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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Die 13. Art Rotterdam verbreitete gute Laune bei den Galeristen: Erfolgreiche Verkäufe gerade im mittleren Preissegment sorgten für entspannte Stimmung auf der wichtigsten Kunstmesse der Niederlande

Niederländische Gelassenheit



Eisschollen trieben in den vergangenen Wochen auf der Maas. Viele Niederländer nutzten die kalten Tage für eine ausgiebige Schlittschuhtour auf den zugefrorenen Kanälen des Landes. Schlittschuhlaufen – man denke nur an die Gemälde von Pieter Bruegel d.Ä. und Hendrick Avercamp – gilt in den Niederlanden seit Jahrhunderten als Nationalsport. Die Ausnahmekälte des diesjährigen Winters war vielleicht ein Grund, weshalb die Besucherzahlen der am 12. Februar zu Ende gegangenen 13. Ausgabe der Art Rotterdam leicht hinter den Vorjahreszahlen zurückgeblieben sind. Ausfälle im Zugverkehr trugen ihr Übriges dazu bei.


Immerhin 12.500 Besucher hatten in diesem Jahr den Weg vom Stadtzentrum über die Erasmusbrücke ins Cruise Terminal gefunden. Die Zahl lag nur knapp niedriger als im Vorjahr. Für Messedirektor Fons Hof kein Grund zur Beunruhigung: „Für die große Eislauftour war das Eis dann doch zu dünn“, sagt er. „Sonst wären sicherlich noch mehr Leute zum Schlittschuhlaufen gegangen.“ 75 Galerien, davon 32 aus den Niederlanden, nahmen an der angenehm überschaubaren Messe für zeitgenössische Kunst mit überwiegend kleineren und mittleren Arbeiten teil. „Fast jede Galerie hat etwas verkauft“, freut sich Fons Hof. Sicherlich ein Grund für viele der jüngeren Aussteller, eine positive Bilanz zu ziehen. Die Kojenpreise sind in Rotterdam überschaubar. Schon nach wenigen Verkäufen hat sich die Messe für die meisten Händler bereits gelohnt. Das erklärt auch die gute und relaxte Stimmung auf der Art Rotterdam.

Gegenüber den letzten Ausgaben haben sich die Messeorganisatoren eine Neuerung für den Eingangsbereich im Erdgeschoss überlegt. Junge Galerien konnten sich hier mit einer Solopräsentation bewerben. Die Kuratorin Zoë Gray, bis vor Kurzem am Witte de With Center for contemporary Art tätig war, wählte 15 Positionen aus. Die Kojenpreise lagen hier mit 2.500 Euro noch einmal 40 Prozent unter der normalen Standmiete. „Wir hatten über 65 Bewerbungen“, sagt Fons Hof. „Wir dachten, diese Neuerung sei für uns optimal, weil wir ja eine junge Messe sind. Außerdem konnten wir so das Galerienspektrum internationalisieren.“ Von den 15 ausgewählten Galerien kamen 14 aus dem Ausland.

Mit dabei war auch die Galerie Koal aus Berlin, die den 1978 geborenen Fotografen Ingo Mittelstaedt in einer Soloshow präsentierte. Mittelstaedt zeigte farbige Stillleben, die aus einfachen Materialien wie Pappen, Glasscheiben, Sperrholz oder Folien komponiert waren. In seinen präzisen, komplett analogen Aufnahmen arbeitet er virtuos mit Lichtreflexen und Spiegelungen. „Das Stillleben hat hier in den Niederlanden ja eine große Tradition. Viele Besucher waren begeistert von Ingo Mittelstaedts Arbeiten“, erläutert Stephan Koal (Fotografien in unterschiedlichen Formaten. Preise: 1.200 bis 2.800 Euro, Auflage: 5).

