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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

In der Auktionsrunde mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Ketterer in München stechen besonders die „Seitenwege der deutschen Avantgarde“ heraus

Gewagt



Die erste, kleinere Herbstauktion des Münchner Versteigerers Ketterer lädt wieder zum Stöbern und Schmökern in den unbekannten Winkeln des 20sten Jahrhunderts ein. Mit den „Seitenwegen der deutschen Avantgarde“ hat das Haus eine unverwechselbare Marke geschaffen. Gut sechzig solcher Positionen hat Ketterer für den 28. Oktober wieder zusammengestellt. Aller Ehre wert ist vor allem das Titellos, Max Schwimmers expressives Selbstbildnis „Der Einarmige“ von 1919. Wie aus dem Nichts tritt hier das zerfurchte, aus kratzigen Pinselstrichen gefügte Gesicht des Dargestellten aus dem dunkelblauen Hintergrund einer zerfallenden Häuserlandschaft hervor. 14.000 bis 18.000 Euro würden zwar einen neuen Auktionsrekord für den Leipziger Maler bedeuten, scheinen aber durchaus nicht unrealistisch. In den schrillen Farben eines geradezu pervertierten Impressionismus schreien einem die Gemälde Hans Michaelsons entgegen. Für bis zu 12.000 Euro sind eine dörfliche Häuserlandschaft, ein Männerportrait und zwei Blumenstillleben zu haben.


Seitenwege der deutschen Avantgarde

Als schöne expressionistische Grafiken stehen Walter Helbigs Holzschnitt „Badende“ von 1914 für 300 bis 500 Euro, Max Kaus’ Farblithografie „Sitzender Mann (Porträt Walter Gramatté)“ von 1920 für 5.000 bis 7.000 Euro und Josef Eberz’ farbig aquarellierter Holzschnitt „Frau mit Katze“ aus etwa der gleichen Zeit für 800 bis 1.200 Euro zur Verfügung. Selten trifft man auf Druckgrafiken des jung verstorbenen Hanns Bolz. Ketterer kann mit dem Farbholzschnitt eines gedrungen-dumpfen „Männerkopfs mit Pfeife“ wohl von 1910 aufwarten (Taxe 700 bis 900 EUR). Neben dem Expressionismus, wie ihn Harold Bengen etwa in seinen „Scheuenden Pferden vor dem Flammenmeer“ zu einem apokalyptischen Geschehen verdichtet (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), treten auch die jüngeren Strömungen der 1920er und 1930er Jahre hervor. Kühl und neusachlich wird es etwa mit einem verschachtelt gezeichneten Blumenstillleben des gebürtigen Ukrainers Ivan Babij (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) oder Walter Schulz-Matans in Untersicht gemalter Fackeldistel von 1935 (Taxe 1.700 bis 2.500 EUR).

Für eine gesellschaftskritische Kunst mit karikaturhaften Zügen stehen dann Armand Boutens fröhlich laszive Paare in einer Kutsche um 1920 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), Bruno Voigts Zeichnung „Fronturlaub“ eines Soldaten beim Sex mit einer Frau (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR) und Richard Zieglers „Kaffeehausszene“ zweier feister Damen und eines kahlköpfigen Herren (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Während sich Erich Borchert in seiner Zeichnung „Amazone“ von 1928 (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) und Karl Peter Röhl in seinem kosmischen Farbaquarell von 1920 der Abstraktion verschrieben haben (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR), setzt Carl Christoph Hartig in dieser Zeit weiterhin auf den Gegenstand, lässt sich aber in seinem Stillleben von der perspektivlosen Ornamentkunst Henri Matisses beeinflussen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Moderne Kunst

