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Die Hamburger Kunsthalle begibt sich mit der Ausstellung „Müde Helden“ auf die Suche nach dem Ideal des „Neuen Menschen“ im 20. Jahrhundert

Im Wachkoma der Moderne



Draußen herrscht tiefschwarze Nacht. Vier Männer im besten Alter begegnen sich auf Neo Rauchs 2006 entstandenem, großformatigem Gemälde „Interview“ in einem hell erleuchteten Wohnzimmer. Es ist Sommer. Große Fenster geben den Blick frei auf im Wind wogende Gräser. Insektenschwärme dringen ins Haus. Zwei der Protagonisten stehen, zwei weitere sitzen mit geschlossenen Augen und schlaffen Gliedern auf Sesseln. Einer der beiden trägt eine mit Farbe bekleckste Hose, die ihn als Maler ausweist. Offenbar besorgt über den Zustand der Sitzenden, fühlen die Stehenden ihnen den Puls und vollziehen an ihnen krankengymnastische Dehnungsübungen, wie man sie mit Bettlägerigen oder Wachkomapatienten macht. Ob das Interview je stattgefunden hat, bleibt im Unklaren: Ein altmodisch aussehendes Aufnahmegerät mit Mikrofon liegt unbeachtet in einer Ecke. Alles scheint gesagt, alle Bücher gelesen, alle Bilder gemalt zu sein.


Neo Rauchs allegorisch aufgeladenes und mitten in einer möglichen Erzählung innehaltendes Gemälde ist Teil der Ausstellung „Müde Helden“ in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle. Die Schau setzt die Bilder des 1960 geborenen Stars der „Neuen Leipziger Schule“ in Bezug zu den Werken zweier bereits verstorbener Maler des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Ferdinand Hodler und der bei uns weitgehend unbekannte Russe Alexander Alexandrowitsch Deineka (1899-1969) werden von den drei Kuratoren der Schau, Kunsthallendirektor Hubertus Gaßner, Daniel Koep und Markus Bertsch, als historische Vorläufer der Malerei Neo Rauchs vereinnahmt. Eine recht gewagte These, äußert sich doch sogar Rauch selbst in einem im Katalog abgedruckten Interview als „bass erstaunt, dass manches von all dem mir bislang unbekannt Gewesenen in meiner Arbeit eine Art Widerschein darstellt, ein formales Wiedergängertum, das ich mir rational nicht erklären kann“. Andererseits: Mit der rationalen Erklärbarkeit hat es Neo Rauch, der in Interviews viel von simulierten „Mechanismen des Traumes“, „Zuströmungen“ und „Atelierverrichtungen“ schwadroniert, sowieso nicht so sehr.

Die Hamburger Schau operiert schon im Titel mit dem nicht unproblematischen Begriff des „Helden“. Gleichzeitig macht sie sich auf die Suche nach der gleichwohl gescheiterten Utopie des „Neuen Menschen“ im 20. Jahrhundert. Eine ausreichende Klärung dieser Begrifflichkeiten findet aber nicht statt. Der „Neue Mensch“ – was ist das? Ein gesellschaftliches Ideal oder eine Horrorvorstellung? Wirklich Position beziehen die Ausstellungsmacher nicht. Was bleibt, sind die Bilder. Aufmarschierende Kämpfer, verzückte Frauengestalten in dünnen Leibchen beim Ausdruckstanz oder in eurhythmischer Verzückung, ausgemergelte Greise ohne Zukunftsperspektive oder nackte Jünglinge beim Anbeten von Pusteblumen geistern bei Ferdinand Hodler über Papierskizzen und Leinwände. Bei Deineka hingegen wird Natur durch Hochtechnologie ersetzt. Hier sind es schnittige Flugzeuge, die die männliche Jugend in ihren Bann ziehen. Durchtrainierte Beaus üben sich im Fußballspiel, und barfüßige Jungproletarierinnen in elfenhaften Kitteln widmen sich in vollautomatischen Textilfabriken ohne jede Anstrengung der Baumwollproduktion. Die frühen avantgardistischen Bilder Alexander Alexandrowitsch Deinekas sind die eigentliche Entdeckung dieser Schau; später allerdings ordnete sich der Maler der Doktrin des kitschig-vaterländischen Sozialistischen Realismus unter.

Neo Rauchs sediert wirkende Arbeiter und Ingenieure, deren bedeutungsschwangeres, aber nutzloses Tun sich in rätselhaften Leerlaufhandlungen inmitten postindustrieller Landschaften erschöpft, sind spätestens nach den großen Retrospektiven zum 50. Geburtstag des Malers vor zwei Jahren hinlänglich bekannt. Der Versuch der Ausstellungsmacher, die drei Maler unter der Klammer eines an sich fragwürdig gewordenen Heldenbegriffs miteinander in Beziehung zu setzen, mag im formalen Vergleich der Bilder überzeugen. Dennoch verlässt man diese „heroische“ Bilderschau mit einem unguten Gefühl in der Magengegend. Was das 21. Jahrhundert braucht, das sind keine Helden sondern moralisch integre Persönlichkeiten.

Die Ausstellung „Müde Helden: Ferdinand Hodler – Aleksandr Dejneka – Neo Rauch“ ist bis zum 13. Mai zu sehen. Die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags sowie an dem Kar- und Ostertagen von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet im Museum 29,80 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



22.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


17.02.2012, Müde Helden: Ferdinand Hodler – Aleksandr Dejneka – Neo Rauch

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Markus Bertsch geht an die Hamburger Kunsthalle

Variabilder:

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1b), 1901/02
Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1b), 1901/02

Variabilder:

Ferdinand Hodler, Entzücktes Weib
Ferdinand Hodler, Entzücktes Weib

Variabilder:

Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche II, 1903/04
Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche II, 1903/04

Variabilder:

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1a), 1901-1906
Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1a), 1901-1906

Variabilder:

Ferdinand Hodler, Arbeitslos, um 1891
Ferdinand Hodler, Arbeitslos, um 1891

Künstler:

Neo Rauch







Ferdinand Hodler, Arbeitslos, um 1891

Ferdinand Hodler, Arbeitslos, um 1891

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1a), 1901-1906

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1a), 1901-1906

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1b), 1901/02

Ferdinand Hodler, Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1b), 1901/02

Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche II, 1903/04

Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche II, 1903/04

Ferdinand Hodler, Entzücktes Weib

Ferdinand Hodler, Entzücktes Weib




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