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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Alpha-Sammler im Dialog: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen Spitzenwerke zeitgenössischer Kunst aus den deutschen Privatsammlungen Falckenberg und Olbricht

Die Kunst der Provokation



Dirk Luckow mit Thomas Olbricht und Harald Falckenberg

Dirk Luckow mit Thomas Olbricht und Harald Falckenberg

In den Hamburger Deichtorhallen steht zur Zeit ein blank polierter Stahltresor des Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset. Ob in dem gut verschlossenen Ding tatsächlich Bargeld enthalten ist, weiß wohl nur sein Besitzer. Der darauf angebrachte Schriftzug „The Private Museum“ allerdings darf als ironische Anspielung auf die aktuelle Ausstellung „Zwei Sammler“ gelesen werden. Zwei der mächtigsten deutschen Privatsammler präsentieren rund 220 Werke von über 100 internationalen Künstlern in der öffentlichen Institution Deichtorhallen. Der eine ist in Hamburg sehr bekannt: Harald Falckenberg, Jahrgang 1943, der bereits seit 2001 das Privatmuseum Phoenix Kulturstiftung in Hamburg-Harburg betreibt. Der Jurist und Unternehmer für zivile und militärische Betankungssysteme kooperiert seit Januar 2011 mit den Deichtorhallen und stellt seine Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung. Das Konzept, seine überwiegend in den letzten 15 Jahren zusammengetragene Sammlung mit Werken aus anderen Privatsammlungen zu konfrontieren, hat er bereits mehrfach in seinem privaten Ausstellungshaus durchexerziert. Diesmal trifft seine laut Selbstaussage dem Grotesken, Subversiven, Politischen und Provokativen verhaftete Sammlung auf die Olbricht Collection. Thomas Olbricht, Jahrgang 1948, betreibt ebenfalls ein privates Kunstmuseum auf mehreren Etagen: den 2010 eröffneten „me Collectors Room“ in der Berliner Auguststraße. Auch der Essener Mediziner bevorzugt laute, emotional besetzte Themen wie Krankheit, Tod, Sexualität und Starkult. Als einer der Erben des mittlerweile verkauften, milliardenschweren Kosmetikkonzerns Wella verfügt Olbricht über die nötigen Mittel, um seiner Sammelleidenschaft ausgiebig zu frönen.


Deichtorhallenintendant Dirk Luckow stand eine Auswahl von rund 5000 Kunstwerken zur Verfügung. Kontrast und Verzahnung, Bündelung und Konfrontation, heißt die Devise. Zeitgenössische Künstler, die den Ausstellungsbetrieb und den Kunst- und Auktionsmarkt seit den 1990er Jahren dominiert haben, tauchen mit Schlüsselwerken auf: Olbricht steuert Manga-Figuren des japanischen Kunstmarktstars Takashi Murakami bei, Falckenberg exhibitionistische Riesenstinktiere von Paul McCarthy. Ein drastisches Gemälde mit Totenkopf von Damien Hirst und clowneske Selbstinszenierungen von Cindy Sherman stammen wiederum aus der Sammlung Olbricht. Große, teure Namen überwiegen, daneben ein paar Unbekannte, die sich nahtlos einfügen.

Dirk Luckow stellte für die Schau monothematische Räume zusammen mit oft allzu nachvollziehbaren formalen Verbindungslinien. Ausstellungserprobte Museumsgänger dürften Raumbezeichnungen wie „Tiermenschen“, „Deutsche Wirklichkeit“ oder „Unter die Haut“ rasch als übertrieben pädagogisch empfinden. Auch eine „Dunkelkammer“ gibt es. Sie widmet sich dem Themenkomplex Tod und Vergänglichkeit. Hier trifft Martin Kippenbergers gekreuzigter Holzfrosch aus der Sammlung Falckenberg auf eine Darstellung des Gekreuzigten von George Condo und die schwarze Bronzeskulptur eines elektrisch verkabelten Abu-Ghuraib-Folteropfers von Marc Quinn aus der Sammlung Olbricht.

Provokant, politisch, ironisch, sensationell oder doch nur effekthascherisch? Die Sammlung Falckenberg, das ist gerade in Hamburg bekannt, basiert nicht zuletzt auf einer intellektuellen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. Harald Falckenberg publiziert regelmäßig über kunstimmanente Themen sowie die Rolle des Privatsammlers. Er erhielt 2008 sogar eine Professur für Kunsttheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Thomas Olbricht gilt mit seiner Vorliebe für existenzielle Themen, aber auch seinem Hang zum Glamour und häufig allzu eklektizistischen Zusammenstellungen als selbstverliebter Solitär im Kunstbetrieb. Gerade die Verknüpfung beider letztlich doch sehr kunstmarktaffinen Sammlungen dürfte unterschiedlichste Emotionen auslösen: von vorbehaltloser Begeisterung bis hin zur radikalen Ablehnung.

Kurator Dirk Luckow hat, sicherlich nicht ohne schelmische Hintergedanken, noch eine kleines Kabinett mit angeblich nicht jugendfreier Kunst eingerichtet: Kein Zutritt unter 18 Jahren. Hier findet man dann einige, in der Kunst durchaus übliche, freizügige Darstellungen bis hin zu einem eher harmlosen Video, in dem der übergewichtige dänische Künstler Peter Land quietschvergnügt und splitterfasernackt zu mexikanischer Musik tanzt. Das ist genau die Prise Ironie, die insbesondere die Sammlung Falckenberg wie ein roter Faden durchzieht. In den Deichtorhallen, direkt am Eingang zur Hafencity, bekommen jetzt beide Extremsammler ihre große Bühne – und zeigen einmal mehr, dass die Definitionsmacht darüber, was heute sammelwürdig ist, längst von den zum Darben verurteilten Museen an die finanzkräftigen Privatsammler abgetreten worden ist.

Die Ausstellung „Zwei Sammler. Thomas Olbricht und Harald Falckenberg“ ist bis zum 21. August zu sehen. Die Deichtorhallen haben täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 56seitige Katalog ist im Snoeck-Verlag erschienen und kostet 14,80 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



01.07.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


24.06.2011, Zwei Sammler. Thomas Olbricht und Harald Falckenberg

Bei:


Deichtorhallen Hamburg

Variabilder:

John Isaacs, Untitled (What makes certain), 1995
John Isaacs, Untitled (What makes certain), 1995

Variabilder:

in der Ausstellung
 „Zwei Sammler – Thomas Olbricht und Harald Falckenberg“ Deichtorhallen Hamburg, 2011
in der Ausstellung „Zwei Sammler – Thomas Olbricht und Harald Falckenberg“ Deichtorhallen Hamburg, 2011

Variabilder:

Dirk Luckow mit Thomas Olbricht und Harald Falckenberg
Dirk Luckow mit Thomas Olbricht und Harald Falckenberg







John Isaacs, Untitled (What makes certain), 1995

John Isaacs, Untitled (What makes certain), 1995

in der Ausstellung „Zwei Sammler – Thomas Olbricht und Harald Falckenberg“ Deichtorhallen Hamburg, 2011

in der Ausstellung „Zwei Sammler – Thomas Olbricht und Harald Falckenberg“ Deichtorhallen Hamburg, 2011




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