In der Hauptauktion finden sich ebenfalls viele weniger bekannte Künstler oder Werke von solchen, denen man sie gar nicht zugetraut hätte. Zu letzteren gehört beispielsweise ein Frühwerk Willi Baumeisters, ein noch recht braves Stillleben mit grünem Lampenschirm, datiert 1910 und damit während seiner Stuttgarter Studienzeit unter Adolf Hölzel entstanden (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Conrad Felixmüllers eigene Handschrift schlägt in dem Bildnis einer schwarz bekleideten und verschleierten Dame „Vor dem Spiegel (Rokoko)“ von 1934 ebenfalls kaum durch. Das Ölbild, das seine Ehefrau Londa wiedergibt und im Spiegel auch die Person des Künstlers selbst anschneidet, wirkt eher wie ein verspätetes Jugendstilprodukt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Wie vielseitig der Künstler in dieser Zeit arbeitete, belegt sein Pastell „Das wartende Modell“ von 1937, das bei kräftiger Farbigkeit eine starke Verzerrung der Perspektive zeigt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Unverwechselbar Albert Birkle ist dagegen das Portrait einer verhärmten alten Dame, die den Betrachter mit furchterregend tiefliegenden Augen von unten anstarrt. 1923 zeichnete der junge Künstler diesen Charakterkopf in Kohle (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Peter August Böckstiegel malte 1942 eine Dorfstraße in auffällig schrillen Farben. Lila dominiert in diesem nachexpressionistischen Pastell (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eine der schönsten Grafiken ist Emil Orliks Farbholzschnitt „Schloss in Böhmen“ von 1905, ein Musterbeispiel der weichen Jugendstilformen (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Wilhelm Laage steuert dann sein in gleicher Technik und Stilart ausgeführtes Blatt „Kürbisernte“ von 1913 bei (Taxe 400 bis 500 EUR). Ein anderer hauptamtlicher Grafiker war Rolf Nesch. In seinem Werk erlebte der Metalldruck eine große Blüte. Eine dieser Arbeiten, „Der Zopf“ von 1963 und hier für 2.500 bis 3.500 Euro angeboten als das erste von 35 Exemplaren, dokumentiert Neschs Vorliebe für surrealistische Motive.

Hanns Bolz, mit dem Ketterer in der jüngeren Vergangenheit für seine ziemlich prägnanten Portraits bis in den unteren sechsstelligen Euro-Bereich schon einige Erfolge feierte, ist auch im Hauptteil zugegen. Für seinen impressionistischen „Hinterhof in der Vorstadt“ von 1908 oder seine schwarzweiße Tempera-Arbeit „Varieté“ um 1910/12, die immerhin schon Frühformen des Kubismus rezipiert, sind Preissprünge über die jeweils veranschlagten 9.000 bis 12.000 Euro wohl nicht zu erwarten. Im Eindruck erheblich stärker ist Hugó Scheibers winterlich gekleideter „Mann mit Pfeife“, der fast die gesamte Bildfläche der um 1925 geschaffenen Gouache und Pastellkreide einnimmt (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Eine moderate Schätzung von 6.000 bis 8.000 Euro zeichnet Gert Heinrich Wollheims fast zweieinhalb Meter breite, figurenreiche Holztafel „Shakespeare-Hamlet“ aus, die 1967 wenige Jahre vor dem Tod des Künstlers in New York entstand.

Am teuersten sind aber doch die bekannten Künstler. Für Lyonel Feiningers kleine aquarellierte Tuschfederzeichnung „Segelboote“ von 1931 werden vermutlich 18.000 bis 24.000 Euro fällig, ebenso viel wie für Christian Rohlfs’ Wassertempera „Funkien auf Blau“ von 1937 ein Jahr vor des Künstlers Tod. Eine rasche Bleistiftzeichnung Gustav Klimts mit einem sitzenden Mädchen nach links, um 1912/14 für das Bildnis Mäda Primavesi aufgenommen, soll 12.500 bis 15.500 Euro kosten. Selbst für Karl Schmidt-Rottluffs kantigen Holzschnitt „Frau mit aufgelöstem Haar“, 1913 immerhin in hundert Exemplaren verbreitet und auch heute noch häufig auf dem Markt anzutreffen, werden 14.000 bis 18.000 Euro angepeilt. Chancen auf eine Wertsteigerung über die angesetzten 1.800 bis 2.400 Euro hinaus können erfahrungsgemäß Max Liebermanns Kohlezeichnung einer Mutter mit Kind um 1890 beigemessen werden. Unter den Skulpturen rangiert Ewald Matarés kleine kompakte Terrakottaplastik „Eingekauertes Rind II“ von 1947 bei 12.000 bis 15.000 Euro ganz oben. Joseph Csaky orientiert sich bei seiner späten Bronze „Polyhymnia“ von 1965 an dem von ihm bevorzugten Kubismus (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Zeitgenössische Kunst

