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Zivilcourage im Dritten Reich: Die Hamburger Kunsthalle erinnert an den Hausmeister Wilhelm Werner, der wichtige Werke der Avantgarde in seiner Wohnung versteckte

Strategien eines Hausmeisters



Vier Jahre ist es her, da sorgte eine kleine Ausstellung im Frankfurter Portikus für Aufmerksamkeit. Unter dem Titel „Sammlung Rausch“ wurde dort die Sammlung von Hartmut Rausch gezeigt, der während seiner Tätigkeit als Hausmeister der Frankfurter Städelschule rund 100 zeitgenössische Werke zusammengetragen und in seiner Dienstwohnung aufgehängt hatte – von Professoren wie Per Kirkeby, Thomas Bayrle oder Ayse Erkmen etwa oder von Studenten, die im Laufe der Jahre zu Berühmtheiten und Kunstmarktgrößen avanciert waren, darunter Tomás Saraceno, Sergej Jensen und Thomas Zipp.


Der Erfolg dieser Ausstellung mag auch die Hamburger Kunsthalle dazu bewogen haben, in ihren Annalen zu wühlen. Kurator Ulrich Luckhardt hat die erstaunliche Geschichte eines Mannes zu Tage befördert, der von 1914 bis 1952 in den Diensten der Kunsthalle stand und während dieser Zeit eine stattliche Sammlung von rund 500 Gemälden und Arbeiten auf Papier zusammentrug. Wilhelm Werner (1886-1975), ein aus Kiel stammender Tischler, war zunächst Hilfsaufseher in der Kunsthalle. Im Laufe der Zeit stieg er immer weiter auf und bezog schließlich eine Dienstwohnung im Souterrain des Altbaus. Er war für die Beaufsichtigung der Werkstätten und das Hängen der Bilder zuständig.

Wechselausstellungen im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Doch zwischen 1919 und 1930 fand einmal im Jahr in den Räumen der Kunsthalle die Jahresausstellung der Künstlervereinigung „Hamburgische Sezession“ statt. Bei diesen Gelegenheiten war Wilhelm Werner jedes Mal in seinem Element. Er unterstützte die jungen Künstler beim Bespannen der Keilrahmen, grundierte die Leinwände und half beim Hängen. Werner schloss rasch Freundschaft mit Malern wie Heinrich Stegemann, Willem Grimm und vielen anderen. Die bedankten sich bei ihm mit Werken. Seine Sammelleidenschaft sprach sich herum, und so füllten sich die Wände der kleinen Hausmeisterwohnung rasch mit Gemälden und Zeichnungen von Fritz Flinte, Franz Breest, Alma del Banco, Emil Maetzel oder Fritz Kronenberg. Heinrich Stegemann, mit dem Werner besonders eng befreundet war, porträtierte ihn, seine Frau Anna, die Tochter Käte und auch die Schwiegereltern in neusachlicher Manier.

Diese Porträts bilden den Auftakt der Ausstellung, die nicht nur von der Kunstbegeisterung sondern auch von der Zivilcourage eines einfachen Handwerkers zeugt. Rund 130 Werke sind zu sehen, vorwiegend Porträts, Stillleben und Landschaftsdarstellungen. Winterliche Hamburger Stadtansichten von Willem Grimm etwa oder norwegische Landschaften von Eduard Hopf. Auch wenn Werner selbst der gegenständlichen Malerei verhaftet blieb und sich nicht mit allzu kühnen abstrakten Tendenzen auseinandersetzte: Der Freiheit der Kunst fühlte er sich im Dritten Reich offenbar mehr verpflichtet als den Anordnungen des Regimes. Und so rettete er 1937 unter Lebensgefahr die Werke der jüdischen Avantgarde-Malerin Anita Rée vor der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“.

Anita Rée hatte sich bereits 1933 aus Angst vor der politischen Entwicklung das Leben genommen. Wilhelm Werner muss sie gekannt haben, sie war eine der Mitbegründerinnen der Hamburgischen Sezession. Eines ihrer Bilder befand sich auch in seiner Privatsammlung. Im August 1937 hatte sich eine Kommission angemeldet, deren Aufgabe es war, sämtliche Bestände moderner Kunst zu beschlagnahmen und nach Berlin zu schicken. Wilhelm Werner schaffte die sieben Bilder Anita Rées rechtzeitig in seine Wohnung und versteckte sie im Schrank und unter dem Bett. Nach Kriegsende hat der Hausmeister die vorübergehend zwischengelagerten Bilder heimlich wieder ins Depot zurückgebracht, ohne je wieder ein Wort darüber zu verlieren. Die Hamburger Kunsthalle erinnert jetzt an diesen ebenso stillen wie mutigen Akt des Widerstands.

Die Ausstellung „Die Sammlung des Hausmeisters Wilhelm Werner“ ist noch bis zum 15. Januar 2012 zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, an Silvester ist von 10 bis 15 Uhr und an Neujahr 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der 124seitige Katalog ist im Mare Verlag erschienen und kostet 20 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



04.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


18.09.2011, Die Sammlung des Hausmeisters Wilhelm Werner

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Bilder einer Getriebenen

Variabilder:

Anita Rée, Stillleben mit Krug und Äpfeln, vor 1921
Anita Rée, Stillleben mit Krug und Äpfeln, vor 1921







Anita Rée, Stillleben mit Krug und Äpfeln, vor 1921

Anita Rée, Stillleben mit Krug und Äpfeln, vor 1921




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