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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Zerzaust im Wind



Wassily Kandinskys Zeichnung „Zwei schwarze Flecke“ in Tusche und Aquarell von 1923 ist mit 900.000 bis 1 Million Euro das Hauptlos der ausgewählten Werke, die Lempertz in Köln seiner Auktion moderner Kunst vorausschicken wird. Noch im Jahr seiner ersten Ausstellung 1924 in der Neuen Galerie von Otto Nierenstein in Wien schenkte der Künstler das Blatt Sophie Küppers, die zwei Jahre später den russischen Konstruktivisten El Lissitzky heiraten sollte. In jüngerer Zeit gab es darum allerdings Streit mit den Erben Lissitzky-Küppers: Sie vermuten, dass die „Zwei schwarzen Flecke“ zu einer Reihe von Bildern gehören, die die einst Beschenkte bei ihrer Emigration dem heutigen Landesmuseum Hannover überließ und die später von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt worden seien. Lempertz dagegen geht davon aus, dass Lissitzky-Küppers die abstrakte Komposition, die vom selben Auktionshaus schon einmal 1989 an den jetzigen Einlieferer versteigert worden war, Ende der 1920er Jahre einer befreundeten Bekannten zum Präsent machte. Juristisch gilt das als abgesichert.


Mit dem anderen Hauptlos der Auktion am 2. Dezember verbinden sich solche unerfreulichen Nebengeschichten nicht: Max Ernsts „La Forêt“ von 1925 widmete der Künstler einst seinem Freund, dem surrealistischen Poeten Paul Éluard. Später gingen die vier kahlen Baumstümpfe vor undefinierbar sandfarbenem Hintergrund über die Galerie Schmela in Düsseldorf an die Sammlung Hans Schröder in Garmisch-Partenkirchen (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR). Von Ernst gibt es außerdem ein frühes Knabenbildnis in gemäßigt moderner Tradition: Es zeigt den drei- oder vierjährigen Sohn von Ernsts ehemaligem Griechischlehrers am Brühler Gymnasium und entstand um 1912 wohl als Auftragsarbeit (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Ein wichtiger Fixpunkt der gehobenen Portraitmalerei bürgerlicher Schichten war Max Liebermann, von dem aus dem Jahr 1917 ein Bildnis des Kommerzienrats Carl Leopold Netter mit Pfeife in der Hand bei 40.000 bis 50.000 Euro zum Aufruf kommt.

Unter den späten französischen Impressionisten fällt vor allem Henri Le Sidaners fast unheimliches, für Venedig-Veduten ganz untypisches Bild „Le bec de gaz. Nuit bleue“ auf, entstanden 1906 während eines längeren Aufenthalts in der norditalienischen Lagunenstadt. Noch im Jahr seiner Entstehung war es im Pariser Salon zu sehen (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Auf deutscher Seite beeindruckt zu dieser Zeit Paul Baums neoimpressionistischer heiterer „Marktplatz in St. Anna (Holland)“ von circa 1907 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Salon pur sind Edward Cucuels „Zwei sitzende Mädchen am Starnberger See“, und mit 80.000 bis 100.000 Euro trotz ungebrochener Beliebtheit des viele Jahre in Deutschland lebenden Amerikaners auch sehr anspruchsvoll bewertet. Bei 40.000 bis 60.000 Euro wartet sein „Stehendes Mädchen im Kahn“ auf einen Mitreisenden.

Die Frühzeit des deutschen Expressionismus repräsentiert Emil Noldes Tuschfederaquarell „Caféhaus-Szene (Drei Figuren)“ mit zwei behüteten Damen in Rückenansicht vor violettem Fond von 1910/11 für 90.000 bis 100.000 Euro. Aus seinen späteren Jahren hängen weitere Aquarelle wie das ungewöhnlich schrundige, in seiner rauen, fast blutig wirkenden Struktur der Zeit angemessene Seestück „Rote Abendsonne und schwarzer Dampfer“ von 1946 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR) und die etwas gefälligeren „Sonnenblumen und Gladiolen“ von circa 1930 bereit (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Ein anderer Meister seiner Generation war Alexej von Jawlensky. Für 160.000 bis 180.000 Euro kann man bei ihm gleich zwei Werke auf einem Papier erwerben: die abstrakte „Variation: Song“ von 1916 auf der Vorder- sowie auf der Rückseite ein etwas früheres Blumenstück. Ein „Mystischer Kopf“ Jawlenskys blieb um 1917/18 unvollendet zurück. Die Rückseite verwendete er dann 1927 für ein Stillleben. Der Karton wurde erst vor sechs Jahren gespalten – eine umstrittene, aber häufige Maßnahme, die sich auf die Billigung des Künstlers selbst beruft (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR).

Wer etwas ausgefallenere Objekte sucht, ist bei Hermann Stenners farbenkräftigem Bildnis „Grüne Frau mit gelbem Hut II“ aus dem Jahr 1913 an der richtigen Adresse. Ein Jahr vor dem Kriegstod des Künstlers an der Ostfront entstanden, zeigt diese unbekannte Dame mit ihrem auffallend grünen Gesicht, dem strengen Blick und den rot glühenden Augen Stenners ganze Meisterschaft. Willi Baumeister traute ihm zu, einer der besten Maler Deutschlands zu werden. Sicherlich das beste Gemälde auf dem Auktionsmarkt in jüngerer Zeit ist die vorliegende Leinwand, entsprechend wird mit 40.000 bis 50.000 Euro auch der bislang höchste Preis erwartet. Ebenfalls sehr jung – mit 27 Jahren – starb 1919 Paul Adolf Seehaus an einer Lungenentzündung. Da hatte er schon eine ganz beachtliche Laufbahn nicht nur als Künstler, sondern auch als promovierter Kunsthistoriker hinter sich. Sein eifrigster Förderer war niemand Geringeres als August Macke. Seehaus’ einen Meter breite „Große Eifellandschaft“ von 1916 lässt eine durchaus eigenständige künstlerische Position erkennen (Taxe 30.000 EUR). Noch stärker kubistisch überformt zeigt sich Natalja Gontscharowas Gouache „Espagnole“. Das Motiv einer spanischen Tänzerin mit Fächer taucht ab 1916 in ihrem Werk in mehreren Variationen auf (Taxe 60.000 EUR).

Höhepunkt des späten Expressionismus ist Max Beckmanns Gouache und Pastell „Löwenbändiger (Zirkus)“ von 1930. Das in Stil und Sujet für seinen Autor charakteristische, unverwechselbare Blatt von gemäldehaftem Charakter weist neben Flechtheim- und Gurlitt-Provenienz auch eine beeindruckende Ausstellungsliste in den frühen 1930er und in den 1950er Jahren auf (Taxe 300.000 EUR). Als braver Landschafter gibt sich Erich Heckel 1929 in seinem Temperagemälde „Tal in den Pyrenäen“ mit Hirten und Viehherde, entstanden während einer Reise in das französisch-spanische Grenzgebiet (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), ebenso Gabriele Münter mit ihrem Winter in den Bergen samt einsamem Skiläufer von 1937 (Taxe 90.000 bis 110.000 EUR). Betont religiösen Themen wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg Heinrich Nauen zu. Das besonders in der Spätgotik beliebte Motiv der „Maria lactans“ kombiniert er in einer mehr als zwei Meter breiten Leinwand um 1931 mit einer Ansammlung friedlicher Tiere (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Von Walter Dexel konnte Lempertz bereits in der Vergangenheit mehrmals konstruktivistische Hinterglasbilder anbieten. Eine weitere ausgewogene Komposition mit der Datierung und Nummerierung „1922 XIV“ kommt jetzt für 28.000 bis 30.000 Euro zum Zug. Der häufigste Künstler der Auktion ist Pablo Picasso. Zwei Arbeiten hat Lempertz auch in die ausgewählten Werke aufgenommen: die Farbkreide- und Kohlezeichnung „Femme pensive regardant vers sa gauche“, ein Frühwerk des etwa 18jährigen von circa 1899/1900 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), sowie die späte und unikate Terrakottaplastik „Tanagra“ des 70jährigen von 1951, die auf den Fund antiker Statuetten in der griechischen Stadt Tanagra rekurriert, aus dem Nachlass seiner Ehefrau Jacqueline für 150.000 bis 200.000 Euro. Eine leichte Kuriosität stellt die Offerte eines originalen Holzstocks dar, den Gerd Arntz 1937 schuf. Er zeigt unter dem Titel „Show“ eine höchst frivole Bühnenszene, in der sechs Frauen von einem peitschen- und pistolenbewehrten „Dompteur“ zum Striptease vor einer feinen Herrengesellschaft angeleitet werden. Die poppige Bemalung führte der Künstler selbst 1979 aus (Taxe 35.000 bis 38.000 EUR).

Weitere Originalitäten und verborgene Meisterwerke bietet das rund zweihundert Lose umfassende Hauptprogramm: Rudolf Auslegers kubistisches und zugleich von barocker Fülle strotzendes „Stillleben vor geöffnetem Fenster“ von 1947/48 (Taxe 10.000 15.000 EUR), Josef Eberz’ statische „Kreuzigung“ von 1915 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Hans Thuars stickende „Grete vor Heuhaufen“ aus dem Jahr 1911 (Taxe 15.000 bis 17.0000 EUR) und Jan Thorn Prikkers aus kurzen schmalen Wachskreidestrichen zusammengesetzter Heuhaufen „Soleil à midi“ von circa 1900 stechen besonders hervor (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Henry van de Velde ist sonst als Entwerfer für Möbel und als Architekt bekannt. Lempertz kann nun eine frühe gestrichelte Landschaftszeichnung aus der „Kalmthoutse Heide“ der 1890er Jahre für 10.000 bis 12.000 Euro anbieten. Einen stilistischen Quantensprung vollführte Werner Drewes von seinen recht braven, nur etwas in der Perspektive verschobenen „Old Houses in Harlem“ aus dem Jahr 1933 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) zu der abstrakten Komposition „The Maze“ des fast 80jährigen 1978 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Ein weiterer Abstrakter war Boris Kleint, dessen schöne, harmonische Kompositionen allerdings noch einer breiteren Würdigung harren. Auch seine „Fugenimprovisation Grün“ von 1941 ist mit 3.500 Euro sehr bescheiden, aber leider wohl realistisch angesetzt. Für László Moholy-Nagys kleinen Holzschnitt „Kreis und Flächen Variation“ von 1924 wird man dagegen wohl 11.000 Euro hinblättern müssen. Den Formen- und Farbenreichtum der ungegenständlichen Kunst belegen zudem Auguste Herbins blumenartige „Composition, Juillet 17“ von 1917 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Lajos Kassáks sphärische Papiercollage „LE S“ über dunklem Gouachegrund (Taxe 9.000 EUR) und Eugène de Kermadecs gestaffelte Farbabfolge mit schwarzen Konturlinien aus den 1920er Jahren (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Für die Farbenpracht des späten Fauvismus steht Louis Valtats „Bouquet de Dahlias“ von etwa 1937 (Taxe 30.000 EUR).

Neben Wilhelm Lehmbrucks in sich gekehrter „Kleiner Sinnenden“ in einem posthumen Guss um 1926 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR) und dem expressiv „Stürzenden“ von Georg Kolbe aus dem Jahr 1924 für 35.000 bis 45.000 Euro in der Selektion von Lempertz ist August Gauls lebensgroße, äußerst lebensechte Orang-Utan-Büste „Jumbo-Kopf“ von 1895 für 24.000 Euro die teuerste Skulptur. Ein drolliges Meisterwerk im Festhalten des Augenblicks ist Otto Pankoks Bronze „Ehra im Wind“ von 1957: Dem jungen Mädchen wird die üppige Haarpracht ganz schrecklich zerzaust (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Ganz melancholisch geht es dagegen in Emy Roeders „Sinnender (Sitzend auf Bank)“ von 1967 zu, die ihren Kopf geneigt in ihre Hände gelegt hat (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 2. Dezember um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 1. Dezember täglich von 10 bis 17:30 Uhr, am 2. Dezember von 10 bis 13 Uhr möglich.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



28.11.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Kunsthaus Lempertz

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Heißbegehrte grüne Frau

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Heinrich Nauen, Madonna mit den Tieren, um 1931
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Alexej von Jawlensky, Variation: Song, 1916

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Zuschlag: 160.000,- EURO

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Taxe: 30.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 41.000,- EURO

Losnummer: 232

Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 211

Jan Thorn Prikker, Soleil à midi, um 1900

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

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Taxe: 24.000,- EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 314

Alexej von Jawlensky, Ohne Titel (Mystischer Kopf, unvollendet), um 1917/18

Alexej von Jawlensky, Ohne Titel (Mystischer Kopf, unvollendet), um 1917/18

Taxe: 40.000 - 45.000 EURO

Losnummer: 218

Paul Baum, Marktplatz in St. Anna (Holland), um 1907

Paul Baum, Marktplatz in St. Anna (Holland), um 1907

Taxe: 50.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 203

Max Liebermann, Kommerzienrat Dr. Carl Leopold Netter, 1917

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Losnummer: 213

Henri Le Sidaner, Le bec de gaz. Nuit bleue, 1906

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Losnummer: 202




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