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Parcours der Fremdbestimmtheiten: Der Österreicher Markus Schinwald im Kunstverein Hannover

Depressive Fische und ein eingeklemmtes Bein



Im Zentrum von David Lynchs 1980 gedrehtem Filmklassiker „Elephant Man“ steht eine Hauptfigur, deren Gesicht während der kompletten ersten halben Stunde unter Umhängen verborgen bleibt. So deformiert ist sein Schädel, so schockierend offenbar für den unvorbereiteten Betrachter der Blick auf die leidende Kreatur. Auf den 16 schwarzweißen Pigmentprints, die Markus Schinwald jetzt im Rahmen seiner Einzelausstellung „Orient“ im Kunstverein Hannover zeigt, geht es den Porträtierten ähnlich. Auch ihre Köpfe verbergen sich unter mehrlagig drapierten Stoffen oder obskuren Kopfbedeckungen. Ausgehend von Originalstichen aus dem 19. Jahrhundert, tilgt Schinwald die individuellen Züge der Porträtierten, indem er die vorgefundenen Faltenwürfe zu alles bedeckenden Umhüllungen erweitert. Der beabsichtigte Effekt bleibt nicht aus: Den Betrachter beschleicht ein unterschwelliges Gefühl der Beunruhigung.


Der 1973 in Salzburg geborene Markus Schinwald bespielt in diesem Jahr nicht nur den Österreichischen Pavillon der Biennale in Venedig. Für Hannover hat er sich einen kompromisslos linearen Parcours ausgedacht, der vor allem bewegte, ja sogar lebendige Bilder bereithält. Vorbei an zwei übereinander angeordneten, weißen Quaderblöcken, zwischen die an abgetrennte Huftiergliedmaßen erinnernde Tischbeine im Chippendale-Stil eingeklemmt sind, passiert man einen Raum mit älteren Arbeiten. Das 1997 entstandene „Jubelhemd“, ein weißes Herrenoberhemd mit nach oben zeigenden Ärmeln, zwingt seinen Träger in eine unfreiwillige Begeisterungs- oder Kapitulationspose. Eine schmutzig-weiße, in eine Raumecke gequetschte Matratze wiederum erinnert an Gregor Schneiders klaustrophobische Environments.

Ein Kabinett weiter beginnt die Schau, konziser zu werden. Vorbei an den schon erwähnten Pigmentprints gelangt man zu der bereits aus Venedig bekannten, titelgebenden Arbeit „Orient“ von 2011. Drei männliche und zwei weibliche Akteure in klassisch-bürgerlicher Kleidung führen in einer gekachelten Industriehalle stark choreografiert wirkende Gesten aus. Gesprochen wird nicht. Stattdessen ist simultanes Kratzen am Schienbein angesagt. Ihr Tun bleibt letztlich ebenso rätselhaft wie undefiniert. Sphärische Musik, die bei längerem Zuhören durchaus eine monotone Penetranz entwickelt, überhöht das Ganze.

Eine 90-Grad-Drehung weiter führt Markus Schinwald den Betrachter ins Herzstück seiner Schau. In den abgedunkelten Oberlichtsaal hat er einen 20 Meter langen, dunkelroten Kubus gestellt, in den sieben sparsam beleuchtete Aquarien eingelassen sind. Einem riesigen Schwarm von Neonfischen kann man beim hektischen Hin- und Herschwimmen zusehen. Die dunkle Silhouette des Besuchers treibt sie an. Alle Becken hat Schinwald mit labyrinthartigen Styropormodellen von früheren Ausstellungsorten bestückt. Die Fischarten reagieren unterschiedlich darauf. Einige schwimmen unbekümmert darin herum. Andere, wie die urtümlichen Elefantenfische, erstarren geradezu in Melancholie.

Jenseits der Fischtanks setzt der Film „Orient“ wieder ein: Mit einem bedauernswerten Protagonisten, dessen Bein offenbar in einer Wand eingeklemmt ist. Was er auch versucht, es gelingt ihm nicht, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Vorbei an der hoch auf einem Balken sitzenden, menschengroßen Puppe „Eli“ von 2008, deren Fuß monoton hin- und herschwingt, geleitet Schinwald den Besucher ans Ende seines streckenweise allzu pathetisch aufgeladenen Parcours der Fremdbestimmtheiten. Die zwischen dezenten Gesten und narrativem Überschwall changierende Schau endet dann so minimalistisch wie sie angefangen hat: mit eingeklemmten Chippendale-Füßen zwischen weißen Quadern.

Die Ausstellung „Markus Schinwald: Orient“ ist bis zum 6. November zu sehen. Der Kunstverein Hannover hat dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr, am Sonn- und Feiertag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog ist im Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg, erschienen und koset 25 Euro.

Kontakt:

Kunstverein Hannover

Sophienstraße 2

DE-30159 Hannover

Telefax:+49 (0511) 16 99 278 278

Telefon:+49 (0511) 16 99 27 80



04.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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