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William Turner, Claude Monet und Cy Twombly in der Staatsgalerie Stuttgart

Weise Altmeister unter sich



Joseph Mallord William Turner, Sonnenuntergang über einem See, um 1840

Joseph Mallord William Turner, Sonnenuntergang über einem See, um 1840

Drei Gewaltige sind es, die sich hier begegnen: William Turner, der romantische Landschaftsmaler, der Vor-Impressionist, auf den sich mit Impressionismus und den verschiedensten Varianten der ungegenständlichen Kunst wie dem Abstrakten Expressionismus und dem Informel gleich mehrere Kunstepochen beziehen durften; Claude Monet, Hauptvertreter der französischen Frühmoderne, der nie radikal mit der historischen und seiner eigenen künstlerischen Tradition brach und sich am Ende seines langen Lebens doch völlig woanders sah als da, wo er begonnen hatte; schließlich Cy Twombly, der ruhige Revolutionär, landläufig als Repräsentant des abstrakten Expressionismus amerikanischer Couleur gefeiert und doch von so entschiedener Eigenwilligkeit, dass man auch ihn in keine Schublade hineinzuquetschen vermag. Es sind drei außerordentliche künstlerische Individuen, Stars in ihrer Zeit und doch stark und unabhängig genug, um jenseits aller Konventionen und Verpflichtung eigene Wege zu gehen. Wenigen Künstlern lässt sich dies mit solchem Nachdruck nachsagen.


Wenn nun diese drei mit ihren Werken gehäuft an einem Ort auftauchen, ist ein Besucherandrang garantiert. In der Staatsgalerie Stuttgart, die Turner, Monet und Twombly in einer großen Ausstellung nebeneinander und einander gegenüberstellt, tritt man sich jedenfalls wochenends beinahe gegenseitig auf die Füße. Und man wird wahrlich nicht um das stattliche Eintrittsgeld betrogen, das man in dieses Erlebnis investiert. Die Schau versammelt mehr als sechzig handverlesene Werke aus hochbedeutenden Sammlungen, darunter natürlich eine Reihe von Turners aus der Tate Gallery, einem der Kooperationspartner bei der Ausstellung. Jeremy Lewison, früher selbst Direktor der Sammlung an eben jenem Museum, hat diese Ausstellung kuratiert und auch gleich den Katalog weitgehend selbst verfasst. Seine Auswahl ist klug und überzeugend, die Hängung offenbart Zusammenhänge und Übereinstimmungen von oft verblüffender Eindeutigkeit.

Die wichtigste Entscheidung Lewisons ist die Beschränkung auf das jeweilige Alterswerk der drei Künstler, wenngleich beispielsweise von dem 1926 gestorbenen Monet recht großzügig noch einige Arbeiten aus den 1880er Jahren einbezogen sind. Gerade vor diesem punktuell aufblitzenden Hintergrund wird jedoch das enorme innovative Potential von William Turner und Claude Monet sichtbar, als sie sich entschlossen, ohne Rücksicht auf die Erwartungen eines Publikums neue Wege zu beschreiten. Sie beobachteten die Phänomene der reinen Natur und nahmen sie genau so auf, wie sie ihnen selbst erschien. Auf diese Weise fanden sie zu einer Bildsprache, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion eigentlich keine Trennlinie mehr zieht. Bilder wie William Turners „Raue See“ aus den frühen 1840er Jahren oder Monets im Nebel verschwindende „Waterloo Bridge“ von 1902 lassen sich tatsächlich auf beide Arten lesen. Turners österreichischer Zeitgenosse Joseph Anton Koch fragte sich sogar etwas verschmitzt, wie herum die Gemälde des Engländers eigentlich aufzuhängen seien.

Dabei gehen die Ähnlichkeiten zwischen Monet und Turner gelegentlich so weit, dass man im ersten Moment ernsthaft daran zweifelt, selber die richtige Zuordnung vorgenommen zu haben. Etwa wenn sowohl Turner in seiner erstmals 1843 ausgestellten Leinwand „San Benedetto, in Richtung Fusina“ als auch Monet in „San Giorgio Maggiore“ von 1908 Stadtansichten sanft im Wasser sich spiegeln lassen und das italienische Licht in einen atmosphärisch dichten Schleier hüllen, der mehr erahnen als wirklich erkennen lässt. Wie selbstverständlich sind diese annähernd gleichgroßen Gemälde nebeneinander gehängt. Nicht immer sind die Beziehungen so eng wie in diesem Fall, und das steht auch gar nicht zu erwarten. Doch bemerkenswert ist schon, wie nah sich zwei zeitlich so weit voneinander entfernte Künstler gelegentlich berühren.

