Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Bundeskunsthalle zu Bonn widmet sich dem Zusammenwirken der drei einflussreichsten Künstler New Yorks in den 1980er Jahren

Befruchtende Divergenzen



Schrille, flächig aufgetragene Farben, mit Wortfetzen durchsetzte Metaphern, kombiniert mit altbekannten Gegenständen, Personen und Tieren beherrschen den Parcours rund um das Atrium der Bundeskunsthalle in Bonn. Drei Künstler, die führend waren in ihrer Zeit, bestreiten die Ausstellung mit ihren überwiegend großformatigen Gemälden in Acryl und Öl sowie Siebdrucken, die zwischen Werbeplakat, Comic und Graffiti oszillieren. Nichts spiegelt besser die vitale, vor kreativer Energie sprühende, medial offene New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre wider. Junge Talente kommen empor, suchen Innovation, hinterfragen Traditionen, lassen Alltägliches einfließen und breiten sich im öffentlichen Raum aus. Der älteste der drei, Andy Warhol, kann bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Sein Schaffen ist malerisch klar definiert. Er benutzt das kollektive Bildgedächtnis, Ikonen der Geschichte und Medien. Grafisch klar, kühl und technoid hebt sich der Duktus seiner Arbeiten ab. Alte Bekannte wie Mao, Goethe oder Jackie Kennedy leiten zusammen mit den berühmten Motorkutschen von Daimler die Auswahl der Bonner Ausstellung ein.


Jean-Michel Basquiat, der zweite im Bunde, hatte sich bereits Ende der 1970er Jahre unter dem Pseudonym SAMO zusammen mit Al Diaz als Graffitikünstler einen Namen gemacht. Der gerade einmal etwas über zwanzig Jahre alte Sprayer überträgt temperamentvoll seine wütend-explosiven Gesten in Öl, Acryl und Collage auf die Leinwand. Die Mischung aus Symbolen, Piktogrammen und Worthülsen, deren Ableitung von Graffitis unverkennbar bleibt, erscheint wie ein feuriger Gegenpol zu den teils distanziert ausgeprägten Bildern des deutlich älteren Warhol. Dritter in dieser „Ménage à trois“ ist Francesco Clemente. Seine Gemälde geben sich träumerisch und mystisch, gleiten zuweilen ins Surreale. Erst seit 1981 in New York ansässig, fußen seine Werke in verschmelzenden geistigen Haltungen, die er während längerer Indienaufenthalte für sich ergründet. Fragen nach dem Innen und Außen, dem Selbst und dem Anderen, dem Körperlichen und Physischen beherrschen seine Sujets.

Die Schau, die sich aus annähernd 180 Exponaten rekrutiert, mündet in solche Arbeiten, die die drei Künstler gemeinsam schaffen. Im Dezember 1983 beginnen sie ihre Zusammenarbeit mit Gemälden und Zeichnungen. Die Bilder gehen zwischen Warhol, Basquiat und Clemente hin und her. Jeder nutzt die Chance, auf das bereits Gezeichnete, Gemalte oder Gedruckte zu reagieren. Der Betrachter kann aufgrund der differenzierten künstlerischen Handschriften die individuellen Beiträger deutlich unterscheiden: Warhols Siebdrucke, Basquiats Ölkreidezeichnungen und Xerokopien sowie Clementes malerische Visionen. Sprache und Schrift aber besitzen für alle drei einen gewichtigen Stellenwert. Offensichtlich wird, wie sensibel sie den Beitrag der jeweils Anderen respektieren und nur wenig überarbeiten.

1984 arbeiten Basquiat und Warhol auch ohne Clemente zusammen. Zahlreiche Gemeinschaftsprojekte belegen die immer intensiver werden Freundschaft zwischen ihnen. Wie sehr sich der gegenseitige Einfluss auch auf individuelle Bilder auswirkt, kann man daran erkennen, dass Warhol nach mehr als zwanzig Jahren wieder mit der Hand zu malen beginnt und Basquiat plötzlich anfängt, mit der Siebdrucktechnik zu arbeiten. Nicht zu übersehen ist darüber hinaus der interkulturelle Dialog. Beide stammen aus Einwandererfamilien mit proletarischem Hintergrund. Warhols Eltern kommen aus der Slowakei. Basquiats Mutter wächst als Kind puertoricanischer Eltern in Brooklyn auf, während der Vater aus Port-au-Prince in Haiti stammt. Clemente wird in Neapel geboren. Die gemeinsamen Bilder der drei gestalten sich zu einem Dialog zwischen der amerikanischen Konsumgesellschaft und postkolonialen Kräften, zwischen europäischer Antike und indischen Traditionen.

Während Warhol die abgenutzten Ikonen des Kapitalismus aufgreift, collagiert Basquiat das vorgefundene Material gleich dem Copy and Paste der Internetgeneration in seine eigene Ästhetik. Clemente malt als einziger der drei kontemplativ, meditativ und geduldig gegen die Rationalität an. Seine fantastischen künstlerischen Visionen stoßen in der jüngsten Künstlergeneration derzeit wieder auf großes Interesse. Von Warhol und Basquiat bleiben dagegen Erinnerung und Einbildungskraft. Nach dem Ende ihrer Zusammenarbeit 1985 sind sie sich weiterhin freundschaftlich verbunden, doch bleibt ihnen nur noch wenig Lebenszeit: Warhol stirbt am 22. Februar 1987 während einer Gallenblasenoperation, und am 12. August 1988 fällt Jean-Michel Basquiat einer Überdosis Drogen zum Opfer.

Die Ausstellung „Ménage à trois. Warhol, Basquiat, Clemente“ ist noch bis zum 20. Mai 2012 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



18.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


10.02.2012, Ménage à trois - Warhol, Basquiat, Clemente

Bei:


Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce