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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst im Wiener Dorotheum

Makabre Europafeier



Das Werk eines russischen Künstlers als Hauptlos einer Gegenwartskunstauktion ist im deutschsprachigen Raum durchaus eine Seltenheit. Auf der Versteigerung des Wiener Dorotheums ist Ilya Kabakovs Gemälde „Bei der Universität 1972“ aus dem Jahr 2002 Titellos, Auftaktlos und Hauptlos zugleich. 600.000 bis 800.000 Euro sind für die zweieinhalb Meter breite Leinwand veranschlagt, die erstmals 2004/05 auf einer Einzelausstellung im Cleveland Museum of Contemporary Art der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und rund vier Jahre später noch im Pushkin Museum of Fine Arts in Moskau zu sehen war. Sie steht beispielhaft für die komplexe Gedanken- und Bildwelt des Künstlers, der sich und den Betrachter in andere Zeiten, mitunter auch in andere Identitäten versetzt und uns im vorliegenden Fall die vermeintlich heile Welt einer jungen akademischen Elite auf dem Campus vor dem sozialistischen Monsterbau der Moskauer Universität präsentiert – versehen mit einem halben Rahmen, der das Gesehene bereits als Bild im Bild entlarvt. Im Übrigen ist es eine der rein malerischen Arbeiten Kabakovs, der ansonsten auch und vor allem als konzeptueller Installationskünstler in Erscheinung tritt.


Ansonsten geht der Blick des Dorotheums auch in dieser Auktion am 24. November weniger nach Osten als vielmehr nach Mitteleuropa und in den Süden. Italien ist auch hier – wie schon bei der Moderne – ein Schwerpunkt. Eine Reihe bedeutender Namen scheinen auf, wenn auch zum Teil nur mit kleinen Arbeiten wie Lucio Fontana, dessen zwei geschnittene und gelöcherte Messingeier „Concetto Spaziale, Natura“ nur jeweils 27 Zentimeter hoch sind und nur als eines von insgesamt fünfhundert Exemplaren in die Welt geworfen wurden (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Rein quantitativ etwas mehr hat man von den strukturierten Leinwänden Agostino Bonalumis, etwa dem wunderbar mystischen „Nero“ in einer Version von 1973 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und in einer anderen von 1982 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) oder dem wie von einer Geisterhand in zwei Bahnen geprägten „Bianco“ wiederum von 1973 für 70.000 bis 90.000 Euro. Ein weiterer Vertreter dieser Leinwandprägekunst ist Enrico Castellani mit seinen kreuzförmig über die Leinwand dahinhuschenden Punkten „Superficie bianca“ von 1969 für 180.000 bis 240.000 Euro.

Achille Perilli liebt sich kreuzende Linien, doch hat der sie auf seiner Leinwand „Sincreto uno di grande spazio“ 1951 durch schwimmende Farbinseln gegliedert (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Gelegentlich wird auch das Riesenformat nicht gescheut: Auf zwei mal drei Metern breiten sich Piero Dorazios bunte Linien über gelbem Grund unter dem Titel „Long distance II“ von 1984 aus und kreuzen sich ebenfalls effektvoll dabei (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Nur etwa halb so groß ist Giuseppe Santomasos „Incontri nello spazio blu“ aus dem Jahr 1976, dessen weiß gerandete schwarze Flächen auf himmelblauem Grund ihre collageartige Beschaffenheit lediglich vortäuschen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Immerhin vom Konzept her ist man damit aber schon ein wenig dichter an der Arte Povera. Einer von deren bekanntesten Vertretern ist Jannis Kounellis. Zeitlebens blieb der gebürtige Grieche seiner 1965 begonnenen Neuorientierung treu und applizierte beispielsweise 1989 mehrere Kohlehäufchen in Bleikapseln auf einer zweiteiligen Eisenwand von mehr als dreieinhalb Metern Breite (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR).

Auf Seiten der informellen Kunst stehen Georges Mathieus ekstatische Geste „La Mort anthropophagique de l’Éveque Sardinha“ von 1959 (Taxe 160.000 bis 180.000 EUR) und die in ihrer zickzackartigen Bewegung allerdings schon viel überlegter verteilten „Hasards de silence“ von 1986 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Aus Frankreich gesellen sich noch Ernest Albert Gérard Schneider mit den breiten ausgefransten, roten Pinselstrichen auf farbigem Untergrund unter dem Titel „Opus 73G“ von 1965 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und Hans Hartung mit „T 1989 – A 50“, einem späten, dichten schwarzen Liniengewirr auf grünem Grund aus seinem Todesjahr 1989, hinzu (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Aber auch Italien hat informelle Malerei zu bieten, etwa Emilio Vedovas wild-gestische Farbenexplosion „Ciclo 61N.8“ von 1961 für 280.000 bis 380.000 Euro.

Aus demselben Jahr 1961 hat das Dorotheum auch einige abstrakte Arbeiten österreichischer Künstler im Programm, so Arnulf Rainers fast vollständig geschwärzte „Übermalung“ (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR), Josef Mikls herrlich leichte, aquarellartige Ölmalerei „Büste mit rotem Aufsatz“ von 1960 (Taxe 38.000 bis 58.000 EUR) und Max Weilers „Throne“, das größte Format aus der Serie „Als alle Dinge…“. Eine besondere Weiterentwicklung im Werk Rainers sind seine Kreuzesformate wie das „Rheinkreuz“ aus dem Jahr 1990 mit mehreren verlaufenden Spuren unterschiedlicher Farbe (Taxen je 90.000 bis 130.000 EUR). Herbert Brandl, einem der jüngeren Österreicher, ist die Gabe verliehen, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion souverän und ohne wesentliche Änderung des malerischen Duktus zu changieren: Die Ansicht eines Berges von 2003 ist in diesem Sinne ebenso nachvollziehbar wie eine rosarote, aus breiten Pinselstrichen gefügte Farbfläche, die nur ein Jahr vorher entstanden ist (Taxen 28.000 bis 35.000 EUR und 16.000 bis 25.000 EUR). Klar auf Seiten der Gegenständlichkeit steht Xenia Hausner mit ihrer „Studie II“ zum Doppelportrait „Alles Walzer“ von 1997 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Teuerste Offerte eines deutschen Künstlers ist Anselm Kiefers in einer Mischtechnik überarbeitete Fotografie „Solveigs Grab“, auf der sich treppenartige Wege in einem schneegestöberartigen Hintergrund verlieren. In seiner beträchtlichen Reihe historischer und kultureller Mythen widmete sich Kiefer hier also einmal einem skandinavischen Stoff, den schon den Komponisten Edvard Grieg zu einer seiner berühmtesten Musiken inspiriert hat (Taxe 90.000 bis 140.000 EUR). Den Gedanken an Schnee löst auch ein grauer Farbraumkörper Gotthard Graubners mit weißlichen Flecken von 1970 aus (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Auch ein unter Zuhilfenahme von Asche gestaltetes, konfuses Nagelbild Günther Ueckers aus dem Jahr 1984 besitzt über seine reine formale Gestalt hinaus eine gedankliche Konnotation, worauf auch der Titel „Poesie der Destruktion“ verweist (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Jenseits ihrer inhaltlichen Seite sind die Werke dieser Künstler auch einfach nur ziemlich wertvoll, wie insbesondere eine kleine abstrakte Aquarellkomposition Gerhard Richters von 1988 illustriert, die nicht weniger als 55.000 bis 65.000 Euro kosten soll.

