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In der Bonner Bundeskunsthalle ist das Londoner Victoria and Albert Museum zu Gast

Kunstillusionen für alle



William Linnaeus Casey, Marlborough House: Zweiter Raum, 1857

William Linnaeus Casey, Marlborough House: Zweiter Raum, 1857

„Weltausstellungen sind Wallfahrten zum Fetisch Ware“. Schon die erste „Exhibition of Works of Industry of all Nations“ bestätigt Walter Benjamins späteren Befund. Über sechs Millionen Menschen strömen 1851 in den viel bewunderten Crystal Palace von Joseph Paxton im Londoner Hyde Park. 8,4 Hektar überspannt das transparente Gebäude. Über 100.000 Objekte vereint die Welt unter einem Dach. Dieses Know-how inklusive eines satten Gewinns von 180.000 Britischen Pfund gilt es zu nutzen. Noch im selben Jahr werden mit Hilfe ihres Spiritus Rektor, des deutschstämmigen Prinzgemahls Albert, 244 Stücke aus der Weltausstellung heraus für die Lehrsammlungen der School of Design erworben; 5.000 Pfund werden für Schmuck, Silberschmiedearbeiten, Wandbehänge, Glas und Keramik bewilligt. Zwei Drittel davon sind Artefakte aus außereuropäischen Ländern.


Schon seit 1837 kann die School of Design auf Studiensammlungen zurückgreifen. Doch nun scheint es an der Zeit, den Schub der Weltausstellung für den Aufbau einer grundlegend neuen Institution zu nutzen. Rasch nimmt das weltgrößte Museum für „Gebrauchskunst“ konkrete Formen an. Schon am 19. Mai 1852 wird in fünf Sälen des historischen Marlborough House ein „Museum of Manufactures“ eröffnet. Zwischen Hyde Park und Brompton Road, im heutigen South Kensington, werden vom Erlös der Weltausstellung 35 Hektar Grund erworben, um hier ein Kultur- und Bildungsuniversum zu errichten.

Prinz Albert tritt als treibende Kraft dieses „Albertropolis“ auf. An der Bonner Universität hat der deutsche Prinz im Rahmen des Studium Universale 1837/38 auch Kunstgeschichte studiert. Als vielseitig Gebildeter kennt er das Kulturareal auf der Berliner Spreeinsel. Leo von Klenze zeigt ihm seine Kulturbauten rund um die Propyläen in München. Der wirtschaftliche Zwang zur Realisierung eines ähnlichen Ensembles in London kommt Albert dabei zu Hilfe: Die Schulung an Beispielen herausragender Erzeugnisse muss intensiviert werden, will man Erzeugnissen Kontinentaleuropas, vor allem Frankreichs, Paroli bieten. Vor allem eine stärkere Institutionalisierung scheint nötig, denn in pragmatisch ausgerichteten Werkstätten und Fabriken findet ästhetische Schulung kaum statt.

Dabei hat sich die Nachfrage nach Dingen, die neben dem Gebrauchswert auch künstlerisch hochwertig gestaltet sind, seit dem 16ten Jahrhundert stetig erhöht. Die industrielle Revolution überschwemmt den Markt aber mit minderwertigen Waren. Zugleich blüht das Kunsthandwerk auf, ausgelöst durch den Vorbildcharakter mittelalterlicher Formgebungen. Zu den ersten Schausammlungen historischer kunstgewerblicher Objekte erlangt das 1793 für das allgemeine Publikum geöffnete „Musée des monuments français“ in Paris rasch europaweites Renommee.

Dies zwingt zum Angehen von Alberts Visionen, wozu sogar der deutsche Architekt Gottfried Semper beratend herangezogen wird. 1857 zieht das Museum of Manufactures nach South Kensington um. Am 22. Juni 1857 eröffnen Königin Victoria und ihr Gatte Prinz Albert das South Kensington Museum als Präsentationsplattform kunstgewerblicher Spitzenprodukte. Dass 1858 hier die weltweit erste Fotografieausstellung gezeigt wird, demonstriert, wie rasch sich in der viktorianischen Zeit neue Formen des „Brandings“ und „Product-Placements“ etablieren und das neue Museum dabei als Trendsetter auftritt.

