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Die Staatsgalerie Stuttgart widmet sich in einer monografischen Schau dem Architekten ihres Anbaus

Die ausdrucksstarken Baukünste des James Stirling



James Stirling, Neue Staatsgalerie Stuttgart, 1977-1984

James Stirling, Neue Staatsgalerie Stuttgart, 1977-1984

Heiter, verspielt, ohne Symmetrie gibt sich das geschickte Arrangement aus verschachtelten Terrassen, Rampen, Treppen und Wänden. Hellblaue und pinkfarbene dicke Röhren ziehen die horizontalen Linien der gestreiften Mauern aus lokalen Travertin- und Sandsteinlagen nach, unterbrochen von weit aufschwingenden Glasschirmen in grünen Stahlrahmen. Der Bau ohne Fassade lädt zum Begehen ein; ohne Hemmschwelle kann jeder den Parcours hangaufwärts abschreiten. Von hier aus erwecken Durchblicke ins Innere Neugier. Eine Anmutung feierlicher Ehrwürdigkeit aus Entree und Prachttreppen findet sich auch hier nicht. Die postmoderne Collage aus dem Spielzeugkasten der Architekturhistorie setzt sich im Inneren mit Pilzsäulen oder übergiebelten Durchlässen fort. Der giftgrüne Noppenboden aus Kautschuk im Foyer ist zum Wahrzeichen der Staatsgalerie Stuttgart avanciert. Wie bei Karl Friedrich Schinkels Altem Museum aus dem Jahr 1830 tritt hier als Mittelpunkt die Rotunde auf. In Stuttgart allerdings ist sie offen und mit sprießenden Pflanzen auf dem Mauerring zur Ruine ironisiert. Das Galeriegeschoss kopiert geschickt verschleiert Schinkels Symmetrie aus einer Enfilade rechtwinklig umlaufender Schausäle.


In einem Wettbewerb konnte sich 1977 der Brite James Stirling mit seinen Fantasien gegen gewichtige Größen wie den Lokalmatador Günter Behnisch durchsetzen, der mit leichten, gläsernen Konstruktionen ins Rennen um den Erweiterungsbau der Stuttgarter Staatsgalerie gegangen war. Stirlings neues Museumsgebäude zog Spott und Häme auf sich, als am 9. März 1984 die Einweihung gefeiert wurde. Heute zählen Experten das Baudenkmal zu den Meisterwerken der Architektur des 20sten Jahrhunderts. In Deutschland war der 1924 im schottischen Glasgow geborene James Frazer Stirling seinerzeit kein Unbekannter. Schon zuvor war er zu Museumswettbewerben für Projekte wie das Kölner Wallraf-Richartz-Museum und die Düsseldorfer Landesgalerie eingeladen worden. Diese und weitere Arbeiten des 1992 in London im Alter von nur 68 Jahren verstorben Architekten stellt nun erstmals eine umfassende Werkschau vor. Praktischerweise kann der Ort selbst, die Staatsgalerie Stuttgart, mit ihrem Neubauteil das berühmteste Stück als Original präsentieren.

Berufliches Rüstzeug erhielt James Stirling 1942 an der Liverpool School of Art und von 1945 bis 1950 an der University of Liverpool. Nach Mitarbeit in einem Londoner Architekturbüro Mitte der 1950er Jahre war er in verschiedenen Konstellationen stets selbständig tätig: Von 1956 bis 1963 in Partnerschaft mit James Gowan, dann bis 1971 unter alleinigem Namen, von 1971 bis 1980 firmierte sein Büro unter James Stirling und Partner und von 1980 bis 1993 nannte es sich James Stirling, Michael Wilford. Professuren nahm er an der Architecture Association in London, der Yale School of Art und der Kunstakademie Düsseldorf wahr. Das im kanadischen Montreal ansässige Canadian Centre for Architecture konnte im Jahr 2000 den gesamten Büronachlass erwerben. Als „James Stirling – Michael Wilford Fonds“ umfasst der Bestand rund 40.000 Zeichnungen sowie Modelle, Fotografien, persönliche Aufzeichnungen und Dokumente. Daraus wählten die Kuratoren für die Stuttgarter Schau ein kleines Extrakt von rund 350 Exponaten aus. Anhand von Modellen über Zeichnungen, Fotografen bis hin zu aussagekräftigen Dokumenten untersucht die Ausstellung den Entstehungsprozess von Stirlings innovativen Ansätzen.

