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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Fast 4.000 Stolpersteine wurden bisher in Hamburg verlegt. Eine bewegende Fotografieausstellung im Kunsthaus dokumentiert jetzt die Einweihungszeremonien mit Angehörigen aus der ganzen Welt

Glänzende Spuren der Erinnerung



Steine, die Geschichte sichtbar machen: Seit dem Jahr 2000 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig, Jahrgang 1947, in Deutschland und Europa „Stolpersteine“. Die glänzenden Pflastersteine mit eingravierten Namen in der zehn mal zehn Zentimeter großen Messingoberfläche erinnern vorwiegend an ehemalige jüdische Bewohner, aber auch an politisch Verfolgte, Homosexuelle, Deserteure und Euthanasieopfer, die während des Dritten Reiches aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Die anfangs umstrittene Kunstaktion hat sich mittlerweile zu einem viel beachteten, europaweiten Projekt entwickelt. Über 32.000 Stolpersteine in mehr als 500 Orten markieren die Bürgersteige vor Miets- und Geschäftshäusern, Einfamilienhäusern und Villen; allein in Hamburg sind es fast 4.000.


Initiator und Koordinator der Hamburger Stolpersteine ist der Kunstsammler Peter Hess. Mit einem kleinen Team von Ehrenamtlichen organisiert er die Verlegung und die Einweihungszeremonien. Mit dabei ist seit Sommer 2002 auch Gesche-M. Cordes. Die an der Lette-Schule in Berlin ausgebildete Fotografin macht während der kleinen Gedenkfeiern Aufnahmen von den Angehörigen: Kinder, Enkel, Neffen und andere Nachfahren, die teils aus New York oder Israel anreisen, um eine Rose oder eine Lilie auf dem Stolperstein niederzulegen oder ein Totengebet zu sprechen. Sie erhalten mit den Stolpersteinen einen lang ersehnten Ort des Gedenkens in der Heimat ihrer Vorfahren. Denn ein individuelles Grab haben die in Konzentrationslagern Getöteten nicht.

Das Kunsthaus Hamburg zeigt jetzt unter dem Titel „Stolpersteine und Angehörige“ 65 Farbfotografien von Gesche-M. Cordes. Außerdem ist eine Installation des Stolperstein-Initiators Gunter Demnig aufgebaut. Zu sehen sind Familienmitglieder, die Fotos der Ermordeten mitgebracht haben, den Stolperstein mit den Händen berühren oder in trauernder Erinnerung verharren. „Wir haben festgestellt, dass es für die Leute ein großes Anliegen war, die Steine einzuweihen“, erläutert Peter Hess. Gerade in letzter Zeit seien viele jüngere Angehörige aus der ganzen Welt über das Internet auf die Aktion aufmerksam geworden und hätten sich gemeldet. Über eine Patenschaft können Privatpersonen, Firmen oder Institutionen die Verlegung eines Stolpersteins initiieren. Ein Stein kostet 120 Euro.

„Viele Angehörige öffnen sich über die Stolpersteine und erzählen Geschichten“, hat Peter Hess beobachtet. Gesche-M. Cordes hat diese bewegenden Momente fotografiert: Eine Opernsängerin bringt ihrer deportierten jüdischen Großmutter ein Ständchen. In der Hamburger Innenstadt legt Jens-Peter Burmester, der Stiefsohn von Herbert Wehner, im Gedenken an seinen leiblichen Vater, den politischen Widerstandskämpfer Carl Burmester, der von den Nazis gefoltert und getötet wurde, rote Nelken nieder. „Wo Stolpersteine sind, ist eine öffentliche Wahrnehmung, ein ständiger Trost und eine Mahnung, die Menschen zu achten“, sagte Burmester in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung.

Stern-Chefredakteur Andreas Petzold steht am Stolperstein für seinen Großvater, der als General Widerstand gegen Hitler leistete. Der ehemalige Hamburger Erste Bürgermeister Ole von Beust unterstützte die Aktion 2006 und gedachte mit vier Stolpersteinen seiner jüdischen Vorfahren im mecklenburgischen Lübtheen. Der Rückhalt für die Stolperstein-Aktion in der Hamburger Politik ist nach anfänglicher Skepsis groß. Genehmigungen werden anders als in München, wo der Stadtrat die Stolpersteine bis heute verhindert, großzügig erteilt. Auch die Kultursenatorin Barbara Kisseler befürwortet das Projekt nachdrücklich. Es gibt in keiner deutschen Stadt so viele Stolpersteine wie in Hamburg. Demnächst werden zum Gedenken an die deportierten Bürgerschaftsabgeordneten 22 weitere Steine vor dem Rathaus verlegt. „Es wird hier Geschichte geschrieben auf einer sehr unmittelbaren Ebene“, erläutert Claus Mewes, Direktor des Kunsthauses. „Es ist eine Aufarbeitung von Geschichte an der Basis. Das ist eine Funktion von Kunst im öffentlichen Raum, die man nicht unterschätzen sollte.“

Und Peter Hess ergänzt: „Das Wichtigste sind die Einweihung und die fortlaufenden Dialoge, die über die Stolpersteine stattfinden.“ Auch Gesche-M. Cordes freut sich jedes Mal wieder über die Zusammenführung von Menschen, die oft nach langer Zeit ihr Schweigen über die bisher tabuisierte, dunkle Seite der Familiengeschichte brechen: „Die Stolpersteine bringen Menschen zusammen. Das ist ein Effekt, den wir vorher nie geahnt hätten.“ Extra für die Ausstellung aus Connecticut angereist ist der Professor für Anthropologie an der Yale-University, Enrique Mayer. „Ich habe in meiner Familie die Vertreibung der Juden aus der Gesellschaft erlebt“, so Mayer. Sein Großvater, ein Kaffeeimporteur aus Winterhude, wurde erst seiner Firma beraubt und dann nach Theresienstadt deportiert. Die Großmutter, eine Lehrerin, wurde in Auschwitz ermordet. Mayers Vater und dessen Geschwister konnten rechtzeitig nach Peru und Kanada auswandern.

Unermüdlich arbeitet das kleine, aber effiziente Hamburger Team weiter, um noch möglichst viele Stolpersteine in den städtischen Alltag einzuschleusen. Allein die Zahl jüdischer Shoah-Opfer wird in Hamburg auf 10.000 geschätzt, die der politischen Opfer beträgt über 1.400. Peter Hess resümiert: „Solange es Patenschaften gibt, geht die Aktion weiter.“

Die Ausstellung „Stolpersteine und Angehörige“ ist bis zum 4. März zu sehen. Das Kunsthaus Hamburg hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Katalog „Gesche-M. Cordes: Stolpersteine und Angehörige“ ist im Verlag Murken-Altrogge erschienen und kostet 24 Euro.

Kontakt:

Kunsthaus Hamburg

Klosterwall 15

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 33 58 03

Telefax:+49 (040) 32 17 32

www.stolpersteine.com



03.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


31.01.2012, Stolpersteine und Angehörige

Bei:


Kunsthaus Hamburg

Künstler:

Gunter Demnig

Künstler:

Gesche-M. Cordes










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