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George Condo in der Frankfurter Schirn

Müde Helden



Ein Aufschrei ging vor ein paar Jahren durch das englische Establishment, da der amerikanische Maler George Condo es doch tatsächlich gewagt hatte, die britische Königin Elisabeth II. als pausbäckige alte Puppe mit seitlich vorstehenden Zähnen und aufgerissenen Augen auf die Leinwand zu bannen, und die Tate Gallery das überdies unverschämt kleinformatige Gemälde auch noch öffentlich ausstellte. „Dreams and Nightmares of tthe Queen“ heißt dieses 2006 entstandene Zeugnis bösester Blasphemie. Condo wertete die Reaktionen – was wohl jeder andere auch getan hätte – als einen Ansporn zur Schaffung weiterer Portraits der Monarchin, die sich unter Titeln wie „The Blonde Queen“, „Metaphysical Queen“, „Comic Queen“, „The Queen in Her Queen“ mit einer Möhre, die sich quer durch den Schädel bohrt, oder „The Mad Queen“ in ähnlich drastischer Weise an der physischen, geistigen und auch mythisch gewordenen Persönlichkeit der Dargestellten abarbeiteten.


Alle diese Bilder und noch ein paar weitere Portraits der Königin hängen derzeit in der Schirn Kunsthalle am Frankfurter Römer als Teil der Ausstellung „George Condo: Mental States“, die in Zusammenarbeit mit der Hayward Gallery in London und dem Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam entstand und noch bis Ende Mai einen Überblick über das Schaffen des 1957 geborenen Malers, Grafikers und Bildhauers gibt. Condo ist durch seine künstlerische Biografie gleichsam geadelt, arbeitete er doch 1981/82 einige Monate lang hauptsächlich als Siebdrucker in Andy Warhols „Factory“, wo er unter anderem des Meisters Zyklus „Myths“ ausführte. Keith Haring und Jean-Michel Basquiat zählte er seit den frühen 1980er Jahren zu seinen Freunden, Walter Dahn und Jirí Georg Dokoupil, Mitglieder der neoexpressionistischen Gruppe „Mülheimer Freiheit“, luden ihn nach Köln ein, wo er sich vom rheinischen Karneval inspirieren ließ, wie er überhaupt Alles begierig aufsog, was ihm die Grotesken der Wirklichkeit boten.

Überdies ist George Condo ein versierter Kenner der Malereigeschichte. Mit sichtlichem Genuss kostet er die Fähigkeit aus, die verschiedensten Stile zu adaptieren, malt die eine Queen im Stil des Impressionismus, die andere konstruktivistisch zerlegt, die dritte als Pop-Ikone, lässt in „The Madonna“ von 1982 thematisch und technisch das italienische Quattrocento Revue passieren, bekennt sich in der hieratisch aufragenden Kostümpuppe „The Introvert“ 1984 zum Surrealismus, um nur ein Jahr später in „The Art Collector“ zum Expressionismus eines Kees van Dongen in pervertierter Form überzuwechseln, schafft 1989 und 1994 „Memories of Picasso“ und „Memories of Rembrandt“ in der jeweils entsprechenden Manier und pflegt ganz nebenbei, aber in ziemlich stattlichen Formaten auch seine Leidenschaften für abstrakte Farbkompositionen, die er ohne unmittelbaren Bezug mit gezeichneten Figurengruppen überlagert, wie das vor ihm schon Pablo Picasso oder Fernand Léger gemacht haben.

Das Alles zeugt von großer Leichtigkeit und Souveränität im Umgang mit der Tradition, mit den malerischen Mitteln, mit dem Bild und der Kunst an sich. Und doch beschleicht einen beim Durchschreiten der Ausstellung zunehmend ein Gefühl der Übelkeit angesichts der Plattheiten, die George Condo je länger je mehr von sich gibt. Zeigen die frühen Arbeiten bis etwa in die Mitte der 1990er Jahre hinein tatsächlich jenen „beißenden Humor“, jene „surreale Absurdität“ und gerne auch ein „überbordendes Pathos“, wie die Ausstellungsmacher meinen, so haben die Durchschnittsamerikaner, Alkoholiker, Sexbesessenen oder Kirchenmänner, die sich Condo in den vergangenen fünfzehn Jahren vorgenommen hat, alle diese Eigenschaften nach und nach verloren. Diese fiktiven Bildnisse mit ihren verzerrten und entstellten Gesichtern, die wohl komisch sein sollen, aber allenfalls albern sind, bringen substantiell nichts Neues.

Die amerikanischen Allerweltsprobleme, die da in guter alter Tradition künstlerischer Gesellschaftskritik verhandelt werden, werden von Condo so abgeschmackt inszeniert, dass sie uns nicht einmal mehr ein müdes Lächeln entlocken können. Die Seelenzustände, die – wie ziemlich unkritisch behauptet wird – in seinen Masken so treffend und ernsthaft dargestellt sein sollen, wurden schon vor über zweihundert Jahren in den Büsten eines Franz Xaver Messerschmidt sehr viel intensiver, wirklich ernsthaft, ja fast erschütternd herausgearbeitet. Wenn sich George Condo im Gefolge dieser ermüdenden Wiederholung des immer Gleichen dann schließlich auf Heiligtümer stürzt wie die Queen oder auch den gekreuzigten Christus, dessen Tod von einer Konfettibombe begleitet wird, dann entlarvt sich diese Malerei selbst als das Produkt eines in die Jahre gekommenen Konzeptes, zu dem eigentlich alles gesagt ist.

Im Auktionswesen erzielen Condos Arbeiten inzwischen Preise bis knapp unterhalb der Millionengrenze – schwer nachvollziehbar angesichts ihrer zweifelhaften intellektuellen Qualität. Doch der Kunstmarkt folgt bekanntlich seinen eigenen Gesetzen, und offenbar reichen Warhol-Provenienz des Autors und der matte Anflug des frechen Bürgerschrecks, gepaart mit unbestreitbarer technischer Raffinesse, bereits aus, um jemanden wie George Condo groß werden zu lassen. Die Schirn aber hätte sich von diesen Werbeetiketten nicht unbedingt blenden lassen müssen. Den Condo hätte sie sich gut und gerne sparen können: Die Munch-Ausstellung, durch deren enge Räume sich tagtäglich eine Menschentraube wälzt, hätte die andere Hälfte der Ausstellungsfläche in dem Haus am Dom jedenfalls wesentlich gehaltreicher auszufüllen vermocht.

Die Ausstellung „George Condo: Mental States“ läuft bis zum 28. Mai. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, die Familienkarte kostet 14 Euro. Der Katalog kostet 29,80 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



13.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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