Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die späte Entdeckung eines lange verborgenen Meisters: Im Haus der Photographie der Hamburger Deichtorhallen wird das erstaunliche Gesamtwerk des 1923 geborenen New Yorker Fotografen Saul Leiter erstmals in einer umfassenden Retrospektive gezeigt

Mit den Augen eines Malers



Das städtische Leben ist fast nirgendwo auf der Welt so perfekt organisiert wie in New York. Doch wenn in Manhattan ein Sturzregen niedergeht, Schnee fällt oder gar einer der berüchtigten Blizzards die Stadt innerhalb kürzester Zeit lahm legt, entstehen auch in der wohl hektischsten Metropole der westlichen Welt stille Momente poetischen Innehaltens und unfreiwilliger Verlangsamung. Menschen ducken sich unter weit aufgespannten Regenschirmen, und verhuschte Gestalten eilen über die Bürgersteige. Betrachtet durch eine beschlagene Fensterscheibe, wirkt die Stadt plötzlich wie ein betretbares impressionistisches Gemälde. Einer, der solche besonderen Augenblicke immer wieder mit der Kamera festgehalten hat, ist der 1923 in Pittsburgh geborene New Yorker Fotograf Saul Leiter.


Seine Aufnahme „Snow“ aus dem Jahr 1960, durch das von Kondenswasser überzogene Fenster eines Busses fotografiert, zeigt eine solche Szene. Aus dem grisailleartigen, grauen Einerlei der Wassertropfen und des mit Schneematsch bedeckten Bürgersteiges hebt sich eine nur diffus erkennbare männliche Person mit Schirmmütze hervor. Dahinter ist als markanter Farbtupfer ein gelber Lieferwagen ins Bild gesetzt. Anders als anderen Vertretern der „Street Photography“ geht es Leiter nicht ums Dokumentarische oder die soziale Aufladung einer Straßenszene. Was ihn interessiert, ist die Komposition, der Umgang mit Farbe, Kontrasten, Spiegelungen, flächigen und grafischen Elementen. Dass künstlerische Farbfotografie bis in die 1970er Jahre hinein als banal und kommerziell abgetan wurde, war ihm immer egal. Er hat seit 1946 in Farbe fotografiert. Aus heutiger Sicht gilt er als Pionier dieser Technik.

2006 erschien im deutschen Steidl Verlag der erste monografische Katalog zu Saul Leiter. Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen richtet dem wiederentdeckten Fotografen und Maler jetzt die weltweit bisher größte Retrospektive seines Gesamtwerks aus – ein Jahr vor seinem 90. Geburtstag. Rund 400 Arbeiten sind zu sehen. Neben frühen Schwarzweiß- und Farbaufnahmen aus dem New York der 1950er und 1960er Jahre versammelt die Schau auch übermalte Aktfotografien, Skizzenbücher, Gouachen, Aquarelle und Gemälde des zurückgezogen in einem kleinen, vollgestopften Apartment im East Village lebenden Künstlers. Die jüngsten Aufnahmen sind 2011 entstanden.

„Er ist ein vergessener Großer unter den Klassikern, der hier ganz neu auf die Bühne gebracht wird“, betont Dirk Luckow, der Intendant der Deichtorhallen, die späte Aufmerksamkeit, die Leiters vielschichtiges Œuvre jetzt erfährt. Warum wurde jemand, der jetzt in einem Atemzug mit berühmten Kollegen der New York School wie Diane Arbus und Robert Frank genannt wird, jahrzehntelang übersehen? Saul Leiter betont in seiner bescheidenen Art und mit typisch „newyorkerischem“ Understatement: „Eigentlich verdiene ich das ja alles gar nicht. Aber was kann ich tun? Jetzt ist die Ausstellung einfach da.“

Tatsache ist, dass Saul Leiter, der zunächst der Tradition seiner Familie folgend, eine theologische Ausbildung in einem Rabbiner College begann und dann als Autodidakt zur Kunst kam, nie besonders verbissen an seiner Karriere gearbeitet hat. Eine Einladung zur Teilnahme an Edward Steichens legendärer Ausstellung „The Family of Man“ nahm er 1951 nicht an; er benutzte den ungeöffneten Briefumschlag als Lesezeichen. Saul Leiter verdiente sein Geld bis in die 1980er Jahre hinein als Porträt-, Magazin- und Modefotograf für Zeitschriftentitel wie LIFE, Harper’s Bazaar oder Elle. Seine bemerkenswerten freien Arbeiten, die immer schon nebenbei entstanden, positionieren ihn aus heutiger Sicht als „missing link“ in der Geschichte der Farbfotografie.

Ingo Taubhorn, der Kurator der Schau, verweist aber noch auf einen anderen Aspekt: „Er versteht sich als abstrakter Maler. Aus diesem Verständnis heraus entwickelt er seine Fotografien, seinen Umgang mit Farbe, Fläche und Raum.“ Saul Leiter hat neben der Kamera immer auch den Pinsel benutzt. Ein ganzes Kabinett mit abstrakten und gestischen Arbeiten Leiters im Stil der „New York School“ zeigt die Überschneidungen zwischen dem malerischen und fotografischen Werk.

Und wie gefällt dem nun auch vom Kunstmarkt kräftig hofierten „Jungstar“ im Seniorenalter der plötzliche Rummel um seine Person? Der späten Anerkennung zum Trotz fällt Saul Leiters Antwort eher nachdenklich aus: „Ich verbrachte einen Großteil meines Lebens damit, ignoriert zu werden. Ich war immer sehr glücklich darüber. Ignoriert zu werden, ist ein großes Privileg.“

Die Ausstellung „Saul Leiter – Retrospektive“ ist bis zum 15. April zu sehen. Das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 296seitige Katalog aus dem Kehrer Verlag kostet in der Ausstellung 49,90 Euro, im Buchhandel 58 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



07.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


03.02.2012, Saul Leiter. Retrospektive

Bei:


Deichtorhallen Hamburg

Bericht:


New Yorker Fotograf Saul Leiter gestorben

Künstler:

Saul Leiter










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce