Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 25.10.2019 Auktion 128: Moderne und Zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

© Jeschke, van Vliet Kunstauktionen

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zeigt erstmals in Deutschland eine große Werkschau zu Alfred Sisley

Unspektakuläre Impressionen



Alfred Sisley, An den Ufern des Loing, 1885

Alfred Sisley, An den Ufern des Loing, 1885

Wenn von französischen Impressionisten die Rede ist, gehört zwar Alfred Sisley als Protagonist der Bewegung mit dazu, wird aber keineswegs als bahnbrechend wahrgenommen. In allen wichtigen Museen weltweit präsent, steht er gleichberechtigt neben Zeit- und Gesinnungsgenossen. Doch in dem, was man heutzutage mit Markenzeichen beschreibt, war Sisley keineswegs talentiert. Was ist das Besondere an seinem Werk? Claude Monet versteigt sich in kühn, ja monumental zerfließende, großformatige Sujets, Pierre-Auguste Renoir wird mit seinen Staffagefiguren zum Geschichtenerzähler. Sisley dagegen trifft mit unspektakulären, kleinformatigen Sujets im feinen, klanghaften Duktus am wenigsten den Geschmack des damaligen wie heutigen Publikums: Während Monets Gemälde mehrere tausend Francs einbrachten, verkauften sich die Sisleys nur sehr schlecht und dann nur für wenige hundert Francs.


1897 präsentierte die Pariser Galerie Georges Petit 146 Gemälde und sechs Pastelle Sisleys. Nur eine Arbeit wurde verkauft. Arm und erfolglos, aber konsequent blieb der einzige Nichtfranzose unter den französischen Impressionisten seinen sanften, gleichförmigen Landschaftsmotiven treu. Nie dachte er an eine kundenorientierte Änderung von Malweise und Sujets; doch zu Lebzeiten dankte ihm keiner seine Standhaftigkeit. Heute zählen seine Bilder zu den Meisterwerken des Impressionismus. Am Ende seines Lebens psychisch und physisch gebrochen, erlangten seine Werke erst nach dem Tod große Wertschätzung. Das Œuvre Sisleys umfasst 884 Gemälde, von ein paar Stillleben und einem Interieur mit seinen Kindern abgesehenen, ausschließlich berauschende Landschaften, eingefangen in der Umgebung von Paris. 82 Ölgemälde versammelt nun die erste große Sisley-Ausstellung Deutschlands im Wuppertaler Von der Heydt-Museum, ergänzt von sechs Zeichnungen, sieben druckgrafischen Blättern und neun korrespondierender Bilder anderer Maler.

Alfred Sisley wurde 1839 in Paris als Sohn eines dort ansässigen britischen Tuchhändlers geboren. Zeitlebens bemühte er sich um die französische Staatsbürgerschaft – vergebens. Erst kurz nach seinem Tod 1899 wird ein abermaliger Antrag vom französischen Justizministerium positiv beschieden. Zwischen 1857 bis 1860 absolvierte er im Geschäft eines Onkels in London eine kaufmännische Lehre, die ihn jedoch wesentlich weniger interessierte als die Gemälde von John Constable, William Turner oder Richard Parkes Bonington, die er in Museen studierte. Nach Paris zurückgekehrt, konnte er bei seinen vermögenden Eltern wohnen und in der Atelierschule des Schweizer Malers Charles Gleyre studieren, wo er auf Monet und Renoir traf, die seine Freunde wurden.

Die Wuppertaler Ausstellung setzt mit frühen Landschaftsbildern aus den Jahren um 1865 ein, als Alfred Sisley wie sämtliche andere Impressionisten auch die bizarren Fels- und Naturformen im Wald von Fontainebleau und um Barbizon festhielt. Die unberührte, urtümliche Natur, aber auch das Alltagsleben auf dem Land standen im Gegensatz zu Motiven der an den Akademien gelehrten Malerei. Zu Beginn malte Sisley abgedunkelt und gedämpft mit fest gefügter, nach Einheit strebender Bildfläche. Wurden die weitgehend konservativen Werke anfänglich noch zu den Salonausstellungen zugelassen, schlug Sisley rasch Ablehnung entgegen. Grund war der zu Beginn der 1870er Jahre veränderte progressive Malstil. Das Establishment liebte die lichte, aufgehellte Palette mit locker getupftem, leichtem, strichelndem Auftrag und die einfachen, von der Sonne beschienenen Naturlandschaften oder das heitere Dorfleben weniger als die bevorzugten heroischen Themen und flächig gemalten Arbeiten. Die Impressionisten veranstalteten dann 1874 im ehemaligen Atelier des Pariser Fotografen Nadar ihre erste eigene Ausstellung, von der der Impressionismus seinen Ausgangspunkt nahm.

