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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aufbruch am Pazifik: Der Berliner Martin-Gropius-Bau wirft einen umfassenden Blick auf die kalifornische Kunstproduktion der Jahre zwischen 1950 und 1980

Ganz tief im Westen



Amerikaner aus anderen Bundesstaaten bezeichnen ihre kalifornischen Landsleute gerne als „laid back“. Das heißt so viel wie entspannt, lässig, relaxt oder auch cool. Und ganz je nachdem, in welchem Zusammenhang dieses Etikett gebraucht wird, schwingt da Bewunderung oder auch ein bisschen üble Nachrede mit. Kalifornien, das ist das hedonistische Land der ewig angenehmen Temperaturen, der Swimmingpools, der Barbecues und Partys und der extrabreiten Autobahnen, die man hier bezeichnenderweise „Freeways“ nennt. Für den französischen Philosophen und Kulturtheoretiker Jean Baudrillard war Kalifornien der Kulminationspunkt westlicher Lebensweise und Dekadenz: Ein Ort zwischen Hyperrealität und (Alp-)Traum. Für ihn war das kalifornische Disneyland der realste Ort der USA, weil es nicht vorgibt, etwas anderes zu sein als das, was es ist: ein gigantischer Themenpark.


Dass aber genau diese Voraussetzungen einer innovativen und sich an den vermeintlich luxuriösen Lebensumständen immer wieder reibenden Kunstproduktion seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kräftig Vorschub geleistet haben, zeigt jetzt das breit angelegte Ausstellungsprojekt „Pacific Standard Time – Kunst in Los Angeles 1950-1980“ im Berliner Martin-Gropius-Bau mit Werken von mehr als 50 Künstlern. Weltberühmte Künstler wie David Hockney, Vija Celmins, Bruce Nauman, Edward Kienholz, Sam Francis, James Turrell oder Ed Ruscha sind im Hauptteil der Ausstellung ebenso vertreten wie hierzulande weniger bekannte. Neben heute ikonenhaften Schlüsselwerken wie Hockneys Gemälde „A bigger Splash“ aus dem Jahr 1967 oder Ruschas „Standard Station, Amarillo, Texas“, einem vier Jahre zuvor entstandenen Monumentalbild einer Tankstelle im Cinemascope-Format, sind auch erstaunlich viele dreidimensionale Werke zu sehen: Keramik, Assemblagen, aber auch Skulpturen aus innovativen Werkstoffen wie Plexiglas oder Polyesterharz.

Daneben versammelt die abwechslungsreiche Schau auch zahlreiche Recherchematerialien zur Entwicklung und Ausdifferenzierung einer spezifisch kalifornischen zeitgenössischen Kunstszene, die sich in der Stadt der großen Entfernungen zunächst einmal finden und organisieren musste. „Pacific Standard Time“ ist daher eine Schau über die gelungene Selbstorganisation von Künstlern und den allmählichen Aufbau funktionierender Strukturen in einem auseinanderdriftenden Moloch, der lange Zeit im Schatten der Ostküstenmetropole New York stand. Einladungskarten, Poster, Fotografien, Briefe und Videos im umfangreichen Dokumentarteil der Schau erlauben einen Blick hinter die Kulissen und stellen dem Besucher zentrale Figuren wie Sammler, Kuratoren und Galeristen vor. Im dritten, epilogartigen Kapitel präsentiert „Pacific Standard Time“ mit Julius Shulman einen Architekturfotografen, der die experimentierfreudigen Bauten in Kalifornien tätiger Architekten wie Richard Neutra oder Pierre Koenig auf brillant komponierten Schwarz-Weiß-Fotografien festgehalten hat.

Die Berliner Ausstellung wurde mit dem Getty Research Institute und dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles zusammen entwickelt. Sie war in stark erweitertem Umfang und verteilt auf 60 Institutionen zuvor in Los Angeles zu sehen. Die jetzt in Berlin präsentierte Auswahl ist vielleicht nicht die Quintessenz dieses Mammutunternehmens. Aber sie zeigt die Bandbreite und Vitalität einer sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst zögernd entwickelnden und im Laufe von 30 Jahren immer bedeutender werdenden Kunstszene. Heute gilt Kalifornien als eines der weltweiten Kraftzentren zeitgenössischer Kunstproduktion. Entscheidend dazu beigetragen hat die private Kunsthochschule „CalArts“ in Valencia bei Los Angeles. Gegründet hat das durchaus widerständige Institut, an dem auch in der Ausstellung vertretene Künstler wie der Konzeptkunst-Guru John Baldessari oder die Feminismus-Ikone Judy Chicago gelehrt haben, Anfang der 1960er Jahre kein Geringerer als Walt Disney: der Mann, der mit der Kultivierung einer oberflächlichen Themenparkästhetik nicht nur in Kalifornien die Massen berauschte. Vielleicht plagte ihn ja einfach nur ein schlechtes Gewissen.

Die Ausstellung „Pacific Standard Time – Kunst in Los Angeles 1950-1980“ ist bis zum 10. Juni zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr, sowie am 10. April und 29. Mai geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro; bis 16 Jahren ist er frei. Der 330seitige Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet im Museum 38 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



18.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


15.03.2012, Pacific Standard Time - Kunst in Los Angeles 1950–1980

Bei:


Martin-Gropius-Bau










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