Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 23.03.2019 59. Kunstauktion - Bildende Kunst des 17.-21. Jahrhunderts

© Schmidt Kunstauktionen Dresden

Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Mädchen mit Katze / Otto Scholderer

Mädchen mit Katze / Otto Scholderer
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 1965 / Ernst Wilhelm Nay

Ohne Titel, 1965 / Ernst Wilhelm Nay
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Emil Nolde einmal anders: Das Hamburger Ernst Barlach Haus zeigt den nordfriesischen Expressionisten als begeisterten Sammler exotischer Kultobjekte, die er in überaus innovative Malerei übertrug

Nolde lässt die Puppen tanzen



50 Jahre Ernst Barlach Haus in Hamburg: Das kleine, feine Museum mit seinem fundiert erarbeiteten Ausstellungsprogramm feiert in diesem Jahr Jubiläum. Den Auftakt bildet eine ungewöhnliche Nolde-Ausstellung, die den Maler von Reetdachhäusern, Nordseewellen und Klatschmohnfeldern als Liebhaber außereuropäischer Kulturen zeigt. Damit setzt Museumsdirektor Karsten Müller seinen Ansatz fort, unbekanntere Facetten von bekannten Künstlern aufzugreifen. Unter dem Titel „Puppen, Masken und Idole“ präsentiert er 35 Stillleben-Gemälde und 35 Zeichnungen Emil Noldes. Hinzu kommen rund 100 Objekte aus der Sammlung des Künstlers. Im Mittelpunkt der Schau stehen Figurengemälde mit überwiegend exotischen Objekten wie Masken, Kultfiguren oder Fetischen.


Emil Nolde sammelte zeitlebens Figuren und Kultobjekte aus aller Welt: indonesische Holzstatuetten, javanische Schattenspielfiguren, chinesische Gräberfunde, aber auch christliche Madonnen oder Figuren aus Nymphenburger Porzellan. Hochwertiges und Nippes behandelte er vollkommen egalitär. Nolde arrangierte seine Sammlung auf Regalen in seiner Berliner Wohnung. Für ihn waren das „interessantere Objekte als die üblichen Äpfel auf dem weißen Tuch.“ Die Hamburger Ausstellung beginnt mit einer Reihe von Bunt- und Bleistiftzeichnungen, die Nolde in den Jahren 1910 bis 1912 im Berliner Völkerkundemuseum anfertigte. „Nolde folgt da einer zeitgeistigen Faszination für das Exotische“, erläutert Karsten Müller. Dieser Zeichnungszyklus bildet den Fundus für spätere Gemälde.

1913 bricht Emil Nolde zu einer langen Südseereise auf, die ihn durch Russland, China, Japan und Korea bis in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea führt. Diese bahnbrechende Horizonterweiterung prägt den Maler und entfacht seine Sammelleidenschaft. Aus den bereisten Ländern bringt er zahlreiche Objekte mit nach Hause, andere erwirbt er in Deutschland. Dieses Reservoir an überseeischen Kunstobjekten fließt etwa in das Gemälde „Der Missionar“ von 1912 ein. Es zeigt auf gelbem Grund eine koreanische Wegefigur mit einer Schriftrolle in der Hand. Rechts daneben eine Mutter- und Kindplastik des nigerianischen Yoruba-Stammes und, über dem willkürlich vereinten Paar schwebend, eine Bongo-Maske aus dem Sudan. Alles Objekte, die Nolde im Berliner Völkerkundemuseum gezeichnet hatte. Der Kontrast von Mann und Frau durchzieht sein Werk ebenso wie die Unterwerfungsthematik und eine unterschwellige Kolonialismuskritik.

Noldes Bilder aus dieser Zeit sind malerisch ausgereift und auf hohem Niveau. „Es ging ihm darum, durch klare Formen, Reduktion und Entschlackung zu einer neuen Ausdrucksform zu kommen und Authentizität ins Bild zu bringen“, so Karsten Müller. Dieses „Experimentierfeld für den Umgang mit Formen und Farben“ setzt Emil Nolde während einer intensiven Produktionsphase um 1914/15 fort. Jetzt integriert er neben Exotika auch heimatliche Elemente wie friesische Kühe aus Porzellan, Webarbeiten seiner Frau Ada und üppige Blumensträuße in seine Stillleben. Die Harmonisierung von Gegensätzen wird bei ihm zum Stilprinzip. Gerade vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs lassen sich diese Gemälde als Sehnsucht nach Frieden interpretieren. Karsten Müller: „Nolde bemüht sich, harmonisch austarierte, multikulturelle Begegnungen zu finden.“

Umso entschiedener muss man sich jedoch vergegenwärtigen, dass Emil Nolde in den 1930er Jahren ein ganz anderes Ideal von Kunst und Gesellschaft vertrat. Er trat gegen jede Vermischung der Kulturen ein und proklamierte, vor dem Hintergrund des aufziehenden Nationalsozialismus, in seiner Autobiografie eine „nordische, starke, herbe, innerliche Kunst“. Auch wenn über 1000 seiner Werke 1937 als „entartet“ beschlagnahmt wurden, lässt sich der Widerspruch zwischen dem frühen, von überseeischen Kulturen faszinierten Maler und seiner späteren rassistischen und gegenüber dem Regime anbiedernden Haltung nicht ganz auflösen. Leider hat sich der späte Nolde dem multikulturellen Impuls seiner exotisch durchwirkten frühen Bilder als unwürdig erwiesen.

Die Ausstellung „Emil Nolde. Puppen, Masken und Idole“ ist bis zum 28. Mai zu sehen. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, freitags und samstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, für Familien 7 Euro. Der Katalog aus dem Corso Verlag kostet 26,90 Euro.

Kontakt:

Ernst Barlach Haus

Baron-Voght-Straße 50a

DE-22609 Hamburg

Telefon:+49 (040) 82 60 85

Telefax:+49 (040) 82 64 15



24.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


22.01.2012, Emil Nolde. Puppen, Masken und Idole

Bei:


Ernst Barlach Haus

Bericht:


Die ästhetische Erfahrung des Übernatürlichen

Bericht:


Pendler zwischen Stadt und Land

Bericht:


Der Skandal und die Farbe

Bericht:


Was trennt Herbert Beck und Emil Nolde?

Bericht:


Emil Nolde im Dialog

Bericht:


Traum und Wirklichkeit eines „ursprünglichen Paradieses“

Künstler:


Emil Nolde










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce