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Ohne Titel, 1993 / Fred Thieler

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Österreichisches Design wird dem Wiener Dorotheum aus den Händen gerissen

Aufgewertet



Hugo Gorge, Anrichte, 1919/20

Hugo Gorge, Anrichte, 1919/20

Es ist nicht übertrieben, dass das Wiener Auktionshaus Dorotheum nach seiner ersten „Austrian Design“-Auktion von einem „großen Statement für österreichisches Design“ spricht. Für eine Premiere war die Veranstaltung am 29. Februar eine mehr als respektable Leistung. Mehr als drei Viertel der knapp 170 Losnummern fanden einen Abnehmer. Neben dem Lokalpatriotismusbonus dürfte zu diesem Erfolg auch die hohe Qualität der angebotenen Objekte selbst sowie die ansprechend moderaten Taxen beigetragen haben. Mit der Unterstützung durch das Label „Design Tradition“ im Rücken, einer Initiative der drei Wiener Kunsthändler Patrick Kovacs, Lichterloh und Rauminhalt, die sich einer kritischen Neubewertung des vernachlässigten österreichischen Designs im 20sten Jahrhundert angenommen hat, konnte sich das Dorotheum für diese Versteigerung überdies auf eine ziemlich breite Publicity stützen.


Eine Reihe der Offerten auch von weniger oder namentlich gar nicht bekannten Entwerfern entwickelte sich zum Teil erheblich über ihre Schätzungen hinaus, so ein kantiger Schreibtisch der Wiener Neuen Sachlichkeit der späten 1920er Jahre von 3.000 Euro auf 4.500 Euro oder von ein etwa gleichzeitig entstandener Servierwagen aus Messing und Glas von 800 Euro auf 3.200 Euro. Ein Ausziehtisch, den seine ersten Besitzer auf der Wiener Werkbundausstellung 1930 erworben hatten, wurde zusammen mit einem zugehörigen Vitrinenschrank in auffallendem Nusswurzelfurnier für 3.600 Euro und 4.000 Euro versteigert (Taxen 1.800 bis 2.400 EUR und 2.800 bis 3.400 EUR).

Josef Hoffmanns um 1930 für Thonet Mundus entworfener Armstuhl „Mod. A 64 F“ aus weiß lackierter Buche brachte es auf 3.400 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR), ein weiterer, diesmal orange gestrichener Buchenbugholzstuhl derselben Firma mit einer Rückenlehne aus farblich reizvoll kontrastierenden Bambussprossen schaffte 3.800 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Ihre untere Schätzung von 5.000 und 5.500 Euro erzielten zwei Stühle Oskar Wlachs von 1920, die sich früher im Esszimmer der ebenfalls von Wlach entworfenen Villa Beer in Wien-Hietzing befanden. Ein dreiseitiger Wandverbau samt Bar und Klappsekretär von Fritz Reichl um 1935 und ein eleganter, dem Art Déco verhafteter Schreibsekretär Heinrich Irmlers aus etwa der gleichen Zeit mit eingelegten Porzellanplatten auf den beiden Türen erreichten mit 5.500 Euro ebenfalls den unteren Wert des Taxrahmens.

Höhepunkt des österreichischen Vorkriegsdesigns war eine Würfeluhr der Firma Emil Schauer, die den Wienern seit ihrer Aufstellung 1907 auf dem Stock im Eisen Platz ziemlich genau hundert Jahre lang bis zu ihrer Ausrangierung die Zeit ansagte. Hier wurde wiederum die untere Grenze von 12.000 bis 13.000 Euro erreicht. Dicht dahinter bei 10.000 Euro rangierte eine unten schwerfällige, in ihrem Aufsatzteil aber umso filigranere Lärchenholzanrichte, entworfen um 1919/20 von Hugo Gorge und ausgeführt von „Kunst und Wohnung“ R. Lorenz in Wien (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR). Bei guten 6.000 Euro landete ein sogenannter „Kanadier“, ein ungewöhnlich tiefes Fauteuil, das 1925/26 Josef Frank für die von ihm mitgegründete Einrichtungsfirma „Haus & Garten“ entwarf (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Oswald Haerdtls auf Messingrollen ruhendes, filigranes Barschränkchen aus den mittleren 1930er Jahren wurde für 5.000 Euro veräußert (Taxe 3.400 bis 4.500 EUR).