Cy Twombly, so bestünde vielleicht die Gefahr, könnte in dieser Ausstellung der Fremdkörper sein. Doch das ist mitnichten der Fall. Sicher: Seine Hinwendung zur Abstraktion schon in jungen Jahren ist nicht weiter verwunderlich. In seiner Generation gehörte es zum Credo, die Malerei vom sichtbaren Gegenstand zu lösen. Doch wenngleich seine malerischen Mittel expressiver und mitunter fast gewalttätig sind wie in seinem monumentalen Jahreszeitenzyklus von 1993/95, wenngleich hinter seinen Gemälden religiös-metaphysische Beweggründe lauern, was bei Turner sicher nicht der Fall ist, so baut sich ein Kräftefeld zwischen allen drei Künstlern auf, das beim Gang durch die Ausstellung immer in Bewegung scheint und Identitäten ebenso herstellt wie reizvollste Gegensätze. Mancher Wahl wie Twomblys peppigem, aus rot-gelben Kringels auf giftgrünem Grund bestehendem Großformat „Camino Real (II)“ von 2010 mag man vielleicht nicht unbedingt zustimmen, doch zeigen Gemälde im selben wie auch in anderen Räumen der Ausstellung, dass Turner und Monet gelegentlich nicht weniger plakativ – mitunter fast schreiend – die Farben sprühen ließen.

Die Ausstellung stellt nirgends den Anspruch, ein kunstgeschichtliches Lehrstück zu sein. Das ist neben den Exponaten selbst das Angenehme an dieser Schau: Dass sie die ausgestellten Werke ganz dem Betrachter überlässt und ihn nicht mit langatmigen, lehrreichen Texterklärungen behelligt. Die Obertitel, die kaum sichtbar in den Ecken jedes Raumes den zugrundegelegten Begriff benennen, sind die zarteste Form einer Einteilung nach bestimmten Kriterien; ja diese sind eigentlich vollkommen den Werken der Künstler untergeordnet. Ungestört kann man sich in diese Gemälde versenken und freuen an der schöpferischen Kraft dreier außerordentlich kreativer und gleichzeitig so altersweiser Künstler der Weltkunstgeschichte.

Die Ausstellung „Turner – Monet – Twombly. Later Paintings“ ist bis zum 28. Mai täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr zu sehen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 oder 2 Euro. Der Katalog kostet im Museum 29,90 Euro.

Kontakt:

Staatsgalerie Stuttgart

Konrad-Adenauer-Straße 30-32

DE-70137 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 470 402 68

Telefon:+49 (0711) 470 400

Telefon:+49 (0711) 470 40 249

E-Mail: info@staatsgalerie.de



06.03.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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11.02.2012, Turner - Monet - Twombly

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Staatsgalerie Stuttgart

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Joseph Mallord William Turner, Sonnenuntergang über einem See, um
 1840
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Claude Monet, Das Meer bei Fécamp, 1881
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Cy Twombly, Quattro Stagioni (A Painting in Four Parts), 1993-1995
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Claude Monet, Nymphéas, 1916-1919
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Joseph Mallord William Turner, San
 Benedetto, in Richtung Fusina, ausgestellt 1843
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Claude Monet, Le bassin aux nymphéas, um 1916
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Joseph Mallord William Turner, Friede – Bestattung zur See,
 ausgestellt 1842
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Claude Monet, Das Meer bei Fécamp, 1881

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Cy Twombly, Quattro Stagioni (A Painting in Four Parts), 1993-1995

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Claude Monet, Nymphéas, 1916-1919

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Joseph Mallord William Turner, San Benedetto, in Richtung Fusina, ausgestellt 1843

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Claude Monet, Le bassin aux nymphéas, um 1916

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Joseph Mallord William Turner, Friede – Bestattung zur See, ausgestellt 1842

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