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Max Weiler als Zeichner in der Wiener Albertina

Kunst ist Natur



Der hundertste Geburtstag von Max Weiler war bereits im vergangenen Jahr Anlass für eine Reihe von Präsentationen, die den Maler und Zeichner aus Tirol würdigten. Eröffnet wurde der Ausstellungsreigen mit der Schau „Max Weiler – Die Natur der Malerei“ im Klosterneuburger Essl Museum. Es folgte eine Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, die sich vor allem auf die Werke konzentrierte, die der Künstler für den öffentlichen Raum schuf. Aktuell präsentiert die Albertina in Wien in einer groß angelegten Schau das grafische Werk Max Weilers und stellt dazu 180 seiner zeichnerischen Arbeiten vor – von einem frühen Selbstportrait in Kohle auf Papier aus dem Jahr 1930 bis zu einem Wachskreiden-Diptychon vom 21. Januar 2001, das noch wenige Tage vor seinem Tod entstand.


Vorausgegangen ist dieser Retrospektive ein Forschungsprojekt. Seit gut vier Jahren arbeitet die Kunsthistorikerin Regina Doppelbauer im Rahmen der Albertina an der Dokumentation und Digitalisierung des grafischen Œuvres von Max Weiler. Bis 2013 soll das Werkverzeichnis mit 3500 in einer Online-Datenbank erfassten Objekten Publikum und Wissenschaft zur Verfügung stehen. Ein ambitioniertes Projekt, denn Max Weiler ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit vor allem als Maler und hauptsächlich in der österreichischen Kunstgeschichte verankert.

Der erstmals erarbeitete große Überblick ermöglicht es der Albertina, aufbauend auf den rund 100 Werke aus eigenem Besitz, einen bemerkenswerten Querschnitt aus den siebzig Jahren Schaffenstätigkeit auszuwählen und Weilers zeichnerische Entwicklung zu verfolgen. Überblickt man dessen Gesamtwerk, so ist signifikant, dass bereits auf die frühen Zeichnungen bestimmte individuelle Charakteristika der künstlerischen Mittel und des durch sie bewirkten Ausdrucks zutreffen, wie die inselhaften Strichsetzungen und die breite Palette von Grauabstufungen, die für seine spätere Werke typisch werden.

Max Weiler wird 1910 in Absam bei Hall in Tirol geboren, besucht die Zisterzienser- und Franziskanergymnasien in Mehrerau bei Bregenz und in Hall und maturiert 1929 an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. 1930 beginnt er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1933 wird er in die Meisterklasse von Karl Sterrer aufgenommen und 1936 mit dem Akademischen Studienpreis ausgezeichnet. Der damalige Rektor Clemens Holzmeister beauftragt den 27Jährigen, an der künstlerischen Ausgestaltung der Österreich-Kapelle im päpstlichen Pavillon der Weltausstellung in Paris 1937 mitzuarbeiten. Das Projekt wird durch die Annexion Österreichs an das Deutsche Reich verhindert. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht arbeitet Weiler zeitweise als Hilfslehrer. 1939 wird er gemustert und für tauglich befunden. Um nicht einrücken zu müssen, tritt er der NSDAP bei. Im selben Jahr entsteht ein „Selbstbildnis“, dem er den Untertitel gibt „Über mir ist der Himmel dunkel“.

Im Frühling 1942 wird Max Weiler dennoch als Gefreiter zur Deutschen Wehrmacht einberufen. Seine Division ist im Raum Belluno-Tarvisio, später in Istrien stationiert. Auch in dieser Zeit entstehen Zeichnungen, in denen er seine Eindrücke während des Zweiten Weltkriegs festhält. Weihnachten 1944 fasst er diese Arbeiten zu einem Mappenwerk zusammen und lithografiert sie. Der inneren Zerrissenheit des Künstlers und seinem Arrangement mit dem Nationalsozialismus schenkt die Albertina leider nur wenig Beachtung – eine verpasste Gelegenheit der Aufarbeitung. 2004/2005 hatte das Heeresgeschichtliche Museum in Wien mit der Ausstellung „Krisenjahre. Max Weiler und der Krieg“ der Thematik sogar eine eigene Ausstellung gewidmet.

Unmittelbar nach Kriegsende trifft Weiler, nachdem er sich noch vor der Kapitulation von seiner Einheit hat absetzen können, in Gerlos bei seiner Familie ein und nimmt seine künstlerische Tätigkeit wieder auf. Die in Öl gemalten Landschaften und Blumenstillleben der Jahre 1945 und 1946 zeichnen sich durch eine kräftige Farbigkeit, starke Kontraste und ein offene, dynamische Pinselschrift aus. Wichtig für seine künstlerische Biografie sind aber vor allem die öffentlichen Wandbilder, die Weiler zwischen 1945 und 1947 für die Theresienkirche in Innsbruck malt und die im Zentrum heftiger Kontroversen stehen. Nach der auf das monumentale, öffentliche Werk konzentrierten Phase, in der die Zeichnung eine zuarbeitende Rolle einnimmt, entwickelt Weiler sie zunehmend als selbstständiges Medium weiter. In Bleistift- und Tuschearbeiten, die motivisch und im Aufbau eine Nähe zur zeitgleichen Malerei aufweisen, versucht Weiler die Bildräume zu dynamisieren.

An diesem Punkt expansiver Raumerweiterung hält Max Weiler jedoch inne. Die nun gerade auch in den Zeichnungen einsetzende Beruhigung zeugt von einer grundlegenden Neustrukturierung seines Bildraums, die in engem Zusammenhang mit internationalen Begegnungen des Künstlers steht. 1949 reist Max Weiler mit einem Stipendium des Kulturinstituts nach Paris und besucht dort die Maler Nicolas de Staël, Alfred Manessier und Léon Gischia. „Diese große französische Kunst ... was ich bei denen, Braque, Matisse, Manessier, gelernt habe, war mir ungeheuer wertvoll, den Wert der Fläche, das Gegeneinander der Farbe, die Abgrenzung der Flecken, die Freiheit der Zeichnung, die Freiheit der Farbe“, reflektiert Max Weiler Jahrzehnte später. In der Folge löst Weiler die Einheit des dreidimensionalen Raumes auf. Er begreift das Blatt nicht mehr als Illusionsraum, sondern als Fläche und fügt Elemente aus der Natur kaleidoskopartig und in überraschende Anordnungen wieder zueinander. Großes und Kleines wird unter einem einheitlichen bildinternen Maßstab verschmolzen.

Weilers reife Zeichenkunst beginnt mit dem Ende der 1960er Jahre. Zu einer zentralen Inspirationsquelle werden seine wohl nachträglich so bezeichneten „Probierblätter“, Arbeitspapiere aus dem Atelier, auf denen er überschüssige Farbe abstreifte und Farbmischungen ausprobierte. Aus den ohne Gestaltungsabsicht entstandenen Formen und Farbkompositionen schneidet er kleine Ausgrenzungen aus und setzt sie teils stark vergrößert in neue Werke um. Bis 1967 verfolgt Weiler auch die Tuschpinselzeichnung intensiv und mit über zweihundert Arbeiten weiter. Diese große Gruppe, von der die Ausstellung mehrere bemerkenswerte Blätter vorhält, entsteht parallel zu jenen ab 1962 entwickelten Gemälden des Zyklus „Wie eine Landschaft“.

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gelingt Max Weiler eine bemerkenswerte Gruppe von zum Teil sehr großen Zeichnungen, bei der er Kohle oftmals mit Wachskreiden kombiniert. Diese Zeit stellt auch für ihn selbst eine besonders produktive Phase seines zeichnerischen Tuns dar: „Strichwesen sind es, die ich zeichne: Übereinstimmung der Technik mit meiner Idee. Dies ist auch der Gegenstand. Das Machen, der Traum und der Gegenstand sind eins.“ In diesen Arbeiten wählt Weiler frei aus seinem erarbeiteten Instrumentarium, um den Ideen von Naturgewalten, von Himmel, Luft und Regen, von Landschaftlichem und Pflanzlichem, von Wachsen und Verschwinden Gestalt zu verleihen.

1985 widmet sich der inzwischen 75jährige erneut dem großen Format. In seiner friesartigen, zehn Meter langen und auf grundierter Leinwand gearbeiteten Kohlezeichnung „Naturgebild“ gestaltet er eine dicht verwobene, labyrinthische Landschaft aus zarten Linien, auf der sich hauchdünne Grafismen immer wieder zu größeren Formationen zusammenballen. Michael Semff bezeichnet das Werk in seinem Katalogbeitrag als „Abschluss und Zusammenfassung von Max Weilers grafischen Arbeiten mit jenen natürlichen Strukturen, die er aus dem Leben der Farbe, ihren nassen Rinnsalen und Trocknungsspuren gewinnen konnte“. Spannend in diesem Zusammenhang wäre eine museale Gegenüberstellung der Werke Weilers mit denen des informellen Bernard Schultze, dessen Arbeiten 1984, ein Jahr vor Fertigstellung von „Naturgebild“, in einer Einzelausstellung in der Albertina zu sehen waren.

Biografisch ist Weilers große Zeichnung mit einer persönlichen Zäsur verbunden: dem Tod seiner ersten Frau Gertraud am 17. August 1985, auf den er im Werk verweist. In der Folge reduziert er sein zeichnerisches Tun auf das Arbeiten mit Tusche. Diesem Rückzug der Zeichnung steht aber noch einmal eine intensive malerische Tätigkeit gegenüber. 1986 beginnt die Zusammenarbeit Weilers mit der Kuratorin Yvonne Fahlström, die 1991 seine Frau wird. Noch einmal entstehen Arbeiten in monumentaler Größe, die auch im öffentlichen Raum Platz finden. Im Jahr 1994 lässt Weiler das große Format hinter sich. Auf Papieren mittleren und kleineren Formats gelingen ihm noch einmal naturnahe Setzungen von ungegenständlichen Flächen und Linien, die sich immer entschiedener an die obere Bildkante drängen, als wollten sie aus der Fläche herauswachsen.

Die Ausstellung „Max Weiler. Der Zeichner“ ist noch bis zum 16. Oktober zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 8 respektive 7 Euro. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



15.08.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


10.06.2011, Max Weiler. Der Zeichner

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Max Weiler










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