Gleich nebenan präsentierten Sommer & Kohl, ebenfalls aus Berlin, Betonskulpturen des in Berlin lebenden Niederländers Jeroen Jacobs, Jahrgang 1968. Jacobs fertigt aus Holz und Kunststoff Abgussformen, in die er flüssigen Beton gießt. Die bizarr-amorphen Skulpturen kosteten zwischen 2.500 und 4.500 Euro. Ein überaus positives Resümee der Rotterdamer Messe zog die Stuttgarter Galerie Parrotta Contemporary Art, die auch einen Projektraum in Berlin betreibt. „Ich konnte mich kaum hinsetzen, so viele Gespräche habe ich geführt“, sagt Galeristin Saskia Dams. Auf starke Resonanz stießen die Fotografien des 1977 in Berlin geborenen und heute in Leipzig lebenden Fotografen Edgar Leciejewski. Neben einer Serie mit Aufnahmen präparierter Vögel, die bei einer Auflage von 15 Stück jeweils 1.200 Euro kosteten, stießen vor allem seine abfotografierten Atelierwände mit Fotos, Zeitungsartikeln und Skizzen auf großes Interesse. „Die Art Rotterdam ist eine sehr schöne regionale Messe“, resümiert Sandro Parrotta. „Man kann hier vieles entdecken, ohne dass man überfordert wird.“

Ungewöhnlich ruhig war es am Stand von Lüttgenmeijer aus Berlin. „Wir haben wenig verkauft und wenig Kontakte gemacht“, sagt Robert Meijer etwas enttäuscht. „Es kam hier ein überwiegend normales Publikum.“ Eigentlich schade, denn die Berliner stellten mit dem 1978 geborenen Briten George Henry Longly einen vielversprechenden Bildhauer vor, der mit abstrahierten, dann aber wieder erzählerisch und ironisch aufgeladenen Küchenmodulen arbeitet. An den Wänden hingen mit Acrylfarbe und Bleichmittel bearbeitete Bildträger, die noch einmal das Thema Küchenutensilien aufgriffen. Vielleicht etwas zu konzeptuell für die doch sehr malereiaffinen Niederländer (Arbeiten zwischen 1.500 und 6.000 Euro).

Im ersten Stock versammelten sich dann die übrigen Galerien mit ihren häufig extra auf den Benelux-Markt zugeschnittenen Präsentationen. Viele setzten auf niederländische oder belgische Künstler, um das lokale Publikum anzusprechen. Der Amsterdamer Galerie Ron Mandos gelangen sehr gute Verkäufe an renommierte Privatsammlungen. Eine ganze Serie mit Bleistiftzeichnungen auf handgeschöpftem Papier des 1982 geborenen Niederländers Kim Hospers ging an die Sammlung Philara des Düsseldorfers Gil Bronner. Die hintergründig-düsteren Zeichnungen zeigten Schlüsselszenen aus der Fernsehgeschichte: von der Ermordung Kennedys über Krieg, Sex und Trash bis hin zum schielenden Opossum Heidi, dem Medienstar des Leipziger Zoos. Bereits zwei Stunden nach Eröffnung der Messe waren die 56 Blätter weg, die Ron Mandos in einem kleinen Kabinett gehängt hatte. Eine Serie mit melancholischen, in Grafit ausgeführten, großformatigen Landschaftszeichnungen der Niederländerin Renie Spoelstra, Jahrgang 1974, verkaufte Ron Mandos an die renommierte Rotterdamer Caldic Collection.

Die Amsterdamer Galerie tegenboschvanvreden bot neue, großformatige Grafitzeichnungen des 1983 geborenen Belgiers Rinus van de Velde dar. Van de Velde thematisiert hier in halb fiktionalen, halb realen Darstellungen die Künstlerpersönlichkeit George Grosz. Atmosphärische Atelierszenen ergänzt er um fiktionale Wandtexte. Die Zeichnungen kosteten zwischen 4.200 und 10.000 Euro. Einen echten Eyecatcher aus dem Atelier van Lieshout sprang dann dem Besucher bei der Amsterdamer Galerie Grimm in Form einer grünen Kanone aus Fiberglas ins Auge. Joep van Lieshout, von dem auch kleinformatige, humorvoll-dystopische Zeichnungen zu sehen waren, geht in seinen Arbeiten auf einen möglichen Zusammenbruch der jetzigen Weltordnung in der nahen Zukunft ein. Diesen vordergründigen Kulturpessimismus löst er jedoch immer wieder spielerisch und humorvoll auf (Skulptur: 150.000 Euro, Zeichnungen: 2.500 Euro).

Für Michael Callies von der Brüsseler Galerie Dépendance war die Art Rotterdam eine entspannte Messe: „Durch die geringen Standmieten hat man das Geld schnell wieder drin“, sagt er. „Danach hat man Zeit, auch mal größere Sachen anzusprechen, die sonst in der Hektik untergehen.“ Die auf der Art Rotterdam angebotenen Arbeiten seien überwiegend niedrig- bis mittelpreisig. „Auf einem teureren Level wird es problematisch“, hat Callies beobachtet. Eine nicht ganz billige Arbeit von Thomas Bayrle, ein dreidimensionales Geflecht aus papierenen Fahrbahnen, wollte er aber dennoch unbedingt zeigen. Die Arbeit mit dem Titel „Zeichen für Berg (Bergwanderer)“ aus dem Jahr 2005 war mit 30.000 Euro ausgezeichnet. Bayrles „Stück Malerei“ von 2003 ging für 12.000 Euro weg. Des weiteren machte Dépendance in einer überzeugenden Standpräsentation auf die Fallenarbeiten und kleinformatigen Styroporbilder von Andreas Slominski, auf Skulpturen der Newcomerin Michaela Eichwald und auf ein überaus elegantes Pigmentgemälde von Thilo Heinzmann für 16.500 Euro aufmerksam.

Am Stand von Marion Scharmann aus Köln trafen zwei sich ergänzende, formal interessante Positionen aufeinander: Die raumbezogene Malereien der 1971 geborenen Christine Rusche und Arbeiten der Niederländerin Peggy Franck, Jahrgang 1978, die sich zwischen Malerei und Objekt bewegen. Ihr fast spielerischer Umgang mit Objekten, Fotografie und Malerei mündet in elegante, leichte und formal schöne Arbeiten. Die Werke von Christine Rusche lagen zwischen 2.200 Euro und 2.600 Euro, die von Peggy Franck zwischen 1.800 Euro und 3.600 Euro. Die Berliner Galerie Peres Projects konzentrierte sich in Rotterdam ganz auf Malerei. Von den schwarzen Wänden hoben sich etwa die 10.000 Euro teueren Bilder der in Amsterdam lebenden, 1978 geborenen Amie Dicke ab, die in vielen übereinandergelagerten Schichten mit Kugelschreiber auf Plexiglas malt, daneben auch Arbeiten der sehr jungen belgischen Künstlergruppe mit dem Pseudonym Leo Gabin, die private Bilder aus sozialen Netzwerken wie Facebook in Siebdrucktechnik auf die Leinwand bringt und mit Malerei kombiniert (12.500 Euro).

Die schönste performative Arbeit der Messe gab es dann am Stand von Fruit and Flower Deli aus Stockholm. Die schwedische Künstlerin Ylva Ogland, Jahrgang 1974, zog sich während der Messe immer wieder in ein kleines Indianerzelt zurück und malte dort in stiller Einkehr Porträts von Protagonisten des Kunstbetriebs. Ein Rentierfell aus ihrer nordschwedischen Heimat diente ihr dabei als Unterlage. Die Koje war mit einer goldenen Kette abgesperrt. Wer den Stand betreten wollte, durfte entweder über die Kette klettern oder durch eine extra eingebaute Tür vom Nachbarstand aus eintreten. Kleinere Irritationsmomente wie dieser gehören zum Repertoire dieser Konzeptgalerie.

Fazit der Kunstmesse: Die kontinuierlich junge Ausrichtung sorgte für gute Verkäufe und zunehmendes Interesse bei Sammlern, Kuratoren und dem breiten Publikum. Erstmals in diesem Jahr dockten auch unkonventionelle Satellitenmessen an die Art Rotterdam an. Insbesondere die vom Rotterdamer Galeristen Bob Smit organisierte Raw Art Fair, die man über eine kleine Brücke hinter der Art Rotterdam bequem zu Fuß erreichen konnte, lockte mit Musik, Performance, hipper Gastronomie und einem frischen Angebot an junger Kunst. Das bunt gemischte Spektrum reichte hier von Street Art und Fotografie bis hin zu Arbeiten junger Hochschulabsolventen. Art Rotterdam-Direktor Fons Hof sieht diese Entwicklung gelassen: „Wir kommen da natürlich seriöser daher. Aber es ist doch gut, wenn junge Leute so etwas starten. Da kaufen so manche Besucher ihr erstes Kunstwerk und landen dann später bei uns.“

Die nächste Art Rotterdam findet vom 7. bis 10. Februar 2013 statt.

www.artrotterdam.nl



24.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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