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Georgia O’Keeffe gilt heute als Pionierin der modernen amerikanischen Kunst. Die Hypo-Kunsthalle in München zeigt in der ersten O’Keeffe-Retrospektive in Deutschland, dass sie mehr war als eine avantgardistische Blumenmalerin

Auf Traumpfaden in New Mexico



Geradezu monströs sind die weißen Blüten auf die 1,2 Meter hohe Leinwand gebracht. Sie wirken künstlich, etwas unterkühlt, stilisiert und haben einen gewissen Grad an Distanziertheit, indem doch zugleich auch ihr Reiz liegt. Die Blüte als Ausdruck avantgardistischer Weltsicht, als progressives Fingerschnipsen einer Malerin, die sich im Strudel der Moderne behaupten will. Das Gemälde „Stechapfel mit grünen Blättern und blauem Himmel“ aus dem Jahr 1938 ist eines der berühmten Blüten-Bilder der amerikanischen Malerin Georgia O’Keeffe. Dabei hatte sie sich Ende der 1920er Jahre mehr aus Protest dem Gegenständlichen, vor allem Blumen und Baummotiven zugewandt. Zuvor malte die 1887 Geborene abstrakte, weich fließende Gemälde. Sie scheinen, wie die hier gezeigten Aquarelle „Abendstern VI“ von 1917 oder „Blauer Hügel Nr. II“ von 1916 tief aus dem Unterbewusstsein zu stammen und einem spontanen Impuls entsprungen zu sein.


Die unkonkrete Formsprache und das oft kontrastreiche Farbprogramm von Blau, Weiß und Schwarz, das unergründliche Räume suggeriert, wurden von der Kritik im freudschen Sinne als Ausdruck ihrer Sexualität und Weiblichkeit interpretiert. In dieser Schublade wollte O’Keeffe nicht landen. Die unliebsame Kategorisierung der Kritik hat provoziert und die avantgardistischste Blumenmalerin des 20sten Jahrhunderts hervorgebracht. An diesem Faktum will auch die Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle nicht rütteln. Die 1924 entstandenen Gemälde von scharfkantigen Callas-Trompeten oder die sich fast auflösenden Blüten des „Gelben Kaktus“ von 1929 sind Marksteine der modernen Kunst geworden. Sie verkörpern auf die schönste und geschmeidigste Art die große Fähigkeit dieser Malerin, die Sprache der Moderne und die Naturdarstellung in Einklang zu bringen. Aber sie haben zu oft auch den Blick verstellt auf die anderen Facetten im Œuvre O’Keeffes. Diese werden nun in der großen Retrospektive ausgebreitet und machen eine Malerin erlebbar, die ihre Kraft aus einem tiefen, inneren Empfindungsreichtum schöpfte.

Georgia O’Keeffe hat ihre Inspiration nicht wie so viele andere aus dem Melting Point New York gezogen. Auch wenn es Wolkenkratzer-Bilder wie „Eine Straße“ von 1926 gibt, in der sie postexpressionistisch und mit kontrastreichen Hell-Dunkel-Effekten die Stimmung der Stadt wiedergibt, gehörte O’Keeffes große, malerische Liebe doch New Mexico. Ende der 1920er Jahre hat sie ihren Ehemann Alfred Stieglitz in New York zurückgelassen, hat erst in der Künstlergemeinschaft Tao bei Santa Fe, dann auf ihrer eigenen Ranch in der Wüste bei Nevada eine neue Heimat gefunden. Um die kargen Landschaften in den Indianergebieten, um die wie Landmarken in der Wüste stehenden Bäume, um die wie Traumpfade wirkenden Straßen mit ihren verendeten Tieren und ausgemergelten Skeletten hatte sich die Malerei des 20sten Jahrhunderts bislang kaum interessiert. O’Keeffe machte sie zu ihrem Thema. Mit einem fast mythischen Realismus malte sie weiße Schädel toter Weidetiere, sie stilisierte die faltigen Erdformationen zu einer Fläche aus Farbe und Rhythmus und ließ im Sandsturm die Kronen von Bäumen zu sich auflösenden Phantasmagorien verwandeln. Ihre Bilder sind bis heute Inbegriff des amerikanischen Westens.

Und bei aller Romantik und trivialen Gefühlskala, mit der diese Gegend durch Hollywoods Westernproduktion besetzt war, ließ sich Georgia O’Keeffe in ihrem avantgardistischen Blick auf diese Welt nicht beirren. Im Gegenteil. In den frühen 1950er Jahren wurden ihre Bilder immer konstruktiver, abstrakter und puristischer. Ein Motiv hat sie über Jahre nicht mehr losgelassen: Patio – die Tür auf ihrer Hazienda Abiquin. Das konstruktive Spiel des schwarzen, hochrechteckigen Feldes in der lehmgelben Wand des Hauses und die grauen, kantigen Schatten, die es warf, variierte O’Keeffe in zahlreichen Bildern. Der Kontrast von Hell und Dunkel, aber vor allem die schwarze Tür, die wie in ihren frühen Aquarellen den Betrachter in eine undefinierte Tiefe zieht, brachten sie zurück zum Abstrakten und zum Konstruktiven.

Als Georgia O’Keeffe 1986 mit 99 Jahren auf ihrem einsamen Landsitz in der Wüste von New Mexico starb, ging in der amerikanischen Kunstgeschichte eine Ära zu Ende. Sie war eine der letzten jener Generation, die Amerikas Moderne von den Strömungen in Europa abnabelte und ihr noch vor dem Zweiten Weltkrieg ein eigenes Gesicht verschafft hatte. Jackson Pollock, der Erfinder des Drip-Paintings, gehörte zu diesem Kreis, auch Edward Hopper oder Charles Sheeler. Doch O’Keeffes künstlerisches Reservoire lag weder in den tristen Diners der amerikanischen Vorstädte, noch in der Methode, die innere Befindlichkeit in einem ekstatischen Akt auf die Leinwand zu übertragen. O’Keeffe suchte Symbole und Ausdruck in biomorphen Abstraktionen und in einem fantastisch gebrochenen Realismus.

Die Ausstellung „Georgia O’Keeffe. Leben und Werk“ mit rund 75 Werken der Künstlerin, deren Leben zudem in etwa 50 Fotografien von Alfred Stieglitz, Arnold Newman und Paul Strand dokumentiert wird, ist bis zum 13. Mai zu sehen. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog mit Abbildungen aller ausgestellten Werke ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet an der Kunsthallenkasse 25 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 22 44 12

Telefax:+49 (089) 29 16 09 81



09.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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03.02.2012, Georgia O'Keeffe - Leben und Werk

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