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Die verlorene Unschuld der Fotografie: C/O Berlin untersucht Bilder des Terrors zwischen Konstruktion und Konsumtion

Auf dem Marktplatz des Terrors



Wie brennen sich Terrorbilder ins kollektive Gedächtnis ein? Welchen Bildern können wir trauen und welchen nicht? Mit Fragen dieser Art setzt sich die Ausstellung „Unheimlich vertraut. Bilder vom Terror“ bei C/O Berlin im Postfuhramt auseinander. Kurator Felix Hoffmann hat rund 200 Pressefotografien ausgewählt. Das zeithistorische Material konfrontiert er mit Foto- und Videoarbeiten von rund 30 internationalen Künstlern. Zahlreiche anonyme Fotografien von Augenzeugen der 9/11-Attentate, Cover von Zeitungen und Magazinen sowie kitschig-patriotische Souvenirs, wie sie bis heute an Ground Zero verkauft werden, ergänzen die Schau, in deren Fokus die Zeitspanne vom Münchner Olympia-Attentat 1972 bis zu den Ereignissen vom 11. September 2001 in New York steht.


Den Auftakt bilden Pressefotos aus dem SPIEGEL-Archiv. Hoffmann stellt diese Bilder als im redaktionellen Alltag benutzte Gebrauchsobjekte aus. Eingeklemmt zwischen zwei Glasscheiben, die mittels eines Scharniers von der Wand weggeklappt werden können, offenbaren sie nicht nur ihre visuelle Komponente. Der Betrachter kann auf der Rückseite die dazugehörige Agenturmeldung lesen und anhand der Archivstempel und handschriftlicher Informationen nachvollziehen, wann und in welcher Form das jeweilige Foto im SPIEGEL erschienen ist.

Zu Beginn der Olympischen Spiele 1972 fieberten Millionen Menschen in aller Welt dem bis dahin größten Live-Fernsehereignis entgegen. Die Totalität der Berichterstattung konzentrierte sich am Ende aber auf die Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen am 5. September 1972. Das Massenmedium Fernsehen hatte seine Unschuld verloren. Der gescheiterte Befreiungsversuch noch am selben Tag endete mit 17 Todesopfern. Die ikonischen Bilder der Ereignisse sind selbst Nachgeborenen vertraut. Der mit einem Strumpf maskierte Terrorist auf einem Balkon des Olympischen Dorfes etwa oder die Reporterhorden auf Aluleitern, die auf einer berühmten Aufnahme von Raymond Depardon das Olympische Dorf belagern.

Aber wieviel Informationsgehalt haben solche Bilder überhaupt? Kurator Felix Hoffmann hat künstlerische Positionen ausgewählt, die unser Urvertrauen in die Authentizität medialer Bilder kräftig erschüttern. Was ist echt in Christoph Draegers Videoarbeit „Black September“, die Archivbilder der Münchner Geiselnahme mit nachgestellten Szenen verwirbelt? Michael Kosakowski treibt das verwirrende Spiel mit echten und falschen 9/11-Bildern auf die Spitze, indem er Standbilder aus Katastrophenfilmen, in denen das World Trade Center vorkommt, aneinanderscheidet. Kaum noch überraschend: Sämtliche Bilder sind vor dem 11. September 2001 entstanden. Michael Schirner geht so weit, dass er den Geiselnehmer vom Balkon des Olympiadorfs digital aus dem Bild entfernt. Indem er die visuelle Leerstelle unwillkürlich wieder füllt, wird sich der Betrachter seiner unfreiwilligen Komplizenschaft bewusst.

Wer ist Täter? Wer ist Opfer? Fragen, die oftmals gar nicht so einfach zu beantworten sind. Dennis Adams’ Zusammenstellung von 26 Aufnahmen der amerikanischen Millionenerbin Patricia Hearst, die sich 1974 nach ihrer Entführung durch linksradikale Terroristen der Gruppe anschloss und selbst im Untergrund lebte, zeigt, wie nahe beides beieinanderliegen kann. Hearst verkörpert alle Klischees auf einmal: vom angepassten All-American-Girl bis hin zur kaltblütigen Terror-Braut. Gleich gegenüber präsentiert Felix Hoffmann Bildstrategien des Staates in Form der einst omnipräsenten RAF-Fahndungsplakate. Auf einem hat sich jemand die Mühe gemacht, die gefassten Terroristen durchzuixen.

„Unheimlich vertraut“ ist, diese Klippe galt es angesichts der gegenwärtigen Inflation von 9/11-Gedenkveranstaltungen elegant zu umschiffen, keine Ausstellung über den 11. September 2001 geworden. Felix Hoffmann gelingt es, den Blick zu erweitern und die Bilder vom Terror allgemeingültiger unter die Lupe zu nehmen. Dem Betrachter führt er eindrücklich vor, dass er als ständig nach neuen Sensationen gierender Bild-Konsument nicht ganz unschuldig ist an der medialen Aufmerksamkeitsökonomie, die Attentäter erst dazu motiviert, sich immer spektakulärere Taten auszudenken. Am Ende nämlich, wenn alle Leichen und Trümmer beiseite geräumt sind, wird das Bild zur Essenz der Tat, zum nicht mehr eliminierbaren medialen Gespenst.

Die Ausstellung „Unheimlich vertraut. Bilder vom Terror“ ist bis zum bis 4. Dezember zu sehen. C/O Berlin hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der 384seitige, deutsch-englische Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther König kostet 42 Euro.

Kontakt:

C/O Berlin Foundation

Hardenbergstraße 22-24

DE-10623 Berlin

Telefon:+49 (030) 28 444 160

Telefax:+49 (030) 28 444 16 19

E-Mail: info@co-berlin.org



25.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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10.09.2011, unheimlich vertraut. Bilder vom Terror

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