Nach einem biografischen Entrée mit Entwürfen aus seiner Liverpooler Studienzeit, die seine Begeisterung für das Neue Bauen und damit für Le Corbusier, Walter Gropius, Marcel Breuer oder Charles Eames spüren lassen, folgen chronologisch im ersten von fünf Kapiteln frühe Wohnhauszeilen in der Formensprache der Nachkriegsmoderne. Kostensparend konzipierte Rasterbauten für Arbeiter mit Pultdächern, auflockernden Vor- und Rücksprüngen und Brüstungsfeldern bringen das additive Gefüge zum Ausdruck. In den späten 1950er Jahren beginnt sein Engagement auf dem Sektor des Universitätsbaus. Herausragende und in der internationalen Fachöffentlichkeit viel diskutierte Entwürfe zum 1963 vollendeten Institut für Maschinenbau der Universität Leicester haben bald Vorbildfunktion und wenden sich von allgemeinen Nivellierungstendenzen in der Architektur ab. Unter Vermeidung von Wiederholungen gliedert James Stirling den Komplex auf, Vielfalt statt Einheit ist angesagt. Die erzielt er durch eine charaktervolle Ästhetisierung der Bauteile nach Funktionen. Beeinflusst vom russischen Konstruktivismus treten unterschiedliche Volumina sowie differenzierte Fassaden an die Stelle uniformer Kisten, damals ein provokanter Widerpart zur Containerarchitektur.

Nach der Einführung neuer Typologien folgen ab 1970 urbane Assemblagen, denen sich der dritte Abschnitt widmet. Ein wachsendes Interesse am städtebaulichen Kontext führt bei Stirling zum Bruch mit der bisherigen Strategie, sich auf isolierte Bauten in einheitlichen Großformen zu versteigen. Zerlegt in funktionale Elemente integrieren sich die Körper in städtische Landschaften. Neben Stirlings Entwürfen zu deutschen Museumsprojekten wird dies auch am Beispiel der Wiederherstellung städtebaulicher Zusammenhänge wie beim Hotel in der Berliner Meinekestraße deutlich.

Nach einem seiner Lehrtätigkeit gewidmeten Abschnitt bieten sich dem Besucher der Staatsgalerie Highlights der zweiten Schaffensphase dar. Neben der Tate Gallery in Liverpool, einem 1988 realisierten fünfstöckigen Ausstellungsraum in den Albert Docks, der für Stirlings Rückkehr zu seinen Wurzeln in der traditionellen Architektur steht, sowie unrealisierten, auf Revolutionsarchitekturen von Etienne-Louis Boullée oder Claude-Nicolas Ledoux anspielenden Entwürfen für die „Bibliothèque de France“ in Paris von 1989 verdient vor allem das „Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung“ Beachtung. Stirling hat es zwischen 1979 bis 1988 neben der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe in Berlin als „Stadt in der Stadt“ ausgeführt.

Auch hier betätigt sich Stirling als Formspieler: In Erweiterung des neubarocken, vor wilhelminischer Pracht strotzenden ehemaligen Reichsversicherungsamtes von 1894 verwirklicht er ein Ensemble, das aus frühchristlich-sakral anmutendem Kreuzbau, amphitheatralischem Halbrund für Konferenzräume, sechseckigem, einem Campanile ähnelndem Bibliotheksturm und eine griechische Stoa suggerierendem, lang gestrecktem, einhüftigem Büroflügel besteht. Die zwanglos um einen Garten gruppierte Collage besitzt Putzfassaden in horizontalen, rosa und hellblau gefassten Streifen sowie vorstehenden Natursteinrahmungen der Fenster.

Zu James Stirlings bedeutenden letzten Werken gehört der Miniaturpavillon für den Buchshop der Biennale in den Giardini in Venedig. Der Bau von 1991 kann als Summe von Themen seiner gesamten Laufbahn verstanden werden. Er vereint in funktionaler Abstimmung Tradition und Originalität in der Form eines eleganten, an ein umgedrehtes Boot erinnernden Holzrahmens. So entstand eine Art gestrandete Gondel. Kurz vor seinem Tod kann Stirling 1992 für die Braun AG in Melsungen, einem Hersteller medizinischer Produkte, das Hauptquartier samt Fabrikationskomplex realisieren. Einfache Körper wie Quader und Zylinder durchziehen, in Beziehung zueinander gesetzt, das Gelände. Deren Oberflächenmaterialien und -strukturen variiert er mit Stahl-, Beton- oder Kupferreliefs, so dass je nach Sonnestand unterschiedliche Reflexe erzielt werden.