Thematisch interessierte sich Sisley für das weniger Sensationelle. Die Atmosphäre des Augenblicks samt Wirkung der Landschaft auf den Betrachter waren für ihn wichtig. Besonders inspirierten ihn die unmittelbaren Lichtspiele zwischen Himmel und Wasser. Der Zug der Wolken, das Glitzern und Spiegeln der Wasseroberflächen in sämtlichen Bewegungsformen wollte er einfangen, Motive, die vorher nicht als darstellungswürdig galten. Mit Wolken und Wasser evozierte Sisley in seinen Gemälden eine Dynamik, immer weiter perfektioniert durch schnell gemalte Wirbel in überlagerten kurzen Pinselstrichen vor teils flächigen Hintergründen. Damit wurde er zum Lyriker unter den Impressionisten und kreierte quasi kleine Gedichte, bei deren Komposition er stets mit dem Himmel begann.

In der Folge des wirtschaftlichen Niederganges nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ging auch die elterliche Firma in Konkurs. Preußische Soldaten plünderten Sisleys Atelier und zerstörten an die 70 Leinwände. Samt Lebensgefährtin und zwei gemeinsamen Kindern zog er ins Pariser Umland, wo er deutlich preiswerter, aber trotzdem in ärmlichen Verhältnissen und unter finanziellem Druck leben konnte; denn seine Bilder verkauften sich weiterhin schlecht. In der Nähe von Louveciennes an der Seine entstanden um 1875 einige faszinierende Winterbilder. Der Schnee wurde für Sisley zur malerischen Herausforderung. Das Weiß schweifte in andere Farbgrade wie Blau, Rosa, Gelb ab, so dass über den Motiven leichte Melancholie schwebte. Auch Naturkatastrophen boten ihm Motive: 1872 und 1876 litt Port-Marly unter verheerenden Überschwemmungen der Seine. Reportagehaft bannte Sisley die Verwüstungen auf die Leinwand. Die in den wenigen Farbtönen Ocker, Weiß, Blau und Schwarz festgehaltenen Phasen des Hochwassers gehören mit ihrem feinen Spiel der Kolorierung zu Sisleys bekanntesten Werken.

Schleusen, Stauwehre, Pumpanlagen und Brücken thematisiere Sisley immer wieder und zeigte die Eingriffe des Menschen in eine unberührte Landschaft. Das Wechselspiel zwischen Natur und Technik findet sich auch in Bildern, die während vier Englandreisen entstanden. Ruderer auf dem flirrenden Fluss in Hampton Court samt statistenartigen Besuchern am Ufer vereinen sich zu einer stimmungsvoll aufgeladenen Situation zwischen Himmel und Themse. Alles scheint in Licht gebadet, von Licht umhüllt. In den 1880er Jahren porträtierte er vorwiegend die Wasserläufe in und um Moret-sur-Loing, einem malerischen mittelalterlichen Städtchen. Immer meisterlicher balancierte Sisley die Kompositionen aus, deren Horizonte er extrem niedrig ansetzte. Die in und um Moret-sur-Loing eingefangenen blinzelnden Lichtspiele waren für Sisley das, was für Monet die Seerosenbilder bedeuteten.

Um 1893 schilderte Alfred Sisley dann in zwölf Bildern die gotische Kirche Notre Dame von Moret-sur-Loing. Während Claude Monet mit seinen zeitgleich entstandenen 18 Ansichten der Kathedrale von Rouen durchschlagende Verkaufserfolge erzielte, führten Sisleys Interpretationen ein Schattendasein. Monet verwandelte von einem Standort aus das frontale, flächige Gegenüber in ein reines Farb- und Formereignis. Dagegen behandelte Sisley seine Kirche von diversen Standpunkten aus als Raumkörper samt Umgebung mit Licht- und Schattenzonen. Zerfließende Stimmungsbilder waren seine Sache nicht. Er liebte vielmehr kleine Kompositionen, streng und heiter zugleich. Nur wer ganz genau hinschaut, mag vielleicht die alltäglichen, von finanziellen Sorgen bestimmten Widrigkeiten seines Lebens aufspüren. Einerseits frohgemut, sonnendurchflutet und bewegt, was Sisley auf die stets von Beethovens Musik begleitete malerische Tätigkeit zurückführte, offenbaren seine Bilder andererseits jedoch irgendwo düstere Stellen in Form von Schatten, Hintergründen oder Höhlen.

Im Jahr 1897 führte ihn sein Weg ein letztes Mal nach England. Nach englischem Recht ehelichte er hier seine Lebensgefährtin, die Blumenverkäuferin Eugénie Lescouezec, mit der er seit über 30 Jahren verbunden war. Unter den etwa 20 in Cornwall und Wales geschaffenen Bildern, darunter zauberhafte Sommerlandschaften, Strand- und Kliffmotive, sind die fünf Fassungen des imposanten Storr’s Rock in der Langland Bay am bedeutendsten. Sisley gelangen völlig neuartige, „wilde“ Ausdrucksweisen jenseits lyrischer Klein- und Feinmalerei. Zwei Varianten sind in der Ausstellung zu bewundern. Wie ein unverrückbares Monument liegt der ausdrucksstarke, lebendig strukturierte Fels in der Brandung. Monumentalität und Ewigkeit verkörpern diese zu den innovativsten Arbeiten Sisleys zählenden Gemälde.

Nach Frankreich zurückgekehrt und schon schwer krank, verstarb im Oktober 1898 zunächst seine Frau an Zungenkrebs. Wenige Monate später, am 29. Januar 1899, erlag Alfred Sisley, noch nicht einmal 60 Jahre alt, in Moret einem Kehlkopfkrebsleiden. Erst nach dem Tod setzte der Erfolg ein. Sisley hatte die neue impressionistische Malweise nicht nur als Idee übernommen, er verstand es zudem auch, dieser Bewegung trotz widriger Lebensumstände eine lyrisch-musikalisch angehauchte, individuelle Note zu verliehen, die ansonsten nicht so häufig zu finden ist. Gerade jene zarten, bestechenden Poesien sind es, die die Wuppertaler Ausstellung einprägsam und überzeugend vorstellt. Wachen Besucheraugen erschließt sich ein originelles, sinnliches Plädoyer für eine Harmonie von Natur, Landschaft und menschlichen Eingriffen.

Die Ausstellung „Alfred Silsley – der wahre Impressionist“ ist noch bis zum 29. Januar 2012 zu besichtigen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags schon ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 25 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de

www.sisley-ausstellung.de



19.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 25

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Berichte (2)Variabilder (20)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


13.09.2011, Alfred Sisley - der wahre Impressionist

Bei:


Von der Heydt-Museum

Bericht:


Ein Künstler zwischen Boheme und Bourgeoisie

Bericht:


Gerhard Finckh nimmt Abschied von Wuppertal

Variabilder:

Alfred Sisley, Die Bandsäge – Les Scieurs de Long, 1876
Alfred Sisley, Die Bandsäge – Les Scieurs de Long, 1876

Variabilder:

Alfred Sisley, Saint-Mammès, la Croix-Blanche, 1884
Alfred Sisley, Saint-Mammès, la Croix-Blanche, 1884

Variabilder:

Alfred Sisley, Bateaux sur la Seine, 1877
Alfred Sisley, Bateaux sur la Seine, 1877

Variabilder:

Alfred Sisley, Storr’s Rock, Lady’s Cove, am Abend, 1897
Alfred Sisley, Storr’s Rock, Lady’s Cove, am Abend, 1897

Variabilder:

Alfred Sisley, Überschwemmung in Marly – L’Inondation à Marly,
 1876
Alfred Sisley, Überschwemmung in Marly – L’Inondation à Marly, 1876







Alfred Sisley, Die Bandsäge – Les Scieurs de Long, 1876

Alfred Sisley, Die Bandsäge – Les Scieurs de Long, 1876

Alfred Sisley, Saint-Mammès, la Croix-Blanche, 1884

Alfred Sisley, Saint-Mammès, la Croix-Blanche, 1884

Alfred Sisley, Bateaux sur la Seine, 1877

Alfred Sisley, Bateaux sur la Seine, 1877

Alfred Sisley, Storr’s Rock, Lady’s Cove, am Abend, 1897

Alfred Sisley, Storr’s Rock, Lady’s Cove, am Abend, 1897

Alfred Sisley, Überschwemmung in Marly – L’Inondation à Marly, 1876

Alfred Sisley, Überschwemmung in Marly – L’Inondation à Marly, 1876

Alfred Sisley, Le Pont de Villeneuve-La-Garenne, 1872

Alfred Sisley, Le Pont de Villeneuve-La-Garenne, 1872

Alfred Sisley, Am Waldesrand – Autour de la Foret, 1895

Alfred Sisley, Am Waldesrand – Autour de la Foret, 1895

Alfred Sisley, Flussbiegung des Loing, Sommer, 1890

Alfred Sisley, Flussbiegung des Loing, Sommer, 1890

Alfred Sisley, Die Brücke von Saint-Mammès, 1881

Alfred Sisley, Die Brücke von Saint-Mammès, 1881

Alfred Sisley, Un Cour aux Sablons, 1885

Alfred Sisley, Un Cour aux Sablons, 1885

Alfred Sisley, Die Seine à Billancourt, 1879

Alfred Sisley, Die Seine à Billancourt, 1879

Alfred Sisley, Boote in der Bucht vor Cardiff - La Rade de Cardiff, (Bateaux dans la Baie de Cardiff), 1897

Alfred Sisley, Boote in der Bucht vor Cardiff - La Rade de Cardiff, (Bateaux dans la Baie de Cardiff), 1897

Alfred Sisley, Les Régates à Hampton Court, 1874

Alfred Sisley, Les Régates à Hampton Court, 1874




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce