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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Von mittelalterlichen Heiligen auf Goldgrund zu lebensechten Darstellungen des Menschen: Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt Bilder der italienischen Renaissance aus dem Lindenau-Museum im thüringischen Altenburg und beschert damit auch Hamburg eine herbstliche Renaissance-Ausstellung

Die Renaissance der Renaissance



Liberale da Verona, Brustbild der Madonna mit Kind, um 1467

Liberale da Verona, Brustbild der Madonna mit Kind, um 1467

Liebhaber der italienischen Renaissance können sich zur Zeit auf eine Reise quer durch die Republik begeben. Museen in München, Berlin, Dresden und Hamburg zeigen Spitzenwerke von Luca Signorelli, Fra Angelico und Sandro Botticelli. Normalerweise könnte man auch noch im thüringischen Altenburg Halt machen. Oft übersehen: Das dortige Lindenau-Museum beherbergt in seiner Sammlung den größten Komplex früher italienischer Tafelmalerei in Deutschland. Die Sammlung geht zurück auf den Universalgelehrten Bernhard August von Lindenau (1779-1854). Der der Aufklärung verpflichtete Jurist wirkte als Kunstsammler und Kulturpolitiker in Thüringen und Sachsen. Im Revolutionsjahr 1848 stiftete er seine eindrucksvolle Sammlung. Normalerweise wäre also Altenburg der ideale Ort, um der italienischen Renaissance in Deutschland nachzuspüren. Bis Anfang Januar jedoch sind rund 40 Tafeln aus dem Lindenau-Museum im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu Gast.


Die konzentrierte Schau geht von der Beobachtung aus, dass sich nach 1300 in Italien eine neue Maltradition entwickelte. Die von der byzantinischen Ikone abgeleitete, allein der Heiligenverehrung verpflichtete Malerei hatte ausgedient. Die Maler der Frührenaissance stellten jetzt die Darstellung des Menschen in all seiner Lebensfreude, seinem Leiden und seiner Körperlichkeit in den Vordergrund. Es kam zur Geburt des Individuums aus dem Geiste der Malerei und zur Erfindung des autonomen Bildes. Auch die Rolle des Künstlers wurde neu definiert. „Der Künstler wurde herausgehoben aus einer anonymen Handwerkerschaft, die die Kunstproduktion zu früheren Zeiten dominiert hatte“, erläutert Ortrud Westheider, die Direktorin des Bucerius Kunst Forums.

Auf dominant roten Wänden im Erdgeschoss hat Kurator Michael Philipp einen chronologischen Parcours zusammengestellt. Den Auftakt bilden Guido da Sienas „Szenen aus dem Leben Christi“ von 1270/80. Besonders die Holztafel „Geißelung Christi“ weist den frühen Sieneser Meister als Maler der beginnenden Frührenaissance aus, der allerdings noch dem Mittelalter verhaftet ist. Die Christusfigur ist an eine Säule gefesselt und mit Wundmalen übersät. Zwei Schergen schlagen auf sie ein. Die vor einer toskanischen Kulisse verortete Szene wirkt noch ungelenk und schematisch. Der Heiligenschein geht in den traditionellen Goldgrund über, der sich von der byzantinischen Ikonenmalerei ableitet.

Ganz anders veranschaulicht die Ausstellung dann im Obergeschoss die Weiterentwicklung der Malerei. Luca Signorellis „Geißelung Christi“ aus dem Jahr 1507/08 zeigt denselben Teil aus der biblischen Leidengeschichte. Eine Gruppe muskulöser Peiniger umringt den angebundenen Jesus. Signorelli gelingt es, die Körperlichkeit der Figuren nahezu plastisch zu betonen. Er sparte nicht an detaillierter Darstellung von Muskeln, Sehnen, Anatomie und differenzierter Hautfarbe. Die Folterknechte wirken wie durchtrainierte Leichtathleten, die ihre vierriemigen Peitschen auf den geschundenen Körper niederknallen lassen. Die Szene wirkt trotz aller Härte belebt und dynamisch, fast wie choreographiert. Die langen Schatten der Beine gliedern den Raum. Farbige, nahezu transparente Lendenschürze erscheinen in kunstvollen Faltenwürfen. Signorelli erweckt die Figuren zum Leben. Der Heiligenschein ist nur noch als feiner, weißer Reif sichtbar. Die Heiligkeit der Darstellung tritt in den Hintergrund.

Viele der ausgestellten Holztafeln bildeten zusammen größere Altarensembles, bevor sie in späteren Jahrhunderten zerlegt wurden und in den Kunsthandel gelangten. Im Bucerius Kunst Forum werden sie als Einzelwerke präsentiert. Kurator Michael Philipp erläutert: „Blickachsen durchziehen den gesamten Raum. Wir schaffen eine ästhetische Einheitlichkeit, die nicht nach Provenienzen unterscheidet.“ Der frischgebackene deutsche Direktor des Londoner Victoria and Albert Museums, Martin Roth, bezeichnete das Lindenau-Museum in Altenburg einmal als „Sleeping Beauty“. Mit ihrem beeindruckenden Gastspiel in Hamburg dürfte sich die vom breiten Publikum noch unentdeckte Thüringer Sammlung jetzt die Aufmerksamkeit erwerben, die sie schon lange verdient.

Die Ausstellung „Die Erfindung des Bildes. Frühe italienische Meisterwerke bis Botticelli“ ist bis zum 8. Januar 2012 zu sehen. Das Bucerius Kunst Forum Hamburg hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. An Heiligabend ist geschlossen, an Silvester bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Der 224seitige Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet 24,80 Euro in der Ausstellung, 39,90 Euro im Buchhandel.

Kontakt:

Bucerius Kunst Forum

Alter Wall 12

DE-20457 Hamburg

Telefon:+49 (040) 360 996 0

Telefax:+49 (040) 360 996 36

E-Mail: info@buceriuskunstforum.de



12.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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01.10.2011, Die Erfindung des Bildes. Frühe italienische Meisterwerke bis Botticelli

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Bucerius Kunst Forum

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Fra Filippo Lippi, Heiliger Hieronymus
 und ein junger Karmelitermönch, um 1450/60
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Liberale da Verona, Brustbild der Madonna mit Kind, um 1467
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Fra Filippo Lippi, Heiliger Hieronymus und ein junger Karmelitermönch, um 1450/60

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in der Ausstellung „Die Erfindung des Bildes. Frühe italienische Meisterwerke bis Botticelli“

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Sandro Botticelli, Bildnis einer jungen Frau im Profil, um 1475

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Michele di Michele Ciampanti, Anbetung der Könige, 1470/80

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Luca Signorelli, Geißelung, um 1507/08

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Sano di Pietro, Mariä Himmelfahrt, 1448/52

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Sano di Pietro, Mariä Heimkehr aus dem Tempel, 1448/51

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Guido da Siena, Anbetung der Könige, um 1270/80

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Lorenzo Monaco, Christus am Kreuz mit den Heiligen Benedikt, Franziskus und Romuald, um 1405/07

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