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Journal

Die Sektkellerei Rotkäppchen produziert inmitten einer kunsthistorisch bedeutsamen Gegend an der Unstrut bei Naumburg

Palazzo mit Dom- und Felsenkeller



Das Kontor- und Empfangsgebäude von Rotkäppchen aus dem Jahr 1892

Das Kontor- und Empfangsgebäude von Rotkäppchen aus dem Jahr 1892

Fast wie in toskanischen Gefilden oder den Regionen an der Loire mutet die sanfte Hügellandschaft um das turm- und mauerbewehrte Städtchen Freyburg im Süden Sachsen-Anhalts an. Zu Füßen der mächtigen, als Schwester der Wartburg eingestuften Neuenburg und umgeben von Weinbergen lassen die Jahrhunderte alten Bauten, allen voran die romanische doppeltürmige Stadtkirche oder das historische Rathaus, vergangene Zeiten wieder lebendig werden. Neben der ältesten deutschen Turnhalle erinnert ein eigenes Museum an den einst hier lebenden Turnvater Jahn. Eine Tafel am Geburtshaus verweist auf einen weiteren Prominenten: Der bekannte deutsche Architekt Ernst Neufert ist hier geboren und aufgewachsen. Zwischen Freyburg und der acht Kilometer entfernten Domstadt Naumburg, weltberühmt durch die Skulpturen des „Naumburger Meisters“, lebte und arbeitete der Bildhauer und Maler Max Klinger in einem heute als Museum hergerichteten Domizil inmitten seiner Weinberge.


Unmittelbar vor den Mauern Freyburgs empfängt den Gast vor dem Hintergrund eines pittoresken Fabrikensembles mit Wasserturm und hohen gemusterten Ziegelfronten ein villenartiger Gründerzeitbau aus rotem Backstein. Im Schlösschen „en miniature“ mischen sich die Stile. Schon von weitem grüßt der Turm mit malerischer barocker Zwiebelhaube samt Wetterfahne. Unter dem hohen Mansarddach erinnern Gurtgesimse, Loggia mit Rundbögen und Säulen nebst Eckerker an italienische Renaissancepaläste. Doch hier residieren weder Fürsten noch Edelleute. Das markante Haus dient dem größten deutschen Sekthersteller Rotkäppchen als signifikantes Entree für Kunden und Gäste. Im Foyer läuft die überbordende Pracht des ausgehenden 19ten Jahrhunderts zur Hochform auf. Doppelläufige Treppe, Mosaikböden, ausschweifende Stuckaturen an Pfeilern und Decke bieten ein glanzvolles Ambiente. Kunstvoll ausgeformte Weinputten schauen auf Eintretende.

Die reiche ornamentale Ausstattung setzt sich im erhaltenen historischen Sitzungszimmer fort. Der runde Tisch ist von wuchtiger kaiserzeitlicher Pracht aus farblich dezent akzentuiertem Zierrat und schweren Vorhängen umgeben. Wichtige Besucher werden hier noch heute empfangen oder bedeutsame Besprechungen abgehalten. Gleich nebenan in der heutigen Empfangshalle war früher das Hauptkontor, wo offiziell gekleidete Buchhalter die Bilanzen an Stehpulten in Griff hielten. Die Pläne des 1892 errichteten Kontor- und Empfangshauses entwarf das Büro des Hallenser Architekten und Regierungsbaumeisters Oskar Stengel, das seinerzeit professionell und flexibel unterschiedlichste Bauaufgaben von Fabriken bis hin zu Sportanlagen abwickelte. Das markante Rot der Fassaden könnte idealer nicht sein, um auf den Firmennamen „Rotkäppchen“ zu verweisen.

Die Marke jedoch ist bedeutend älter, wie Zahlen am Turm andeuten: Erste Anfänge datieren ins Jahr 1856. Die Brüder Moritz und Julius Kloss gründen mit ihrem Freund Carl Foerster ein Weingeschäft. Kurz darauf beginnen sie im Hinterhaus der Familie Kloss mit der Produktion „moussierender Weine“. 6.000 Flaschen werden 1858 gefüllt. Zwei Arbeiter und ein Kellermeister treiben die Produktion voran. Schon 1859 ergänzt ein Handlungsreisender das Team. 1870 verlassen bereits 12.000 Sektflaschen die Lager. Messeauftritte, Auszeichnungen und die allgemeine Wirtschaftsblüte befördern die Produktion. Kaiser Wilhelm II. sorgt persönlich dafür, dass Sekt aus Freyburg in deutschen Offizierskasinos und damit bei den Meinungsbildern der Kaiserzeit Einzug hält.

Unter dem zugkräftigen, französisch klingenden Namen „Monopol“ firmierend, soll dem Ursprungsland Frankreich Paroli geboten werden. Doch mit dem neuen Gesetz zum Schutz der Warenzeichen kommt 1894 der Rückschlag: Der Klage eines Champagnerhauses wird stattgegeben. Ein neuer Markenname muss her. Aus der Not wird eine Tugend: Die traditionell rote Kapsel wird zum neuen Namensgeber der Marke. Seit 1894 gibt es „Rotkäppchen“-Sekt.

Die Herstellung gewinnt an Fahrt und nimmt immer größere Ausmaße an. Daher muss die Fabrik ab 1887 erweitert werden. In den Muschelkalk der Berghänge wird eine fünfstöckige Kelleranlage mit 13.000 Quadratmetern Fläche getrieben. Reife- und Rüttelkeller liegen unten, Abfüll- und Mischkeller in der Mitte, Weinsaal und Gärkeller oben auf. Der große Innenhof des Ensembles wird 1893 mit einer freitragenden Stahlglaskonstruktion von Wettereinflüssen unabhängig. Abwechslungsreich gelbrot gemusterte Ziegelverbände und kleinsprossig unterteilte Bogenfenster durchsetzen die Fassaden des Lichthofes und lassen ihn für ausschließlich industrielle Nutzung als viel zu schade erscheinen. Rasch wird aus der Halle ein gefragter Veranstaltungssaal. In dem denkmalgeschützten Beispiel früher Industriekultur gibt es heute viele Events. Von sich Reden macht insbesondere das ab 1993 hier stattfindende „Sektival“, eine Reihe populärer Musikveranstaltungen namhafter Orchester, die neben dem Ambiente die exzellente Akustik zu schätzen wissen.

Gleich nebenan bietet sich den Besuchern ein besonderes Highlight: Von einer Pantheon ähnlichen Kuppel überwölbt, vermittelt der über drei Geschosse geführte, festlich-sakral anmutende „Domkeller“ den nachhaltigsten Eindruck. Das Opaion, das runde Fenster am Scheitelpunkt der Kuppel, ist die einzige natürliche Lichtquelle. Sein Spot fällt auf ein Riesenfass als dominantes Prunkstück. Aus 25 stattlichen Eichenstämmen schufen Zimmerleute das am 3. Februar 1896 vollendete Fass, an dessen Front neben einem Sinnspruch aus Schillers Ballade „Die Glocke“ aufwendig geschnitzte Szenen Motive der Weinlese zeigen. Das Meisterwerk der Küferkunst fasste 120.000 Liter, aus denen 160.000 Flaschen gewonnen werden konnten. Bis 1935 diente es der Herstellung der Cuvées für die einzelnen Sektsorten. In der Mitte misst es 5,55 Meter, die Länge beläuft sich auf 5,60 Meter. Von der oberen Arbeitsplattform setzte man das innere Rührwerk zur gründlichen Mischung der Grundweine in Bewegung. 1996 wurde es zum einhundertsten Jubiläum von Böttchern aus dem Unstruttal umfassend restauriert.

Umliegende Galerien in Domkeller tragen weitere Fassreihen. Heute dienen er und die übrigen ausgedehnten, von preußischen Kappengewölben getragenen Keller nicht mehr der Produktion. Historische Maschinen, Fassanlagen oder Rüttelpulte in museal eingerichteten Zonen ergänzen das Ambiente, dessen Großzügigkeit Platz für Veranstaltungen von Theateraufführungen bis hin zu Zusammenkünften aller Art bietet.

Das Auf und Ab der Geschichte schlägt auch bei Rotkäppchen durch. Ohne Auswirkungen beleibt zunächst die 1902 zur Finanzierung der Kaiserlichen Flotte eingeführte Sektsteuer von 50 Pfennige pro Flasche. In den 1920er Jahren herrscht Inflation: 1.928.000 Mark kostet eine Flasche Rotkäppchen-Sekt 1923. Der Absatz sinkt bis 1931 um mehr als die Hälfte auf 4,5 Millionen Flaschen. Einige Jahre später zieht die Rüstungsproduktion ein. 1945 wird Inhaber Günther Kloss verhaftet, dann enteignet, und gründet nach Flucht in den Westen in Rüdesheim „Kloss & Foerster“ neu. Rotkäppchen wird VEB, volkseigener Betrieb.

Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Auch im Sozialismus können deutsche fleißig sein: Von genauen Plänen vorgegebene Parameter werden erfüllt. Moderne Produktions- und Lagerhallen entstehen in den 1970er Jahren. Bis heute ist der 1971 kreierte „Mocca-Sekt“ im Pogramm. Stolze 15 Millionen Flaschen werden 1980 abgefüllt. Rotkäppchen wird zum Aushängeschild des Staates. Zehn Jahre später droht die Marke zu verschwinden. Mit Schwung stürzt sich im Osten alles auf lange vorenthaltene Westwaren, im Westen ist Östliches nicht gefragt. Von über 300 Mitarbeitern sinkt die Zahl 1992 auf 66. Doch langsam stabilisiert sich die Lage.

Ein Konsortium aus ehemaligen leitenden Mitarbeitern unter der maßgeblichen Beteiligung des westdeutschen Spirituosenunternehmers Harald Eckes-Chantré erwirbt 1993 die Firma von der Treuhand. Von da an geht es aufwärts. Breiteres Aufstellen ist angesagt. Vom kanadischen Seagram Konzern erwirbt Rotkäppchen 2002 die Marken Mumm, Jules Mumm und MM. Im Folgejahr rundet der Erwerb der Supérieure-Marke Geldermann das Portfolio ab. Zu guter letzt kann 2005 vom Urenkel des Firmengründers das Markenrecht „Kloss & Foerster“ wieder zurückgekauft werden, rechtzeitig zum 150sten Geburtstag. Stolze Zahlen weist 2010 die Bilanz auf: 540 Mitarbeiter, davon 28 Auszubildende, produzieren 224,9 Millionen Flaschen, davon 162,5 Millionen Flaschen Sekt. Mit einem Marktanteil von 46,8 Prozent im deutschen Sektmarkt bei leicht steigender Tendenz kann Rotkäppchen optimistisch in die Zukunft schauen.

Kontakt zur Vereinbarung von Besichtigungen oder Verkostungen:

Rotkäppchen Sektkellerei GmbH
Sektkellereistraße 5
D-06632 Freyburg an der Unstrut

Telefon: +49 (0)34464 – 340
Telefax: +49 (0)34464 – 34 238

www.rotkäppchen.de



04.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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 Empfangsgebäude der Sektkellerei Rotkäppchen, 1892
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Das Kontor- und Empfangsgebäude von Rotkäppchen aus dem Jahr 1892
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Gedenktafel an Ernst Neufert an dessen Geburtshaus in Freyburg
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Geburtshaus von Ernst Neufert in Freyburg mit
 Jahn-Gedenkstätte im Hintergrund
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in den historischen Weinkellern
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„Domkeller“ mit Riesenfass

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Gedenktafel an Ernst Neufert an dessen Geburtshaus in Freyburg

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Foyer des Kontor- und Empfangsgebäudes von Rotkäppchen

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Gemusterte Ziegelfronten im überdachten Fabrikhof

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„Domkeller“ mit Riesenfass

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Geburtshaus von Ernst Neufert in Freyburg mit Jahn-Gedenkstätte im Hintergrund

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Oskar Stengel, Kontor- und Empfangsgebäude der Sektkellerei Rotkäppchen, 1892

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„Domkeller“ mit Riesenfass

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Empfangs- und Sitzungszimmer im Kontorgebäude

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Oskar Stengel, Kontor- und Empfangsgebäude der Sektkellerei Rotkäppchen, 1892

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in den historischen Weinkellern

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Oskar Stengel, Kontor- und Empfangsgebäude der Sektkellerei Rotkäppchen mit der Front des überdachten Innenhofes

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Blick auf die historischen Fabrikanlagen mit Wasserturm

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