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Dem Cowboy Feuer geben: Daniel Richter zeigt in der Kestnergesellschaft Hannover seine neuesten Bilder und Zeichnungen

Wo die wilden Kerle wohnen



Er selbst könne beim besten Willen keinen einzigen Taliban erkennen, beteuert Daniel Richter mit der ihm eigenen Kühnheit. Obwohl es auf den neuesten Bildern des kürzlich von Hamburg nach Berlin übergesiedelten deutschen Malers von fundamentalistisch aussehenden Finsterlingen mit Turban, Kaftan und Vollbärten nur so wimmelt, behauptet Richter ganz keck, es liege bloß im Auge des Betrachters, diese Gestalten als Taliban zu identifizieren. Womöglich hat er sogar Recht. Genau zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 präsentiert Daniel Richter, Jahrgang 1962, jetzt in der Kestnergesellschaft Hannover ein größeres Konvolut neuerer Bilder und Zeichnungen aus den vergangenen drei Jahren. Das vorherrschende Sujet: Fantastisch wirkende Gebirgslandschaften, zerklüftete Canyons und irisierend leuchtende Felsformationen, die von rastlos umherwandernden Kerlen in traditioneller paschtunischer Tracht bevölkert sind.


Der Titel der Schau „10001 Nacht“ irritiert zunächst, die zusätzliche Null ist jedoch beabsichtigt. Die eindeutige Anspielung auf die berühmte Sammlung morgenländischer Erzählungen natürlich auch. Bei Richter geht es jedoch nicht um Aladin, Sindbad oder Scheherazade sondern um westliche Projektionen vom Orient. Er will dem Betrachter keine Märchen erzählen. Mit ambivalenten Bildern von auf den ersten Blick eindeutig zu verortenden Protagonisten fordert er unseren Umgang mit massenmedial verbreiteten Bildern geschickt heraus.

Was aussieht wie ein Taliban, ist ja vielleicht gar keiner. Und was wir zunächst als Kalaschnikow oder Panzerabwehrrakete deuten, entpuppt sich am Ende als harmlose E-Gitarre. Daniel Richter ruft mit seinen neuen, großformatigen Bildern ein tief in uns verankertes Orientbild auf, das sich aus den verschiedensten Quellen speist. Märchen aus 1001 Nacht, Karl May-Romane und -Verfilmungen und nicht zuletzt die Reiseberichte der Hippie-Generation aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren haben den Orient einst verklärt und romantisiert. Die seit zehn Jahren anhaltende, einseitige Berichterstattung über Terrorcamps, Hassprediger und Fundamentalisten dämonisiert ihn.

Afghanistan, der einstige Sehnsuchtsort der Blumenkinder, ist zum verminten Gebiet, zur absoluten No-Go-Area geworden. Es sind genau diese Ambivalenzen, die uns Daniel Richter vorführt. Und aufmüpfig und widerständig, wie er nun einmal ist, nimmt er sich malerische Freiheiten heraus, die sich andere eher nicht gestatten würden. Das Gemälde „Hey Joe“ von 2011 zeigt die Silhouetten eines durchaus an Bin Laden erinnernden Kaftanträgers und eines Cowboys. Die beiden stehen auf einem Felsvorsprung, und das Abziehbild des Gotteskriegers zündet dem klischeebeladenen Marlboro-Mann gerade eine Zigarette an. Die Anspielung auf Lou Reeds Song „Take a Walk on the Wild Side“ im Titel deutet es schon an: Richter positioniert sich ironisch zwischen den Fronten. Er deutet Lesarten an, inszeniert Gegensätze, führt den Betrachter auf viele, durchaus widersprüchliche Fährten. Ist die angedeutete Thematik nicht viel zu sensibel, um sie in popkulturelle Spielereien aufzulösen? Eine Taliban-Gitarrenband im Gänsemarsch durch die Wüste. Psychedelisch-bunte Gotteskriegererscheinungen, die aus Felsritzen hervorwabern wie einst Aladins Geister aus der Flasche. Ein nackter Taliban beim Luftgitarrespielen. Darf er das?

„Meine Malerei ist keine Malerei des ersten Blicks“, betont Daniel Richter seine malerische Freiheit. Er versuche natürlich, Assoziationen „anzutriggern“. Die Entscheidung aber, was konkret er auf den Bildern sehen wolle, die liege einzig und allein beim Betrachter. Nicht zuletzt und ganz abgesehen von den inhaltlichen Aspekten, ist „10001 Nacht“ eine Ausstellung mit großartiger Malerei. Richter baut seine atemberaubend räumlich wirkenden Landschaften aus einzelnen Linien auf, die er immer wieder nachzeichnet. So wie es Kinder tun. Das Ergebnis: oszilloskopartige Wellengebirge, aus denen bei aller technoiden Anmutung und Pop-Attitüde noch die Geister der Romantik und des Symbolismus grüßen.

Die Ausstellung „Daniel Richter – 10001 Nacht“ ist bis zum 6. November zu sehen. Die Kestnergesellschaft hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog aus dem Snoeck Verlag kostet 39,80 Euro.

Kontakt:

Kestner Gesellschaft

Goseriede 11

DE-30159 Hannover

Telefon:+49 (0511) 70 12 00

Telefax:+49 (0511) 701 20 20

E-Mail: kestner@kestner.org



29.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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