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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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René Magritte in der Wiener Albertina

Das Lustprinzip



Taghelle Himmelslandschaften über laternenbeleuchteten, nächtlichen Straßenzügen, Spielfiguren, denen ein einzelnes, starr blickendes Auge menschliche Züge verleiht, Wolken, die sich zu Körpern und Musikinstrumenten formen, versteinerte Landschaften und überdimensionale Früchte, die nur knapp in die sie umgebenden Räume passen: Kein anderer Maler stellte die Kausalität unseres Weltverständnisses derart poetisch und verblüffend auf den Kopf, wie René Magritte. Die Motive seiner Bilder fanden massenhafte Verbreitung. Andererseits verdeckte die inflationäre Vervielfältigung zunehmend den intellektuellen Reiz seiner Kunst.


Einer herausragenden Überblicksschau in der Wiener Albertina gelingt der Versuch, den gedanklichen Reichtum des belgischen Außenseiters, dem André Breton den Mitgliedsausweis für den Surrealismus entzog, aufs Neue zu beleuchten. Rund 250 Exponate aus allen Stadien von Magrittes künstlerischer Laufbahn, dokumentieren die chronologische und inhaltliche Entwicklung seiner Kunst, beginnend mit den vom Film und dem Collageprinzip inspirierten klassisch surrealistischen Bildern der 1920er und 1930er Jahre über Experimente, wie der Renoir-Periode und Période vache der Nachkriegszeit, bis hin zum Spätwerk mit den geheimnisvollen Tag-und-Nacht-Bildern.

Das Spiel mit der Wirklichkeit gehört zu den wesentlichen Merkmalen von Magrittes Kunst, sein Ausgangspunkt deren Vielfalt an möglichen Erscheinungen. Immer wieder betonte der Maler die Schönheit der Erscheinung, die hinter allen Vorstellungen aufscheint. Anders als seine französischen Künstlerkollegen vermied er den Automatismus einer aus den Regionen des Unbewussten sich speisenden, spontanen Malerei. Seine Visionen blieben meist den Gegenständen der realen Welt verbunden und wirken gerade deshalb so poetisch, abgründig und nachhaltig zugleich.

In seinen Schriften und Vorträgen plädierte René Magritte für die Freiheit des Denkens, unanhängig von Gewohnheiten und Erfahrungen. Er forderte das unvoreingenommene Sehen, das frei von Reflexion und Interpretation absichtslos nur auf das Betrachtete gerichtet ist. „Ich habe“, schrieb er 1927, „ein neues den Dingen innewohnendes Potential gefunden, ihre Fähigkeit, allmählich zu etwas anderem zu werden, ein Objekt, das zu einem anderen Objekt mutiert, das nicht es selbst ist.“ In einer Welt voller Unklarheit und Gegensätze, der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, plädierte der belgische Surrealist für einen lustvollen Zugang zum Leben und für eine neue Sicht auf die Wirklichkeit. Gelangweilt vom gesunden Menschenverstand, bediente er sich verschiedener Methoden, die auf dem Prinzip der Verschiebung beruhen.

In 13 sorgsam ausgewählten Kapiteln dokumentiert der Wiener Ausstellungsparcours, mit welcher Verve René Magritte diese Herangehensweise an die Wirklichkeit auf unterschiedlichen komplexen Sinnebenen sich ereignen lässt: vom einfachen Widerspruch bis hin zur komplizierten Verzahnung mehrerer Realitäts- und Reflexionsschichten. In dem Magritte Größenverhältnisse umkehrte, physikalische Gesetze aufhub, verschleierte und enthüllte, Bildmotive wiederholte und isolierte, die Wirklichkeit durch Metamorphose verzerrte und sein Spiel mit absurden Werktiteln trieb, gelang es ihm, Alltagsgegenständen einen neuen, scheinbar fremden Sinn zu geben.

Zahlreiche bedeutende Gemälde und Papierarbeiten, viele Leihgaben aus Amerika und aus Privatbesitz, belegen eindrucksvoll, wie der belgische Surrealist unsere Wahrnehmung und Gewohnheiten als Resultat von Übereinkünften und Konventionen entlarvte. Dabei hat René Magritte rätselhafte Situationen nicht nur gemalt und gezeichnet, sondern auch zur Grundlage seiner Fotografien und Kurzfilme gemacht. Besonders überzeugend und aufschlussreich an der Wiener Ausstellung ist, dass sie solche Verweise auf verwandte Bildwelten wie Kino, Reklame und Foto berücksichtigt und ihre Beziehung zur Malerei dokumentiert.

Stets behandelte Magritte das Gegebene als das Rätselhafte. Sein Interesse war, das Doppelbödige alles Sichtbaren zu zeigen und Hintergründigkeit dort hervorzubringen, wo man sie nicht vermutet. „Es gibt“, betonte Magritte, „wenig Beziehung zwischen einem Gegenstand und dem Bild, das ihn darstellt.“ Dem skurrilen Belgier ging es um diese Differenz. Der Abstand zwischen Wirklichkeit und Bild war der angestrebte Zwischenraum, den er mit seinen Ideen füllte, um den Blick zu einer eigenen Wirklichkeit zu öffnen.

Die Ausstellung „Magritte“ ist noch bis zum 26. Februar zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt regulär 11 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Zur Ausstellung ist ein hervorragender von Christoph Grunenberg und Darren Pih herausgegebener Katalog zum Preis von 29 Euro erschienen.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



25.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


09.11.2011, Magritte

Bei:


Albertina

Künstler:


René Magritte










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