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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Im Schwarzlichtraum der Popkultur: Die Hamburger Kunsthalle präsentiert rund 80 Arbeiten des Berliner Zeichners Marc Brandenburg unter fluoreszierendem Licht

Schwarz und Weiß im Rollentausch



Der fensterlose Saal der Meisterzeichnung gehört zu den dunkelsten Ausstellungsräumen in der Hamburger Kunsthalle. Arbeiten auf Papier vertragen nun mal kein Sonnenlicht, und so gebietet es die konservatorische Sorgfalt, mit möglichst geringen Lux-Zahlen zu arbeiten. So dunkel wie zur Zeit war es hier allerdings noch nie. Durch einen schweren schwarzen Vorhang hindurch betritt man einen nahezu dunklen Raum, der lediglich von Schwarzlichtröhren illuminiert wird. Der Berliner Zeichner Marc Brandenburg, Jahrgang 1965, präsentiert hier unter dem lakonischen Titel „Zeichnungen“ rund 80 schwarzweiße Blätter in den unterschiedlichsten Formaten. Es ist seine erste große Einzelausstellung im Museum.


Aus dem Dunkel heraus flimmern Szenen aus dem Berliner Party-, Klub- und Nachtleben, Porträts von Freunden, Drag Queens, Straßenszenen, Wohnaccessoires und Jahrmarktattraktionen – kurzum, ein breit gefächertes Spektrum aus dem unmittelbaren Erfahrungsraum eines 45jährigen in Berlin-Mitte lebenden Künstlers mit dem exzessiven Hang zu nächtlichen Expeditionen in die Ausgehkultur der Stadt. Brandenburgs Markenzeichen: Er vertauscht ganz einfach die Hell-Dunkel-Werte und bringt die Dinge damit in einen Zustand irritierender Ambivalenz. Eigene Fotografien, aber auch Magazinausrisse werden mit dem Fotokopierer ins Negative verkehrt, anschließend eingescannt und am Computer bearbeitet. Fertig ist die Vorlage. Der Rest ist Handarbeit. Brandenburgs einzige Materialien sind Bleistifte und Papier. Mit einfachsten und seit Jahrhunderten verfügbaren Mitteln eignet sich Brandenburg seine unmittelbare Umgebung an und bietet so eine zeitgenössische Abwechslung zu den normalerweise hier ausgestellten „Rembrandt, Bruegel und Co.“. Die sind zur Zeit in der gleichnamigen Sonderausstellung im Altbau zu sehen.

Mit Marc Brandenburg präsentiert die Hamburger Kunsthalle einen der profiliertesten Zeichner der Gegenwart. Seine Motive mögen auf den ersten Blick sehr zeitgeistig erscheinen. In der hier ausgestellten Fülle aber offenbaren sie einen gesellschaftlichen Kosmos, der sich immer wieder aus Brandenburgs unmittelbarer biografischer Verstricktheit in seine Sujets speist. Themen wie Ausgrenzung und Isolation blendet er nicht aus. Brandenburg wurde als Sohn einer deutschen Mutter und eines US-Soldaten geboren. Er ist farbig und homosexuell. Er war Punk. Und er arbeitete als Türsteher und Thekenkraft im „Dschungel“, dem „Kumpelnest 3000“ oder dem „Berghain“, mithin den wichtigsten Kristallisationspunkten der Berliner Boheme und Subkultur. Brandenburg gewährt dem Betrachter auch Einblicke in eine Gegenkultur, die sich und ihre visuellen Codes durchaus als elitär begreift. „So lange ich denken kann, war das Außenseitertum die einzig denkbare Art zu existieren“, sagt er.

Als Künstler ist Marc Brandenburg Autodidakt. Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen auf der ganzen Welt – auch im New Yorker Museum of Modern Art. Brandenburg zeigt uns in Hamburg seine Helden: Michael Jackson etwa in Siegerpose. Den nackten Yves Saint Laurent, der 1971 für eine berühmt gewordene Werbekampagne in eigener Sache sein letztes Hemd auszog. Und er zeigt uns seine Ängste. Die Hand eines Neonazis mit auftätowiertem Hakenkreuz oder einen ziemlich lächerlich wirkenden Fußballfan im deutschtümelnden Outfit. „Ich muss zugleich angezogen und abgestoßen werden“, sagt er über seine Motivwahl.

Daneben bezieht er sich auch auf den deutschen Alltag: Menschen im Karussell und auf Demonstrationen, der Kühlturm eines Kraftwerks, verfremdete Landschaften. Einmal nur zeigt er sich im Selbstporträt: Als herausfordernd blickenden jungen Mann unter der Pickelhaube des deutschen Kaiserreiches. Ein farbiger Berliner Künstler im Look preußischer Kriegstreiber und Kolonialherren? Brandenburg scheint uns sagen zu wollen, dass man die festgelegten Codes und Symbole der Gegenseite einfach nur umwerten muss, um deren Bann zu brechen. Alles Definitionssache. Und wenn man es ganz raffiniert anstellt, dann erklärt man kurzerhand Weiß zu Schwarz und Schwarz zu Weiß. Wo ist da schon der Unterschied?

Die Ausstellung „Marc Brandenburg – Zeichnung“ ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung erscheint keine Publikation.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



28.08.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


15.07.2011, Marc Brandenburg. Zeichnungen

Bei:


Hamburger Kunsthalle

Bericht:


Marc Brandenburg in Stade

Künstler:

Marc Brandenburg










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