicht Ellsworth Kelly vielleicht den Höhepunkt seines radikalen Malens in Schwarz-Weiß: Auf riesigen Formaten von mitunter weit mehr als drei und manchmal sogar fünf Metern teilen sich die beiden „Farben“ in gleichmäßige Hälften, die Bilder tragen entsprechend nüchterne Titel wie „Black White“ 1966 oder „Black White“ 1967. Doch auch hier gibt der Künstler gelegentlich preis, dass es sich eigentlich um eine gegenständliche, objektbezogene Malerei handelt: „Black with White Bar I“ heißt beispielsweise 1970 ein zweiteiliges Gemälde, bei dem ein weißer Querbalken T-förmig über einem schmaleren, aber etwas höheren Rechteck in Schwarz ruht. Wie die späten Scherenschnitte Henri Matisse’, von dem Kelly vielleicht die intensivsten künstlerischen Anregungen während seiner Pariser Jahre empfangen hat, sind sie Bilder von der Natur, doch so weit abstrahiert, dass sie als ganz eigenständige Schöpfungen auch für sich stehen können.

Die Wiesbadener Ausstellung zeigt die enorme Kontinuität, mit der Ellsworth Kelly bis in die jüngste Zeit hinein seinen vor mehr als sechzig Jahren begonnenen Ansatz weiterverfolgt. Die einzigen Erweiterungen, die er im Lauf der Zeit vornimmt, sind die Befreiung des Bildformats vom Rechteck sowie der zarte Vorstoß in die Dreidimensionalität. Reliefartig werden, nach ersten Ansätzen bereits in den 1960er Jahren, später und zumal in den neuesten Arbeiten immer häufiger eine schwarze und eine weiße Leinwand übereinander geschoben. Man könnte versucht sein, diese Beschränkung als zunehmende Leere abzutun, doch das Museum Wiesbaden, das diesen Werken den ihnen notwendigen Raum meistens großzügig gewährt, beweist, dass Kellys ungebrochenes Schaffen nichts von seiner visuellen Kraft und ästhetischen Überzeugungsfähigkeit verloren hat. Es ist für alle, denen das bunt Schreiende und gewollt Innovative, das viele Positionen der Gegenwartskunst kennzeichnet, zu viel geworden ist, der ideale Ruhepol: Diese Beschränkung ist vor allem eine auf das Wesentliche.

Die Ausstellung „Ellsworth Kelly. Schwarz und Weiß“ läuft noch bis zum 24. Juni. Das Museum Wiesbaden hat dienstags und donnerstags von 10 bis 20 Uhr sowie mittwochs und freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der schön gestaltete, mit Aufsätzen von Ulrich Wilmes, Jörg Daur, Alexander Klar und Carter E. Foster versehen Katalog ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet beim Verlag 39,80 Euro.

Kontakt:

Museum Wiesbaden

Friedrich-Ebert-Allee 2

DE-65185 Wiesbaden

Telefax:+49 (0611) 335 21 92

Telefon:+49 (0611) 335 22 50



23.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


02.03.2012, Ellsworth Kelly. Schwarz & Weiß

Bei:


Museum Wiesbaden

Bericht:


Ellsworth Kelly verstorben

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