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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Auch in diesem Jahr mangelt es der Art Karlsruhe an einer konsequenten Ausrichtung auf die Qualität der Kunst. Dennoch hat sich die badische Verkaufschau fest im deutschen Messereigen etabliert

Der passive Auftraggeber



Schon zum neunten Mal lädt die badische Barockstadt Karlsruhe Galeristen, Sammler und Kunstinteressierte zur Art Karlsruhe. Wieder steht die Verkaufsschau unter dem Motto des Dialoges von Klassischer Moderne und neuen Positionen. Auf vier Hallen verteilt sich das Geschehen, insgesamt 35.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen den 222 nationalen und internationalen Ausstellern zur Verfügung. Dass die relativ junge Messe offensichtlich im Bewusstsein der kunstinteressierten Öffentlichkeit angekommen ist, beweisen die steigenden Besucherzahlen der vergangenen Jahre. 2012 rechnen die Ausrichter mit etwa 45.000 Besuchern, der Auftakt gestern gestaltete sich mit zahlreichen Besucherströmen jedenfalls schon vielversprechend. Kurator Ewald Karl Schrade betonte bei der Pressekonferenz die Wichtigkeit der Privatsammler für den internationalen Kunstbetrieb und bekam prominente Unterstützung durch den Direktor des ZKM Peter Weibel. Der Medientheoretiker nannte die Privatsammler vollmundig „passive Auftraggeber“ und verglich sie mit den Mäzenen früherer Epochen wie Kirche oder Adel. Dank ihnen entstünden neuen Wachstumssegmente, durch die die Messe überleben und wachsen könne. Weibel lobte, wie sensibel die Art Karlsruhe auf die Differenzierung des Kunstmarktes reagiere.


Ein Highlight der Art Karlsruhe sind auch in diesem Jahr die Sonderausstellungen, die Kurator Schrade besonders am Herz liegen. Dieses Mal spiegeln sie das Messemotto „Sehen und Sammeln“ wieder, zum einen die Pop Art-Sammlung des im letzten Jahr verstorbenen Unternehmers Gunter Sachs und zum anderen ausgewählte Stücke von Marli Hoppe-Ritters „quadratischer Kunst“, also Werke zum Thema Quadrat im 20sten und 21sten Jahrhundert.

Das Prinzip der Messe, klassische Moderne und neue Positionen gleichermaßen zu vertreten, scheint mitunter das größte Problem der Art Karlsruhe zu sein. Wie schon in den Jahren zuvor können sich die klassischen Positionen stark behaupten, die sich in zwei Hallen präsentiert. Hier gelingt es dem Veranstalter, die Großen der Branche zu gewinnen und offensichtlich auch zu halten. Doch gerade im Bereich der Zeitgenössischen Kunst bleiben die wichtigen Galeristen weg, ein Problem, das sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet hat. Was der Besucher hier zu sehen bekommt, gehört nicht immer zur ersten Liga. Vielleicht täte es der Art Karlsruhe hier gut, nach dem Vorbild der Art Cologne eher auf Qualität anstatt auf Quantität zu achten und einen Schrumpfungsprozess einzuläuten.

Ähnlich äußert sich auch der Frankfurter Galerist Andreas Greulich. Seiner Meinung nach ist die gute Entwicklung der Art Karlsruhe in den letzten neun Jahren nur im Bereich der Klassischen Moderne zu sehen. Die Messe sei für das junge Spektrum einfach zu brav, junge verrückte Kollegen fühlten sich von dem eher biederen Image nicht angesprochen. „Die Art Karlsruhe ist eine gute Verkaufsmesse, hat aber wenig Renommee, nicht zuletzt wegen des harmlosen Rufs der Stadt“, sagte Greulich, der zum zweiten Mal in Karlsruhe ausstellt. In seiner One-Artist-Show präsentiert er den jungen Maler Marlon Wobst, der sich in Bildern wie „O.K. Corral“ für 5.200 Euro mit dem Klischee des Westernhelden auseinandersetzt und dabei den Menschen hinter den Requisiten völlig verschwinden lässt. Ein ähnliches Thema wählt der Berliner Matthias Moravek, dessen zwei kleine Bilder mit dem Titel „Alpinism“ für jeweils 1.000 Euro bereits verkauft wurden. Auch er wählt Bildinhalte, die sich mit Heldentum, Herausforderung oder Abenteuer beschäftigen. Die Hauptelemente entstehen dabei durch das Abkleben der Leinwand, so dass am Ende die in „Alpinism“ wichtigen Berge nur als Negativ erscheinen.

