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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Erstmals analysiert eine Ausstellung in Antwerpen die Leistungen Rubens’ auf dem Sektor der Architektur

Malen als Berufung, Baukunst als Leidenschaft



Anthonis van Dyck, Isabella Brant, um 1620

Anthonis van Dyck, Isabella Brant, um 1620

Ein Vordringen in verwandte Gattungen war früher unter hoch gebildeten, universal denkenden Künstlern eher selbstverständlich, Spartendenken nicht so gefragt. Auch heute ist das teils noch so: Der Architekt Gustav Peichl arbeitet mit Erfolg als Karikaturist, Le Corbusier als Maler und viele andere Baumeister als Designer. Doch noch mehr als in der Gegenwart war vor Jahrhunderten interdisziplinäres Schaffen nichts Außergewöhnliches. Neben dem Universaltalent Leonardo da Vinci schuf etwa dessen Renaissancekollege Giorgio Vasari Fresken, Tafelbildern sowie Bauten und verfasste Biografien. Auch Raffael betätigte sich als Architekt, Maler und Bildhauer ähnlich wie Michelangelo oder Giulio Romano. Letztere inspirierten vor allem Peter Paul Rubens, den überragenden Hauptmeister der flämischen Barockmalerei, zu eigenen Betätigungen auf dem Feld der Baukunst. Diese Leistungen und ihre Wirkung waren bislang kaum Gegenstand einschlägiger Untersuchungen. Eine exquisite Auswahl von 59 Gemälden, Zeichnungen, Drucken und Büchern von „Malerarchitekten“ in Rubens’ ehemaligem Antwerpener Wohn- und Atelierhaus, dem größten Exponat der Schau, beleuchten nun erstmals ausschließlich diesen Sektor.


Im 16ten Jahrhundert erheben sich in den katholisch dominierten Südlichen Niederlanden die Kalvinisten. Die Turbulenzen in den Glaubensfragen zwingen die reformierte Familie des promovierten Juristen Jan Rubens zur Flucht nach Deutschland. Im nassauschen Siegen erblickt sein Sohn Peter Paul im Juni 1577 als sechstes von sieben Kindern fern der Heimat das Licht der Welt. Erst nach dem Tod des Oberhauptes kann die Mutter mit ihren Kindern im Jahr 1589 wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren. Hier absolviert Peter Paul die Schulzeit, nach der er bei mehreren Porträt-, Landschafts- und Historienmaler zwischen 1591 und 1598 ausgebildet wird. Zum Abschluss erfolgt 1598 die Eintragung als Freimeister in die Mitgliederliste der Antwerpener Lukasgilde. Zwischen 1600 und 1608 bildet er sich in Italien weiter, eine Zeit, die nachhaltig sein künstlerisches Schaffen beeinflusst.

Das erste von vier Ausstellungskapiteln widmet sich den Inspirationen, die Peter Paul Rubens von wichtigen antiken und seinerzeit modernen Bauwerken während seines ausgedehnten Aufenthalts im Süden empfing. Mantua ist Rubens erste Station. Der von Giulio Romano für den Herzog Federico II. Gonzaga errichtete Palazzo del Te hinterlässt wohl besonderen Eindruck. Dessen reliefartige und spielerische Plastizität rustizierter, grob behauener Bossen mit vorgetäuscht herabstürzenden Triglyphenquadern bis hin zur Reihung des Serliana-Motivs aus rundbogiger Mittelöffnung nebst beidseitigen rechteckigen Durchlässen lassen sich in der Ausstellung an Originalzeichnungen Romanos nachvollziehen. Stiche und Zeichnungen von Bauten, die Rubens in Italien nachhaltig imponieren, schließen sich an. Darunter finden sich der römische Palazzo Farnese, festgehalten von Jacob Bos, Stiche der Villa Giulia von Joannes und Lucas van Doetecum, Studien zur berühmten Porta Pia von Michelangelo Buonarroti und weitere Blätter laden zum Rundgang durch die antike römische und seinerzeit moderne Architektur ein. Viele der Details finden sich in Rubens Werkschaffen wieder.

Als Rubens Ende 1608 in Italien die Nachricht vom nahen Ableben seiner Mutter erhält, kehrt er umgehend nach Antwerpen zurück. Doch er kommt zu spät und sieht sie nicht mehr lebend. Unter anderem der 1609 vereinbarte Waffenstillstand zwischen den protestantischen Nördlichen und katholischen Südlichen Niederlanden bewegt den Künstler dazu, nun in Antwerpen zu bleiben. Die Stadt erholt sich zusehends. Das in Brüssel residierende Stadthalterpaar der spanischen Niederlande, Erzherzog Albrecht und Gattin Isabella, ernennen Rubens zum Hofmaler mit dem Privileg, in Antwerpen ansässig bleiben zu dürfen. Das ihm zustehende jährliche Pauschalhonorar sowie die Tantiemen seiner im In- und Ausland kopierten Werke, die ihm als einem der ersten Inhaber eines internationalen Urheberrechtes zustehen, füllen seine Kasse von selbst.

1609 heiratet Rubens Isabella Brant, 1610 erwirbt er ein Haus am Wapper, direkt an einem Kanal, der heute allerdings unter dem Vorplatz verborgen ist. Das Anwesen aus dem 16ten Jahrhundert im Stil der flämischen Renaissance baut er bis 1615 um und erweitert es um ein „Malerhaus“. Die Baumaßnahmen nach seinen Plänen geben auch den Ausschlag für eine Vertiefung in Theorien der Baukunst. Die hieraus entsprungenen eigenen Vorstellungen münden in dem 1622 publizierten Tafelwerk „Palazzi di Genova“. Mit den Fassaden, Schnitten und Grundrissen zu neu errichteten Villen, Palästen oder Kirchen in Genua will Rubens einen eigenen Beitrag zur Entwicklung klassischer Baukunst schaffen und in seiner Heimat gegen die „barbarische Gotik“ ankämpfen.

Beachtliche Bücher und Traktate füllen den Abschnitt der Architekturtheorie. Für den Jesuitenpater und Architekten Franciscus Aguilonius illustriert Rubens ein Buch über Optik. Zu den weiteren präsentierten Inkunabeln der Architekturgeschichte zählen als Rubens’ wichtigste Quelle Vitruvs „Zehn Bücher über die Baukunst“ aus der römischen Antike, deren berühmte Ausgabe von Daniele Barbaro aus dem Jahr 1567 er wohl selbst besitzt. In der Schau fehlen zudem nicht die Architekturtraktate aus Rubens’ unmittelbarer Zeit, darunter Schriften von Sebastiano Serlio, Jacopo Barozzi da Vignola und Vincenzo Scamozzi, die wohl auch in seiner Bibliothek vorhanden sind. Zu den Highlights gehört Andrea Palladios Werk „Die vier Bücher zur Architektur“, das Rubens 1617 nachweislich erwirbt. In der Ausstellung sind die Illustrationen zum Pantheon aufgeschlagen, die Rubens zur Ausführung einer halbrunden, überkuppelten Skulpturengalerie für sein Privathaus anregen.

Der dritte Ausstellungsteil widmet sich Rubens ausgeführten Bauprojekten in Antwerpen. Das eigene große Atelierhaus, in dem nun die Ausstellung stattfindet, tritt selbst als Exponat auf. Der Bauteil mit großem Produktionsatelier, Privatatelier sowie den Ateliers seiner Schüler ist ein römischer Palazzo an der Schelde mit großen Rundbogenfenstern, üppigen Ornamenten, Torsi und vielen Skulpturen, die auf die Antike verweisen. Beide U-förmig zueinander geordneten Teile, der Privat- und der Ateliertrakt, werden nach dem Verkauf durch die Erben im Jahr 1660 völlig umgebaut. Erst 1940 erwirbt die Stadt das Anwesen an, restauriert es und eröffnet das Ensemble 1947 als Museum. Im Original erhalten ist neben dem Gartenpavillon lediglich der grandiose dreibogige Portikus. Wie ein Triumphbogen schließt er, die zwei Flügelanbauten verbindend, den Hof vom Garten ab. Die Mittelöffnung liegt genau in der Achse des straßenseitigen Zugangstores. Den Blickfang bildet im restaurierten italienischen Schmuckgarten der Pavillon.

Schwer überladen zitiert die beeindruckende Ausschmückung des Portikus’ Elemente der italienischen Renaissance, wobei besonders die klammerartig rustizierten Bossenquader der Wandsäulen ins Auge stechen. Merkur, der Schutzpatron der Künste, und Minerva, Göttin der Weisheit, bekrönen das grandiose Gartentor. Auf Rubens’ Zeitgenossen hinterlässt es einen imposanten Eindruck, und viele Künstler halten es in ihren Werken fest. Der Gartenpavillon nimmt das Serliana-Motiv auf; Statuen der Venus, des Herkules und des Bacchus sind hier eingestellt.

