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Leopold Museum befasst sich wieder einmal mit dem Hauskünstler Egon Schiele und setzt sein Werk in Beziehung zu Arbeiten jüngerer Künstlergenerationen

Provozierende Existenz



Egon Schiele, Sitzender Männlicher Akt (Selbstdarstellung), 1910

Egon Schiele, Sitzender Männlicher Akt (Selbstdarstellung), 1910

Die große Ausstellung, mit der das Leopold Museum in diesem Herbst sein zehnjähriges Bestehen feiert, verfolgt die Karriere einer Obsession. „Melancholie und Provokation“ steht als Titel über der großen Egon Schiele-Schau, die ihr Augenmerk auf zwei Grundzustände richtet, die sich durch Leben und Werk des jung verstorbenen Expressionisten ziehen. Die Ausstellung gibt anhand von 200 Werken, die überwiegend zwischen 1910 bis 1915 entstanden sind, und einer Vielzahl von Briefen und persönlichen Gegenständen einen relevanten Einblick in die Geisteshaltung des sensiblen Malers.


Mit seinen Werken provozierte Schiele gegen biederes Bürgentum und sexuelle Heuchelei. Sein Lebensstil wurde als anstößig bezeichnet, wofür die wilde Ehe mit Wally Neuzil und die Besuche von Kindern in seinem Atelier der Auslöser waren. Wegen eines angeblichen sexuellen Übergriffs an einer Minderjährigen wurde der Maler 1912 in Untersuchungshaft genommen. Der Hauptvorwurf des Missbrauchs erwies sich als haltlos, dennoch verurteilte ihn das Gericht wegen des Tatbestands der „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“, und er verbrachte insgesamt 24 Tage im Gefängnis. Vor allem erregte man sich über Schieles provokante Aktdarstellungen, die durch ihre Drastik und Direktheit die damals herrschenden Konventionen überschritten.

Bereits in den Werken des 20jährigen eröffnet sich ein Weltbild, das von provokanter Radikalität und abgrundtiefer Melancholie geprägt ist. Sein Ende 1911, Anfang 1912 entstandenes Gemälde „Kardinal und Nonne“, das die Wiener Ausstellung zentral präsentiert, zeigt einen Geistlichen, der eine Nonne umarmt. In dem von Schiele selbst auch „Liebkosung“ betitelten Gemälde, schildert der Maler keine zärtliche Liebkosung, sondern ein angstvolles Umklammern und Erschrecken. Gegen das Gelübde der ehelosen Keuschheit verstoßend, wirken die beiden Protagonisten, als seien sie vom Betrachter gerade bei der verbotenen Umarmung ertappt worden.

Eine ähnliche visuelle Berührung zwischen Bild und Betrachter gelingt Egon Schiele mit der zwei Jahre später entstandenen Gouache „Bildnis einer Frau mit schwarzem Haar“. Das Blatt zeigt das Portrait einer jungen Frau mit markanten Gesichtszügen und dichten, schwarzen Locken, die den Betrachter lasziv und herausfordernd anblickt. Der Blick zwischen Frau und Betrachter gerät Schiele umso eindringlicher, weil unverhohlene Aufforderung mit melancholischer Hoffnungslosigkeit in den Zügen der Dargestellten verwoben sind. Schieles Bevorzugung für ein psychologisches Durchdringen des Sujets dokumentiert die Ausstellung mit zahlreichen weiteren herausragenden Figurenbildern, aber auch mit charakteristischen Stimmungsbildern von anthropomorphen, alten Häuser und herbstlichen Landschaften.

Im Untertitel der Ausstellung – das Egon Schiele-Projekt – klingt an, dass sich die Schau nicht auf eine historische Betrachtung seiner Werke beschränkt. In je einem eigenen Raum präsentiert die Ausstellung Werke von sechs zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die in Anlehnung und Bezugnahme auf das Œuvre Schieles entstanden sind. Gemeinsam ist ihrer Kunst, dass sie Aspekte des historischen Werkes aufgreifen und verarbeiten. Postulierte sich das klassisch expressive Ideal Schieles durch die Einzigartigkeit seiner malerischen und zeichnerischen Geste, so werden heute Verfahren der Appropriation zum Mittel der Entwicklung eigener Authentizität, die zugleich die Frage nach der Originalität einer künstlerischen Position und Person aufwerfen. Die ausgestellten Werke von Rudolf Schwarzkogler, Günter Brus, Elke Krystufek, Franz Graf, Claudia Bosse und Philipp Gehmacher demonstrieren, wie künstlerische Verfahren, Anspielung, Wiederholung, Imitation und Zitat als probate Mittel gesehen werden, ein historisches Werk hinsichtlich seiner Rezeptions- und Wirkungsgeschichte zu befragen.

Der österreichische Choreograph Philipp Gehmacher entwarf einen „grauraum“, in dem er eigens für die Ausstellung geschaffene Arbeiten in Koexistenz mit einer Auswahl von Schiele Zeichnungen präsentiert. In seinen Videoprojektionen „Turning“ und „vor der Sprache“ von 2011 stellt Gehmacher die Frage, wie (männliche) Körper sich in Räumen positionieren und zueinander stehen und setzt einen Kontrapunkt innerhalb der heterosexuellen Dominanz der Körperdarstellungen in Schieles Œuvre. Die 1969 in Salzgitter geborene Regisseurin Claudia Bosse verwandelte ihren Raum in ein Labor, um Assoziationen und Ideen, die sich aus der Auseinandersetzung mit den Werk Schieles ergeben, aufzuführen: aus Schaumstoffwänden tönen Stimmen, in betretbaren Glaszellen sind Bildbeschreibungen zu hören.

Wenig überzeugend ist der Beitrag von Elke Krystufek, die eine Auswahl ihrer ursprünglich 2009 während der Biennale in Venedig gezeigten Männerbildnisse aus dem Gemäldezyklus „Tabu“ neben Jugendwerken Schieles präsentiert. Eindrucksvoll lässt sich die Beschäftigung mit der Person und dem Werk von Egon Schiele dagegen in den Räumen nachvollziehen, in denen Arbeiten von Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler auf Arbeiten des Expressionisten treffen. Der Aktionismus-Experte Hubert Klocker hat für die Ausstellung eine überzeugende Gegenüberstellung zwischen den inszenierten Fotografien Schwarzkoglers und den Männerakten Schieles konzipiert. Auch der Raum mit Werken von Günter Brus führt Analogien zwischen den beiden Künstlern eindrucksvoll vor, wenn etwa Schieles „Nach vorn gebeugter Akt mit blauen Strümpfen“ von 1912 mit einer Fotografie der „Aktion mit Anna Brus im Atelier Muehl“ von 1964 konfrontiert wird.

So überzeugend der historische Teil der Ausstellung gelungen ist, wirken die Aneignungen und Fortschreibungen der jüngeren Kunstschaffenden teils willkürlich und beliebig, dies um so mehr, als die 2006 im Wiener Atelier Augarten von Thomas Trummer und Tobias Natter präsentierte Ausstellung „Nach Schiele“ einen sehr überzeugenden und vielschichtigen Nachweis zu Schieles Aktualität brachte. Die Neubesetzung von Tobias Natter als museologischen Direktor des Leopold Museums lässt auf eine profunde „Öffnung in die Gegenwart“ hoffen.

Die Ausstellung „Melancholie & Provokation – Das Egon Schiele-Projekt“ ist bis zum 30. Januar 2012 zu sehen. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Das Ticket von 11 Euro, ermäßigt 9,90 Euro, 8 Euro oder 7 Euro, gilt als Eintrittskarte für das gesamte Museum.

Kontakt:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 700

Telefax:+43 (01) 525 701 500

E-Mail: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org



05.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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in der Ausstellung „Melancholie & Provokation – Das Egon Schiele-Projekt“

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Egon Schiele, Kardinal und Nonne (Liebkosung), 1912

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Egon Schiele, Selbstporträt mit Pfauenweste, 1911

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Egon Schiele, Bildnis einer Frau mit schwarzen Haaren, 1914

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Egon Schiele, Kleiner Baum im Spätherbst, 1911

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in der Ausstellung „Melancholie & Provokation – Das Egon Schiele-Projekt“

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in der Ausstellung „Melancholie & Provokation – Das Egon Schiele-Projekt“

in der Ausstellung „Melancholie & Provokation – Das Egon Schiele-Projekt“




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