Zwar verliert das Projekt nach Alberts frühem Tod 1861 etwas an Schwung, das Museum wird im Rahmen pragmatischer Einzellösungen immer wieder erweitert. Doch am 17. Mai 1899 legt Königin Victoria den Grundstein zum imperialen Eingangs- und Ausstellungstrakt an der Cromwell Road. Es soll ihr letzter öffentlicher Auftritt werden. Umbenannt in „Victoria and Albert Museum“ findet 1909 die Eröffnung des von Sir Aston Webb entworfenen, 220 Meter langen Neubaus statt. Inklusive der weiterhin genutzten Altbauten bedeckt das Museum nun eine Fläche von fünf Hektar. Der 1,6 Kilometer lange Parcours führt durch Galerieräume und Ausstellungshöfe gewaltigen Ausmaßes vorbei an 100.000 Stücken, ausgewählt aus einem Fundus von heute 2,1 Millionen Objekten, die sich in 15 Sammlungen gliedern, von der Fotografie über die ab 1900 angelegte Kollektion von Textilien bis hin zur Skulptur.

Die Überwindung der Kluft zwischen Skulptur, Design, Architektur und bildender Kunst ist von Anbeginn ein Anliegen des oft nur „V&A“ genannten Instituts, das in seinem Untertitel die Bezeichnung „Museum for Art and Design“ führt. Schon vor einhundert Jahren finden hier Abendführungen unter modernster Gasbeleuchtung, ferner Vorträge oder Seminare statt. Neben Katalogen, Broschüren, Musterbüchern hält der Museumsshop zudem Abgüsse und Repliken zum Verkauf bereit. Ein breites Publikum aus allen Schichten soll angelockt werden. Garderoben, Waschräume, öffentliche, teils opulent ausgestaltete Restaurant- und Erfrischungsräume sind vorhanden, die ersten in einem Museum überhaupt.

Im Rahmen der Reihe „Große Sammlungen“ zeichnet eine in 16 Sektionen untergliederte, noch vom ehemaligen Intendanten Wenzel Jacob konzipierte Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle die Geschichte des V&A nach. Mit über 400 Exponaten ist es die größte je der „Mutter aller Kunstgewerbemuseen“ gewidmeten Schau. Den Besucher erwartet jedoch mitnichten eine viktorianische Rumpelkammer, wie es der englische Ausstellungstitel „Art and Design for All“ eventuell suggerieren mag. Inhaltlich prononciert, stehen präzis ausgewählte Exponate repräsentativ für einen Zeitabschnitt der Museumsgeschichte. Vasen, Geschirr und Figuren verdeutlichen in einleitenden Abschnitten erste Phasen des Museums. Daneben stellen Porträts und Ansichten maßgebliche Unterstützer der Weltausstellung von 1851 vor. Paxtons Erstentwurf zum Kristallpalast wird ergänzt durch eine aufschlussreiche 3-D-Installation, die Konstruktion und Errichtung des Gebäudes vor Augen führt. Selbst die bei der Eröffnung vom Monarchenpaar getragenen Kleider sind zu bestaunen.

Von Dekor überreich bestückt, fallen dann Möbel ins Auge, insbesondere eine Anrichte im neugotischen Stil, entworfen von Ferdinand Rothbart. Das in Coburg 1851 vollendete Möbel gehörte zum Ausstellungsbeitrag des Landes Sachsen-Coburg und Gotha und zu den meistbewunderten Stücken der Weltausstellung. Ganz nüchtern elegant dagegen mutet der Kaffeehausstuhl von Michael Thonet an, den er 1849 konzipiert. Ein Mix verschiedener Stile und kostbare Materialien vereinen liturgische Geräte. Aufschlussreich sind im Bonner Rundgang dann Stücke einer im Museum of Manufactures eingerichteten „Schreckenskammer“ mit Negativbeispielen. Zu den damals als verfehlt gewerteten Stücken zählt neben in der Tat schwülstig-abstoßenden Steinzeugkrügen eine zwar anmutige, aber in sich widersprüchliche Gasleuchte in der Form einer Blume.

Gottfried Sempers Planungen für „Albertropolis“ sind in der Bundeskunsthalle ebenso zu bestaunen wie Steingut, Gläser, überladen ausstaffiertes Mobiliar oder Silberwaren, die in enger Abstimmung mit den jeweils bildlich dargebotenen Abteilungen des Museums angeordnet sind. Wie sehr man in London stets auf das Neue aus war, demonstriert ein elegantes Seidenkleid mit voluminösem Rock von 1862. Das seinerzeit beliebte Anilinblau war mittels neuer synthetischer Farbstoffe eingefärbt worden, die ab 1856 die Textilbranche revolutionierten. Antiquiert mutet die so genannte Krinoline, das voluminöse Untergestell dazu an, das der Form des Kleides den nötigen Halt gibt.

