Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 25.10.2019 Auktion 128: Moderne und Zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

© Jeschke, van Vliet Kunstauktionen

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Fotografie bei Grisebach

Ruffs Readymade



Da steht sie, eine schwere, alte Maschine mit Hebeln, Lüftungsschacht, Kurbeln, Arretierungen und Messvorrichtungen. Sie ist mit einer nebeligen Aura hinterfangen und schimmert leicht golden, als ob sie ein wertvolles Kunstwerk wäre. Doch Thomas Ruff hat sie einfach „1030“ genannt. Wie schon in früheren Werkzyklen bedient sich der Düsseldorfer Fotokünstler auch bei seiner Serie „Maschinen“ eines vorhandenen Bildmaterials und greift auf ein Archiv von rund 3.000 Glasplattennegativen einer Maschinen- und Werkzeugfabrik aus den 1930er Jahren zurück. Fanden die Aufnahmen einst als Musterbild Eingang in den Verkaufskatalog der inzwischen nicht mehr existenten Firma, erhebt sie Ruff nun zum autonomen Kunstwerk, betont etwa die skulpturale Qualitäten der Maschine, indem er den Sockel mit abbildet, färbt sie auf den digitalisierten Bilder am Computer ein, vergrößert das ursprüngliche Foto und überführt einen Gebrauchsgegenstand als nachträgliches Readymade in den Kunstkontext. Nicht zuletzt geht es Ruff auch bei seinen „Maschinen“ um die Manipulation der Fotografie, wie sie in den 1930er Jahren manuell bewerkstelligt wurde und heute mit Hilfe digitaler Bearbeitung von statten geht.


Thomas Ruffs Fotoarbeit „1030“ setzte sich nun in der Auktion „Photographie“ der Villa Grisebach an die Spitze der Zuschlagsliste. Zur unteren Schätzung von 15.000 Euro wechselte sie den Besitzer und blieb in Deutschland. Eigentlich war Ruffs farbige Abkonterfaktur von Ludwig Mies van der Rohes „Haus Lange“ in Krefeld aus dem Jahr 2000 mit 20.000 bis 25.000 Euro der Favorit der Versteigerung vom 23. November 2011. Doch niemand wollte diesen Preis dafür zahlen. Auch die beiden Kinosäle mit weißer Leinwand aus Hiroshi Sugimotos Serie „Theaters“ von 1978 blieben bei jeweils 16.000 bis 20.000 Euro unbeachtet, ebenso Doug Halls streng auf die Mittelachse bezogene „Abandoned Arcade #2, Naples“ mit geschlossenen Geschäften von 1999 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder Bernd und Hilla Bechers typologische Sicht auf die „Kalköfen in Brielle Holland“ von 1968 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Hier hätte der Bruttoumsatz von 488.000 Euro noch gut die Marke von einer halben Million Euro übersteigen dürfen. Zumindest konnte das Berliner Auktionshaus die für seine Verhältnisse nicht gerade euphorische Zuschlagsquote von 64 Prozent nach Losen im Nachverkauf noch auf knapp 77 Prozent steigern.

