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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Resultate: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham

Pseudomönch endlich mit neuer Heimat



Großteils erfolgreich beteiligte sich das Kölner Auktionshaus Van Ham mit seiner Versteigerungen moderner und zeitgenössischer Kunst an der derzeitigen Kunstmarktblüte. Bei guten 61 und 66 Prozent inklusive der Vorbehalte lag die Zuschlagsquote in beiden Abteilungen. Wenn auch nicht jedes Spitzenlos einen Abnehmer fand, gab es bei den etlichen Favoriten keine bösen Überraschungen. So auch bei Rudolf Bauer: Nun schon zum vierten Mal in Folge konnte Van Ham mit herausragenden Arbeiten des Deutsch-Amerikaners reüssieren. Besonders die gut einen Meter breite Leinwand „Tempo“ des knapp Dreißigjährigen aus dem Jahr 1918 stützte sich auf eine rege Sammlerschar: Über die Schätzung von 120.000 bis 180.000 Euro hinaus wurden die breiten, über ein blau-weiß-rotes Farbflächengewaber hinwegzuckenden schwarzen Linien auf 240.000 Euro aus deutscher Hand gehoben und avancierten damit zum Hauptlos der Auktion. Sicher hat zur Wertsteigerung auch die Solomon R. Guggenheim-Provenienz beigetragen. Diese fehlte bei einer unbetitelten Papierarbeit Bauers aus dem Jahr 1922. Vielleicht war aber auch das nicht ganz so prägnante Motiv daran schuld, dass hier ein Amerikaner schon bei der unteren Schätzung von 150.000 Euro zum Zug kam.


Moderne Kunst

Einige Werke der klassischen Moderne hatte Van Ham am 1. Dezember allerdings doch etwas zu hoch angesetzt. Ferdinand Hodlers Bildnis seiner Kurzzeitgemahlin „Bertha Stucki mit Blume“ von etwa 1887/91 beispielsweise schaffte ebenso wenig die anvisierten 200.000 bis 250.000 Euro wie Karl Hofers schönes, aber eben nicht einmaliges „Stillleben mit Krug und Schachtel“ von circa 1920 aus dem Nachlass des Sindelfinger Sammlers Karl-Heinz Reinheimer. Auch Lesser Urys spätimpressionistische „Kaffeehausszene“ von 1928 war fraglos eine attraktive Offerte, aber mit 100.000 bis 140.000 Euro doch ein wenig zu anspruchsvoll taxiert. Über die 40.000 Euro für Lovis Corinths schon abstrakte Aquarellstudie zu dem Gemälde „Das Bankett“ aus des Künstlers Todesjahr 1925 wird noch verhandelt. Eigentlich waren mindestens 50.000 Euro vorgesehen. Ähnlich verhält es sich mit Oskar Schlemmers experimentellem Umdruck einer „Halbfigur frontal mit Licht auf der Stirn“ für 35.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Sein mit Farbkreiden gezeichneter, recht weihnachtlicher Engelskopf im Profil ging sicher bei 12.000 Euro weg (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Somit brachte es Heinrich Hoerles „Stillleben mit Krug und Birne“ aus dem Jahr 1929 mit 43.000 Euro auf Platz drei der Modernen. Das zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierende Werk, auf 25.000 bis 30.000 Euro angesetzt, schnitt damit deutlich besser ab als die noch sehr viel haptischere Ansicht eines Tonkruges mit grünem Zweig unter dem Titel „das blätterbild“ von 1928. Hier endeten die Gebote schon bei vorbehaltlichen 17.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Im preislichen Mittelfeld rangierten ferner Otto Dix’ harmonischer und farbprächtiger „Zinnien“-Strauß von 1947 bei 30.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), Hermann Max Pechsteins „Akt in Landschaft“, ein Aquarell aus einer seiner besten Zeiten 1911 bei 33.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), Ernst Ludwig Kirchners flott mit Tuschpinsel skizzierte Frau auf einem Sofa um 1910 sowie unter den plastischen Arbeiten Ernst Barlachs „Russische Bettlerin I“ von 1907 in einem Guss wohl der 1960er Jahre jeweils zur unteren Schätzgrenze von 30.000 Euro.

Guten, wenn auch nicht vollständigen Absatz fanden knapp zwanzig Arbeiten HAP Grieshabers aus dem Nachlass der vor vier Jahren verstorbenen Lyrikerin Margarete Hannsmann, die während der letzten vierzehn Jahre des 1981 gestorbenen Künstlers an seiner Seite stand. Die größten Farbholzschnitte aus Grieshabers bester Schaffenszeit, den frühen 1950er Jahren, zogen hier die meiste Aufmerksamkeit auf sich: Ein „Alb“ von 1951 und ein „Panzerpan“ von 1952 konnten ihre unteren Schätzungen auf 14.000 Euro und 15.000 Euro etwa verfünffachen, von 5.000 bis 8.000 Euro sogar auf 30.000 Euro brachte es ein „Schmerzensbild“ ebenfalls von 1952. Auch Grieshabers späte Josefslegende, 36 Linolschnitte in Grau und Schwarz von 1970, schlugen sich mit 18.000 Euro hervorragend (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR).

Erfreuliche Ergebnisse für weniger bekannte Künstler waren die 7.000 Euro für ein altmeisterlich-neusachliches Stillleben mit Haselnüssen vor einem Fensterausblick von Herbert Böttger aus dem Jahr 1953 (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR), die 8.500 Euro für Theo Champions beschaulichem Tennisplatz mit im Doppel spielenden Damen von 1927 (Taxe 2.200 bis 2.800 EUR) und die 12.000 Euro für einen expressionistischen „Herbsttag 5“ von Andreas Jawlensky, dem Sohn Alexej von Jawlenskys, von 1922 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Diesen Werk und damit die obere Erwartung erreichte auch Curt Herrmanns ausschnitthafter Blick in den strahlend blühenden „Garten des Architekten Henry van de Velde in Weimar“ um 1909. Für František Kupka lichtes, aus Kreisen und Rechtecken geformtes Farbaquarell der 1930er Jahre wurde mit 18.000 Euro ein angemessener Preis bezahlt.

Zeitgenössische Kunst

Angesichts einer erheblich höheren Anzahl kleinerer und größerer Preissprünge zeigten sich die Gegenwartskünstler bei Van Ham von ihrer besonders agilen Seite. Zwar blieben auch hier hochgehandelte Stücke liegen wie Andy Warhols unikater Probedruck seiner Farbserigrafie „Eva Mudocci (After Munch)“ von 1984 (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR) sowie die wichtigsten plastischen Arbeiten von Sandro Chia, Enzo Cucchi und Niki de Saint Phalle für bis zu 80.000 Euro ohne. Doch souverän setzten sich zwei andere Meister an die Spitze: Günther Ueckers genagelter „Schrei“ aus dem Jahr 2002 wurde erst bei 175.000 Euro einem deutschen Sammler zugewiesen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), und um ein schwarzes Balken-„Peinture“ Pierre Soulages’ aus dem Jahr 1957 kämpfte sich ein Franzose bis zu 113.000 Euro hinauf (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Der Reiz des Angebots lag vor allem in den vielen seltener anzutreffenden Künstlern. Dazu gehörte Paul Thek mit einer Seite aus seinem visuellen Tagebuch unter dem Titel „Insel mit Dino“ auf rosafarbenem Grund von 1971, die denn auch den Sprung von 12.000 bis 18.000 Euro auf 32.000 Euro schaffte. Eine besondere Überraschung bot das großformatige Ölbild „Another Flowership“ des 2002 bei einem Flugzeugabsturz getöteten Luxemburgers Michel Majerus: Erst zum neuen Weltrekordpreis von 95.000 Euro ging die ein Jahr zuvor entstandene Mischung aus Elementen der Pop Art und der gestischen Abstraktion in die Heimat des Künstlers zurück. Zumindest ihre Schätzungen weitgehend bestätigen konnten Per Kirkebys dunkle Leinwand „Shadow and Ornament III“ von 1982 bei 33.000 Euro (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR), Peter Brünings gestische schwarzroten Schwünge „Nr.18/63“ von 1963 mit 22.000 Euro (taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und eine stilllebenartige Komposition Mimmo Paladinos aus dem Jahr 1985 für 30.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Für eine Überraschung war wieder einmal Joseph Beuys gut: Die kleine unscheinbare Bleistiftzeichnung „Toter Mann und Hirschskelett“ aus der beginnenden Revoluzzerphase des Künstlers 1955/56 verzehnfachte ihren Wert in etwa auf 52.000 Euro. Mit 15.000 bis 20.000 Euro dagegen erwartungsgemäß viel zu günstig war ein schwarzrotes Brandbild von Ueckers ZERO-Kollegen Otto Piene namens „red fire flower von 1961/63 veranschlagt. Es setzte sich erst bei 68.000 Euro ab und leitete eine weiterhin erfolgreiche Piene-Suite ein, die unter anderem noch 22.000 Euro für ein kleines rasterartiges Rauchbild aus dem Jahr 1957 generierte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). ZERO und sein Umfeld positionierte sich insgesamt recht gut. Dazu gehörte auch das schlichte weiße Acrylrelief des Italieners Turi Simeti, das nur achtzehn eiförmige Elemente in drei Reihen übereinander angeordnet präsentiert. Es verbesserte sich von 2.000 bis 4.000 Euro auf 13.000 Euro. Klaus Staudts ebenfalls verweißte Rechteckreihung „Realität und Erscheinung“ von 1992 verdoppelte ihren Wert auf 8.000 Euro. Taxgerecht kamen Adolf Luthers kleine Spiegelobjekte um 1970 in Rechteck- oder Kreisform bei 5.500 Euro und 6.500 Euro ans Ziel, ebenso Heinz Macks vibrierendes Relief aus geprägtem und gefaltetem Aluminium von 1966 bei 11.000 Euro.

Aus den unteren Preisregionen von 6.000 bis 8.000 Euro arbeiteten sich Kuno Gonschiors grüne Sterne auf rotem Rund unter dem Titel „Halbkugel Vibration-Rot“ aus dem Jahr 1970 auf 15.000 Euro hoch. Für den Erfolg der abstrakten Malerei standen ferner Georg Karl Pfahlers großformatiges Signalbild „Metro-BB II“ von 1965 und ein unbetiteltes kalligrafisches Tuschaquarell Georges Mathieus in Rot und Schwarz von 1958 für jeweils 16.000 Euro (Taxen zwischen 9.000 und 15.000 EUR). Ein rotes Schüttbild Hermann Nitschs spielte 17.000 Euro ein – angesichts des mittleren Formats ein recht beachtlicher Wert (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), den Fred Thieler mit seiner ebenfalls roten Malerei mit Stoffcollage „K.W.S./76“ bei 13.500 Euro nicht ganz erreichte (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Auch die abstrakte Skulptur hatte in Angel Duartes geometrischem Wabengespinst von 1970 bei 12.000 Euro einen würdigen Vertreter (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR).

Aus der jüngeren Kunst reüssierten Cornelius Völkers Babys in Basketballkörben unter dem Titel „Puttiklatsch“ von 1996 bei 12.000 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR), Markus Lüpertz’ humorvolle „Kakteen Diskussion“ von 1988 bei 24.000 Euro im Rahmen der unteren Schätzung und Neo Rauchs farbiger Lichtdruck der frühen undeutbaren Arbeiterszene „Werkstatt (Tief)“ von 1995 bei 7.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Einen Abnehmer fand übrigens endlich auch Jonathan Meeses „Pseudomönch des netten Handwerks“ von 2006, der schon seit Jahren über den deutschen Auktionsmarkt tingelt: 38.000 Euro waren da fast schon ein Achtungserfolg (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



09.12.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 30.000 - 35.000 EURO

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Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 12.000,- EURO

Losnummer: 326




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