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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Der amerikanische Bildhauer John Chamberlain hat mit seinen gepressten Schrottteilen Ende der 1950er Jahre Kunstgeschichte geschrieben. Aktuelle Arbeiten der über 80jährigen Bildhauerlegende aus den Jahren 2008 bis 2010 zeigt momentan die Pinakothek der Moderne in München in ihrer großzügig arrangierten Ausstellung „Curvatureromance“

Mister Press is back



In den Jahren 2009 und 2010 präsentierten die Gagosian Gallery in London und New York und die Schweizer More Gallery frisch aus dem Atelier stammende Arbeiten von John Chamberlain. Und das war denn wohl auch der Startschuss zu der Behauptung: Mister Press is back. Seine Blech-Assemblagen heute noch als Schrottskulpturen zu bezeichnen, verbietet sich allerdings angesichts der chromglänzenden beziehungsweise perfekt schwarz und rot lackierten Blechteile, die die großzügig arrangierte Museumsschau „Curvatureromance“ in der Münchner Pinakothek der Moderne mit Arbeiten aus eben diesen Jahren zeigt. Sie sind längst nicht mehr so roh und rau, so zufällig und sperrig wie in den späten 1950er und 1960er Jahren, als Chamberlain die Bildhauerei mit gepressten Stoßstangen revolutionierte und mit seinen Arbeiten die dreidimensionale Antwort auf Jackson Pollock und Willem de Kooning gab.


Doch genauso unübersehbar ist, dass diese Skulpturen mit ihren wortspielerischen Titeln wie „Sterlingpromqueen“ oder „Dejashmoozcoupe“ nichts von jener berstende Ausdruckskraft und Dynamik verloren haben, die dem abstrakten Expressionismus zu Eigen ist. Und viel mehr als die frühen Arbeiten besitzen die zum Teil fünf Meter hohen neuen Werke eine wie durch Urkräfte zusammengeschobene, monolithische Geschlossenheit – trotz ihrer scheinbar zufällig arrangierten Einzelteile. Einerseits perfekt auf Hochglanz polierte Edel-Assemblagen, andererseits düstere Kraftpakete, führen sie bei näherer Betrachtung mit ihren Faltungen und Kurven ein abstraktes skulpturales Eigenleben, losgelöst von der materiellen Bestimmung und nur der Assoziation dienend.

John Chamberlain selbst spricht von Haltungen, die er seinen Skulpturen gibt: „Wenn ein Stück vornüber gebeugt ist, dann ist das meine Haltung. Wenn es auf einem Bein tanzt oder wenn es sogar im Sitzen tanzt, dann hat es eine leichtfüßige Haltung.“ Doch gerade leichtfüßig und tänzelnd sind seine neuesten Arbeiten nicht mehr. Ein gewisser Ernst ist hinzugetreten. Das Bunte, Heitere, das ihm in den 1970er Jahren fälschlicherweise das Etikett der Pop Art einbrachte, ist verschwunden. Ein Hauch von Mystik umweht die Dominanz dunkler Farben, die große Geschlossenheit und Dichte, denen der Künstler mit silbrig glänzenden Chromteilen, die in Erhabenheit gen Himmel streben, zu entfliehen sucht.

Chamberlains Skulpturen sind in der Pinakothek der Moderne nicht zufällig in unmittelbarer Nähe der permanent gezeigten Arbeiten von Donald Judd oder Dan Flavin inszeniert. Das schafft Einblicke im doppelten Sinn. Anders als der Minimalismus eines Judd, der wie ein Kontrapunkt zu Chamberlains Kunst wirkt, hat dieser nie mit gezirkelter Intellektualität nach Perfektion und Reduktion gesucht. Es ging ihm um das rhythmische Zusammenspiel verschiedener Teile, um Spannung und Energie und um die visionäre Kraft der Abstraktion und des Zufälligen, die er mit den nie ganz kontrollierbaren Pressungen hervorrief.

Bei Chamberlains Skulpturen sind es unverkennbar immer wieder die Quetschungen und Faltungen, die diese Assemblagen lebendig wirken lassen, die ihre Größe im intellektuellen Sinne vermitteln und mitunter auch eine fast mystische Suggestionskraft. Um das zu erfahren, muss man nur einen Blick auf die energisch aufgeladene Pose der mächtigen, schreitenden Arbeit „Dogeyematador“ werfen, deren Faltenreichtum die Ahnung umhüllter Kreaturen hervorruft. Ein Grund für Kuratorin Corinna Thierolf, den Mann aus Indiana in die kunsthistorische Linie mit Veit Stoß und den großen Bildhauern des Barock zu stellen. Schon sie brachten erschütternde Gefühle nicht etwa vordergründig im Gesicht oder in der Gestik zum Ausdruck, sondern vor allem in den überschwänglichen Falten der Gewänder.

John Chamberlain hatte schon in frühen Jahren immer wieder geäußert, dass Autobleche eigentlich sein Carrara-Marmor seien und dass die Schrottpresse für ihn das darstelle, was für andere Hammer und Meißel sind. Wie recht er hat. Als die Stoßstangen Ende der 1960er Jahre kantiger wurden und – schlimmer noch – alsbald nicht mehr aus Stahl hergestellt wurden, war dem Bildhauer seine Marmorquelle versiegt. Der Wahl-New Yorker experimentierte mit Fiberglas, Papiertüten und Schaumstoff. Doch es schien, als hätte er seine Sprache verloren. Seither ordert er in Autorfabriken neue Stoßstangen und neue Blechteile. Das klingt nicht so romantisch wie die Schrottplatzfeldzüge aus den 1960er Jahren. Aber die wie mit Stanniolpapier überzogen wirkenden, loopingartigen Arbeiten „Nudepearls one „ und „Luckyegypt one“, die in München ebenfalls zu sehen sind und mit denen sich der 84jährige formal sowie materialtechnisch auf ganz anderem Boden bewegt, untermauern ein weiteres Mal, dass die Rolle des Mister Press wohl Chamberlains Bestimmung auf der Bühne der modernen Kunst ist.

Die Ausstellung „John Chamberlain – Curvatureromance“ ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Die Pinakothek der Moderne hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, sonntags für alle 1 Euro. Der Katalog kostet 19 Euro.

Kontakt:

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 23 805 360

E-Mail: info@pinakothek.de



04.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


08.07.2011, John Chamberlain – Curvatureromance

Bei:


Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Künstler:


John Chamberlain










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