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Budapest, Paris, New York: Der Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert mit André Kertész einen der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts

Die Augen sind nie genug



„Mein Englisch ist schlecht. Mein Französisch ist schlecht. Die Fotografie ist meine einzige Sprache“, bekannte er einmal. Besonders sprachbegabt war André Kertész, der aus einer jüdischen Buchhändlerfamilie stammende, große ungarische Fotograf, nie. Die eingeschränkten Möglichkeiten, in seiner Heimat Ungarn vom Fotografieren zu leben, trieben den 31jährigen 1925 zunächst nach Paris. Aus Angst vor den Nationalsozialisten wanderte er 1936 nach New York aus. Selbst im Ungarischen soll Kertész, der zwei Drittel seines Lebens in der sprachlichen Diaspora verbracht hat, eher wortkarg als gesprächig gewesen sein. Sei’s drum, was der 1985 im Alter von 91 Jahren verstorbene Kertész der Nachwelt hinterlassen hat, sind ja auch keine Gedichte oder Novellen sondern ein rund 70 Jahre umspannendes, umfangreiches fotografisches Werk voller poetischer Momente, ungewöhnlicher Perspektiven und melancholischer Schattenwürfe.


Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt jetzt in einer großen Retrospektive, die zuvor im Pariser Jeu de Paume zu sehen war, rund 300 Fotografien aus allen Werkphasen des begnadeten Beobachters. Originalausgaben etlicher Magazine, in denen Kertész seine Fotoreportagen veröffentlichte, runden die materialreiche Schau ab.

André Kertész war kein Dokumentarfotograf und auch keiner, der sich auf bestimmte Sujets spezialisiert hatte. Seine Kamera, ab 1928 eine handliche Leica, hatte er immer einsatzbereit dabei. Und so fotografierte er einfach dann, wenn sich auf seinen Spaziergängen durch die Stadt, bei seinen Treffen mit Freunden und Kollegen oder ganz einfach beim Blick vom Balkon die permanent vorbeifließende Wirklichkeit zu einem kurzen Augenblick überwirklicher Strahlkraft oder Metaphorik verdichtete. Das können vier dunkel gekleidete Männer mit Hut sein, die die Pariser Place de la Concorde nach einem Sturzregen überqueren und deren Silhouetten sich in den spiegelnden Wassermassen gleichsam verdoppeln, eine einzelne versprengte Wolke neben einem hochaufragenden New Yorker Wolkenkratzer oder der scherenschnittartige Oberkörper eines aufs Meer schauenden unbekannten Zimmernachbarn hinter einer Milchglasscheibe, aufgenommen von einem Hotelbalkon auf der französischen Karibikinsel Martinique.

„Meine Fotografie ist tatsächlich ein visuelles Tagebuch“, so Kertész, „sie ist vor allem ein Werkzeug, um mein Leben zu beschreiben und auszudrücken, genauso wie Dichter oder Schriftsteller ihre Lebenserfahrungen beschreiben. Sie ist ein Mittel, die Dinge, die ich finde, zu projizieren. Mit meinen Bildern dokumentiere ich nie, ich interpretiere immer. Das ist der große Unterschied zwischen mir und vielen anderen.“

André Kertész ist kein fotografierender Gesellschaftskritiker. Seine Kamera kein reines Werkzeug, sondern ein Wahrnehmungsorgan ganz eigener Art, das seine oft melancholische Sicht auf die Welt und die innere Zerrissenheit dieses Getriebenen zwischen drei Ländern und zwei Kontinenten in Bilder umzusetzen vermag. Kertész wählt so gut wie nie die direkte Draufsicht auf seine Motive. Oft verstellt etwas den Blick. Ein Fragment des Eiffelturms fotografiert er aus der Ferne, hervorlugend hinter aufgeschichteten Lochziegeln. Ein frühes Selbstporträt zeigt lediglich seinen Schattenriss an der Wand. Und seine wenigen Aufnahmen weiblicher Akte macht er nicht frontal und unverstellt sondern unter Zuhilfenahme riesiger Zerrspiegel. Das Ergebnis dieser Auftragsarbeit für ein Männermagazin: grotesk verzerrte, oft überdehnte oder fragmentarisierte Frauenkörper, die an surrealistische Malerei erinnern. Vielleicht war das seine Art, seine künstlerische Freiheit zu behaupten. Denn auf kommerzielle Aufträge angewiesen war Kertész bis Anfang der 1960er Jahre. Erst dann konnte er es sich erlauben, nur noch frei zu arbeiten.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Kertész in seiner New Yorker Wohnung in der Fifth Avenue Nummer 2. Der verwitwete und vereinsamte Virtuose der Schwarzweißfotografie machte seine letzten, von Trauer, Melancholie und Todeserwartung erfüllten Bilder mit einer Polaroidkamera. Die kleinen, 8 auf 8 Zentimeter messenden Aufnahmen, auf denen er persönliche Erinnerungsstücke aber auch poetisch verfremdete New York-Ansichten festhielt, bilden den Epilog dieser sehenswerten Ausstellung eines Jahrhundertfotografen, der „nicht nur dem Auge sondern auch dem Inneren etwas mitteilen“ wollte.

Die Ausstellung „André Kertész – Fotografien“ ist noch bis zum 11. September zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro, bis 16 Jahre ist er frei. Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet als Museumsausgabe 25 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



21.08.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.06.2011, André Kertész – Fotografien

Bei:


Martin-Gropius-Bau

Künstler:

André Kertész










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