Das Errichten prachtvoll geschmückter Ehrenpforten, Triumphbögen und Tribünen ist im 16ten und 17ten Jahrhundert beim Einzug hochrangiger Fürsten üblich, so auch am 17. April 1635, als der Kardinalinfant Ferdinand als neuer Regent der Südlichen Niederlande in Antwerpen festlich einmarschiert. Rubens entwirft im Auftrag der Stadt Antwerpen die maßgeblich von römischen Vorbildern inspirierten Festdekorationen als temporäre Architektur. Noch im selben Jahr werden die Pläne durch Theodor van Thulden als Erinnerung publiziert und geben heute einen Eindruck vom damaligen Pomp.

Die Ausstattung der Antwerpener Jesuitenkirche, eines der prestigeträchtigsten Vorhaben der Stadt, beschäftigt Rubens nahezu zeitgleich mit dem eigenen Hausbau. Sein Anteil ist leider nicht mehr genau zu bestimmen. So malt er 39 Deckenbilder für die Seitenschiffe, die bei einem Brand 1718 verlorengehen. Von den erhaltenen Ölskizzen ist das Bild „Abraham und Melchisedek“ aus den Jahren um 1620 in der Ausstellung zu sehen. Unschwer ist zu erkennen, wie Rubens die Architektur seines eigenen Hauses zitiert. Entwürfe für die Stuckdecke der Marienkapelle oder für das zentrale Medaillon der Fassade belegen weitere künstlerische Gestaltungen des Meisters.

Abschließend dokumentieren im Rubenshaus Gemälde die Wirkungsgeschichte des Portikus’ als virtuoses Exempel bürgerlicher Architektur des 17ten Jahrhunderts in den Niederlanden. Dessen Würde und Erhabenheit animiert beispielsweise Anthonis van Dyck zur Adaption des Motivs als Hintergrund für ein Porträt von Rubens’ erster Frau Isabella Brant im Jahr 1620. Besonders ausdrucksvoll beherrschen Torbogen und Gartenpavillon das Gemälde „Cupido und Psyche“ von Jacob Jordaens aus den Jahren um 1642. Ohne dezidiert darauf zu verweisen, verdeutlicht die sehenswerte Ausstellung auch den intensiven Kulturtransfer vor Jahrhunderten, als es die „globalisierte Welt“ noch gar nicht gab.

Die Ausstellung „Palazzo Rubens. Der Meister als Architekt“ ist noch bis zum 11. Dezember zu sehen. Das Rubenshaus in Antwerpen hat täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29,50 Euro kostet.

Kontakt:

Rubenshuis

Wapper 9-11

BE-2000 Antwerpen

Telefon:+32 (03) 201 15 55

Telefax:+32 (03) 227 36 92

www.palazzorubens.be



25.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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10.09.2011, Palazzo Rubens. Der Meister als Architekt

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Rubenshuis

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Anthonis van Dyck, Isabella Brant, um 1620
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Peter Paul Rubens, Abraham und Melchisedek, um 1620
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Cornelis Galle I, Architrav des Vespasian-Tempels, 1608
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Peter Paul Rubens, Gartenpavillon
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Jacob Harrewijn, Blick auf das Rubenshaus, 1692
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Jacob Harrewijn, Blick auf das Rubenshaus, 1684
Jacob Harrewijn, Blick auf das Rubenshaus, 1684

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Unbekannter Künstler, Blick
 in den Hof und Garten des Rubenshauses in Antwerpen, um 1675/1700
Unbekannter Künstler, Blick in den Hof und Garten des Rubenshauses in Antwerpen, um 1675/1700







Peter Paul Rubens, Abraham und Melchisedek, um 1620

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Cornelis Galle I, Architrav des Vespasian-Tempels, 1608

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Peter Paul Rubens, Gartenpavillon

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Jacob Harrewijn, Blick auf das Rubenshaus, 1692

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Jacob Harrewijn, Blick auf das Rubenshaus, 1684

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Unbekannter Künstler, Blick in den Hof und Garten des Rubenshauses in Antwerpen, um 1675/1700

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Unbekannter Künstler, Hoffassade des Palazzo Branconio dell’Aquila, um 1550

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Theodor van Thulden, Titelblatt von Jan Caspar Gevartius’ „Pompa introitus … honori Ferdinandi …“

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Peter Paul Rubens, Dreiteiliger Torbogen als Abschluss des Innenhofes

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Vitruv, Rustiziertes Fenster oder Portal

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Peter Paul Rubens und Frans Snyders, Die Statue der Ceres, um 1615

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Theodoor Galle, Vignette auf dem Titel „Opticorum liber secundus de radio optico et horoptere“, 1613

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Gonzales Coques, Portrait einer jungen Frau als heilige Agnes, um 1680

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