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Gera und Chemnitz beleuchten Werkschaffen und Rang von Otto Dix zum 120sten Geburtstag

Angenehmes und Schockierendes



Otto Dix, Untermhaus“, so pflegte sich der Maler vorzustellen. Untermhaus, eine kleine Ansiedlung zu Füßen der Residenz der regierenden Fürsten Reuß, eingezwängt zwischen Elster und Schlossberg, versetzt noch heute mit seinen alten Häusern und engen Gassen in längst vergangene Zeiten. Erst seit 1919 ist das Dorf ein Stadtteil von Gera. Im Mietshaus am Mohrenplatz 4, direkt neben der Marienkirche, erblickt in der rechten, zwei Zimmer großen Parterrewohnung am 2. Dezember 1891 Otto Dix das Licht der Welt. Der Vater Ernst Franz Dix arbeitet als Gießereiformer und engagiert sich als überzeugtes Mitglied bei den Sozialdemokraten, Mutter Pauline ist Näherin. Dem Milieu kleiner Leute und der anheimelnden Ortschaft bleibt Dix zeitlebens verbunden.


1991 wird das restaurierte Geburtshaus als Museum eingeweiht. Neben einer historischen Ausstellung im räumlichen Ambiente vor 110 Jahren versammelt ein neuer Anbau eine stattliche Anzahl von Dix’ Zeichnungen und Gemälden. Der Bestand an 450 Arbeiten ist einer der größten zu Dix in öffentlicher Hand. Zum diesjährigen 120sten Geburtstag richtet die Stadt Gera ihrem Ehrenbürger eine umgangreiche retrospektive Schau aus, die ab dem 3. Dezember im Orangerieschloss zu sehen sein wird.

Schon sehr früh beginnt der junge Dix mit dem Zeichnen und erfährt erste künstlerische Förderung durch seinen Zeichenlehrer Ernst Schunke. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Gera besucht er von 1910 bis 1914 die Dresdener Kunstgewerbeschule. Dem Unterricht bei Max Rade in Dekorations- und Musterzeichnen sowie Richard Mebert in Dekorationsmalerei und Naturzeichnen erwachsen koloristisch formvollendete Pflanzengouachen. Um 1912 entstehen naturalistische Sujets unter Zurückdrängung aller dekorativen Elemente, wobei Licht und Schatten auffällige Plastizität erzeugen. Schon jetzt hat Otto Dix eine künstlerische Reife erlangt, die weit über dem Ausbildungsniveau liegt.

Als Freiwilliger unterwirft er sich dann der „Kamelslast des Drills“ und kämpft als Soldat im Ersten Weltkrieg an vorderster Reihe. Kein zweiter deutscher Künstler hat die Eindrücke und Erlebnisse im Krieg in derart erschütternden Frontbildern verarbeitet wie Otto Dix. Nach der Entlassung findet er sich 1919 wieder in Dresden ein und wird Meisterschüler bei Max Feldbauer und Otto Gussmann an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste. Neben Conrad Felixmüller begründet Dix die „Dresdener Sezession-Gruppe 1919“. Im Herbst 1922 übersiedelt er nach Düsseldorf. Er wird Meisterschüler an der dortigen Akademie bei Heinrich Nauen und Wilhelm Herberholz. Über die berühmte Kunsthändlerin Johanna Ey knüpft er Kontakte zur Gruppe „Das Junge Rheinland“.

Mitte der 1920er Jahre gehört Otto Dix zur ersten Reihe der Gegenwartskünstler. Auf Betreiben des Kunsthändlers Karl Nierendorf siedelt er 1925 nach Berlin über. Doch schon zwei Jahre später kann er an der Staatlichen Akademie der Künste in Dresden in der Nachfolge von Oskar Kokoschka eine Professur antreten. Bereits 1933 wird er aus dem Lehramt entlassen und im Herbst desselben Jahres öffentlich als „entarteter Künstler“ diffamiert. 260 Arbeiten von Dix werden aus deutschen Museen entfernt und teilweise vernichtet. Dix zieht sich in die innere Emigration zurück und lässt sich 1936 in Hemmenhofen am Bodensee nieder, behält aber sein Atelier in Dresden.

Auf der Halbinsel Höri ist Dix mit Max Ackermann, Heinrich Nauen, Erich Heckel oder Hermann Hesse, die ebenfalls hier Zuflucht finden, in bester Künstlergesellschaft. Noch 1945 wird er zum Volkssturm eingezogen und muss erneut in den Krieg ziehen. Aus französischer Gefangenschaft kann er 1946 nach Hemmenhofen zurückkehren. Hier entwickelt er sein expressives Spätwerk in der freien Primamalerei. Regelmäßig reist er nach Dresden und Gera, dessen Ehrenbürgerschaft er 1966 verliehen bekommt. Nach dem zweiten Schlaganfall verstirbt Otto Dix am 25. Juli 1969 im Krankenhaus in Singen und wird auf dem Dorffriedhof von Hemmenhofen beigesetzt.

Otto Dix gilt neben George Grosz und Max Beckmann als der große kritische wie unerbittliche Realist mit einem besonderen Fokus auf gesellschaftliche Erscheinungen der Zeit. Soziale Randexistenzen der Großstadt, Arbeitssuchende, Kriegsversehrte, Prostituiertenmilieus, Lebemänner, also die Abgründe und Zerwürfnisse menschlicher Charaktere, sind Themen des brillanten Menschenschilderers. Eros und Tod, Werden und Vergehen, Leben und Sterben gehören zu den Konstanten des Dixschen Lebenswerks. Leicht gebeugt, dunkle verhangene Augen in tiefen Höhlen prägen seine unverwechselbare Miene. Fotografien, aber auch seine vielen Selbstporträts zeigen ihn ausnahmslos mit kritischem, sehr skeptischem Blick, der hintergründig alles abwägt. Einerseits kann Dix vehement seine gefestigten Positionen vertreten, andererseits liebt er ruhige Zurückgezogenheit; große öffentliche Umstände und Ansprachen sind ihm ein Graus.

Zu den interessantesten frühen Bildern gehört der 1907 festgehaltene Blick auf sein Heimatdorf mit Kirche, Weiße Elster und Brücke in hellen Farben und impressionistischer Manier. Bis heute hat sich nichts an der topografischen Situation verändert. Die heimatliche Landschaft regt ihn bis 1914 immer wieder an. Das Lichtspiel der Natur fließt ab 1913 in seine häufig bearbeiteten Stadtmotive ein; nächtlicher Laternenschein sowie Porträts gehen über in eine expressionistisch-moderne Ausarbeitung. Die große Enttäuschung über die Ergebnisse der Revolution von 1919 schlägt sich in einer Radikalisierung der künstlerischen Ausdrucksweise und dem Aufgreifen bislang tabuisierter Inhalte nieder.

In den 1920er Jahren, in denen internationale berühmte Hauptwerke entstehen, vor allem Aufsehen erregende Porträts, machen sich die Einflüsse der Neuen Sachlichkeit bemerkbar. Von der expressionistischen Primamalerei wendet sich Dix hin zu einer an den alten Meistern geschulten Lasurtechnik; große Nüchternheit tritt an die Stelle von rauschender Fülle. Religiöse Themen finden sich sowohl im Frühwerk als auch zu Zeiten der inneren Emigration und im Spätwerk nach 1945. Für den Nietzscheaner und Atheisten Otto Dix stellt der Rückgriff auf die christliche Ikonografie mitnichten ein religiöses Bekenntnis dar, sondern intendiert die Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeitgeschichte.

Nach der Übersiedlung in die beschauliche Landschaft des Hegau der inspirativen Großstadtumgebung beraubt, beherrschen nun Landschaftsmotive sein Schaffen. Mit dem Skizzenbuch durchstreift Otto Dix die Gegend. In wenigen Jahren gestaltet er 700 Zeichnungen. Darüber hinaus spiegeln detaillierte, präzise komponierte Gemälde die politischen Ereignisse. Dies bekunden eindeutig die oftmals lodernde Farbigkeit, die aufbäumenden Naturgewalten und bildimmanente bedrohliche Ungewissheiten.

Ab 1942 setzt erneut die Alla-Prima-Malerei ein, die das expressive Spätwerk aus vornehmlich Landschaften, Porträts und christlichen Themen bestimmt. Ab 1946 bringt eine Phase ungeheurer Produktivität und Mallust eine große Zahl form- und farbintensiver Blumenstillleben hervor, für die sich Dix vom Hemmenhofener Garten anregen lässt. Auch die Druckgrafik nimmt in den letzten beiden Jahrzehnten einen gewichtigen Stellenwert ein. Besonders in den malerischen Farblithografien gelingen Dix Form- und Bildfindungen von großer Tiefe, die bis heute nichts an faszinierender Symbolwirkung der Tiere und Pflanzen eingebüßt haben. Die letzten Arbeiten vor seinem Tod verkörpern fast schon eine informelle Freiheit.

Pünktlich zum 120sten Geburtstag richtet die städtische Kunstsammlung Gera ab dem 3. Dezember in der ehemaligen, spätbarocken Orangerie eine Präsentation aus rund 100 Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken unter dem Titel „Otto Dix – retrospektiv“ ein. Schwerpunkt der Zusammenstellung mit Leihgaben aus internationalen Sammlungen bilden Arbeiten zum Thema Porträt, Eros, Krieg, Allegorie und Landschaft aus verschiedenen Schaffensphasen. Ein eigener Ausstellungsteil ist den „Verschollenen Meisterwerken“ von Otto Dix gewidmet. Darin unternimmt die Kunstsammlung Gera in Zusammenarbeit mit der Otto-Dix-Stiftung Vaduz den Versuch, einige der bedeutendsten verloren gegangenen Arbeiten Dix’ in Form einer visuellen Projektion in Originalgröße ein Stück weit wieder lebendig werden zu lassen und die Geschichte der Bilder auf Basis der neuesten kunsthistorischen Erkenntnisse zu rekonstruieren. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass der Umbau der ehemaligen Landeszentralbank zum Kunsthaus nach Plänen von David Chipperfield zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen sein wird.

Neben Gera feiert die nahebei, aber schon in Sachsen gelegene Stadt Chemnitz den Geburtstag mit. Den Auftakt bestreitet das Museum Gunzenhauser mit einer kleineren Schau aus über 40 Selbstporträts, die unter dem Titel „Ich Dix bin das A und das O“ firmiert. Zu der seit Ende 2007 in einem ehemaligen Sparkassengebäude von 1930 beheimateten Kollektion des Münchener Galeristen Alfred Gunzenhauser gehört ein einmaliger Fundus von 290 Arbeiten von Otto Dix. Daraus sind nun sämtliche Selbstporträts zu sehen. Knapp 200 Mal hat sich Dix zeitlebens in allen künstlerischen Techniken verewigt. Kraftvoll, vital, mit psychologischer Genauigkeit seiner nichts auslassenden Beobachtungen und sezierender Schärfe richtet er den Blick auf sich selbst. Die Mehrzahl der Exponate sind Zeichnungen, denn frei nach Dix ist die „Zeichnung der ursprünglichste Ausdruck künstlerischer Persönlichkeit“. Hinzu kommen rund 50 Arbeiten von Dix in der ständigen Schausammlung.

60 weitere Werke von Otto Dix nennen die Kunstsammlungen Chemnitz ihr Eigen. Dies spiegelt die besondere Beziehung des Künstlers zu dieser Stadt, die im Museum Gunzenhauser ab Mitte November Thema einer zweiten Schau ist. Der Chemnitzer Unternehmer Fritz Niescher unterstützte Dix nach 1933 mit zahlreichen Aufträgen und Ankäufen. So schuf der Künstler für einen Gartenpavillon auf dem Grundstück des Fabrikanten 1938 das panoramaartig angelegte Gemälde „Orpheus und die Tiere“, eines seiner wenigen Wandgemälde, das 1945 bei Bombenangriffen vollständig zerstört wurde. Auch zur Familie des Chemnitzer Kinderarztes Otto Köhler entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen, die in Porträtaufträgen ihren Niederschlag fanden. Das bislang wenig bekannte Wirken Otto Dix’ für beide Chemnitzer Familien fokussiert dieses Projekt als weiterer Höhepunkt im Dix-Jahr 2011.

Die Ausstellung „Ich Dix bin das A und das O. Selbstporträts von Otto Dix im Museum Gunzenhauser“ ist noch bis zum 31. Oktober zu besichtigen. Die Ausstellung „Dix in Chemnitz. Sonderausstellung anlässlich des 120. Geburtstages des Künstlers 2011“ läuft vom 13. November bis zum 15. April 2012 ebenfalls im Museum Gunzenhauser. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser
Stollberger Straße 2
D-09111 Chemnitz

Telefon: +49 (0)371 – 488 70 24
Telefon: +49 (0)371 – 488 70 99

Die Ausstellung „Otto Dix – retrospektiv. Zum 120. Geburtstag. Gemälde und Arbeiten auf Papier“ startet am 3. Dezember in der Orangerie der Kunstsammlung Gera.

Kontakt:

Kunstsammlung Gera

Orangerieplatz 1

DE-07548 Gera

Telefon:+49 (0365) 838 42 50

Telefax:+49 (0365) 838 42 55

E-Mail: info@kunstsammlung-gera.de



21.08.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Vergleich zwischen Dix’ malerischer Fassung und dem heutigen Untermhaus

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