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Das Kölner Museum Ludwig stellt das Werk der lettisch-amerikanischen Künstlerin Vija Celmins vor

Poesie der Farbe Grau



Ausradierte helle Linien bahnen sich ihren Weg im mattgrauen Staub der dunkel-weichen Kohlewolken. Vor einem anthrazitfarbenen Grund hebt sich zart und zurückhaltend ein Spinnennetz hervor, das wie an den Blattkanten aufgespannt scheint und so die Fläche des Papiers betont. Die 1938 in Riga geborene und heute in New York lebende Künstlerin Vija Celmins entdeckte das Motiv in den 1990er Jahren und nahm es in ihr Repertoire auf. Sie näherte sich ihm viele Male auf eine immer neue Weise: Sie zeichnete und radierte mit Kohle auf Papier, arbeitete mit Grafit oder bediente sich der Technik des Mezzotinto, einem Tiefdruckverfahren, bei dem die gesamte Oberfläche der Platte mit Schaber und Polierstab so bearbeitet wird, dass es eine Herausarbeitung des Bildes aus der Fläche ermöglicht und zu einem samtartigem Ergebnis führt. Der Bildgegenstand an sich, das Spinnennetz, wird bei solchen Überlegungen eigentlich zweitrangig. Das Entscheidende ist die Konzentration auf das Material und den Herstellungsprozess.


Dies ist ein charakteristischer Zug der Arbeiten Celmins. Das Werk „Ocean: 7 Steps #1“ macht dies besonders deutlich: Es ist ein Panorama aus sieben, direkt aneinandergesetzten Darstellungen einer Meeresoberfläche, die jedes Mal mit einem anderen Bleistift gezeichnet wurden und so unterschiedliche Helligkeitsgrade aufweisen. Celmins führt ihr Experimentieren mit dem Material dem Betrachter hier deutlich vor Augen. Seit den 1960er Jahren fokussiert sich Vija Celmins auf einige wenige Motive. Die Spinnennetze traten zu den Meeresoberflächen, zu Wüstenlandschaften und Sternenhimmeln hinzu. In stets neuen Differenzierungen und unterschiedlichen Techniken kehren die gleichen Bildsujets immer wieder zurück und lassen die Wirklichkeit in den verschiedenen Nuancen vor dem Auge des Betrachters neu entstehen. Jenen vier Motiven widmet das Kölner Museum Ludwig nun eine Schau. In 60 Arbeiten, Zeichnungen, Gemälden und vor allem Druckgrafiken, widmet das Museum auf der Domplatte eine umfassende Einzelausstellung einer Künstlerin, die in Europa noch immer recht unbekannt und selten gezeigt ist.

In Lettland geboren muss Celmins bereits im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern vor den heranziehenden russischen Truppen fliehen. Ihre Familie zieht zunächst nach Deutschland, wenig später siedeln sie in die USA über. In Indianapolis kann Vija Celmins die Kunsthochschule besuchen und erhält 1961 ein Stipendium für die Yale Summer School, wo sie auf Künstler wie Brice Marden, David Novros und Chuck Close trifft. Sie beschließt Malerin zu werden, und ihre Arbeiten werden schon kurze Zeit später wahrgenommen. 1969 wendet sie sich von der Malerei ab und beginnt zu zeichnen. „Ich habe mich von der Malerei befreit und benutze nur noch Papier und Bleistift – das absolut Wesentliche“ sagt sie selbst. In den folgenden Jahren entstehen einige Variationen des Sternenhimmels, wie beispielsweise die Serie „Coma Berenices“ von 1973/74. Dunstige Übergänge lassen jegliches Gefühl für die Bildtiefe verschwinden. In schwarzen Bodenlosigkeiten blitzen vereinzelte Lichtpunkte auf. Ausgegangen ist die Künstlerin dabei von Fotografien aus Fachzeitschriften. Dies sind ihre Vorlagen, die sie in einem langwierigen Prozess reproduziert oder besser nachvollzieht und durcharbeitet. Die schwarzweißen Lichtbilder sind weniger inhaltliche Anregung, als eine Inspiration für Formen und Tönungen der Werke.

Anhand der Sternenbilder lässt sich außerdem gut eine Entwicklung ablesen, die Celmins im Laufe ihres Schaffens vollzieht. Anfang der 1970er Jahre benutzt sie vor allem Bleistifte in verschiedenen Stärken. Dann werden die Zeichnungen insgesamt schwerer und massiger, wie „Holding on to the Surface“ von 1983, das wie mit Blei beladen scheint. Der Wunsch nach Volumen und Ausdehnung manifestiert sich im Folgenden besonders in den schweren Kohlezeichnungen und dichten Ölbildern. In der Arbeit „Night Sky #15“ von 2000/01, einer Leihgabe des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, kehrt die Künstlerin erneut zur Malerei zurück.

Ebenfalls ein Ölbild ist „Untitled (Ocean)“ von 1986/87. Auf der linken Seite sind die Strukturen der Wellen verschwommen, rechts werden sie differenzierter. Das Motiv der Meeresoberfläche nimmt Vija Celmins während zahlreichen Spaziergängen mit ihrem Hund gefangen. Sie betrachtet genau das Licht auf dem Wasser, die Wellen und Bewegungen, hält ihre Beobachtungen in ihrem Tagebuch und mit der Kamera fest. Auch hier experimentiert sie mit unterschiedlichen Techniken. „Drypoint – Ocean Surface“ entsteht 1983 mit der Kaltnadel. In den Bildern gibt es für den Betrachter keinen Fixpunkt. Die Meeresoberfläche füllt das Blatt vollkommen aus, es gibt weder einen Horizont, noch perspektivische Fluchtpunkte. So ergibt sich eine mögliche Weiterführung des Motivs über die Bildränder hinaus. Celmins schafft auf diese Weise eine große Weite trotz des kleinen Formats.

Ähnliches lässt sich von ihren Wüstenbilder behaupten. Auch hier presst die Künstlerin die Unendlichkeit der kargen Landschaft in ihr rechteckiges Format. In „Untitled (Desert)“ von 1971 überziehen körnige Formationen in schroffen Strukturen die Blattoberfläche. Harte Schattenkanten zeugen von genauester Präzision. Einerseits ist hier eine minuziöse Naturdarstellung zu sehen, mit äußerster Objektivität geschildert; denn Celmins versucht sich selbst, ihre Handschrift, aus dem Werk herauszuhalten. Andererseits betont die Akribie den erheblichen handwerklichen Aufwand, der für die Entstehung des Bildes nötig ist. Es geht also um die sinnliche und geistige Reflexion der Erscheinung der Werke. Es sind Naturbilder, die wie abstrakte Kunst betrachtet werden wollen.

Im Grunde genommen ist die Ausstellung in Köln eine Huldigung der Farbe Grau. In den unterschiedlichsten Halbtönen und Schattierungen tritt sie auf und kündet von ihrer Vielfältigkeit. Verwurzelt ist dieser Gedanke nicht nur in der Inspiration durch Schwarz-Weiß-Fotografien, sondern auch in Celmins’ Begegnung mit Werken des Spaniers Diego Velázquez. Seine Grau- und Weißtöne, die reich an Emotion und voll von Pathos sind, beeindruckten die New Yorkerin zutiefst. Vielleicht liegt hier der Ursprung für das stete Wiederkehren der monochromen Farbpalette. Dass sie aber auch anders kann, zeigt das Werk „To fix the image in memory I-XI“. Elf Steinpaare liegen in einer Vitrine. Beim zweiten Blick registriert der Betrachter, dass je zwei Steine wirklich völlig identisch sind, und dass so ein Zufall in der Natur nicht möglich ist. 1977 sammelt Celmins elf Steine am Rio Grande in New Mexico und fertigt in den nächsten fünf Jahren zu jedem Fundstück eine vollkommene Bronzereplik an. Damit will sie den Betrachter aber nicht verwirren, sondern ihn zum Nachdenken über die Entstehung eines Kunstwerks anregen. Auch hier geht es also nicht um die perfekte Imitation, sondern um die Darstellung der Aufmerksamkeitsspanne, mit der kopiert wurde.

Auch ganz neue Arbeiten vom letzten Jahr sind in der Kölner Ausstellung vertreten, wie zum Beispiel das Mezzotinto „Starfield“ oder die Zwei-Farb-Hartgrundradierung „Reverse Galaxy“. Das „Black and White Diptych“ zeigt zweimal den gleichen Sternenhimmel. Beide Darstellungen sind Schabkunstblätter. Die eine ist hell, die andere dunkel. Einmal wurde der Himmel weggeschabt, einmal die Sterne. Das vergleichende Sehen, die Ausführung und der Schaffensakt selbst werden hier erneut zum Thema des Bildes. Über die heutigen Tendenzen ihrer Kunst sagt die 72jährige: „Ich beginne neue Arbeiten und fertige Objekte an. Es geht immer noch sehr um Betrachtung, und es ist, als ob darin ihr Sinn läge.“

Die Ausstellung „Vija Celmins. Wüste, Meer & Sterne“ ist noch bis zum 17. Juli zu sehen. Im Anschluss zieht sie weiter ins Louisiana Museum of Modern Art nach Dänemark, wo sie vom 8. September bis zum 8. Januar 2012 läuft. Das Museum Ludwig hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, und jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein von Julia Friedrich herausgegebener Katalog in Deutsch und Englisch im Verlag der Buchhandlung Walther König. Er hat 151 Seiten mit 61 Abbildungen und kostet 34 Euro.

Kontakt:

Museum Ludwig Köln

Heinrich Böll Platz

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 221 241 14

Telefon:+49 (0221) 221 261 65



28.06.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lena Hennen

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Veranstaltung vom:


15.04.2011, Vija Celmins. Wüste, Meer & Sterne

Bei:


Museum Ludwig Köln

Bericht:


Vija Celmins in Wien

Künstler:

Vija Celmins










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