Dennoch sorgte die zeitgenössische Fotokunst bei Grisebach für die höchsten Zuschläge. Knapp unter Ruff platzierte sich mit 14.000 Euro Cindy Shermans Selbstinszenierung „Untitled # 372“ aus der Serie „Bus Riders“ von 1976 als grimmig dreinschauende Ausländerin (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Auf den gleichen Wert kam Andres Serranos großformatiger Schusswaffenausschnitt „Objects of Desire (FB Radom 9mm)“ von 1992 (Taxe 14.000 und 18.000 EUR), sein Treppenaufgang „The Church (St. Eustache II, Paris)“ von 1991 blieb ebenfalls an der unteren Schätzgrenze von 10.000 Euro hängen. Mit 9.000 Euro ging es im vierstelligen Preisbereich weiter, und jetzt kamen auch Bernd und Hilla Becher mit ihrem „Förderturm in Sains en Gohelle Nordfrankreich“ von 1972 zum Zug (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Sebastião Salgados gewaltig weites „Antarctica“-Bergpanorama von 2005 mit einer Unzahl von Pinguinen, die in der Ferne nur noch als Punkte wahrzunehmen sind, schaffte 8.000 Euro (Taxe 7.500 bis 9.500 EUR), ebenso wie Charles Frégers achtteiligen Suite von Brustbildern entkleideter Fremdenlegionäre, die zwischen Individualität und Konformismus pendeln (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Bei diesem Zuschlagspreis setzte dann endlich auch die klassische Fotografie mit einer Überraschung ein. Das Interesse an Alexander Rodtschenkos ernstem Portrait von Wladimir Majakowski war so groß, dass ein Schweizer Kunde bis 8.000 Euro gehen musste, um den Vintage aus dem Jahr 1924 sein Eigen zu nennen (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). In der Zuschlagsliste wechselten sich nun moderne und zeitgenössische Arbeiten ab. Emil Otto Hoppés Gasbehälter in Berlin, scheinbar ein Vorausgriff auf die Kunst der Bechers von 1927/30, Horst P. Horsts ausgesucht elegante Werbefotografie „Bloomingdale’s Advertisement for Chanel“ von 1987 (Taxen je 5.000 bis 7.000 EUR) und Dieter Appelts siebenteilige Kassette „Tableau Oppedette“ von 1980, in der die ovale Form der selbstgebauten Flügel das gestalterische Hauptelement ist, spielten jeweils 7.500 Euro ein (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Auf 6.000 Euro ging der nächste Preisschritt herab, den es für August Sanders ungekünsteltes Portrait der Josefine Bamann von 1927, jahrzehntelang Mitarbeiterin des Kölnischen Kunstvereins, für Floris Michael Neusüss’ mit chemischer Malerei übergangenes Fotogramm eines liegenden Frauenakts von 1965 (Taxen je 6.000 bis 8.000 EUR) und Andreas Feiningers nächtliches Lichtermeer von Downtown Manhattan aus dem Jahr 1940 gab (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Bei 5.500 Euro fiel gleich sechs Mal der Hammer, taxgerecht für Joel-Peter Witkins an Motiven überbordendem Tableau vivant „Histoire de la civilisation (blanche). Vénus préférée au Christ, Paris“ von 1997, für Candida Höfers Adaption von Auguste Rodins Skulptur „Die Bürger von Calais“ in der „Rodin Gallery Seoul II“ von 2001 und für Terry O’Neills Doppelportrait von Paul Newman und Lee Marvin in Kostümen von „Pocket Money“, das auch als Vorlage für die Filmplakate des 1972 erschienen, modernen Western diente.

Auf 5.500 Euro konnten dann der intensive Blick von Kate Moss auf Roxanne Lowitts frontaler Aufnahme „Kate with Fag in Galliano, Paris“ aus dem Jahr 1994, Horst P. Horsts von Licht und Schatten bestimmte Farbfotografie des „Still Life, Oyster Bay, Long Island“ von 1950 (Taxen je 3.000 bis 4.000 EUR) und vor allem Aaron Siskinds Doppelbelichtung „Rome 5“ von 1967 zulegen, die wie ein Plakatabriss eines Frauenkopfes wirkt (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR). Mit dem Zuschlag bei 5.000 Euro ging es zu einem der ältesten Werke der Auktion: Heinrich Kühns malerisches Doppelbildnis seiner Kinder „Hans und Edeltrude im Gras II“ von circa 1910, ein typisches Werk des Piktoralismus’ an der Wende von 19ten zum 20ten Jahrhundert, wurde damit an seinem unteren Schätzrahmen übernommen. Dieser Stilrichtung mit ihren Edeldruckverfahren folgten auch Léonard Misonnes stille Winterlandschaft von circa 1935 bei 1.800 Euro (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR) und Edward Sheriff Curtis’ Dokumentationen indianischer Sitten und Gebräuche in Nordamerika, darunter „The Vanishing Race – Navaho“ von 1904 für 2.300 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder das Bildnis „A Walpi Man“ von 1921 für 2.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Mit 5.000 Euro wurden zudem Ilse Bings raffiniertes „Selbstportrait mit Leica“ von 1931 (Taxe 2.800 bis 3.500 EUR) und Andreas Gurskys etwas farbleere Mittelmeerküstenlandschaft „Fischer, Perpignan“ von 1990 bedacht (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Sinn für Humor bewiesen die Sammler bei René Burris früher, während seiner Studienzeit entstandener Straßenszene „Paris“ von 1950: Der kleine Junge, der da etwas unschlüssig auf dem Bürgersteig herumsteht, ist kaum größer als das Baguette, das er trägt. Das Foto konnte sich ebenso auf 3.000 Euro verbessern (Taxe 800 bis 1.200 EUR), wie Hugo Erfurths einfühlsames Portrait von Käthe Kollwitz aus dem Jahr 1917 (Taxe 700 bis 900 EUR), und auch Louis Stettners Twin Towers des New Yorker World Trade Center mit davor fliegender Möwe ließen die Bieter nicht kalt. Schließlich spendierten sie für das 1979 entstandene Symbolbild 4.500 Euro (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



02.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Grisebach

Bericht:


Auf den Hund gekommen










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce