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Das Clemens-Sels-Museum in Neuss illustriert die tiefe Freundschaft zwischen Aristide Maillol und Maurice Denis

Künstlerbande



Stattliche Publikumsausstellungen mit populären Postkartenmotiven drängen oft konzentrierte, teils anspruchsvollere Präsentation kleinerer Museen zu Unrecht in den Schatten. An wissenschaftlichem Ertrag, fundierter Darbietung und solider Forschung erweisen sich jene vermeintlich „kleinen Ausstellungen“ oft als nachhaltiger als so manche aufwendig vermarktete Blockbuster-Schau, ganz abgesehen von einem effektiveren sinnlichen Erlebnis. Ein Beispiel dafür lässt sich derzeit in Neuss besichtigen. Ausgehend vom eigenen Fundus und anlässlich des 150sten Geburtstages von Aristide Maillol am 8. Dezember wird im Clemens-Sels-Museum erstmals analysiert, wie sich wechselnde Einflüsse und freundschaftlicher Austausch zwischen den eng befreundeten Franzosen Maillol und Maurice Denis im Kunstschaffen beider auswirken. Hier begegnen sich 65 Exponate, darunter Skulpturen, Gemälde, Handzeichnungen, Druckgrafiken, Malerbücher und Fotografien, beider Künstler und offenbaren ein gegenseitiges aufeinander Eingehen.


„Polarität und Steigerung“ sind bei Goethe in einer Künstlerfreundschaft gegeben, die nicht nur gegenseitiges Verständnis, sonder auch Bekenntnis zum Talent des Freundes erfordert. Dies ist bei Maillol und Denis der Fall. Aristide Maillol, der nahe der spanischen Grenze am 8. Dezember 1861 geboren wird und 1882 nach Paris übersiedelt, und Maurice Denis, der am 25. November 1870 zwar in Granville in der Normandie das Licht der Welt erblickt, aber zeitlebens nahe Paris wohnt, begegnen sich erstmals 1896 auf einer gemeinsamen Ausstellung in der Metropole Frankreichs. Schon ein Jahr zuvor lernt Maillol die Gruppe der Nabis kennen und begeistert sich für Werke Denis und vor allem Paul Gauguins, auf die er 1893 wohl zum ersten Mal aufmerksam wird. Deren dekorative Vereinfachung eines liniengebundenen Stils übernimmt er bei seinen weiblichen Porträtdarstellungen in der ersten Hälfte der 1890er Jahre.

Werbeplakate von Maurice Denis sowie sein Gemälde „Obstgarten in der Einsiedelei“ verdeutlichen in der Neusser Ausstellung zudem exemplarisch das Vorbild fließender Konturen, harmonisch strukturierter Farbflächen und der Aufhebung illusionistischer Perspektiven in der japanischen Holzschnittkunst. Auch Maillol erzielt mit immer flächigeren, bis an die Grenze der Abstraktion geführten Textilarbeiten eine größere Distanz zur Realität, womit er sich Denis um 1900 noch weiter annähert. Aufgrund eines Augenleidens und obgleich ohne Ausbildung im plastischen Gestalten wendet er sich der Bildhauerei zu. In ihrer abstrahierten gestreckten Gradlinigkeit demonstrieren Statuetten von Mädchen in der Ausstellung die Abkehr vom zuvor gängigen, bewegt impressionistischen Duktus.

Dem Motiv der Sitzenden sowie Frauenbildnissen sind nach der Analyse stilistischer Korrespondenzen separate Ausstellungsabschnitte gewidmet. In Zeichnungen und Entwürfen gelangt Aristide Maillol zu einer blockhaften Geschlossenheit. Die „Sitzende mit überschlagenem Bein“ von 1902 und „La Méditerranée“ von 1904/05, zwei Bronzen von Maillol, geben fortan einen prägenden Formenkanon vor. Betonung von weiblichen Rundungen, das Sitzmotiv an sich, Licht- und Schattenwirkungen treten in identischer Fassung vor- oder nacheinander in Werken beider offenkundig vor Augen. Dem weiblichen Körper in seiner üppigen Form huldigen zahlreiche Akte von Denis und Maillol, die sich in ihrer Plastizität sowie poetisch-allegorischen Sinngebung auffallend nahe stehen. Ungezählte motivische Analogien belegen eine fortdauernde beiderseitige Inspiration. Dies gilt insbesondere für eines der berühmtesten Bilder Denis’, das in Japan beheimatete Gemälde „Rinaldo im Garten der Armida“ von 1907. In Neuss ist es lediglich als Kopie zu sehen, da sich das Original derzeit in der idealen Ergänzungsschau über Wilhelm Lehmbrucks Kniende im Duisburger Lehmbruck Museum befindet.

Maurice Denis ist nicht nur ein Hauptvertreter der Gruppe der Nabis, sondern auch ein bedeutender Theoretiker. 1905 verfasst er einen bis heute grundlegenden Aufsatz über Maillol, den dieser als „wie ein Denkmal zu meinem Ruhme errichtet“ klassifiziert. Diesen und weitere Freundschaftsbeweise visualisiert ein weiterer Abschnitt. Maillols 1904 gefertigte Porträtbüste von Denis’ Ehefrau Marthe kann als wichtiges Indiz für persönliche Nähe sowie besondere Wertschätzung gewertet werden. Die tektonische Strenge und Typisierung treten hier auffällig zugunsten individueller Kennzeichen zurück. Denis’ Porträt des Künstlerfreundes mit eben jener Büste Maillols demonstriert umgekehrt die Hochachtung seines Freundes. Porträts, Briefe, Fotografien belegen gegenseitige Besuche, Informationsweitergabe und Austausch von Kunstwerken.

Maurice Denis vermittelt Aristide Maillol zudem zahlreiche Aufträge, mit denen er dessen Laufbahn voranbringt. So arbeiten beide gemeinsam zwischen 1908 und 1911 an der Ausgestaltung des Musikzimmers im Stadtpalais des russischen Sammlers Iwan Morosow in Moskau. Maillol modelliert vier lebensgroße Bronzen, Denis erarbeitet einen dekorativ-allegorischen Gemäldezyklus. Über Denis lernt Maillol auch seinen wichtigsten Förderer, Auftraggeber und Sammler kennen, nämlich Harry Graf Kessler. Seite an Seite stehen in seiner Wohnung Werke beider Künstler. Vom verschollenen Gemälde „Nymphen mit Hyazinthen“ ist in der Neusser Ausstellung ein bislang unbekannter Entwurf zu sehen, unmittelbar korrespondierend wie einst bei Kessler mit Maillols seltener Bronze des splitternackten „Radfahrers“, den Kessler 1907/08 nach dem Modell seines Freundes, Radfahrers und Jockeys Gaston Colin in Auftrag gibt.

Der Erste Weltkrieg führt zu einem tiefen Einschnitt. Denis wendet sich verstärkt christlichen Themen zu. Seine letzten beiden Veröffentlichungen widmet er 1942/43 seinem langjährigen Freund Maillol. Kurioserweise versterben beide kurz darauf nacheinander infolge von Autounfällen: Denis am 13. November 1943, Maillol am 27. September 1944.

Die Ausstellung „Aristide Maillol & Maurice Denis. Eine Künstlerfreundschaft“ läuft bis zum 8. Januar 2012. Das Clemens-Sels-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de

www.clemens-sels-museum.de



02.11.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


18.09.2011, Aristide Maillol und Maurice Denis – Eine Künstlerfreundschaft

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Bericht:


Vor wem kniet die Kniende?

Künstler:


Aristide Maillol

Künstler:


Maurice Denis










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