Bei der Düsseldorfer Galerie Christian Marx sticht die weißrussische Künstlerin Marina Sailer ins Auge, die in den beiden kleinformatigen Bildern „Pink Room“ und „Blue Room“ (4.500 EUR) Videoinstallation und Malerei auf verblüffende Art verbindet, indem sie die Videoleinwand als eine Art Bild im Bild verwendet. Ihr großformatiges Diptychon „Kaminzimmer“ ist von ätherischen Traumfiguren und Versatzstücken moderner Popkultur besiedelt und soll 14.000 Euro kosten. Leiser kommt die japanische Künstlerin Akiko Ozasa daher, deren filigranen Buntstiftzeichnungen man ihre Anfänge in der traditionellen asiatischen Kalligrafie anmerkt. Ihre originellen Arbeiten liegen im unteren vierstelligen Preisbereich. Schon am ersten Tag konnte Christian Marx zwei Marmorskulpturen von Dirk M. Schreiber absetzten. Die ironischen Kapitalismuskritiken „New international Division of Labour“ und „Mr. New international Division of Labour“ brachten 8.500 Euro und 11.000 Euro.

Deutlich mehr herausragende Positionen bietet die klassische Moderne, beispielsweise vertreten durch die namhafte Düsseldorfer Galerie Ludorff. Hier sind wie immer die großen Namen versammelt. Ein bezauberndes Kinderbild mit drei Kindern, Hund und Pferd von Paula Modersohn-Becker für 650.000 Euro ist genauso zu sehen wie zwei Landschaften Gabriele Münters für 490.000 Euro und 890.000 Euro. Auch einiges an grafischen Arbeiten bietet Rainer Ludorff dieses Jahr an, etwa einen kleinen Frauenkopf von Oskar Schlemmer (35.000 EUR) oder eine Bleistiftzeichnung August Mackes „Beim Elefanten“ (275.000 EUR), die eindrucksvoll demonstriert, wie ähnlich sich Mackes Mal- und Zeichenstil waren. Mit Fritz Winters „Rot von Unten“ für 215.000 Euro ist bei Ludorff außerdem die gestische Malerei vertreten. Auch Henze & Ketterer setzt auf den großen deutschen Informellen und bietet einige kleinformatige, eher dunkeltonige Bilder des Malers an. Das einzige großformatige Bild Winters bei den Schweizer Kunsthändlern ist „Vergehendes Rot“ für 50.000 Euro, das große Verwandtschaft zu dem bei Ludorff angebotenen Gemälde zeigt.

Thole Rotermund präsentiert schon zum sechsten Mal auf der Art Karlsruhe herausragende Arbeiten auf Papier, beispielsweise ein abstraktes Aquarell mit geschwungenen, reinfarbigen Formen von Bernhard Hasler für 8.600 Euro. Einen Schwerpunkt legt der Hamburger Kunsthändler dieses Jahr auf Lyonel Feininger und stellt mehrere Zeichnungen und Lithografien unter anderem zum Thema Marine vor. Der preisliche Rahmen erstreckt sich dabei vom vierstelligen bis in den höheren fünfstelligen Bereich. Ein gutes Geschäft hat die Dresdner Galerie Döbele schon am ersten Tag gemacht. Angereist mit drei Arbeiten von Heinz Schanz, konnte Johann Döbele das „Bild Nr. LB 3447“, eines der gestischen Hauptwerke des badischen Nachkriegskünstlers, bei der Eröffnung veräußern. Über den Käufer und den Preis hüllte er sich in Schweigen, jedoch ließ er durchblicken, dass das farbenfrohe Bild an eine öffentliche Sammlung ging und bald für das Publikum zugänglich sein würde. Zudem ging Max Ackermanns „Dame in Rot“, eines seiner wenigen figurativen Frühwerke, in dem er schon die konstruktiven Tendenzen der späteren Jahre vorwegnimmt, an eine öffentliche Institution.

