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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Das Clemens-Sels-Museum in Neuss zeigt die ererbte Kunstsammlung seiner ehemaligen Direktorin Irmgard Feldhaus

Erträge einer Leidenschaft



Die Zahl Museumskunsthistoriker, die auch privat ohne merkantile Intentionen Kunst sammeln, ist in den letzten Jahrzehnten verschwindend klein geworden. Vor wenigen Jahren gaben in einer allerdings nicht repräsentativen Umfrage eines Fachmagazins sämtliche ausgewählte, ausschließlich führende deutsche Museumsleiter an, keine Kunstwerke zu Hause an den Wänden zu haben. Den Abstand halten, die Urteilsfähigkeit zu bewahren, andere private Vorlieben lauteten die Gründe. Die Tätigkeit in der Kunstbranche wird immer mehr als Job, nicht mehr als Beruf verstanden. Museumsleute alten Schlages war dagegen fast immer ein fließender Übergang zwischen beruflichen und privaten Professionen zueigen, mit übergreifenden Freundschaften und Beziehungen. Dies erleichterte oft die Umsetzung vieler Vorhaben. Doch die Zeiten, in denen der Kenner, Wissenschaftler, Enthusiast sich voll und ganz der Kunst hingab, scheinen vorbei.


Die Neusser Kunsthistorikern Irmgard Feldhaus war eine in der vermeintlich „guten alten Zeit“ verortete Kunsthistorikerin. Der 1920 geborene Spross einer dort ansässigen Fabrikantenfamilie, die von 1860 bis 1984 die Novesia Schokoladenfabrik P. F. Feldhaus betrieb, studierte nach dem Abitur 1939 in Berlin und München Kunstgeschichte und Archäologie. Noch im April 1945 wurde sie promoviert, als letzte in der untergehenden Diktatur. Politisch unbelastet, fand sie dann sofort eine Beschäftigung in der Düsseldorfer Kunstschutzabteilung, wo ihr die Rückführung ausgelagerten rheinischen Museumsgutes oblag. Schon 1949 wurde sie mit der Leitung des Neusser Städtischen Museums betraut, eine Aufgabe, der sie sich bis 1985 engagiert, mit Hingabe und viel Weitblick widmete.

Es waren Jahrzehnte der Bescheidenheit, aber auch der Möglichkeiten und Gestaltungsfreiräume. Trotz schon damals notorischer Finanzknappheit gelang es Irmgard Feldhaus nicht nur, eine ausgesuchte Kollektion aufzubauen, sondern auch das Domizil, das ehemalige Neusser Obertor, durch einen 1975 eröffneten Neubau zu erweitern, dessen Pläne Harald Deilmann erstellte. Um sich von den Beständen benachbarter Museen vor allem in Köln und Düsseldorf abzusetzen, setzte sie eigene Schwerpunkte. Der rheinische Expressionismus, vor allem Jan Thorn Prikker, der Symbolismus und die damals noch belächelten modernen Primitiven standen im Fokus ihrer Interessen. Mit Geschick betrieb sie kenntnisreich und visionär ihre Ankaufspolitik. Ohne Ratsbeschluss ersteigerte sie beispielsweise Anfang der 1980er Jahre Odilon Redons „Wagen des Apoll“. Vom Kulturamtsleiter zur Rede gestellt, antwortete sie: „Wenn ihr den nicht nehmt, nehm’ ich ihn halt.“

Irmgard Feldhaus konnte es sich in ihrer finanziellen Unabhängigkeit leisten, privat zu sammeln. Zahlenmäßig am umfangreichsten war ihre druckgrafische Kollektion, der sie sich nach ihrer Pensionierung 1985 widmete. In aller Stille und Bescheidenheit trug sie kulturhsitorisch wichtige Blätter zusammen, sagte dazu „Wissen Sie, ich sammele da so Bildchen…“ und schenkte die über 5.000 Stücke der Stadt Neuss. In einer Dependance des Clemens-Sels-Museums auf der ehemaligen Raketenstation nahe der Museumsinsel Hombroich, in dem von Per Kirkeby geplanten „Feld-Haus“, firmiert sie heute als Museum für populäre Druckgrafik. Das Domizil wurde an ihrem 90. Geburtstag am 21. Februar 2010 eröffnet.

Schon wenige Monate später, am 8. August 2010, verstarb Irmgard Feldhaus in ihrem Elternhaus in Neuss, in demselben Zimmer, in dem sie 1920 das Licht der Welt erblickte. Noch einmal durfte das Museum von der Generosität partizipieren, die der ehemaligen Direktorin zueigen war. Ein Großteil ihrer über 160 Positionen zählenden privaten Kunstsammlung vermachte sie testamentarisch „ihrem“ Clemens-Sels-Museum. Unter den 52 erlesenen Stücken sind neben Malerbüchern, Mappenwerken, illustrierten Büchern, Holzschnitten, Lithografien, Radierungen auch hochkarätige Gemälde. Alle Werke zusammen werden auf die Summe von 1,6 Millionen Euro beziffert.

Im Rahmen einer Hommage an seine ehemalige Chefin präsentiert das Neusser Museum nun alle Werke zusammen in einer in die ständige Schausammlung integrierten Zusammenstellung. Glanzstück der Auswahl ist das Gemälde „Die Marquise“ von James Ensor aus dem Jahr 1911. Fast 100 Jahre nach seiner Entstehung gelang dieses Werk nun erstmals in eine öffentliche Sammlung. Im Jahr 1955 hatte es Irmgard Feldhaus im Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer ersteigert. Unter den weiteren Stücken findet der Besucher Heinrich Campendonks Aquarell „St. Nikolaus“ aus dem Jahr 1932, Max Beckmanns Mappe „Jahrmarkt“ von 1921, Bruno Gollers 1992 geschaffene Gemälde „Frau mit Hut“ oder herausragende französische Künstlerbücher wie Marc Chagalls Bibel-Illustrationen sowie „Jazz“ von Henri Matisse.

In Museumsbesitz übergegangen sind darüber hinaus Arbeiten von Aristide Maillol, Maurice Denis, Henri Evenepoel, Fernand Léger, William Blake, Josef Albers, Günter Fruhtrunk, Gerhard Kadow, Victor Vasarely oder Adalbert Trillhaase, dem „deutschen Rousseau“. Vor allem aber die Lebens- und Arbeitsprinzipien der klugen Sammlerin sollte man allen heute im Kunstbereich Tätigen ins Stammbuch schreiben: „Was wächst, macht keinen Lärm“ und „Ein Punkt, den man künstlich aufbläst, gibt´ne Null“. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Die Ausstellung „Von Ensor bis Matisse. Hommage an Irmgard Feldhaus (1920-2010)“ ist noch bis zum 14. August zu sehen. Das Clemens-Sels-Museum hat dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, für Familien 10,50 Euro. Der Katalog kostet 19,90 Euro.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: service@clemens-sels-museum-neuss.de



20.07.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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