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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Das Museum Kurhaus Kleve zeigt einen Überblick zum Schaffen Raimund Girkes

Verdichtung, Konzentration, Reflexion



Breite kurze Streifen überziehen in mehrteiligen Formationen das Bild wie ein Stoffgeflecht. Die weißen Bahnen des Gewebemusters tauchen an den Rändern in den blauschwarzen Hintergrund ab. Pinselzüge bleiben ablesbar. Sanft und weich breitet sich das Gefüge ohne kompositionelle Gewichtung vor den Augen des Betrachters aus. Dem 1999 geschaffenen „dichten Feld“ gehen Werke voran, die die Führungsrolle der Farbe Weiß im Schaffen Raimund Girkes untermauern. Pastose, in Zeilen mit dem Spachtel aufgetragene Schuppenformationen lassen in ihrem blättrigen Gerüst an Landschaften denken, wie es das 40 Jahre zuvor geschaffene Ölgemälde „bewegt“ demonstriert. In der Tat: Das derzeit inmitten der stillen, klirrend kalten, vom weißen Reif oder Schneegeriesel gemusterten niederrheinischen Landschaft eingebettete Museum Kurhaus Kleve hätte sich keine passgenauere Schau wünschen können, zumal das an Kraft gewinnende Licht bei den Bildern spannende, kontrastreiche Modulationen erzeugt. Dies begünstigt das kontemplative Aufblühen der 44 Gemälde von Raimund Girke ebenso wie die mustergültige Hängung der Werke im stimulierenden musealen Raumgefüge des klassizistischen Baus.


Raimund Girkes vieldeutige, subtil nuancierte Tafelbilder entfalten eine unbeschreibliche Poesie und Tiefe, obwohl er ihnen im Gegensatz zu den ähnlich gearteten Werken seines Studienfreundes Gotthard Graubner klar gegliederte Strukturfelder auferlegt. Streng frontal ausgerichtet und durchweg emotionslos entziehen auch sie sich gängigen Kategorien. Die Schau in Kleve deckt fast ein halbes Schaffensjahrhundert ab und versammelt Arbeiten von 1953 bis 1999. Nach der Übersiedlung in den Westen studierte der am 28. Oktober 1930 im niederschlesischen Heinzendorf geborene Künstler zunächst an der Werkkunstschule Hannover, dann 1952 bis 1956 bei Georg Meistermann an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 1971 bis 1996 lehrte er selbst Freie Malerei an der Berliner Hochschule der Künste. Vor zehn Jahren, am 12. Juni 2002, verstarb Girke in Köln.

In der chronologischen Ausstellung lassen die frühesten Werke deutlich Meistermanns Einfluss erkennen, aber auch Korrespondenzen zu Serge Poliakoff oder Ernst Wilhelm Nay, betrachtet man die dunkel abgetönten Farbfelder oder -streifen. Tendenzen des Informel und des Tachismus lässt Raimund Girke rasch hinter sich und reduziert nach erdgebundenen Spachtelarbeiten in braunen, roten und schwarzen Tönen mit gelben Splittern die Farbskala auf den Dreiklang Schwarz-Weiß-Grau. Unter Dominanz des Weiß als Gleichnis von Licht und Stille, Einfachheit und Klarheit, Energie und Immaterialität entwickeln sich in den 1960er Jahren die Bilder zu Polen der Ruhe und Klärung, aus denen alles Unwesentliche verbannt wird. Leicht graue oder schwarze Klänge durchsetzen die rein weißen Modulationen und vermitteln Momente der Stille, des Schwebens, der Leichtigkeit und sanften Schwingung.

Fast homogene, monochrome helle Felder ohne malerische Spuren prägen das Jahrzehnt zwischen 1963 und 1973. Der Farbauftrag mit Pinsel oder Spachtel tendiert zu Zeilen. Ab 1970 setzt Girke dann die Spritzpistole ein. Elementare Kraftfelder in Weiß und leichtem Grau, hochrechteckig und in streng horizontalem Zeilenaufbau, gehen mit minimalistischen Tendenzen und auch mit Neigungen zum Allover eines Jackson Pollock einher, wenn auch deutlich konzentrierter. Ab 1973 gewinnen mit der Rückkehr zur Pinselmalerei wieder zarte Gesten an Bedeutung. Die Phase der äußersten Reduktion und Stille gipfelt in Girkes größten Bildern, die 1977 auf der Documenta VI gezeigt werden und nun, entliehen aus der Kunstsammlung NRW und der Hamburger Sammlung Björn Lafrenz und wieder im großen Oberlichtsaal vereint, nebeneinander zu bewundern sind.

Unter Wahrung eines genauen Bildaufbaus belebt Raimund Girke in den 1980er Jahren seine Werke wieder. Dynamik und malerischer Gestus brechen verstärkt hervor. Bei allem Aufatmen und Öffnen bleibt das Weiß beherrschend; Gitter- oder Zeilenstrukturen früher Jahre kehren dezent wieder, Abschabungen spiegeln Malbewegungen und ausholende Gesten. Breite und schmale, lange und kurze Pinselstriche in Weiß liegen über braunen oder ockerfarbenen Schichten. In den 1990er Jahren bringt sich Girke mit dem Körper in den Malvorgang ein, als dessen Ergebnis zum Teil dramatische, kontrastreiche Bilder entspringen.

Ausgelöst durch die Diagnose einer schweren Krankheit im Jahr 1993 äußert Raimund Girke ein Gefühl des Bedrohtseins in einer völlig ungewohnten Rigorosität. Den Kampf zwischen Sein und Nichtsein spiegeln seine Gemälde durch enorme innere Bewegtheiten, visualisiert in Kämpfen zwischen dem Weiß des Vordergrundes und dem Blau oder Schwarz des Hintergrundes, zwischen Licht und Schatten. Illusionäre Tiefen, Ahnungen des Dahinter treten so deutlich hervor wie nie. Sie verleihen der Ausstellung einen kraftvollen Abschluss.

Die Ausstellung „Raimund Girke“ ist noch bis zum 20. Mai zu sehen. Das Museum Kurhaus Kleve hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 20,50 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Kurhaus Kleve

Tiergartenstraße 41

DE-47533 Kleve

Telefon:+49 (02821) 75010

Telefax:+49 (02821) 750111



15.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


12.02.2012, Raimund Girke

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Künstler:


Raimund Girke










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