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Dekorative Alpträume aus der Folklore-Manufaktur: Der Kunstverein in Hamburg zeigt Farbholzschnitte, Collagen und Keramiken des Kölner Zwillingspaars Gert und Uwe Tobias

Vanitas trifft Butzenfenster



„Wir wollen mit dem Holzschnitt anders umgehen, als man es gemeinhin kennt“, sagt Gert Tobias, Jahrgang 1973. Er und sein Zwillingsbruder Uwe sind spätestens seit ihrer Einzelausstellung 2007 im New Yorker Museum of Modern Art zu internationalen Kunstmarktstars geworden. Ihre meterhohen Farbholzschnitte auf großen Papierbahnen und neuerdings auch auf Leinwänden hängen weltweit in Privatsammlungen und Museen. Jetzt zeigt der Kunstverein in Hamburg ihre farbenfrohen Bilder und Collagen mit folkloristischen Motiven auf rund 1.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche.


„Bevor wir eine Ausstellung konzipieren, wird jedes Detail abgestimmt, so dass es als Ganzes funktioniert“, erklärt Uwe Tobias. Zur visuellen Verklammerung der einzelnen Räume wählten die Brüder einen dominanten Blauschwarz-Ton, der an den vertikalen Ecken in ein sägezahnartiges Zackenmuster ausläuft. „Die Wandmalerei dient dazu, den Raum als ein Ganzes zusammenzuziehen“, so Gert Tobias. Der Eingangsbereich bildet mit ungewöhnlich hoch gehängten Holzschnitten auf Leinwand, kleineren Collagen und einer Installation aus leuchtend-bunten, biomorph verfremdeten Keramiken auf einem Eisentisch den Auftakt. Diese Foyersituation wird bis Ende 2012 nahezu unverändert bleiben. Die restlichen Arbeiten in den beiden großen Ausstellungsräumen dagegen sollen im Laufe des Jahres mit anderen künstlerischen Positionen überschrieben beziehungsweise von ihnen ersetzt werden. Kunstvereinsdirektor Florian Waldvogel spricht von einem „substrahierenden Prinzip“.

Im unteren Ausstellungsraum zeigen die im siebenbürgischen Brasov, dem ehemaligen Kronstadt, geborenen und im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland übergesiedelten Tobias-Brüder neue Collagen und collagierte Bücher. Ihr Bilderkosmos basiert auf Vorlagen aus Folklorebüchern, die sie in einem permanenten künstlerischen Dialog recyceln und in ihre eigene Bildsprache transformieren. Geschult an den Surrealisten, setzen sie Tiermotive, Puppenköpfe, florale Ornamente, Volkstrachten, Vorlagen aus dem Stickmusterbuch der Mutter, Illustrationen aus Magazinen und Zeitungen und frei erfundene amorphe Formen in assoziativer Mischtechnik auf das Papier. Eine Etage höher sind vorwiegend großformatige Holzschnitte zu sehen. In Bram Stokers Roman „Dracula“ kolportierte Klischees von transsilvanischen Vampiren, Pfählern und anderen Sagengestalten bedienten die Tobias-Zwillinge lange Zeit selbst. Nachdem das Thema von den Medien allzu genüsslich ausgeweidet wurde, distanzieren sie sich inzwischen lieber von den Karpatenmythen. „Wir sind in Rumänien auch nur Touristen“, erklären die überwiegend in Deutschland sozialisierten Zwillinge.

Zwar besuchen Gert und Uwe Tobias die Heimat ihrer Familie in unregelmäßigen Abständen. Nostalgisch verklären wollen sie sie jedoch keineswegs. Folkloristische Elemente zum parodistischen Ausschlachten finden sich schließlich in allen Kulturen. Doch damit nicht genug: Der Betrachter dieser im diffusen Schwebezustand zwischen Morbidität und Schönheit changierenden Bilder begegnet inmitten all der nebeneinander gedruckten Bauernstühle, Butzenfenster und ländlich-naiven Handarbeits- und Keramikerzeugnissen auch dezent eingestreuten Vanitasmotiven. Inmitten monströser Schmetterlinge und Käfer verbergen sich abgetrennte Hasenköpfe oder tote Vögel.

Romantik, Melancholie und Weltschmerz rühren die Tobias-Brüder zusammen mit kunsthistorischen Anleihen an die apokalyptischen Fabelwesen eines Hieronymus Bosch und die gedrechselten Bauhausfigurinen eines Oskar Schlemmer zu einer postmodern-gefälligen Remix-Kunst zusammen. Bei aller Perfektion in der Ausführung, der warmtonigen Dekorativität und der fantasievollen Aneignung vorgefundener Motive: Gert und Uwe Tobias sollten aufpassen, dass ihre zur Zeit weltweit gefragte Kunst sich nicht irgendwann in der Routine eines modularen Baukastensystems erschöpft, dessen Elemente beliebig oft neu kombiniert werden können.

Die Ausstellung „Gert & Uwe Tobias“ ist bis Ende April zu sehen, die Foyergestaltung bis zum 18. November. Der Kunstverein in Hamburg hat täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Der Katalog erscheint später.

Kontakt:

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

DE-20095 Hamburg

Telefax:+49 (040) 32 21 59

Telefon:+49 (040) 33 83 44

E-Mail: hamburg@kunstverein.de



31.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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