Bei den Zeitgenossen stellt die Skulptur einige der teuersten Arbeiten. Dazu gehören Elvira Bachs deutlich überlebensgroße bunt bemalte Frauenfigur aus der Serie „Die andere Eva“ von 2001 für 12.000 bis 15.000 Euro und Fritz Koenigs abstrahierte Bronze „Votiv 63 II“, eines der charakteristischen reliefartigen Standbilder, die Koenig in den 1960er Jahren berühmt gemacht haben (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Außerdem gibt es vom Meister die etwas gewagtere Silberskulptur „Roßsprung“ von 1982 für 5.000 bis 7.000 Euro. Ein Doppel ganz anderer Art stellt Otmar Alt zur Verfügung: Seine „Feuerblume“ aus den mittleren 1970er Jahren erinnert in ihrer naiven Form und Farbigkeit an die Plastizität von Kinderbüchern (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), das bronzene „Schlittenmännchen“ von 1969 enthält sogar die Rohrleitungen für eine Brunnenvorrichtung (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Daneben kommt auch der farbenprächtige Maler Alt in einer ganzen Reihe teils großformatiger bunt-fröhlicher Ölbilder für bis zu 12.000 Euro zum Zuge. Auch Jonathan Meeses Objekt aus einer Farbflasche, Stoffgewand, bemaltem Styroporkopf und Strohhut lässt sich als Skulptur ansprechen. Auffällig bei dieser Trashfigur ist die große Plastikspritze (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Deutlich internationaler ist das Angebot an zeitgenössischer Kunst gegenüber den Modernen. Abstrakte Farbverläufe von Paul Jenkins wie ein „Phenomena Sounding“ von 1963 für 14.000 bis 18.000 Euro gehören bei Ketterer zum gehobenen Standard. Ein breites Grafikangebot widmet sich ferner einmal mehr dem Engländer David Hockney, darunter die collagierte, farbige Aquatintaradierung „My bonnie lies over the ocean“ von 1961/62 in einem Exemplar außerhalb der Auflage von fünfzig Stück (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) und der erotischen Lithografie „Celia Musing“ von 1979 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Der Künstler ist auch persönlich zugegen auf einer Fotografie von Cecil Beaton, wo er 1969 entspannt vor einem seiner großformatigen Fensterbilder lagert (Taxe 2.800 bis 3.400 EUR). Eine andere bemerkenswerte Offerte an Papierarbeiten betrifft Andy Warhol. Denn ausnahmsweise nicht seine massenhaften Spätwerke, sondern kleine hübsche Zeichnungen zum Teil noch aus den späten 1940er und aus den 1950er Jahren kommen hier für bis zu 15.000 Euro zum Aufruf.

Aus der Reihe der deutschen Maler ist Markus Lüpertz mit einer frühen abstrakten Komposition in Rottönen des 19jährigen von 1960 zu nennen (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Als einer seiner Vorläufer ist Fritz Winter anzusprechen, dessen Komposition „Rot vor Blau“ allerdings erst sechs Jahre später entstand. Das Rot, das er verwendet, sticht ebenso ins Auge wie auf Lüpertz’ Gemälde (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Schwer dagegen lasten Öl und Sand auf Emil Schumachers nächtlich dunklem „Bani“ von 1978 im Blick des Betrachters (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Sigmar Polke ist mit einer unbetitelten Papierarbeit aus dem Jahr 1962 vertreten, die in ihrer explosiven Kraft die amerikanischen „action paintings“ aufs Korn zu nehmen scheint – oder sich einfach dieser Methode anschließt (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Lothar Quintes Personalstil darf dagegen als festes Programm angesprochen werden. In seinem Ölbild „Roter Schlitz“ von 1965 leuchten die Farben wie bei einem Sonnenuntergang überm Meeresspiegel (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Aus einer Stuttgarter Privatsammlung kommt die bewusst archaisierende Komposition „La caverna losca“ des Italieners Achille Perilli von 1963 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 28. Oktober um 15 Uhr mit den „Seitenwegen der deutschen Avantgarde“ und der „Modernen Kunst“. Am 29. Oktober folgt ab 14 Uhr die „Zeitgenössische Kunst“. Die Besichtigung der Werke ist noch am 25. Oktober von 10 bis 18 Uhr und am 26. Oktober von 10 bis 15 Uhr möglich, der Katalog im Internet unter www.kettererkunst.de einsehbar.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



25.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Guter Vorgeschmack

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Emil
 Orlik, Schloss in Böhmen, 1905
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Hanns Bolz, Hinterhof in der Vorstadt, 1908
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Hanns Bolz,
 Varieté, um 1910/12
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Max Liebermann, Mutter mit Kind, um 1890
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Gustav Klimt, Sitzendes Mädchen nach links, um 1912/14
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Hanns Bolz, Hinterhof in der Vorstadt, 1908

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Losnummer: 452

Gustav Klimt, Sitzendes Mädchen nach links, um 1912/14

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Emil Orlik, Schloss in Böhmen, 1905

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Max Liebermann, Mutter mit Kind, um 1890

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Hanns Bolz, Varieté, um 1910/12

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Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

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Christian Rohlfs, Funkien auf Blau, 1937

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