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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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In seinem unterirdischen Kunstbau bietet das Münchener Lenbachhaus einen Überblick über die künstlerische Entfaltung von Piet Mondrian und der „De Stijl-Bewegung“

Dialoge der Abstraktion



Tauschgeschäfte treiben zuweilen merkwürdige Blüten. Ohne tiefgreifend fundierten Ertrag nehmen sie in der heutigen Eventmaschinerie musealer Einrichtungen meist den Status allzu effekthascherischer Schaueinlagen unter verkrampft hergeholten Argumenten ein. Aber sie sorgen dafür, dass man im Gespräch bleibt, wie etwa das gerade wegen Neu- und Umbaumaßnahmen geschlossene Lenbachhaus zu München. Dem Institut eröffnete sich eine Chance zum rechten Augenblick. Begleitet von fulminanten Werbe- und Marketingaktivitäten, für die sich abstrakte Muster Piet Mondrians samt der De Stijl-Bewegung bestens eignen, kann man trotz des Handicaps eine gebührende Medienpräsenz aufrecht erhalten. Doch was gab es nicht in der letzten Zeit alles für einschlägige Präsentationen, von den Mondrian-Schauen in der Wiener Albertina, dem Kölner Museum Ludwig oder dem Gemeentemuseum in Den Haag bis hin zur Gerrit Rietveld-Retrospektive in Utrecht vor wenigen Monaten.


Nun ist die Bewegung im Süden Deutschlands angekommen, dort, wo einst Wassily Kandinsky und sein Kreis „Der Blaue Reiter“ sich mit Lyrismen den abstrakten Tendenzen näherten. Was Kandinsky und sein enger Mitstreiter Franz Marc im ländlich geprägten Süden Münchens zwischen 1911 und 1914 beharrlich betrieben und erforschten sowie in einer 1912 erschienenen theoretischen Pogrammschrift fixierten, findet seine Entsprechung in der 1917 in Leiden gegründeten De Stijl-Gruppe um Piet Mondrian und Theo van Doesburg. Letzterer fungierte als Herausgeber der pogrammatischen Zeitschrift „De Stijl“, die bis 1928 erschien. Während Kandinsky 1914 zur vollständigen Abstraktion überging, gelangte Mondrian 1917 dort hin, wahrend der dritte Gründervater malerischer Abstraktion, der Russe Kasimir Malewitsch, schon 1913 sein schwarzes Rechteck zu Papier brachte.

Im zweiten Jahrzehnt des 20sten Jahrhunderts lag das folgenreiche Ausloten einer künstlerischen Sprache bis an die Grenzen tradierter Gattungen und deren Überschreitung einfach in der Luft. Doch regionale Bedingungen begünstigten verschiedene Wege. Während für Kandinsky Ausdruck und Gefühl zentral waren, musische, volkskundliche, religiöse Eingebungen mit einflossen, führte Mondrians Weg adäquat dem eher merkantil-calvinistisch wie nüchtern-kühl geprägten niederländischen Duktus unbeirrt in geometrisch-analytische Strukturen. Die auf äußerste reduzierte, völlig analytische Ausrichtung von Mondrians Schaffensweise führte letztendlich zur Minimal Art, während die poetischere Variante Kandinskys den Weg für den Abstrakten Expressionismus der 1960er Jahre bereitete.

Während das Lenbachhaus seine überragende Kollektion von frühen Werken Kandinskys und seiner Kollegen dem Gemeentemuseum in Den Haag überließ, hat jenes jetzt im Gegenzug Teile seines weltweit umfangreichsten Bestandes an Bildern Piet Mondrians nach München ausgeliehen. Unter den rund 120 Exponaten von 31 Künstlern stammen allein 30 Arbeiten von ihm. Das Wiedersehen von alten Bekannten ergänzen Bilder, Grafiken, kunstgewerbliche Objekte, darunter insbesondere Möbel, Architekturmodelle und Fotografien weiterer Künstler der De Stijl-Bewegung, so dass sich – wie man in München mit Stolz betont – angeblich erstmals in Deutschland eine umfassende Museumspräsentation dieser stilbildenden Avantgardegruppe annimmt.

Im Zentrum des räumlich lang gezogenen unterirdischen Parcours steht einmal der Weg Piet Mondrians zur Abstraktion. Wie Kandinsky war auch er zunächst Landschaftsmaler. In neoimpressionistischen Anfängen und pointillistisch anmutenden Studien lehnt er sich zwischen 1908 und 1911 an den divisionistischen Farbauftrag der Luministen an, intendiert aber zugleich beeinflusst von theosophisch-esoterischen Theorien nach einer spirituellen Erneuerung der Malerei. Kirchtürme, Dünenlandschaften, Windmühlen, insbesondere Bäume bilden Motive für farbig-expressive Liniengeflechte ab 1912. Immer noch bleiben die Gegenstände erkennbar, bevor er vor dem Hintergrund des Kubismus zu einer vollkommenen Befreiung vom Gegenständlichen gelangt.

In neoplastizistischen Kompositionen der 1920er Jahre findet sein Konzept der absoluten Malerei ohne erkennbare persönliche Handschrift des Malers seinen Höhepunkt. Gerade Linien und Primärfarben werden bestimmend. Farben, Formen, Flächen und Linien werden eigene Wertigkeiten zuerkannt, sie verweisen auf nichts anderes. Die Grundfarben Rot, Gelb, Blau fügt Mondrian in ein rechtwinkliges Raster aus den Nichtfarben Weiß, Schwarz und Grau ein. Hier bleibt wenig Raum für Variationen, wobei er allerdings ein ausgewogenes Verhältnis der Elemente anstrebt. Heute gelten diese Kompositionen als Ikonen der Moderne, ihre Strukturen führen längst ein Eigenleben auf den Feldern der Mode, Werbung und Populärkultur.

Eine Gruppe unterschiedlicher Gestalter und Theoretiker aus den Niederlanden, Italien, Deutschland oder der Sowjetunion reflektiert diesen Ansatz Mondrians. Ziel der international agierenden Vereinigung De Stijl ist die neue Ausformung sämtlicher Bereiche der Lebenswirklichkeit. Die Beiträge in der Zeitschrift De Stijl sowie Varianten künstlerischer Darbringungen erstrecken sich von den bildenden Künsten über Architektur, Städtebau, Design bis hin zu Film, Musik und Literatur. Gerrit Rietvelds „Blau-Roter-Stuhl“ zunächst um 1918 erschaffen als materialsichtiges Naturholzmöbel und später wie ein Mondriansches Gemälde mit Primärfarben versehen, genießt schon lange den Status eines Designklassikers. 1924 entwirft der Möbelschreiner und Architekt zusammen mit Truus Schröder ein Wohnhaus am Stadtrand von Utrecht, das heute zu den Inkunabeln moderner Architektur zählt.

Reklametafeln und politische Plakate von Jan Toorop, Architekturentwürfe und konstruktivistische Studien von Theo van Doesburg, durch Variantenreichtum bestechende Studien Konkreter Kunst von Christ Beekman, Jean Gorin, Vilmos Huszár, Bart van der Leck, Marlow Moss und Friedrich Vordemberge-Gildewart, Fotografien, Filme und Stills von Hans Richter, César Domela und Viking Eggeling, aus elementaren Formen und Farben kreiertes Mobiliar von Pieter Jan Christophel Klaarhamer, Möbel und Architekturprojekte von Jacobus Johannes Pieter Oud, Georges Vantongerloo oder Piet Zwart vermitteln in München ein griffiges Bild von der neben dem Bauhaus bedeutendsten, noch heute unseren Alltag prägenden Bewegung. Ohne grundlegend neue Erkenntnisse zu vermitteln, ist die Schau ein Treffen mit lieb gewonnenen Arbeiten, deren Rang in der Kunstgeschichte unbestritten bleiben wird.

Die Ausstellung „Mondrian und De Stijl“ ist noch bis zum 4. September zu besichtigen. Der Kunstbau des Lenbachhauses hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein umgangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 32 Euro kostet.

Kontakt:

Kunstbau Lenbachhaus

U-Bahnhof Königsplatz

DE-80333 München

Telefax:+49 (089) 23 33 20 03

Telefon:+49 (089) 23 32 00 00

E-Mail: lenbachhaus@muenchen.de



15.08.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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