Die Hamburger Galeristin Renate Krümmer, der jüngst erst ein Sensationserfolg mit der Wiederentdeckung der Berliner Künstlerin Dodo, alias Dörte Clara Wolff, gelungen ist, hat leider nur ein einziges Blatt der Grafikerin gehängt, welches im Augenblick noch nicht verkäuflich ist. Das kleine Blatt „Verabschiedung“ ist jedoch ein Eyecatcher und lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere interessante Bilder in Krümmers Angebot, beispielsweise auf das verspielte Porträt „Frau mit schwarzer Katze in der Nacht“ des Hamburger Sezessionisten Heinrich Stegemann für 95.000 Euro oder ein kleines Kinderbildnis der Bauhausschülerin Ima Breusing von 1925. Bei Jörg Schuhmacher ist mit „Amoureux, Fond Rouge“ eine der seltenen Monotypien Marc Chagalls im Angebot, genauso wie die farbintensive, abstrakte Gouache „Les Acrobates au Cirque“ von Georges Valmier für 36.000 Euro.

Eine Wiederentdeckung bietet die Stuttgarter Galerie Valentien mit dem nahezu unbekannten Maler Volker Böhringer. Der Künstler der Neuen Sachlichkeit ist mit zwei eindrücklichen Gemälden für 125.000 Euro und vier Arbeiten auf Papier zwischen 15.000 und 25.000 Euro vertreten. In den Bildern „Krankenschwester“ von 1936 und „Lokomotivführer“ von 1938 offenbart Böhringer seine Verwandtschaft zu Otto Dix, verwendet aber auch surreale Elemente, die fast an Salvador Dalí erinnern. Der zu Lebzeiten völlig verarmte Künstler erlangte erst Jahrzehnte nach seinem Tod Anerkennung. Im Zuge einer Retrospektive 1976 schrieb ein Journalist über ihn: „Böhringer hat in den 30er Jahren die Bilder gemalt, die man von Dix erwartet hätte.“

Die Galerie Draheim legt ihren Schwerpunkt auf Kompositionen Otto Ritschls. 13 Werke hat der Wiesbadener Kunsthändler mit nach Karlsruhe gebracht, darunter zwei großformatige eindrucksvolle Bilder in schwebenden Blautönen für jeweils 17.500 Euro. Vor allem die früheren, kleinformatigen Bilder im niedrigeren fünfstelligen Bereich erinnern stark an Ritschls Vorbilder Picasso und Braque. Neben der arrivierten Künstlerin Lore Bert für die Mainzer Galeristin Dorothea van der Koelen dieses Jahr der junge belgische Konzeptkünstler Arne Quinze das Zugpferd, der sich mit seinen korallenroten Verflechtungen, die er auch schon über Bäume, Treppenhäuser oder Häuserfassaden ausgebreitet hat, zu einem neuen Publikumsliebling entwickelt. Gleiches gilt für die filigranen Metallobjekte Martin Willings, die sich nur durch den Luftzug sachte bewegen. Sie üben immer eine besondere Faszination auf den Besucher aus.

Die Art Karlsruhe hat bis zum 10. März täglich von 12 bis 20 Uhr, am 11. März von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, die Zweitageskarte 24 Euro bzw. 20 Euro, die Dauerkarte 30 Euro bzw. 26 Euro und die Abendkarte ab 17 Uhr 10 Euro. Der Katalog kostet 25 Euro.



08.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Julia Remenyi

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08.03.2012, Art Karlsruhe 2012










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