Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.11.2020 Auktion 1160: Alte Kunst und 19. Jahrhundert

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann

Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Leipziger Museum der bildenden Künste führt in der Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ mit 200 Porträts die Lebenswelt Max Beckmanns vor Augen

Beckmanns Geister



Max Beckmann gehört zu den Malern, die sich in ihren Œuvres immer wieder selbst hinterfragt haben. In seinen Bildern begibt er sich häufig auf die Suche nach seinem Wesen als Künstler und Mensch. Das erste gemalte Selbstbildnis entsteht bereits 1897 mit dreizehn Jahren, und 1907 hat sich Beckmann in dem symbolistischen Gemälde „Die Schlacht“, einer kämpferischen Ansammlung nackter Menschenleiber, selbst dargestellt und damit in das große Thema des in der Katastrophe leidenden Menschen eingereiht. Aber auch die Personen, die ihm nahe stehen und seinen Lebensweg prägen, treten stets in seiner Kunst auf. Neben den klassischen Typen von Einzel-, Doppel- und Gruppenporträts versteckt Beckmann diese Bildnisse auch in seinen allegorischen Werken. Somit verortet er das allgemein gültige menschliche Geworfensein zwischen Leben und Tod in seiner eigenen Existenz. Den inneren Drang zum Portrait drückt Beckmann in dem humorvollen Zitat aus: „Ja, ja, ihr seid ja alle Gespenster um mich herum, da muss ich euch dann eben malen, damit ihr Wirklichkeit werdet.“


Das Museum der bildenden Künste Leipzig schickt die Besucher mit den Portraits von Max Beckmann derzeit auf eine spannende Reise durch dessen Lebensgeschichte in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Die über 200 Werke umfassende Schau mit Gemälden, Skizzen, Druckgrafiken sowie wenige Skulpturen bringt uns die Menschen aus dem persönlichen Umfeld des Künstlers nahe: seine Frauen, Geliebten, Verwandten, Freunde sowie andere Künstler, die wie Max Reger oder Frederick Delius in Verbindung mit Beckmann standen. Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt möchte mit dieser Ausstellung ein „biografisches Lexikon anschaulich ausbreiten“.

Der 1884 in Leipzig geborene Beckmann studiert am Beginn des 20sten Jahrhunderts an der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule Weimar. Dort lernt er seine erste Frau Minna Tube kennen, die er bis zur Scheidung im Jahr 1925 häufig malt. Das Doppelbildnis „Max Beckmann und Minna Tube“ aus dem Jahr 1909 spiegelt die Beziehung des Paares wieder. Beckmann steht in lässiger Haltung da, den Blick auf den Betrachter gerichtet. Die Sängerin sitzt neben ihm und lehnt demutsvoll den Kopf an ihren Gatten, dabei wirkt sie sehr blass. Aus dem Bild spricht noch die patriarchalische Überordnung des Mannes, wie sie die Ehe in der wilhelminischen Zeit charakterisiert.

Beckmanns Vorliebe für das Ironische wird dann in dem Ölgemälde „Liebespaar“ von 1912 deutlich. Das Paar sitzt sich gegenüber, würdigt sich aber keines Blickes. Keine Geste weist auf eine Liebesbekundung hin. In diesem Werk zeigt sich auch Beckmanns Hang zur Symbolik. Im Hintergrund steht auf der Seite des Mannes ein Weinglas, auf der Seite der Frau eine Kaffeetasse im Regal. Könnte das eine Anspielung auf die gesellschaftlichen und trinkkulturellen Disharmonien sein?

In der ersten Periode seines Schaffens fällt auf, dass Max Beckmann jeder Person immer wieder die gleiche Stellung der Hände zuordnet, so zum Beispiel in den beiden Portraits der Mutter Bertha Beckmann aus den Jahren 1906 und 1908. Das frühere Werk vermittelt auf beeindruckende Weise die Leiden der Mutter. Ihre Wangen sind eingefallen, die Lippen aufeinandergepresst. Hintergrund und Kleidung koloriert der Maler mit der selben, kaum abgestuften Farbpalette. Die Unabänderlichkeit des Sterbens macht diese Gestaltung ebenso sichtbar wie den Stolz und die Würde einer dem Tode nahen Frau.

Das fast schon persiflierende Portrait von Beckmanns Zeitgenossen, dem Komponisten Max Reger, steht für den stilistischen Wandel um 1919. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges beeinflussen eine ganze Generation von Künstlern. Beckmann verändert seinen Stil hin zur Neuen Sachlichkeit. Die Bilder neigen zum Surrealen, sind nicht mehr feingliedrig gemalt, sondern durch flächigen, dicken, energischen Farbauftrag geprägt.

Ein prototypisches Bild ist das Werk „Siesta“ aus dem Jahr 1931. Seine Vorliebe für das Weibliche legt Beckmann in der musenhaften Darstellung seiner neuen Frau Mathilde von Kaulbach, genannt Quappi, nieder. Einer Venus gleich liegt die Musikstudentin vor ihm. In gleicher Pose skizziert er noch 1924 seine erste Frau. Das neue Liebespaar taucht dann versteckt im Gruppenbild „Italienische Fantasie“ aus dem Jahr 1925 wieder auf. Neben den Reisenden steht ein heftig gestikulierender Italiener am Mast des Bootes. Der Katalogtext sieht in dieser Figur ein Symbol für die von Beckmann wahrgenommene Aggressivität des aufkommenden Faschismus in Italien.

Die Idee des Karneval und die Eindrücke der Zeit verbindet Beckmann in der surrealen Grafikreihe „Der Traum“ aus dem Jahr 1924. In dieser Folge versteckt sich eine weitere „Venus“ Beckmanns, nämlich Hildegard von der Brinken-Schulz, genannt Naïla. 1923, als noch verheirateter Mann, hat Beckmann mit ihr eine Affäre. Sie wird als sicher auftretende, elegante Frau beschrieben. Den Maler hat sie immer wieder zu neuen Werken animiert.

Unter den dunklen Wolken des Nationalsozialismus verändert sich auch das Leben für Beckmann. Sein Lehrauftrag an der Frankfurter Städelschule wird ihm entzogen. Außerdem wird seine Kunst nach 1933 als „entartet“ gebrandmarkt. 1937 entschließt sich der Künstler wie viele andere vor und nach ihm, in die USA zu emigrieren. Dieser Einschnitt spiegelt sich im stärkeren Einsatz von dunklen Farben in seinen Werken wieder. Das „Selbstportrait mit grünem Vorhang“ aus dem Jahr 1940 weist klar auf diesen Umbruch hin. Ein nicht mehr lässig dreinblickender Max schaut dem Betrachter entgegen. Das Gesicht erscheint blass und Mimik spricht die Sprache der Melancholie – ein heftiger Kontrast zum frühen „Selbstbildnis Florenz“ von 1907. Auf diesem Kunstwerk wirken der Hintergrund und der Protagonist noch deutlich farbiger, expressionistischer, eleganter und selbstbewusster.

Max Beckmann entschließt sich nach den Kriegsjahren trotz mehrerer Berufungen, etwa aus Darmstadt und Berlin, gegen eine Rückkehr nach Deutschland. Seinem weltweiten Ruhm schadet dies nicht. Er erhält mehrere Doktorwürden und Preise wie zum Beispiel den Conte Volpi Preis der Biennale di Venezia 1950. Im selben Jahr stirbt er 66jährig an einem Herzschlag auf dem Weg zur Ausstellung „American Painting Today“ in New York.

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig hat auf beeindruckende Weise viele Facetten von Beckmanns Portraitkunst zusammengestellt. Leider fehlt den Kunstwerken in der Ausstellung der begleitende Text. Abhilfe schafft nur der Audioguide. Die Schau wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm, etwa am 18. Januar durch einen Vortrag Mayen Beckmanns, der Enkelin des Malers, die dem Museum eine Reihe von Leihgaben zur Verfügung gestellt hat.

Die Ausstellung „Max Beckmann. Von Angesicht zu Angesicht“ ist bis zum 22. Januar zu sehen. Das Museum der bildenden Künste hat dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beläuft sich auf 8 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und umfasst 400 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Er ist für 39 Euro vor Ort zu erwerben. Die Schau wird ergänzt durch die Präsentation „Beckmann-Dialog: Marlene Dumas und Alex Katz“, die sich in ihrem Schaffen ebenfalls intensiv mit dem Thema Portrait befasst haben.

Kontakt:

Museum der Bildenden Künste Leipzig

Katharinenstraße 10

DE-04109 Leipzig

Telefon:+49 (0341) 216 990

Telefax:+49 (0341) 216 99 999



15.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Robert Unger

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 12

Seiten: 1  •  2

Events (2)Adressen (1)Berichte (8)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


17.09.2011, Beckmann-Dialog: Marlene Dumas und Alex Katz

Veranstaltung vom:


17.09.2011, Max Beckmann - Von Angesicht zu Angesicht

Bei:


Museum der Bildenden Künste Leipzig

Bericht:


Frau und Mann bei Beckmann

Bericht:


Rembrandt im Städel verschoben

Bericht:


Max Beckmann in Berlin

Bericht:


Die sanften Bilder eines Giganten

Bericht:


Das männlich-weibliche Prinzip

Bericht:


Max Beckmann für ein Jahr










Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce