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Wahrlich keine Liebeserklärung: Die zwischen 1977 und 1990 entstandenen Aufnahmen der ostdeutschen Fotografin Gundula Schulze Eldowy zeigen die DDR als Land der verhärteten Emotionen

Die Starre vor der Auflösung



Manchmal gehört viel Mut dazu, unbekannte Türen aufzustoßen und sich auf die Menschen dahinter einzulassen. Die 1954 in Erfurt geborene ostdeutsche Fotografin Gundula Schulze Eldowy hat diesen Mut immer wieder aufgebracht. 13 Jahre lang, zwischen 1972 und 1985, lebte sie in der historischen Mitte Berlins im Schatten der Volksbühne und streifte mit ihrer Kamera durch das angrenzende Scheunenviertel. Dort, wo sich nach der Wende Cafés, Bars, Restaurants, Galerien, Hotels und Boutiquen angesiedelt haben, da wo heute Bauträger und Makler die Immobilienpreise ins Astronomische treiben, befand sich damals das Berlin der kleinen Leute. Schulze Eldowy ließ sich auf die ausgezehrten Kohlenträger, die 80jährige, nahezu blinde Postbotin und all die verbitterten alten Leute in den Eckkneipen ein, die manchmal für sie noch eine Spur vom Glamour und der Verruchtheit der 1920er Jahre in ihrem Blick hatten. Sie ließ sich ein auf eine immer noch von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnete, langsam aber sicher vor sich hinbröckelnde Welt, in der es kaum Lichtblicke zu entdecken gab. Die suchte sie aber offenbar auch gar nicht.


Der schonungslos existenzielle, alle Tabus der offiziellen DDR-Staatsfotografie brechende Realismus ihrer Aufnahmen aus dem Schwarz-Weiß-Zyklus „Berlin in einer Hundenacht“ zeigt eine Welt, in der es wenig Trost gibt. In der Ausstellung „Gundula Schulze Eldowy – Die frühen Jahre. Fotografien 1977-1990“ präsentiert die Fotografieinstitution C/O Berlin jetzt im Postfuhramt eine Retrospektive mit rund 120 Aufnahmen aus drei umfangreichen Zyklen der an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ausgebildeten Fotografin.

Zusammen mit Künstlerfreunden besuchte Schulze Eldowy regelmäßig triste Ost-Berliner Eckkneipen, in denen der „Zigarettenqualm zum Schneiden dick in der Luft hing“. Sie lernte Menschen kennen wie Margarete, die gestrauchelte aber gesangsfreudige Schwester der Leinwandlegende Marlene Dietrich, begleitete sie nach Hause und fotografierte sie. Gundula Schulze Eldowy erwarb mit ihrer offenen, niemals sensationslüsternen Art das Vertrauen dieser Menschen. Sie öffneten der jungen Frau ihre Wohnungstüren und erzählten ihre Lebensgeschichten. Gleichzeitig entstanden damals Serien mit Aktaufnahmen, Menschen am Arbeitsplatz oder unfreiwillig komisch wirkende Straßenszenen am Rande von Militärparaden oder anderen Selbstvergewisserungsritualen der offiziellen DDR.

Besonders bewegend ist Schulze Eldowys Schwarz-Weiß-Zyklus „Tamerlan“. Die Fotografin lernte die damals 66jährige, stark verwahrloste Frau 1979 auf einer Parkbank kennen. Ihre verblassende Schönheit faszinierte sie. Es entspann sich ein intensiver Kontakt, der bis 1993 dauerte und Schulze Eldowy zur Augenzeugin von Einsamkeit, Amputationen, menschlicher Verbitterung und Agonie werden ließ. Schulze Eldowy heute: „Ich schaute ihr beim Leben zu... Was mich antrieb, war Neugierde. Es war auch Schönheitssinn, der mich das Entsetzen lehrte.“ Der Zyklus zeigt, flankiert von den Briefen der alten Dame an Schulze Eldowy, in kaum zu ertragendem Realismus den finalen Weg einer einst stolzen und blühenden Frau durch das von Lieblosigkeit, Härte und Entbehrungen geprägte Altenpflegesystem der DDR.

Den Abschluss dieser ebenso eisigen wie beeindruckenden Ausstellung bildet der Farb-Zyklus „Der große und der kleine Schritt“, eine gnadenlos realistische, fotografische Exkursion durch die Kreißsäle, Intensivstationen, psychiatrischen Anstalten, Schlachthöfe und Fabriken von Berlin, Leipzig und Dresden. Diese Fotografin, deren Name längst in einem Atemzug mit Robert Frank, Diane Arbus oder Nan Goldin genannt wird, schont den Betrachter nicht. Den großen Auftritt, den man ihr zur Zeit in Berlin bereitet, hat sie gerade deshalb zweifellos verdient.

Die Ausstellung „Gundula Schulze Eldowy. Die frühen Jahre. Fotografien 1977-1990“ ist noch bis zum 26. Februar zu sehen. C/O Berlin hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Als Publikationen liegen „Berlin in einer Hundenacht“ aus dem Lehmstedt Verlag und „Der große und der kleine Schritt“ für jeweils 29,90 Euro aus.

Kontakt:

C/O Berlin Foundation

Hardenbergstraße 22-24

DE-10623 Berlin

Telefon:+49 (030) 28 444 160

Telefax:+49 (030) 28 444 16 19

E-Mail: info@co-berlin.org



26.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


10.12.2011, Gundula Schulze Eldowy . Die frühen Jahre . Fotografien 1977 bis 1990

Bei:


C/O Berlin

Bericht:


Sie hassten und sie schlugen ihn

Künstler:

Gundula Schulze Eldowy










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