Derselbe Meister reüssierte im frühen Nachkriegszeit bei 3.400 Euro mit einem nusswurzelfurnierten Beistelltischchen um 1950, das sich ehemals im Haus der österreichischen Papierindustrie im sechsten Wiener Bezirk befand und in seiner funktionalen Leichtigkeit typisch ist für seine Zeit (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR). Roland Rainer, einer der wichtigsten und meistbeschäftigten österreichischen Architekten des 20sten Jahrhunderts, war unter anderem mit einer überzeugend sachlichen Birkensperrholzbank um 1950 für 2.600 Euro (Taxe 850 bis 1.000 EUR) und einem transparenten Kleiderständer aus Eisen vertreten. Letzterer barg zwischen 1956 und 2002 die Mäntel der Besucher in der Wiener Stadthalle und ist als fünftes Exemplar einer Serie von sechzig Stück sogar nummeriert. Hier verdoppelte sich der Preis auf 6.500 Euro.

Aus einer stattlichen Reihe von 1950er Jahre-Lampen wählten sich die Kunden unter anderem Franz Hagenauers zweiteilige Tischlampe von 1954 mit verstellbaren Messingschirmen in Rot und Blau für 8.000 Euro (Taxe 3.400 bis 4.500 EUR) und einen großen Glasluster der Firma J. & L. Lobmeyr von circa 1950 für 6.500 Euro (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Kompletten Absatz fand ein gutes Dutzend Stehlampen mit leichten filigranen Schirmen verschiedenster Ausformungen und Materialien von Julius Theodor Kalmar für bis zu 3.600 Euro ebenfalls meist über den Schätzungen. Die vergleichsweise rustikalen Arbeiten der Designerfamilie Carl Auböck fanden ihre Krönung in einem 1949 angefertigten Baumtisch mit der Werknummer 117, der mit der langjährigen, vor vier Jahren verstorbenen Burgtheaterschauspielerin Judith Holzmeister überdies erlesene Provenienz aufwies. 7.500 Euro wurden hier gezahlt (Taxe 3.400 bis 4.200 EUR).

Das Interesse riss auch nicht ab, als die Stücke ab den 1960er Jahren allmählich immer hipper wurden. Das bestätigten insbesondere Günther Domenigs gelber, aus Fiberglas gepresster Prototyp-Stapelstuhl von 1968 mit der oberen Schätzung von 5.500 Euro und bei 10.000 Euro der rundliche „Mirakel“-Luster von Bakalowits & Söhne aus der Zeit um 1970, eingeliefert von den Erben des 2009 verstorbenen Architekten Walter Gindele (Taxe 5.500 bis 6.500 EUR). Glanzlichter unter den jüngsten Arbeiten waren Anna-Lülja Prauns giftgelb lederbezogener TV-Schrank von 2000 für 6.000 Euro (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR), Franz Wests bunter Stahl- und Plastikstuhl von circa 2002 für 4.000 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) und das in jeder Hinsicht schräge Sitzobjekt „Vodööl“ des bekannten Architektenduos Coop Himmelb(l)au aus dem Jahr 1989 für 8.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Alles in allem war diese Auktion ein wichtiger Schritt, die in jüngerer Vergangenheit zunehmend als von der Zerstörung gefährdet beklagten Positionen des originär österreichischen Designs sowohl als kunstgeschichtlich relevante Denkmäler wie auch als wertvolle Sammlerstücke ihrer bedeutenden Stellung gemäß aufzuwerten.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



08.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


29.02.2012, Austrian Design

Bei:


Dorotheum

Bericht:


Die Zeit im Zentrum

Kunstwerk:

Günther Domenig, Prototyp-Stapelstuhl, 1968
Günther Domenig, Prototyp-Stapelstuhl, 1968

Kunstwerk:

Josef Hoffmann und Oswald Haerdtl, Armstuhl, 1930
Josef Hoffmann und Oswald Haerdtl, Armstuhl, 1930

Kunstwerk:

Josef Hoffmann, Armlehnstuhl Mod. A 64 F, um 1930
Josef Hoffmann, Armlehnstuhl Mod. A 64 F, um 1930

Kunstwerk:

Armstuhl, Thonet Mundus, Wien um 1930
Armstuhl, Thonet Mundus, Wien um 1930

Kunstwerk:

Servierwagen, Wien, um 1925
Servierwagen, Wien, um 1925

Kunstwerk:

Vitrinenschrank
Vitrinenschrank







Schreibtisch, Wien, um 1925/30

Schreibtisch, Wien, um 1925/30

Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 4.500,- EURO

Losnummer: 2

Franz Hagenauer, Tischlampe, 1954

Franz Hagenauer, Tischlampe, 1954

Taxe: 3.400 - 4.500 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 99

 J.T. Kalmar, Oswald Haerdtl zugeschrieben, Bambus-Stehlampe Mod. 2011, um 1955

J.T. Kalmar, Oswald Haerdtl zugeschrieben, Bambus-Stehlampe Mod. 2011, um 1955

Taxe: 900 - 1.400 EURO

Zuschlag: 1.600,- EURO

Losnummer: 71

 Uhrenfabrik Emil Schauer, Wiener Würfeluhr, Werksentwurf Emil Schauer, Wien 1906

Uhrenfabrik Emil Schauer, Wiener Würfeluhr, Werksentwurf Emil Schauer, Wien 1906

Taxe: 12.000 - 13.000 EURO

Zuschlag: 12.000,- EURO

Losnummer: 13

Fritz Reichl, Dreiseitiger Wandverbau mit integrierter Bar und integriertem Klappsekretär, Wien um 1935

Fritz Reichl, Dreiseitiger Wandverbau mit integrierter Bar und integriertem Klappsekretär, Wien um 1935

Taxe: 5.500 - 7.500 EURO

Zuschlag: 5.500,- EURO

Losnummer: 44

Oswald Haerdtl, Tisch, um 1950

Oswald Haerdtl, Tisch, um 1950

Taxe: 1.800 - 2.200 EURO

Zuschlag: 3.400,- EURO

Losnummer: 70

Stehlampe „Fliegenbein“ Mod. 2116, J.T. Kalmar, Wien 1950er Jahre

Stehlampe „Fliegenbein“ Mod. 2116, J.T. Kalmar, Wien 1950er Jahre

Taxe: 1.200 - 1.800 EURO

Zuschlag: 2.400,- EURO

Losnummer: 113

Roland Rainer, Sitzbank, um 1950

Roland Rainer, Sitzbank, um 1950

Taxe: 850 - 1.000 EURO

Zuschlag: 2.600,- EURO

Losnummer: 96

Josef Frank, Beistelltisch, Wien um 1925

Josef Frank, Beistelltisch, Wien um 1925

Taxe: 2.800 - 3.500 EURO

Zuschlag: 2.800,- EURO

Losnummer: 56

Luster „Mirakel“ Mod. 3117, E. Bakalowits Söhne, Wien um 1970

Luster „Mirakel“ Mod. 3117, E. Bakalowits Söhne, Wien um 1970

Taxe: 5.500 - 6.500 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 150

Stehlampe „Kiwi“ Mod. 2093, J.T. Kalmar, Wien um 1950

Stehlampe „Kiwi“ Mod. 2093, J.T. Kalmar, Wien um 1950

Taxe: 1.000 - 1.500 EURO

Zuschlag: 3.600,- EURO

Losnummer: 115

Servierwagen, Wien, um 1925

Servierwagen, Wien, um 1925

Taxe: 800 - 1.000 EURO

Zuschlag: 3.200,- EURO

Losnummer: 16




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