Zeichnungen und Fotos gewähren dann Einblicke in die Gipsabdrucksammlung des V&A, während das Kapitel Wissenschaft und Vermittlung Modelle bedeutender technischer Erfindungen wie einen Jacquard-Webstuhl, Telegrafen oder Morseapparate bis hin zu Teilen des 1858 erstmals verlegten Transatlantikkabels vorstellt. Der mit dem V&A besonders verbundenen Arts- and Crafts-Bewegung und ihrem Protagonisten William Morris ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Vereinfachte Naturformen in vielfältiger Kombinierbarkeit, produziert mit guten alten Handwerksmethoden, zeigen sich auf Stoffen oder Tapeten.

Dem folgt ein Schwall von Exponaten, die fernöstliche Einflüsse thematisieren. Chinesisches Porzellan, ein seidener japanischer Stellschirm, Gewürzdosen aus Indien, stark eingefärbte Fliesen aus den Verbreitungsgebebieten des Islam oder ein Medaillon-Teppich leiten zu einem „Literarischen Kabinett“ über, in dem man sich in einzelne Sachgebiete vertiefen kann. Vorbei an Jugendstilinterieurs beschäftigt sich ein Segment mit dem Vorbildcharakter des Victoria and Albert Museums für andere Museumsgründungen in aller Welt. Dazu gehört vor allem das 1868 eingeweihte Deutsche Gewerbemuseum in Berlin. Aktuelle Schöpfungen aus dem Modesektor stehen am Ende des Rundganges durch die „Fundgrube für jedermann“.

Die Ausstellung „Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum“ ist bis zum 15. April zu sehen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog kostet an der Museumskasse 32 Euro.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



27.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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18.11.2011, Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum

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Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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Kleid, 1862
Kleid, 1862

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Christopher Dresser, Toastständer, Birmingham um 1880
Christopher Dresser, Toastständer, Birmingham um 1880

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Giambattista Gatti, Paneel, Rom um 1855
Giambattista Gatti, Paneel, Rom um 1855

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Vase, Japan, um
 1800/50
Vase, Japan, um 1800/50

Variabilder:

„Literarisches
 Kabinett“ in der Ausstellung „Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum“
„Literarisches Kabinett“ in der Ausstellung „Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum“

Variabilder:

Henry Clarke Pidgeon, Der Indische Hof und die Juwelen, 1851
Henry Clarke Pidgeon, Der Indische Hof und die Juwelen, 1851

Variabilder:

Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Anrichte im gotischen Stil, Coburg um
 1851
Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Anrichte im gotischen Stil, Coburg um 1851







Kleid, 1862

Kleid, 1862

Christopher Dresser, Toastständer, Birmingham um 1880

Christopher Dresser, Toastständer, Birmingham um 1880

Giambattista Gatti, Paneel, Rom um 1855

Giambattista Gatti, Paneel, Rom um 1855

Vase, Japan, um 1800/50

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„Literarisches Kabinett“ in der Ausstellung „Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum“

„Literarisches Kabinett“ in der Ausstellung „Art and Design for All. The Victoria and Albert Museum“

Henry Clarke Pidgeon, Der Indische Hof und die Juwelen, 1851

Henry Clarke Pidgeon, Der Indische Hof und die Juwelen, 1851

Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Anrichte im gotischen Stil, Coburg um 1851

Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Anrichte im gotischen Stil, Coburg um 1851

Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Lehnstuhl, Coburg um 1851

Ferdinand Rothbart und Th. Kolb, Lehnstuhl, Coburg um 1851

Kännchen, Venedig, um 1700

Kännchen, Venedig, um 1700

Deckelvase, Sèvres, um 1855

Deckelvase, Sèvres, um 1855

Gottfried Semper, Tisch mit Schrankaufsatz, 1855

Gottfried Semper, Tisch mit Schrankaufsatz, 1855

Edward Hodges Baily, Prinz Albert, 1841

Edward Hodges Baily, Prinz Albert, 1841

Sake-Kanne, Kyoto, Japan um 1840/60

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