Konrad Klapheck suchte schon früh wieder den Bezug zum Gegenstand. Er fand ihn in einer monumentalisierten Dingwelt, die symbolhaft für menschliche Lebensumstände steht, so etwa die Nadel einer Nähmaschine 1959/60 für „Day after Day“ (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Ähnlich reduziert und konzentriert geht Thomas Huber in seinen Gemälden vor, wenn er einen braunen Koffer neben ein an eine graue Wand gelehntes gelbes Türblatt stellt und dieses Arrangement in dem „Kofferbild“ verdoppelt (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Unter den jüngeren Arbeiten ragen Daniel Richters Parklandschaft mit mysteriösen, scheinbar von innen brennenden Figuren „We’ll never stop living this way“ von 2009 (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR) und Jonas Burgerts in einer Ecke kauernde Gestalt mit kahlrasiertem Schädel und orangefarbenem Gewand von 2007 für 40.000 bis 50.000 Euro hervor. Wer Martin Eders Kitschbilder liebt, hat die Auswahl zwischen den poppigen Leinwänden „Geschichte eines Irrtums“ von 1994 und „Verlockung“ mit der häufiger verarbeiteten pausbäckigen Krankenschwester von 1997 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Etwas handfester geht es in den fünf Fotografien „I do not live here anymore“ von 2000 zu, in denen Ugo Rondinone Geschlechteridentität beim häuslichen Metzgertun mit viel Blut untersucht (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Eine der ungewöhnlichsten Arbeiten stammt von dem Deutschamerikaner Richard Lindner. Sie zeigt das Profilbildnis eines „Man“, allerdings ganz zerlegt in einzelne Ornamente und mit merkwürdig verformten Körper- und Gesichtspartien. Die 1964 datierte, aquarellierte Zeichnung ist insofern zumindest für Lindner charakteristisch (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Die Pop Art vertritt zudem Andy Warhol mit der Umrisszeichnung des spanischen Sängers und Schauspielers Miguel Bosé von 1983 (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR), deren Verballhornung Richard Pettibone mit einem fast briefmarkengroßen Portrait Marilyn Monroes (Taxe 10.000 bis 11.000 EUR). Auf abstrakte Farbflächen und deren geometrische Verteilung baut Peter Halley sein Schaffen auf, wie er es 2009 auch in „Red Horizontal Prison“ ausgeführt hat (Taxe 17.000 bis 22.000 EUR). Einen seiner Bezugspunkte hat Halley in der Konkreten Kunst, für die der Katalog exemplarisch Aurélie Nemours’ Quadratmalerei „David à la harpe“ von 1971 listet (Taxe 11.000 bis 14.000 EUR).

Spitzenwerk der plastisch-installativen Arbeiten ist mit Robert Indianas Ausschnitt aus der deutsch-deutschen Grenzmauer mit den 1991 aufgetragenen Schriftzügen „Love“ und „Wall“ auf Vor- und Rückseite das Werk eines Amerikaners in Berlin (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Auf österreichischer Seite beeindrucken Adolf Frohners etwas makabre Assemblage „Denkmal für Europa“ von 1976 mit Tierschädel (Taxe 32.000 bis 40.000 EUR) und Alfred Hrdlickas „Liegender Torso (Samson)“ in seiner Geschundenheit von 1960/61 in einem Bronzeguss um 1980 für 60.000 bis 90.000 Euro. Auch Jörg Immendorff greift ein politisches Thema in seiner gut zwei Meter hohen Bronze „Wiedervereinigung“ auf und hat sie 1989 als spitze, auseinanderlaufende und wieder zusammenfindende Öse gestaltet (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Wer es etwas handlicher und kunsthandwerklicher mag, sei auf eine kleine Brosche verwiesen, die Alexander Calder um 1945 aus Silber geschmiedet hat (Taxe 28.000 bis 35.000 EUR). Für die kalte Jahreszeit hat Fabrizio Plessi ein passendes Kunstwerk parat: Seine Videoskulptur „Foresta di fuoco“ von 2001 wärmt wenigstens optisch (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 24. November um 18 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



18.11.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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