James Frazer Stirlings Œuvre besticht durch originelle, nur schwer zu kategorisierende Bauten. Einerseits will er dem Geist der Moderne treu bleiben, gleichzeitig strebt er die Überwindung der Eintönigkeit des Internationalen Stils an, jedoch unter Beibehaltung des Rationalismus’. Dies führt im Laufe der Jahrzehnte zu verschiedenen Einflüssen. Schon früh geht er die sich stellenden Bauaufgaben unkonventionell an und entwickelt ein Gespür für die Schaffung von einem befriedigenden Gleichgewicht zwischen funktionalen Anforderungen und historischen Bezügen.

Als Museum für bildende Kunst sieht sich die Staatsgalerie Stuttgart veranlasst, unter dem 1919 von Walter Gropius aufgestellten Leitspruch „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“ Wechselwirkungen zwischen den Disziplinen herzustellen. Zum Auftakt einer zwei Säle umfassenden Ergänzung betont Giovanni Paolo Paninis monumentales Gemälde „Roma Antica“ aus den Jahren um 1755 Stirlings Rezeption antiker beziehungsweise klassischer Elemente wie Giebel oder Rotunden. Die im Bild dargebotene imaginäre Gemäldegalerie stellt auf imposante Art einige der berühmtesten Bauten und Skulpturen Roms vor. Der Reigen aus rund 80 Exponaten setzt sich fort mit Drucken Giovanni Battista Piranesis oder einem Modell des von Ledoux entworfenen Hauses eines Schleusenwärters, das die stereometrischen Volumina der Revolutionsarchitektur visualisiert.

Werke von El Lissitzky akzentuieren dann Korrespondenzen zu russischen Konstruktivisten. Der Bogen spannt sich weiter über Bilder von Leo von Klenze, Giorgio de Chiricos verschachtelte Darstellung der Piazza d’Italia bis hin zu frühen Beispielen der Architekturfotografie sowie Werken von Thomas Ruff, Bernd und Hilla Becher, Hermann Finsterlin, Lyonel Feininger, Le Corbusier und einer Serie historischer Plakate von Baukunst- und Bauausstellungen. Was sagen alle diese Bauten aus? Wie nachhaltig werden sich vor diesem Hintergrund die Bauten Stirlings erweisen? Diese und weitere Fragen sollen damit angestoßen werden.

Die Ausstellung „James Frazer Stirling. Notes from the Archive. Krise der Moderne“ ist bis zum 15. Januar 2012 zu sehen. Die Staatsgalerie Stuttgart hat täglich von 10 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung gibt es einen Kurzführer für 3,40 Euro und einen Architekturführer zur Staatsgalerie für 3 Euro. Das Begleitbuch in englischer Sprache kostet an der Museumskasse 39,90 Euro.

Kontakt:

Staatsgalerie Stuttgart

Konrad-Adenauer-Straße 30-32

DE-70137 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 470 402 68

Telefon:+49 (0711) 470 400

Telefon:+49 (0711) 470 40 249

E-Mail: info@staatsgalerie.de



06.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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James Stirling, Haus für den Architekten:
 Präsentationsmodell, um 1949
James Stirling, Haus für den Architekten: Präsentationsmodell, um 1949

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James Stirling, British Olivetti Headquarters, Milton
 Keynes, 1970-1974
James Stirling, British Olivetti Headquarters, Milton Keynes, 1970-1974

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Giovanni Paolo Pannini, Roma Antica, 1754/57
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James Frazer Stirling mit einem Teil seiner Möbelsammlung von
 Thomas Hope
James Frazer Stirling mit einem Teil seiner Möbelsammlung von Thomas Hope

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Ray Williams, Porträt James Stirling, o.J.
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James Stirling, Michael Wilford and
 Associates, Neue Staatsgalerie Stuttgart, o.J.
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James
 Stirling, Michael Wilford and Associates, Modell der Neuen Staatsgalerie Stuttgart, o. J.
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James Stirling, Haus für den Architekten: Präsentationsmodell, um 1949

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James Stirling, British Olivetti Headquarters, Milton Keynes, 1970-1974

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Giovanni Paolo Pannini, Roma Antica, 1754/57

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James Frazer Stirling mit einem Teil seiner Möbelsammlung von Thomas Hope

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Ray Williams, Porträt James Stirling, o.J.

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James Stirling, Michael Wilford and Associates, Neue Staatsgalerie Stuttgart, o.J.

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James Stirling, Michael Wilford and Associates, Modell der Neuen Staatsgalerie Stuttgart, o. J.

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Richard Hamilton, This is tomorrow, 1956

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James Stirling, Michael Wilford und Partner, Bibliothèque de France, Paris 1989

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Staatsgalerie Stuttgart: Foyer mit dem Aufzugshaus

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Staatsgalerie Stuttgart: die Rotunde von außen

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Staatsgalerie Stuttgart: Rotunde mit Stirlings Bezügen zur Antike

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