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Das Düsseldorfer Museum Kunst Palast ruft nach Jahrzehnten wieder das reiche Werkschaffen von Johan Thorn Prikker in Erinnerung

Intermedialer Facettenreichtum



Jan Thorn Prikker, Die Braut, 1892/93

Jan Thorn Prikker, Die Braut, 1892/93

Dafür, dass Jan Thorn Prikker als einer der markantesten Gestalten der Kunst um 1900 gilt, hat sich seine Reputation und Würdigung nicht wie bei anderen großen Alterskollegen in adäquater Weise entfalten. Vielleicht mag dies an der extensiven, zwischen künstlerischen Disziplinen und vielen Wohn- und Schaffensorten pendelnden, lebenslangen Suche nach einer künstlerischen Sprache liegen. Folglich gestaltet sich der Rundgang durch sein Œuvre im Museum Kunst Palast zu einem derart universal ausgerichteten Parcours, wie ihn Ausstellungsbesucher nur selten bei Retrospektiven erfahren. So trifft man unter den rund 140 Exponaten in Düsseldorf auf Gemälde, Aquarelle, Mosaike, Möbel unterschiedlicher Art, Glasfenster, Textilobjekte von Paramenten über Kissenmuster oder auch Gardinendesigns, Bucheinbände, Teppichmuster, Entwürfe für große Wandbilder, Intarsienarbeiten und Plakate. Dieses kunterbunte Kaleidoskop von Thorn Prikker ist zudem vielfältig stilistisch ausprägt und gestalterisch variationsreich.


Als „Künstler im Dienst der Gesellschaft“ verstand sich Johan Thorn Prikker, einem Begehr, dem er seine frappante Experimentierfreude unterordnet. Als Vertreter einer sozial engagierten Kunst verknüpfte er diese mit religiösen und politischen Perspektiven. Obgleich Niederländer, verbrachte der Zeitgenosse von Johannes Lauweriks, Kees van Dongen, Theo van Doesburg oder Piet Mondrian den Großteil seines Lebens in Deutschland. Geboren am 6. Juni 1868 in Den Haag, kam er in der Werkstatt seines Vaters, einem Kunstglaser, Dekorationsmaler und Farbenhändler schon früh mir der Kunst in Berührung. Seine eigene künstlerische Laufbahn begann er 1881 mit dem Studium der Malerei an der Kunstakademie seiner Heimatstadt, die ihn 1887 wegen „unordentlichen Betragens“ ausschloss. Trotz seines Rufes als „Querkopf“ konnte er sich in den Folgejahren mit Gemälden, Zeichnungen, zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen und Aufträgen für Innenausstattungen als ernstzunehmender Künstler etablieren.

1904 verlagerte Jan Thorn Prikker seine Aktivitäten ins Rheinland. Hier nahm er eine Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule in Krefeld auf und bezog ein schmuckes, von Joseph Maria Olbrich entworfenes Atelierhaus. Schon 1910 ging er auf Einladung von Karl Ernst Osthaus weiter nach Hagen, wo er unweit des Hohenhofes in der Künstlerkolonie „Am Stirnband“ in einem von Lauweriks gestalteten Haus lebt. Genau zehn Jahre später wurde Thorn Prikker zum Leiter der Klasse für Glasmalerei an der Kunstgewerbeschule München ernannt, doch seinen privaten Wohnsitz verlegte er nach Überlingen am Bodensee. 1923 nahm er die Stelle eines Lehrers für Monumentalkunst an der Düsseldorfer Kunstakademie an und schon drei Jahre später wechselte er auf die Position des Leiters der Klasse für Mosaik, Glasmalerei und Wandbild an die Kölner Werkschulen. Am 5. Mai 1932 verstarb der rastlose Künstler in Köln.

Sein Nachlass, für den zusätzlich weitere Arbeiten angekauft wurden, gelangte 1949 ins Krefelder Kaiser Wilhelm Museum. Im selben Jahr widmete ihm der legendäre Museumsdirektor Paul Wember eine umfassende Retrospektive. 1966 erschien dann der umfassende Bestandskatalog. Erst jetzt nach Jahrzehnten rückt nun in Deutschland Johan Thorn Prikker wieder mit der großen Düsseldorfer Werkschau in den Fokus des interessierten Publikums. Dabei handelt es sich um die reduzierte Ausgabe einer zuvor im Rotterdamer Museum Boijmans van Beuningen ausgerichteten umfangreicheren Schau.

Abgedunkelt altbacken, teils impressionistisch pastos und getupft zeigen sich Jan Thorn Prikkers frühe Gemälde aus den beginnenden 1890er Jahren. In seltsamen Kontrast zu seinem teils hitzigen Auftreten steht die Zartheit vieler Arbeiten. „Die Braut“ und „Madonna im Tulpenfeld“, zwei um 1892/93 gemalte Bilder, gehören nicht nur zu den herausragenden Werken des erst 24jährigen, sondern zählen zugleich zu den bedeutendsten Kunstwerken des niederländischen Symbolismus. Die von Traum und Ekstase durchdrungenen Inhalte sind eine Synthese aus Figuration und suggestiver Abstraktion von sensiblen Linien und juwelenartigen Farben. In die Jahre um 1904 datieren nachimpressionistisch gehaltene Zeichnungen, die augenscheinlich Einflüsse Vincent van Goghs und Paul Signacs demonstrieren.

Als einer der ersten Künstler überhaupt widmet sich Thorn Prikker ab 1895 Experimenten in der Batiktechnik. Hinzu kommen viele Entwürfe für Dekostoffe, Lampenschirme, Raummöblierungen. Mit Henry van de Velde kreiert er Innengestaltungen, bei denen mittelalterliche Mystik, theosophische Vorstellungen, Jugendstilmotive mit Elementen der englischen Arts und Crafts-Bewegung verschmelzen. Besonders hier offenbart sich seine herausragende kreative Energie. Monumentalarbeiten Mosaike, Glasfenster und Wandbilder stehen in der Tradition des Strebens nach dem Gesamtkunstwerk sowie den Intentionen, Kunst und Handwerk miteinander zu vereinen.

Obwohl protestantisch getauft, steht Johan Thorn Prikker verschiedenen Glaubensrichtungen offen gegenüber. Neben Paramenten oder liturgischen Gerätschaften entwirft er hauptsächlich für die katholische Kirche im Rheinland viele Glasfenster. Ein besonderer Höhepunkt der Retrospektive stellt eine abgedunkelte kapellenartige Raumeinheit dar, in dem mehr als 20 von hinten hell beleuchtete Originalfenster eingelassen sind, darunter das „Ecce Homo-Fenster“ für die Dreikönigenkirche in Neuss aus dem Jahr 1913 oder die 1927 geschaffene Scheibe „Blutendes Herz“. Ab 1925 weisen viele auch für private Auftraggeber geschaffene Glasfenster in prächtiger, intensiv strahlender Farbgebung den Übergang zu einer abstrakten, modernen Formensprache in expressionistischen, teils geometrisch-konstruktivistischen Versionen.

Großformatige Entwürfe für monumentale Wandbilder beherrschen dann die Mittelwände der großen Galerie im Museum Kunst Palast, darunter eine Konzeption von 1917/18 für das neue Rotterdamer Rauhaus. „Hafenarbeiter“ lautet der Titel des über drei mal vier Meter großen, aber nie ausgeführten Werks. Trotz der expressionistisch gezackten Linienführung lässt Thorn Prikker aber Bestrebungen zu einer eher freieren Komposition und Linienführung erkennen. Intarsienkästchen, Plakate, Mosaike, Zeichnungen und vor allem von der Textilindustrie der einstigen Samt- und Seidenstadt Krefeld in Auftrag gegebene kunstgewerbliche Entwürfe runden den Rundgang ab. Unter den zahllosen Webereien und Stickereien ist der Entwurf für den Wandbehang „Eselshaus“ aus dem Jahr 1909 hervorzuheben. Als abstrahierte Webvorlage aus Farbwürfeln zusammengesetzt, stellt er ein Mädchen dar, das in eine Eselshaut gehüllt ist.

Ein großer Teil des quantitativ immensen Schaffens besteht aus nicht transportablen, objektgebundenen Arbeiten. In situ fest verankert, setzen sie enge Grenzen für Thorn Prikkers Werkschauen. Das größte Exponat ist damit der Düsseldorfer Kunstpalast selbst. Anlässlich der Messe für Gesundheit, Soziales und Leibesübungen, kurz „GeSoLei“, im Jahr 1926 nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis im rheinischen Bachsteinexpressionismus errichtet, birgt die Gebäudegruppe mehrere Hinterlassenschaften Thorn Prikkers. Integriert in den antikisierenden Tortempel sind die rund sechs mal zehn Meter großen Mosaike „Tag“ und „Nacht“. Sie dokumentieren den Höhepunkt der formalen und motivischen Auseinandersetzung des Künstlers mit der ornamentalen Monumentalkunst. Der Tag wird durch eine rhythmisierte Bewegungsstruktur charakterisiert, die Nacht durch explosionsartige Formauflösung. Abstrakt-geometrisch gestaltet ist auch das 35teilige Glasfenster im Treppenhaus des Kunstmuseums, dessen gelbgraue Farbabstufungen und auf- wie absteigende Formen zwischen Neuer Sachlichkeit und expressiver Kraft oszillieren.

Wichtiger Bestandteil der Schau ist zudem ein Booklet, in dem 20 Orte in der näheren Umgebung Düsseldorfs vorgestellt werden. Hier sind vorwiegend Kirchen und öffentliche Gebäude verzeichnet, an dessen künstlerischer Gestaltung Jan Thorn Prikker maßgeblich mitwirkte. Viele weitere Werke harren der Entdeckung und Restaurierung, die sich vielerorts bereits abzeichnet. Das Werkschaffen Johan Thorn Prikkers wird also weiter aktuell bleiben und in den Niederlanden und Deutschland auch künftig zu neuen Entdeckungen einladen.

Die Ausstellung „Johan Thorn Prikker. Mit allen Regeln der Kunst. Vom Jugendstil zur Abstraktion“ ist bis zum 7. August zu besichtigen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museumsshop 36 Euro kostet, sowie ein kostenloses Booklet.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



06.07.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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26.03.2011, Johan Thorn Prikker - Mit allen Regeln der Kunst. Vom Jugendstil zur Abstraktion

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Museum Kunst Palast

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100 Jahre Museum Kunst Palast

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Jan Thorn Prikker, Fischfenster, 1928
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Jan Thorn Prikker, Die Braut, 1892/93
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Jan Thorn Prikker, Blutendes Herz, 1922-1928
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Jan Thorn Prikker, Heuschrecken, 1903/1904
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Jan Thorn Prikker, Intarsienkästchen, um 1925
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Jan Thorn Prikker, Lautenspielerin, 1914
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Jan Thorn Prikker, Fischfenster, 1928

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Jan Thorn Prikker, Blutendes Herz, 1922-1928

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Jan Thorn Prikker, Heuschrecken, 1903/1904

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Jan Thorn Prikker, Intarsienkästchen, um 1925

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Jan Thorn Prikker, Lautenspielerin, 1914

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Jan Thorn Prikker, Glasfenster, 1926

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